Apostelgeschichte 23
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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Paulus vor dem hohen Rate. (V. 11) Der heil. Paulus wegen einer Verschwörung der Juden gegen sein Leben nach Cäsarea gebracht.
1 Paulus aber richtete seine Augen auf den hohen Rat, und sprach: Brüder! Mit vollkommen gutem Gewissen habe ich vor Gott gewandelt bis auf den heutigen Tag. Also hättet ihr mich gestern nicht wie den ärgsten Verbrecher behandeln sollen. - 2 Der Hohepriester Ananias aber befahl denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. Den Hohenpriester kränkt wohl die Anrede an den hohen Rat, da der heil. Paulus nur „Brüder“ sagt, nicht auch „Väter“; dazu behauptet, er habe das Gesetz nicht verletzt. Von 47 – 59 war Ananias Hoherpriester, ein grausamer und ungerechter Mensch. - 3 Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du übertünchte Wand! Du sitzest hier, mich nach dem Gesetze zu richten, und heißest mich wider das Gesetz schlagen? Die Prophezeiung des heil. Paulus ging in Erfüllung, da Ananias von Räubern ermordet ward. Der Apostel redet nicht aus Zorn, sondern kraft apostolischer Autorität und aus Eifer für die Gerechtigkeit. Übertünchte Wand: ein Mensch, der äußerlich rein und gut erscheint, innen voll von Schmutz und Moder ist. Vergl. [Mt 23,27, Lk 11,44]. Vielleicht denkt man aber besser an [Ez 13,10ff]. Der Sinn wäre alsdann: du dünkst dich fest zu sein in Amt und Würden, aber du wirst (durch gewaltsamen Tod) einstürzen, wie eine nur scheinbar feste Mauer. - 4 Die aber dabei standen, sprachen: Den Hohenpriester Gottes lästerst du? 5 Und Paulus sprach: Ich wusste nicht, Brüder! dass es der Hohepriester ist. Dass Paulus nicht den Hohenpriester nicht von Angesicht kannte, ist bei seinen vielen Reisen im Auslande leicht erklärlich. Wahrscheinlich trug Ananias bei dieser außerordentlichen, auf Befehl der heidnischen Römer einberufenen Versammlung die Amtstracht nicht, noch saß er an dem für ihn bestimmten Platze, sonst hätte Paulus ihn als Hohenpriester erkennen müssen. - Denn es steht geschrieben: Einen Vorsteher deines Volkes sollst du nicht lästern. 6 Da aber Paulus wusste, dass der eine Teil Sadducäer, und der andere Pharisäer waren, rief er im hohen Rate mit lauter Stimme: Brüder! ich bin ein Pharisäer, ein Sohn von Pharisäern, wegen der Hoffnung und Auferstehung der Toten werde ich gerichtet. Paulus war ein Pharisäer, insofern er von Pharisäern abstammte, in ihrer Schule erzogen worden war und auch jetzt noch einige Lehren mit ihnen gemeinsam hatte, so dass Fortleben der Seele nach dem Tode, die Auferstehung, die Existenz der Engel. – Wegen der Hoffnung usw., d. h. wegen der Hoffnung und zwar der Hoffnung auf die Auferstehung. Der hier bezeichnete Punkt ist übrigens auch die Grundlage des christlichen Glaubens. Vergl. [1Kor 15,16ff]. - 7 Als er dies gesagt hatte, entstand ein Zwiespalt zwischen den Pharisäern und Sadducäern, Über die Sadducäer vergl. [Mt 22,23, Lk 20,27]. - und die Menge wurde uneins. 8 Denn die Sadducäer sagen, es gebe weder Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Pharisäer aber bekennen beides. 