Apostelgeschichte 24

2. Gefangenschaft des heil. Paulus zu Cäsarea. (Kap. 24 – Kap. 26) Anklage des Tertullus gegen Paulus. (V. 9) Verteidigungsrede des heil. Paulus vor Felix. (V. 21) Weitere Haft des heil. Paulus.

Nach fünf Tagen Fünf Tage nach der Ankunft des heil. Paulus in Cäsarea. - aber zog der Hohepriester Ananias mit einigen Ältesten und einem gewissen Redner Tertullus war ein Gerichtsredner, der das römische Prozessverfahren kannte. - Tertullus hinab, und wandten sich an den Landpfleger gegen Paulus. Als nun Paulus vorgerufen war, begann Tertullus die Anklage, indem er sprach: Dass wir in tiefem Frieden leben durch dich, und dass durch deine Fürsorge viele Verbesserungen getroffen werden, das erkennen wir immer und überall, vortrefflichster Felix! mit aller Dankbarkeit an. Das Lob ist wenig begründet. Wohl traf er strenge Maßregeln gegen Räuber und Mörder, indes bedrückte er auch die Juden, weshalb sie ihn nach Beendigung seiner Amtstätigkeit in Rom verklagten. - Um dich aber nicht länger aufzuhalten, so bitte ich dich, uns nach deiner Güte in Kürze anzuhören. Wir haben diesen Menschen erfunden als eine Pest, und einen Aufruhrstifter unter allen Juden auf dem ganzen Erdkreise, und als einen Anführer der empörerischen Sekte der Nazarener. Verächtlicher Ausdruck für: Anhänger Jesu. Tertullus tut, als ob er sich bereits Mühe gegeben, alle Freveltaten dieses Mannes ausfindig zu machen, und nun das Ergebnis mitteile: Felix ein Friedensstifter, dieser Mensch ein Aufrührer im ganzen Römerreiche. Zu diesem Hauptverbrechen kommen noch einige andere gegen den jüdischen Kult. - Er hat sogar versucht, den Tempel zu entweihen. Wir haben ihn darum ergriffen, und nach unserm Gesetze richten wollen. Tertullus greift die bereits früher [Apg 21,28] vorgebrachte Anschuldigung wieder auf, da auf diesem Verbrechen selbst für Römer der Tod stand. Er stellt die Sache so dar, als sei Paulus auf frischer Tat ertappt und solle nun in gehöriger Form gerichtet werden. Aller Tadel soll auf den Tribunen fallen. (V. 7) - Da kam aber der Kriegsoberste Lysias hinzu, und entriss ihn mit großer Gewalt unsern Händen, indem er seinen Anklägern befahl, zu dir zu kommen. Von ihm kannst du, wenn du ihn selbst verhörst, alles dies erfahren, wessen wir ihn anklagen. Die Juden bestätigten alles dies, und sagten, dass es sich so verhalte. Paulus aber antwortete, als ihm der Landpfleger winkte, dass er reden sollte: Da ich weiß, dass du seit vielen Jahren Richter über dieses Volk bist, so werde ich mich guten Mutes verantworten. Paulus widerlegt in ruhiger Weise die ihm gemachten drei Hauptvorwürfe: V. 10 – 13 die Unruhestiftung, V. 14 – 16 die Häresie, V. 17 – 21 die Tempelschändung. Die ganze Rede ist versöhnlich gegen die Ankläger und ehrfurchtsvoll gegen den Richter. Der heil. Paulus beginnt auch mit einer Höflichkeit, wenngleich nicht mit einer Schmeichelei. Felix war 52 Landpfleger von Judäa geworden, aber bereits früher in Palästina gewesen. Die Gefangennahme des heil. Paulus fällt in das Jahr 59. - Du kannst erfahren, dass es nicht mehr als zwölf Tage sind, seitdem ich nach Jerusalem hinaufgezogen bin, um anzubeten. Und weder im Tempel fanden sie mich mit jemand streitend, oder einen Volksauflauf erregend, noch in den Synagogen, oder in der Stadt, auch können sie dir das nicht beweisen, wessen sie mich jetzt anklagen. Ich bin nicht gekommen, um Aufruhr zu stiften, usw. (dazu würde wohl auch mein Aufenthalt zu Jerusalem zu kurz gewesen sein), sondern um anzubeten (V. 12). Ein anderer Grund wird V. 17 genannt. Die Verhandlung findet wohl am fünften Tage nach der Ankunft des heil. Paulus in Cäsarea, also am 13. Nach der Gefangennahme statt. - Das aber bekenne ich dir, dass