Apostelgeschichte 26

Verteidigungsrede des heil. Paulus vor Agrippa. (V. 23) Eindruck der Rede des heil. Paulus auf Festus und Agrippa

Agrippa aber sprach zu Paulus: Es wird dir gestattet, für dich selbst zu reden. So stand Paulus vor einem Könige, Zeugnis für Christus abzulegen, wie der Herr [Apg 9,15] von ihm vorhergesagt. Festus überließ dem Agrippa aus Höflichkeit den Vorsitz, so kann Paulus auf Agrippas Kenntnis des Judentums rechnen. - Da streckte Paulus die Hand aus, und hob an sich zu verantworten. Ich schätze mich glücklich, König Agrippa! dass ich über alles, dessen die Juden mich beschuldigen, mich vor dir heute verantworten darf, vorzüglich darum, weil dir alle jüdischen Gebräuche und Streitfragen bekannt sind. Darum bitte ich, du wollest mich mit Geduld anhören. Kluge, gewinnende Einleitung. - Mein Leben von Jugend auf, wie ich es von Anfang an unter meinem Volke in Jerusalem geführt, kennen alle Juden. Sie kennen mich von jeher (wofern sie es bezeugen wollen), dass ich ehedem nach der strengsten Schule unserer Religion als Pharisäer gelebt habe. Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung jener Verheißung, welche von Gott an unsere Väter ergangen ist, Zusammenhang: Früher war ich eifriger Jude und auch jetzt bekenne und lehre ich etwas, wegen dessen mich gerade Juden mich nicht anklagen sollten, nämlich den verheißenen Messias, Jesus. - zu welcher unsere zwölf Stämme, Ehrenname für das Volk Israel. Vergl. [Jak 1,1]. - Tag und Nacht Gott dienend, zu gelangen hoffen. Dieser Hoffnung wegen, o König! werde ich von den Juden angeklagt. Warum wird es bei euch für unglaublich Ich werde angeklagt, weil ich Jesus, den Auferstandenen, verkündige, und zwar von Juden (V. 7). Dies ist höchst befremdlich, denn inwiefern (gleichsam ironisch: seit wann) wird es bei euch Juden für unglaublich gehalten, dass Gott Tote auferweckt? - gehalten, wenn Gott Tote auferweckt? Beispiele von Totenerweckung: [2Koe 4,18ff]. Also war auch Jesu Auferweckung möglich. - Auch ich war der Meinung gegen den Namen Jesus, des Nazareners, viel Feindliches tun zu müssen. Das habe ich denn auch getan in Jerusalem, und viele der Heiligen habe ich in die Gefängnisse geworfen, nachdem ich von den Hohenpriestern Vollmacht erhalten hatte; und wenn sie getötet werden sollten, habe ich meine Stimme Ob außer Stephanus noch andere Christen getötet worden sind, ist angedeutet [Apg 8,1, Apg 9,1.13]. - dazu gegeben. Und von Synagoge zu Synagoge zog ich sie oftmals zur Strafe, und trieb Im Griech. steht das Imperfektum, welches den Versuch der Handlung ausdrückt, wobei es ungewiss bleibt, ob derselbe von Erfolg begleitet war. - sie an zu lästern; ja immer mehr wutentbrannt verfolgte ich sie bis in die auswärtigen Städte. Als ich aber in solcher Absicht nach Damaskus reiste, mit Vollmacht und Auftrag von den Hohenpriestern, da sah ich mitten am Tage, auf dem Wege, o König! ein Licht vom Himmel, heller als der Glanz der Sonne, mich und die, welche mit mir waren, umstrahlen. Und während wir alle zu Boden fielen, hörte ich eine Stimme in hebräischer Sprache Er redet zu dem Könige in griechischer Sprache, deshalb erwähnt er ausdrücklich, dass die Stimme in aramäischer (hebräischer) Sprache sich vernehmen ließ. - zu mir sagen: Saulus, Saulus! was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen. Wie das Zugtier, gegen den Stachel des Treibers ausschlagend, seine Plage nur vermehrt, so plagst du dich nur selbst, wenn du mir widerstrebst und mich verfolgst. Vergl. [Apg 9,5]. - Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Aber stehe auf, und stelle dich auf deine Füße; denn ich bin erschienen, dich zum Diener und zum Zeugen dessen zu bestellen, was du gesehen hast, und dessen, was ich dir erscheinend