9 Es erhob sich aber ein großes Geschrei; und einige von den Pharisäern Die Pharisäer nahmen eine ähnliche Stellung ein, wie einst Gamaliel. [Apg 5,34] - standen auf, stritten heftig, und sprachen: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen. Wie? wenn etwa ein Geist oder ein Engel zu ihm geredet hat? 10 Als nun der Streit heftig wurde, besorgte der Oberste, Paulus möchte von ihnen zerrissen werden, und befahl, die Soldaten sollten herabkommen, ihn aus ihrer Mitte reißen, und in das Lager führen. 11 In der darauffolgenden Nacht aber stand der Herr vor ihm, In der Einsamkeit hat Paulus wie einst in Korinth [Apg 18,9ff] eine Erscheinung des Herrn. Der langjährige Wunsch des Apostels [Apg 19,21, Roem 1,13, Roem 15,23] soll in Erfüllung gehen. - und sprach: Sei guten Mutes! Denn wie du von mir Zeugnis gegeben in Jerusalem, so musst du auch in Rom Zeugnis ablegen. 12 Da es aber Tag geworden, rotteten sich einige Juden zusammen, und verschworen sich, Sie weihten sich dem Fluche Gottes, indem sie seine Rache auf sich herabriefen (V. 21), wenn sie das so gelobte Werk nicht ausführten. - weder essen noch trinken zu wollen, bis sie Paulus getötet hätten. 13 Es waren aber mehr als vierzig Männer, welche diese Verschwörung machten. 14 Diese gingen zu den Hohenpriestern und Ältesten, Sie besprachen sich mit dem sadduzäischen Teile des Rates. - und sprachen: Wir haben uns verwünscht und verschworen, nichts zu genießen, bis wir Paulus töten. 15 Deshalb nun tuet in Gemeinschaft mit dem hohen Rate dem Obersten kund, dass er ihn euch vorführe, als wolltet ihr seine Sache genauer untersuchen. Wir aber sind bereit, ihn, bevor er herbeikommt, zu töten. Um jeden Verdacht von dem hohen Rate fernzuhalten, soll das Werk als eine Tat der sanatisirten Volksmenge erscheinen. - 16 Als aber der Schwestersohn des Paulus Ob die Schwester des heil. Paulus oder ihr Sohn in Jerusalem wohnte, wird nicht gesagt. Auch in Rom hatte Paulus Verwandte. [Roem 16,7] Der Neffe des heil. Paulus war wohl ein Christ. Paulus wurde durch eine Kette an der rechten Hand an einen Soldaten geschlossen. - von dem Anschlage hörte, kam er, und trat in das Lager, und teilte es Paulus mit. 17 Da rief Paulus einen der Hauptleute zu sich, und sprach: Führe diesen Jüngling zum Obersten, denn er hat ihm etwas anzuzeigen. 18 Dieser nahm ihn mit sich, führte ihn zu dem Obersten, und sprach: Der gefangene Paulus hat mich gebeten, diesen Jüngling zu dir zu führen, da er dir etwas zu sagen hat. 19 Da nahm ihn der Oberste bei der Hand, führte ihn abseits, und fragte ihn: Was ist es, was du mir anzuzeigen hast? 20 Er aber sagte: Die Juden haben sich verabredet, dich zu bitten, dass du morgen Paulus vor den hohen Rat führen lassest, als wollten sie ihn in genaueres Verhör nehmen; 21 du aber traue ihnen nicht, denn es stellen ihm mehr als vierzig Männer von ihnen nach, die sich verschworen haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn töten; und jetzt sind sie bereit, in Erwartung deiner Zusage. 