Apostelgeschichte 11

Billigung der Aufnahme des Kornelius in Jerusalem. (V. 18) 2. Vorbereitung des Glaubens unter den Heiden zu Antiochia. (11,19 – 12. 25): Gründung der christlichen Gemeinde zu Antiochia. (V. 26) Liebestätigkeit der Gemeinde in Antiochia an den Christen in Jerusalem. (11,25): Weissagung einer Hungersnot durch Agabus und Sendung des Barnabas und Paulus nach Jerusalem.

Es hörten aber die Apostel und die Brüder, die in Judäa waren, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hätten. Als nun Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die, welche aus der Beschneidung waren, gegen ihn, Von Petrus hatten die Brüder aus der Beschneidung (V. 2), d. i. die jüdisch geborenen Christen, die sorgfältigste Einhaltung des gesetzlichen Standpunktes und eine Bevorzugung Israels erwartet. Dieser Erwartung entsprach das Verhalten des Apostels zu Cäsarea nicht, da er mit Heiden Tisch und Wohnung geteilt hatte. Der Apostel musste, um Ärgernis zu vermeiden, die Gründe seines Verhaltens darlegen (V. 4). - und sprachen: Warum bist du zu Unbeschnittenen eingekehrt, und hast mit ihnen gegessen? Da begann Petrus, und erzählte ihnen den Hergang der Ordnung nach, und sprach: Der heil. Lukas hält die Sache für wichtig genug, einen zweiten Bericht über die Ereignisse mit den Worten des Apostelfürsten selbst zu geben. Der heil. Petrus legt die geschichtlichen Tatsachen dar (V. 5 – 15), deren Ergebnis ist: Gott selbst hat es unmittelbar so gewollt und getan (V. 17); von ihm durch Zeichen und Wunder geleitet hatte Petrus nur zu gehorchen. - Ich war in der Stadt Joppe im Gebete, und sah in der Verzückung ein Gesicht: ein Behältnis, wie ein großes Leintuch, herabsteigen, welches an den vier Enden vom Himmel herabgelassen wurde, und es kam bis zu mir. Und indem ich auf dasselbe hinsah, und es betrachtete, sah ich die vierfüßigen Tiere der Erde, und die wilden und die kriechenden Tiere, und die Vögel des Himmels. Ich hörte aber auch eine Stimme, die zu mir sprach: Stehe auf Petrus, schlachte und iss! Da sprach ich: Keinesweges, Herr! denn etwas Gemeines oder Unreines ist noch nie in meinen Mund eingegangen. Eine Stimme aber antwortete zum zweiten Male vom Himmel: Was Gott rein gemacht hat, nenne du nicht gemein. Dieses aber geschah zu dreien Malen; und alles ward wieder in den Himmel aufgenommen. Und sehet, alsbald standen drei Männer an dem Hause, in dem ich war, die von Cäsarea zu mir gesandt waren. Und der Geist sprach zu mir, ich sollte mit ihnen gehen ohne Bedenken. Es kamen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir traten in das Haus des Mannes. Da erzählte er uns, wie er den Engel in seinem Hause habe stehen sehen, der zu ihm sprach: Sende nach Joppe, und lass Simon, mit dem Beinamen Petrus, kommen. Dieser wird Worte zu dir sprechen, durch welche du Heil erlangen wirst, du und dein ganzes Haus. Als ich nun zu reden anfing, Petrus hatte seine Rede [Apg 10,34ff] erst begonnen, als der heil. Geist über die anwesenden Heiden kam. Doch hatte seine Rede einen gewissen Abschluss gefunden in der Verkündigung, dass jeder, der glaubt, der Seligkeit teilhaftig wird. - kam plötzlich der Heilige Geist auf sie, so wie auch auf uns am Anfange. Da gedachte ich des Wortes des Herrn, als er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geiste getauft werden. Wenn also Gott ihnen dieselbe Gnade gegeben hat, wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, dass ich vermocht hätte, Gott zu wehren? Hiermit antwortet Petrus auf den zweiten Vorwurf (den ersten siehe V. 3), welcher nicht ausdrücklich erwähnt ist, aber sicher gemacht wurde: Warum hast du Heiden, ohne sie zuerst zum Judentum übertreten zu lassen, zu taufen befohlen? Seine Antwort ist sehr