ich nach der Lehre, die sie eine Sekte nennen, meinem Gott und Vater so diene, dass ich alles glaube, was im Gesetze und in den Propheten geschrieben ist, und die Hoffnung zu Gott habe, welche jene auch selbst erwarten, Wer so glaubt, kann nicht der Führer einer neuen Sekte sein. Sein Glaube war der richtig entwickelte jüdische, war doch sein Mittelpunkt der Messias, Jesus, den Gesetz und Propheten als solchen erwiesen. Er leugnet nicht, dass der „Weg“ ein besonderer sei, wohl aber, dass er selbst sich durch denselben mit dem Gotte der Väter, dem Gesetze und den Propheten in Widerspruch setze. - dass eine Auferstehung der Gerechten und Ungerechten sein wird. Darum Weil ich an die Wirklichkeit der Auferstehung und das darauffolgende Gericht glaube. - befleiße ich mich auch selbst, allezeit ein vorwurfsfreies Gewissen vor Gott und den Menschen zu haben. Nach mehreren Jahren aber bin ich gekommen, meinem Volke Es waren vier bis fünf Jahre seit seinem letzten Besuche verflossen. [Apg 18,22] Da die Almosen für Judenchristen bestimmt waren, lag darin ein neuer Beweis, dass Paulus nicht nach Jerusalem gekommen war, um die Juden zu befeinden. - Almosen zu bringen, zu opfern und zu geloben. Dabei fanden sie mich, nachdem ich mich gereinigt, im Tempel, nicht mit Volksauflauf, noch mit Aufruhr, und zwar einige Juden aus Asien; diese hätten nun vor dir erscheinen und Anklage erheben müssen, wenn sie etwas wider mich haben sollten. Nach der Anklage V. 5 konnte der Landpfleger glauben, der hohe Rat selbst habe den heil. Paulus im Tempel gefunden. Vergl. dagegen [Apg 21,27]. Um dies zu berichtigen, sagt Paulus V. 18: Sie fanden mich zwar im Tempel, aber nicht mit Volksauflauf, und nicht diese meine Ankläger fanden mich, sondern einige asiatische Juden. Diese also hätten anklagen sollen; da sie aber nicht hier sind, so mögen die Anwesenden sagen, welches Verbrechen sie an mir entdeckt haben. - Oder diese selbst hier mögen sagen, ob sie an mir etwas Unrechtes gefunden haben, als ich vor dem hohen Rate stand, es müsste denn einzig das Wort sein, das ich rief, als ich unter ihnen stand: Der Auferstehung der Toten wegen werde ich heute von euch gerichtet. Felix aber, der von dieser Lehre genaue Kenntnis hatte, hielt sie hin, und sprach: Wenn der Oberste Lysias herabkommt, werde ich euch Gehör geben. Vielleicht ist der Sinn: Infolge der Rede des heil. Paulus war Felix jetzt besser über das Christentum unterrichtet und fand sich daher nicht bewogen, zu Gunsten der Juden zu entscheiden. - Und er befahl dem Hauptmanne, ihn in Verwahr zu nehmen, und milde zu behandeln, auch keinem von den Seinigen zu verwehren, ihm Dienste zu leisten. An einen Soldaten mit dem rechten Arme gefesselt, genoss Paulus sonst volle Freiheit. - Nach einigen Tagen aber kam Felix mit Drusilla, seiner Gattin, die eine Jüdin war, und ließ den Paulus holen, und hörte von ihm den Glauben an Jesus Christus. Drusilla war eine Tochter König Agrippa I. und einer Jüdin und selbst Jüdin. - Da er aber von Gerechtigkeit, Keuschheit und dem zukünftigen Gerichte sprach, geriet Felix in Furcht und antwortete: Für jetzt gehe, zu einer gelegenen Zeit aber werde ich dich rufen lassen! Zugleich hoffte er von Paulus Geld zu bekommen; darum ließ er ihn oft zu sich rufen, und redete mit ihm. Er hoffte wohl, bei einer solchen Gelegenheit werde Paulus einen Bestechungsversuch machen. - Nachdem aber zwei Jahre verflossen waren, erhielt Felix den Portius Festus Portius Festus war besser als Felix. Um den Juden zu gefallen, ließ letzterer den heil. Paulus gefangen zurück. zum Nachfolger. Da nun Felix sich den Juden gefällig zeigen wollte, ließ er Paulus gefangen zurück.

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