22 Da entließ der Oberste den Jüngling, und gebot ihm, niemanden zu sagen, dass er ihm dies angezeigt habe. Die Absicht des Tribunen ist, seine Maßregel nicht vereitelt zu sehen. Sodann konnte er seinen Eifer für einen römischen Bürger zeigen (V. 27) und sich ehrenvoll eines Gefangenen entledigen, welcher jeden Augenblick Veranlassung zu einem Aufruhr werden konnte. - 23 Und er rief zwei Hauptleute, Die „Soldaten“ sind schwer bewaffnet, Wurfspießschützen sind leicht bewaffnet. Die Truppen sollen von abends 9 Uhr an bereit stehen. - und sprach zu ihnen: Machet zweihundert Soldaten marschbereit, dass sie nach Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Lanzenträger, von der dritten Stunde der Nacht an; 24 haltet auch Lasttiere bereit; damit sie den Paulus aufsteigen lassen, und ihn wohlbehalten zum Landpfleger Felix Felix war ein Freigelassener der Mutter des Kaisers Claudius, Schwiegersohn Agrippas I., Schwagers Agrippas II., ein grausamer und ungerechter Mensch. - bringen. 25 (Denn er fürchtete, die Juden möchten ihn in ihre Gewalt bringen und töten, er selbst aber möchte nachher in Verdacht geraten, als habe er Geld annehmen wollen.) So die Vulg., die Syr. und Arm. Übersetzung, im Griech. fehlt dieser Vers. - 26 Und er schrieb einen Brief dieses Inhalts: Claudius Lysias entbietet dem würdigsten Landpfleger Felix Gruß. 27 Diesen Mann haben die Juden ergriffen, und es war nahe daran, dass sie ihn töteten; da kam ich mit Kriegsvolk herbei, und rettete ihn, nachdem ich erfahren, dass er ein Römer ist. Lysias stellt die Sache ein wenig zu seinem Vorteile dar. Vergl. [Apg 21,31] und [Apg 22,25ff]. Deshalb verschweigt er seine V. 28 erwähnte Absicht, durch die Tortur die Ursache der Unruhe zu erfahren. - 28 Und da ich die Ursache wissen wollte, deretwegen sie ihn beschuldigten, führte ich ihn vor ihren hohen Rat. 29 Da fand ich, dass er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt, aber keines Verbrechens schuldig ist, welches Tod oder Fesseln verdiente. 30 Da mir nun angezeigt ward, dass sie einen Anschlag gegen ihn vorbereitet hatten, habe ich ihn zu dir gesendet, und die Ankläger beschieden, die Klage vor dir vorzubringen. Lebe wohl! Dieser Bescheid ist den Juden nach der Abführung des heil. Paulus gegeben worden. Die vierzig Juden sahen sich wohl nunmehr als vom Eide gelöst an. - 31 Die Soldaten also nahmen, wie ihnen befohlen war, den Paulus mit sich und führten ihn bei Nacht nach Antipatris. „Bei Nacht“ sagt nur, dass die Reise bei Nacht begonnen und der größte Teil derselben nächtlicher Weile zurückgelegt wurde. Wegen der großen Entfernung von Jerusalem (16 Stunden) brauchte man sicher noch einen bedeutenden Teil des Vormittages. Die Entfernung von dort bis Cäsarea betrug 9 – 10 Stunden. Die Reiter konnten also nach einer Rast von einigen Stunden abends Cäsarea erreichen. - 32 Am andern Tage aber ließen sie die Reiter mit ihm ziehen, und kehrten in das Lager zurück. 33 Als sie nun nach Cäsarea gekommen waren, übergaben sie das Schreiben dem Landpfleger, und stellten ihm auch Paulus vor. 34 Als er es aber gelesen, fragte er, aus welcher Provinz er sei? und da er vernahm, dass er aus Cilicien sei, 35 sprach er: Ich werde dich verhören, wenn deine Ankläger gekommen sind. Und er befahl, ihn im Gerichtshause des Herodes zu verwahren. Also nicht im gewöhnlichen Gefängnisse, wozu das im Ganzen günstige Schreiben des Lysias beitrug. In Cäsarea blieb Paulus zwei Jahre, 58 – 60.
Zitiert in 3
- V. 6 CCC(¶993)Summa (EN)(II-II 37.1)
- V. 8 Summa (EN)(I 50.1)