fachgemäß: Gott hat auf sie, obwohl sie Heiden waren, den heil. Geist gesendet, so gut wie auf uns Juden, also konnte ich ihnen den förmlichen Eintritt in die christliche Kirche nicht verwehren. - Nachdem sie dies gehört hatten, schwiegen sie, und priesen Gott, indem sie sprachen: Also auch den Heiden hat Gott Buße Buße: christliche Sinnesänderung. - verliehen zum Leben! Zur Erlangung des Heiles in Christus. Vergl. [Apg 5,31]. Es wird hier die Tatsache anerkannt, dass Gott auch die Heiden ohne vorherigen Durchgang durch das Judentum, berufe. Später [Apg 15] wurde einem judenchristlichen Teile gegenüber noch ausdrücklich erklärt, dass angesichts solcher Berufung für die Heiden keine Verpflichtung bestehe, das Judentum anzunehmen, bevor sie Christen würden. - Jene nun, welche wegen der um Stephanus willen Wegen der ob des eifrigen Auftretens des heil. Stephanus ausgebrochenen Bedrängnis. - gekommenen Bedrängnis zerstreut waren, zogen umher bis Phönicien und Cypern und Antiochia, ohne jemand anders das Wort zu verkündigen, als allein den Juden. Es waren aber unter ihnen einige Männer aus Cypern und Cyrene, Vergl. [Apg 13,1] wo Lucius von Cyrene unter den Propheten genannt wird. - diese redeten, als sie nach Antiochia Antiochia vermittelte damals den Handel zwischen dem Westen und Mesopotamien, Arabien und dem Innern von Asien. Die Stadt war die Residenz des römischen Statthalters von Syrien und genoss alle Vorrechte einer freien Stadt. - gekommen, auch zu den Griechen, Die Griechen sind Heiden. - und verkündigten den Herrn Jesus. Und die Hand des Herrn war mit ihnen; und eine große Anzahl ward gläubig, und bekehrte sich zu dem Herrn. Die Gründung der Kirche zu Antiochia, welche vorerst nur aus bekehrten Juden bestand, wird in der ältesten Überlieferung auf den Apostelfürsten zurückgeführt. So lange nun Petrus ausschließlich in Palästina weilte, betrachte ich die antiochenische Kirche als ihren Bischof. Hiernach hat die Überlieferung ein siebenjähriges Episkopat des heil. Petrus (37 – 43) in Antiochia festgestellt. Durch Petrus nimmt dann auch die Kirche zu Jerusalem innigsten Anteil an den Interessen der antiochenischen. [Apg 15,1.2] Die neue Gemeinde (V. 20), welche sich aus Gläubigen, welche vom Heidentume übergetreten waren, gebildet hatte, bedurfte der kirchlichen Prüfung und Leitung. Zu dieser wird Barnabas, vergl. [Apg 4,36ff], abgeordnet, der selbst Hellenist, sich am leichtesten, und ohne den Juden Anstoß zu geben, mit jener Gemeinde verständigen konnte, wie die Lauterkeit und Heiligkeit seines Charakters für sein rechtes Urteil und Wirken bürgten. - Es kam aber die Kunde hiervon zu den Ohren der Kirche zu Jerusalem; und sie sandten den Barnabas bis nach Antiochia. Als dieser nun hinkam, und die Gnade Gottes Die Gnade Gottes zeigte sich besonders darin, dass so viele Heiden den Glauben annahmen und nach demselben ihr Leben einrichteten. - sah, freute er sich, und ermahnte alle, mit dem Vorsatze ihres Herzens auszuharren im Herrn; denn er war ein trefflicher Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und es wurde dem Herrn eine große Menge zugetan. Barnabas aber reiste nach Tarsus, um Saulus zu suchen; und da er ihn gefunden hatte, führte er ihn nach Antiochia. Und sie hielten sich daselbst in der Kirche ein ganzes Jahr auf, und lehrten eine große Menge, so dass die Jünger zuerst zu Antiochia Christen genannt wurden. Es traten so viele Heiden zum Christentum über, dass die christliche Gemeinde auch äußerlich nicht als Sekte des Judentums, sondern als eine besondere Gemeinschaft erschien. Der Name Christen ging nicht von diesen selbst aus, die sich Brüder, Gläubige, Heilige nannten. Er kommt außer an dieser Stelle nur noch zwei Mal im Neuen Testamente vor: [Apg 26,28] und [1Petr 4,16]. Indes auch von den Juden ging diese Namensgebung nicht aus, da der Name Christus, Messias, ihnen zu geheiligt war, um die verhassten Nazarener [Apg 24,5] nach demselben zu nennen. Mithin entstand er zuerst unter den Heiden, und zwar, wie die lateinische Form des Namens und die seltene Erwähnung desselben im Neuen Testamente es wahrscheinlich macht, durch die Römer, welche Christus als Haupt einer Partei betrachtete und deshalb die Christen als Anhänger des „Christus“ bezeichnen wollten. Der dritte Bischof von Antiochia, der heil. Ignatius, ist der erste, welcher das Wort Christentum im Gegensatze zum Judentum braucht und von der Kirche als der katholischen spricht. Die Christen nahmen also später diesen Namen als einen ehrenvollen und für sie höchst bedeutungsvollen an. - In diesen Tagen aber kamen Propheten Propheten sind gottbegeisterte Lehrer, welche im Heil. Geiste zu den Gläubigen redeten. Vergl. [1Kor 14,1]. Einer derselben ist der auch [Apg 21,10] genannte Agabus. - von Jerusalem herab nach Antiochia. Und einer von ihnen, namens Agabus, stand auf, und zeigte durch den Geist an, dass eine große Hungersnot über den ganzen Erdkreis kommen werde, welche auch wirklich unter Claudius eintrat. Während der ganzen Regierung des Kaisers Claudius entstand vielfach Misswachs und Hungersnot. Palästina wurde davon besonders im vierten Jahre dieses Kaisers, im Jahre 44 n. Chr. G. heimgesucht. - Die Jünger aber beschlossen alle, je nachdem ein jeder hatte, etwas an die in Judäa wohnenden Brüder zur Unterstützung zu senden. Dies taten sie auch, indem sie es an die Vorsteher Von jeher behaupteten die Greise einen gewissen Vorrang vor jüngeren Männern (Vergl. [1Mos 50,7, 2Mos 3,16.18]), und wurden vorzugsweise zu Ämtern ausersehen, weswegen man die Würdenträger den einfach „Ältere“ nannte. (Vergl. das deutsche: Die Graven, d. i. die Grauen, die Alten, neuhochd. die Grafen). Die Apostel, welche mehrere jüdische Gewohnheiten auf die Kirche übertrugen, nannten deshalb jene Männer, die sie zu Vorstehern der einzelnen Gemeinden bestimmten, ebenfalls – Älteste, d. i. Presbyteri, welches das griechische Wort dafür ist, und im Deutschen zusammengezogen Priester heißt. Vergl. [Apg 20,17, Tit 1,5, Jak 5,14, 1Tim 5,17]. Sie selbst waren die obersten Priester und behielten die oberste Leitung der Kirchen [Apg 15,2] für sich, oder sie bestellten, wo sie selbst nicht gegenwärtig sein konnten, andere Oberälteste, wie Timotheus und Titus [1Tim 5,19, Tit 1,5], die sie Bischöfe (presbyteros episcopos) nannten. Auf seiner letzten Reise nach Jerusalem rief Paulus die Presbyter der Kirchen zu sich und erinnerte sie, dass der Geist Gottes sie eingesetzt, die Kirche Gottes zu leiten. Da den Presbytern die Spendung des Sakramentes der letzten Ölung empfohlen wird, sie das heil. Opfer darbringen und ihre Einsetzung durch Weihe erhalten, ist ihr Amt göttlichen Ursprungs. Die Aufgabe dieser Presbyter oder Bischöfe genannten Personen ist es, auf die ihnen anvertraute Herde acht zu haben und sie zu weihen [Apg 20,28.31, 1Petr 5,2-5], besonders auch sie in der christlichen Lehre zu unterrichten [1Tim 5,17, Tit 1,9] und allen ein Vorbild zu sein. [1Tim 4,12.15, 2Tim 2,15, Tit 2,7ff, 1Petr 5,3] Der Ausdruck Presbyter ist ein sehr allgemeiner, weshalb auch die Apostel mit demselben bezeichnet werden, [1Petr 5,1, 2Joh 1, 3Joh 1] indes diejenigen „Presbyter“, von denen feststeht, dass sie nur Priester waren, werden nie Bischöfe genannt. Vergl. [Apg 20,28] mit [Apg 20,17] und [Tit 1,7] mit [Tit 1,5]. In manchen Kirchen gab es damals keine Priester, sondern nur Bischöfe und Diakone. durch die Hand des Barnabas und Saulus sandten.

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