Apostelgeschichte 14

Die Ausgaben hier zählen in diesem Kapitel dieselben Verse, doch über eine Strecke in der Mitte bezeichnet dieselbe Nummer einen anderen Text.

Wirksamkeit der Apostel in Ikonium. (V. 7) Heilung eines Lahmen zu Lystra. (V. 18) Steinigung des heil. Paulus zu Lystra. Rückkehr nach Syrien.

Es geschah aber zu Ikonium, dass sie miteinander in die Synagoge der Juden gingen und mit solchem Erfolge redeten, dass eine große Zahl von Juden und Griechen Diese Griechen sind wohl Heiden, die Gott fürchten [Apg 13,16] und die Synagoge zu besuchen pflegen. - gläubig ward. Die Juden aber, welche ungläubig geblieben waren, erregten und verbitterten die Gemüter der Heiden gegen die Brüder. D. i. gegen die Gläubigen. Vergl. [Apg 10,23]. Unter den Erstbekehrten zu Ikonium war der Überlieferung nach (Chrys., Epiph.) die heil. Thekla. - Eine geraume Zeit Wohl einige Monate. - nun weilten sie daselbst, freimütig redend im Herrn, Voll Vertrauen auf den Herrn, d. i. wohl auf Gott, wie [Apg 4,29ff20.32] - der dem Worte seiner Gnade Zeugnis gab, indem er verlieh, dass Zeichen und Wunder durch ihre Hände geschahen. Allein die Volksmenge der Stadt war geteilt; einige hielten es nämlich mit den Juden, andere hingegen mit den Aposteln. Der größere Teil der heidnischen Bevölkerung hielt es mit den Juden, der kleinere mit den Aposteln. An dieser Stelle werden Barnabas und Paulus zum ersten Male Apostel genannt und so mit demselben Namen bezeichnet wie die Zwölf [Apg 15,2]. Vergl. [Apg 13,Anm.5] - Als aber die Heiden und die Juden mit ihren Vorstehern sich erhoben, um sie zu misshandeln und zu steinigen, Die Steinigung war die Strafe der Gotteslästerung. Dieser Sünde also wurden sie wie einst Stephanus beschuldigt. - flohen Die Apostel gehorchen dem Worte des Herrn. [Mt 10,23] - die Apostel, davon in Kenntnis gesetzt, in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe, Die Apostel gehorchen dem Worte des Herrn. [Mt 10,23] - und in die ganze Gegend im Umkreise; und dort verkündeten sie das Evangelium. Lystra lag ungefähr 40 Kilom. südlich von Ikonium am Fuße eines Berges, Derbe etwa 75 Kilom. weiter östlich an der Grenze von Isaurien und Kappadocien. - Und ein Mann saß in Lystra, kraftlos an den Füßen, lahm vom Mutterleibe an, der noch niemals gegangen war. Dieser hörte Paulus reden. Da blickte ihn Paulus an, und sah, dass er Glauben hatte, Heilung zu finden, Das folgende Wunder, welcher der heil. Paulus an dem Lahmgeborenen wirkte, hat einige Ähnlichkeit mit der Heilung des Lahmen an der Tempelpforte. [Apg 3,2]. Die Vorbedingung der wunderbaren Heilung ist der Glaube. Der Apostel redete wohl in griechischer Sprache. - und sprach mit lauter Stimme: Stelle dich auf deine Füße aufrecht! Und er sprang auf, und ging umher. Da nun das Volk sah, was Paulus getan hatte, erhob es seine Stimme und sagte auf lykaonisch: Die Götter sind Menschen ähnlich geworden, und zu uns herabgekommen! Und sie nannten den Barnabas Jupiter, den Paulus aber, weil dieser das Wort führte, Merkurius. Jupiter oder Zeus hieß bei den Römern und Griechen der oberste Gott, der Herr des Weltalls. Merkur oder Hermes war der Gott der Beredsamkeit und begleitete der Fabel nach den Jupiter, wenn dieser zur Erde herabstieg. Barnabas war ohne Zweifel der Ältere und Stattlichere, und wurde deshalb für zeus gehalten. - Und der Priester des vor der Stadt befindlichen Jupiters brachte Stiere und Kränze vor die Torhalle, und wollte mit dem Volke opfern. Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider, und sprangen hinaus unter das Volk, Sie eilten aus dem hause, in dem sie wohnten, hinaus. Über das Zerreißen der Kleider siehe [Mt 26,Anm.116]. - rufend, und sprechend: Ihr Männer! was tut ihr da? Auch wir sind Sterbliche, Menschen euresgleichen, und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Göttern zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel und die Erde, und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat; welcher in den vergangenen Zeitaltern alle Völker ihre eigenen Wege wandeln ließ. D. i. nach ihren Neigungen leben ließ, ohne ihnen wie dem auserwählten Volke seinen Willen durch das Gesetz und die Propheten kundzugeben. Vergl. [Roem 1,19ff, Ps 147,20]. So war der Götzendienst Lykaoniens etwas entschuldigt. - Dennoch ließ er sich nicht unbezeugt, indem er Wohltaten vom Himmel her spendete, Regen und fruchtbare Zeiten gab, und unsere Herzen mit Speise und Freude erfüllte. Gott offenbart sich in der Natur und zwar als Wohltäter, indem er Regen und dadurch gute Ernten gibt, den Körper nährt und gesund erhält und so die Seele erfreut. Vor den gebildeten Athenern ruft Paulus später auch das Zeugnis des Gewissens für Gott an. [Apg 17,28] - Durch diese Rede brachten sie das Volk mit Mühe davon ab, dass sie ihnen opferten. Es kamen aber von Antiochia Antiochia ist etwa 170 Kilom. von Lystra entfernt. Dass die Gegner die weite Reise nicht scheuten, zeigt, wie sehr sie den heil. Paulus hassten. Das hier Erzählte folgte kaum unmittelbar auf das V. 10 – 18 Erzählte. Es ergeht dem heil. Paulus jetzt umgekehrt, wie später auf Malta. [Apg 28,4.6] Die Steinigung war, menschlich gesprochen, gleichsam eine Vergeltung für den Anteil des heil. Paulus an der Steinigung des heil. Stephanus. Vergl. auch [2Tim 3,11] - und Ikonium Juden hinzu, und überredeten das Volk, und sie steinigten den Paulus, und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot. Da sich aber die Jünger um ihn versammelten, stand er auf, Gott hat ihn wunderbar erhalten. - und ging in die Stadt; und am folgenden Tage reiste er mit Barnabas nach Derbe. Derbe lag etwa 65 Kilom. östlich. Dort bekehrte sich Gajus von Derbe. [Apg 20,4] - Nachdem sie nun dieser Stadt das Evangelium verkündigt und viele unterrichtet hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonium und Antiochia zurück, bestärkten die Seelen der Jünger, und ermahnten sie, im Glauben auszuharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. Ein ähnliches Wort siehe [2Tim 3,12]. Wenn es etwas Besseres und für das Seelenheil Nützlicheres gäbe als Leiden, so würde es Christus durch sein Wort und Beispiel uns gezeigt haben. (Thom. v. Kemp.) - Und nachdem sie Es handelt sich um eine sakramentale Weihe. - ihnen mit Gebet und Fasten in jeder Kirche Vorsteher bestellt hatten, Von Jerusalem und selbst von Antiochia konnten nur selten Apostel kommen, deshalb setzten diese in jeder Gemeinde Presbyter ein. - empfahlen sie sie dem Herrn, an welchen sie gläubig geworden. Christus ist der oberste Leiter und Schützer der Kirche. - Und Pisidien durchziehend, kamen sie nach Pamphylien, Siehe oben [Apg 13,13.14]. - verkündeten das Wort des Herrn in Perge, und zogen hinab nach Attalia, Atalia war eine Seestadt in Pamphylien. - und von dort schifften sie sich nach Antiochia ein, von wo aus sie der Gnade Gottes übergeben worden waren, zu dem Werke, welches sie vollendet hatten. Als sie aber angekommen waren, und die Gemeinde versammelt hatten, berichteten sie, wie Großes Gott mit ihnen getan, und dass er den Heiden eine Türe des Glaubens geöffnet habe. Der Heil. Geist hatte sie sichtlich geführt, gestärkt und geschützt, und durch augenfällige Wunder wie durch seine Gnadeneinwirkung auf die Herzen gezeigt, dass er die Predigt unter den Heiden wolle. - Sie verweilten aber eine geraume Zeit bei den Jüngern. Die Reise dürfte drei bis vier Jahre gedauert haben und wohl in die Jahre 44 – 48 fallen. Hierauf blieben die Apostel eine geraume Zeit (etwa 48 – 51) in Antiochia.

Zitiert in 42