kundgeben werde, indem ich dich aussondere von dem Volke und von den Heiden, unter welche ich dich jetzt sende, um ihre Augen zu öffnen, auf dass sie sich von der Finsternis zum Lichte, und von der Gewalt des Satans zu Gott bekehren, damit sie die Vergebung der Sünden und ein Erbe unter den Heiligen durch den Glauben an mich erlangen. Darum, o König Agrippa! war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungläubig, sondern verkündete Paulus schildert seine Tätigkeit nicht der Zeitfolge nach, sondern im kurzen Überblicke. Den Inhalt der Predigt gibt er ähnlich wie [Apg 20,21] an. - zuerst denen, die zu Damaskus und Jerusalem bis hinaus in das ganze Land Judäa waren, und den Heiden, dass sie Buße tun, und sich zu Gott bekehren sollten, indem sie würdige Früchte der Buße wirkten. Um deßwillen ergriffen mich die Juden, als ich im Tempel war, und versuchten mich zu töten. Durch Gottes Hilfe aber geschützt, stehe ich bis auf den heutigen Tag, und lege Zeugnis ab vor Klein und Groß, indem ich nichts anderes sage, als was die Propheten und Moses Er setzt Moses an das Ende, vielleicht weil in den Propheten viel mehr direkte Weissagungen auf Christus enthalten sind, als in den Büchern Moses, vielleicht aber ohne Absicht. - gesagt haben, dass es geschehen werde; ob Christus dem Leiden unterworfen, ob er als Erster aus der Auferstehung der Toten dem Volke und den Heiden Licht verkünden werde. Da er dies zu seiner Verteidigung redete, rief Festus mit lauter Stimme: Du bist von Sinnen, Paulus! Das viele Studieren macht dich unsinnig. Paulus aber sagte: Ich bin nicht von Sinnen, vortrefflichster Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und Besonnenheit. Die Rede des heil. Paulus, die auf den mit der jüdischen Lehre vertrauten Agrippa berechnet war, war dem heidnischen Römer Festus unverständlich. Paulus verliert den Gleichmut nicht: Meine Worte stimmen mit der Wirklichkeit überein und mit der Besonnenheit, die nicht aus der Einbildung schöpft. - Dem Könige sind diese Dinge bekannt, darum rede ich zu ihm mit Freimut, denn ich glaube, dass ihm nichts von diesen Dingen verborgen sein kann; ist doch nichts davon in einem Winkel geschehen. Glaubst du den Propheten, König Agrippa? Ja, ich weiß, dass du glaubst. Als Jude konnte Agrippa in Gegenwart der Juden nicht den Glauben an die Propheten verleugnen. - Agrippa aber sprach zu Paulus: Beinahe Fast überredest du mich (Oek.). Andere: Mit geringer Mühe, mit wenigen Worten. Agrippa fühlt die Macht der Wahrheit, aber will sein sündliches Herz derselben nicht unterwerfen (Chrys., Cyr. v. Jer.). - überredest du mich, ein Christ zu werden. Und Paulus sprach: Wollte Gott, dass sowohl durch Weniges, als durch Großes, nicht allein du, sondern auch alle, die mich hören, heute das würden, was ich bin, diese Bande ausgenommen. Ich wünschte, dass du und alle Christen würden, ob dies nun mit kleiner Mühe oder mit großer, mit wenigen oder mit vielen Worten erreicht wird. - Da stand der König auf, und der Landpfleger und Bernice, und die bei ihnen saßen. Und als sie sich zurückgezogen hatten, sprachen sie miteinander und sagten: Dieser Mensch hat nichts, was Tod oder Bande verdient, getan. Juden und Heiden gaben ein gutes Zeugnis von Paulus. Vergl. [Apg 23,9.29, Apg 25,25]. - Agrippa aber sagte zu Festus: Man hätte diesen Menschen bereits in Freiheit setzen können, wenn er nicht an den Kaiser Berufung eingelegt hätte. Diese Antwort ist vom jüdischen Standpunkte aus gegeben und soll Festus kundgeben, was er an den Kaiser schreiben kann. [Apg 25,14.21.26] Nach diesen Worten fasste Festus wohl den Begleitbrief ab, und das Endergebnis der Appellation des heil. Paulus war seine Freisprechung in Rom.

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