Apostelgeschichte 27

3. Reise des heil. Paulus nach Rom und Aufenthalt dort selbst. (Kap. 27, 28) Fahrt von Cäsarea nach Kreta. (V. 13) Sturm auf der Reise nach Rom. (V. 26) Strandung und Rettung des heil. Paulus.

Nachdem es nun beschlossen war, dass Paulus nach Italien absegeln, und mit anderen Gefangenen einem Hauptmanne von der kaiserlichen Cohorte, namens Julius, übergeben werden sollte, bestiegen wir Der heil. Paulus war in Cäsarea bei dem Apostel, wie er ihn auch von Philippi nach Jerusalem begleitet hatte. [Apg 20,6-21,17] Von Julius ist sonst nichts bekannt. - ein Schiff von Adrumet, lichteten die Anker, und schickten uns an, die Seeplätze Asiens anzulaufen. Mit uns war Aristarchus, Aristarchus reist freiwillig mit. Während der ersten Gefangenschaft des Apostels war er in Rom bei ihm. [Kol 4,10, Phil 1,24] - ein Macedonier, aus Thessalonich. Am folgenden Tage liefen wir in Sidon ein. Da nun Julius den Paulus menschenfreundlich behandelte, erlaubte er ihm, zu seinen Freunden zu gehen, und ihre Pflege zu genießen. Als wir von da wieder abfuhren, segelten wir unterhalb Cypern hin, Sie segelten an der Küste entlang, welche hier vor dem Winde schützte. Dem Zusammenhange nach segelten sie nordöstlich und nördlich von der Insel. - weil uns die Winde nicht günstig waren. Und wir durchfuhren das Meer längs Cilicien Siehe oben. [Apg 6,9, Apg 2,10] - und Pamphylien, und kamen nach Lystra in Lycien. Siehe oben [Apg 14,6]. Im Griech. Steht hier Myrrha. - Dort traf der Hauptmann ein Schiff Vielleicht war es ein Kornschiff, da Rom von Ägypten mit Korn versehen wurde. Es muss sehr groß gewesen sein, da es 270 Personen trug. - von Alexandria, das nach Italien fuhr, und brachte uns auf dasselbe. Als wir nun viele Tage Etwa zwei bis drei Wochen. Sie hatten den Schutz der Küste nicht mehr. - langsam gesegelt waren, und mit Mühe die Höhe von Gnidus erreicht hatten, schifften wir, weil uns der Wind entgegen war, an Kreta hin, nahe bei Salmone. Salmone ist ein Vorgebirge im N. O. der Insel. - Und indem wir mühsam der Küste entlang fuhren, kamen wir an einen Ort, welcher Guthafen heißt, in dessen Nähe die Stadt Thalassa Griech.: Lasäa. - war. Da aber geraume Zeit verflossen, Seit der Abfahrt von Cäsarea. Nach römischer Gewohnheit konnte man von März bis November das Meer durchfahren, die Juden schränkten diese Zeit mehr ein. - und die Fahrt bereits gefährlich geworden war, denn es war auch schon die Fastenzeit vorüber, ermahnte sie Paulus, und sprach zu ihnen: Männer! ich sehe, dass die Fahrt anfängt, mit Ungemach und großem Schaden verbunden zu sein, nicht nur für die Ladung, sondern auch für unser Leben. Paulus hatte bereits drei Mal Schiffbruch gelitten [2Kor 11,25], und redet als Mann von Erfahrung. - Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermanne und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte. Und weil auch der Hafen Guthafen (griech. Schönhafen) bot keinen Schutz gegen Ost- und Südostwind. - zum Überwintern nicht bequem war, rieten die meisten von da abzufahren, um, wo möglich, nach Phönice, einem Hafen von Kreta, der gegen Süd- und Nordwest liegt, Vom Meere aus geschaut. - zu kommen und dort zu überwintern. Da nun ein leichter Südwind wehte, glaubten sie ihr Vorhaben erreichen zu können, segelten von Asson „Asson“ ist nach vielen nicht Eigenname, sondern bedeutet „näher“. Sie hielten sich an der Südseite von Kreta, was ihnen leichter war, da eben der Südwind sie darin unterstützte. - ab, und fuhren an der Küste von Kreta hin. Nach kurzer Zeit aber warf sie ein Wirbelwind gegen die Insel herab, Nord-Oststurm genannt. Dieser riss das Schiff fort, und da es dem Winde nicht widerstehen konnte, überließen wir das Schiff den Winden, und wurden fortgetrieben. Wir liefen aber gegen eine kleine Insel, namens Kauda, und konnten kaum des Bootes habhaft werden. Nachdem sie dieses heraufgezogen hatten, wendeten sie Schutzmittel an, indem sie das Schiff unterbanden; Sie ziehen um die Langseite mehrmals ein starkes Tau, damit das Schiff von demselben zusammengehalten, nicht so leicht scheiterte. Der starke Nord-Ost treibt sie gegen Süd-West, daher fürchten sie, in die große Syrthe zu geraten. - und da sie fürchteten, in die Syrte zu geraten, zogen sie die Segel ein, und ließen sich treiben. Da wir nun vom Sturme gewaltig hin und her getrieben wurden, warfen sie am folgenden Tage einen Teil der Ladung über Bord, Das Schiff soll weniger Tiefgang haben, und daher minder leicht aufstoßen. - und am dritten Tage warfen sie mit eigenen Händen das Schiffsgerät hinaus. Wohl die Schiffsmöbel, Tische usw. Der Zusatz: „mit eigener Hand“ hebt die Notwendigkeit hervor. - Da aber mehrere Tage hindurch weder die Sonne schien, noch Sterne zu sehen waren, und der Sturm mit nicht geringer Gewalt anhielt, war uns forthin alle Hoffnung zu unserer Rettung benommen. Und da sie lange nichts mehr gegessen hatten, trat Paulus mitten unter sie, In die Mitte der Schiffsleute. - und sprach: Ihr Männer! man hätte zwar auf mich hören, und nicht von Kreta abfahren, und sich dieses Ungemach und den Schaden ersparen sollen. Und nun ermahne ich euch, guten Mutes zu sein; denn keiner von euch wird verloren gehen, sondern nur das Schiff. Da sich die frühere Warnung des Apostels als begründet gezeigt hat, musste die Schiffsmannschaft zu den Worten des heil. Paulus auch jetzt Vertrauen haben. - In dieser Nacht nämlich trat zu mir ein Engel Gottes, dem ich angehöre, und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor dem Kaiser stehen; und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir im Schiffe sind. Zu Gunsten deiner, deinetwegen will ich auch die anderen retten. - Darum also seid guten Mutes, Männer! denn ich habe auf Gott das Vertrauen, dass es so geschehen wird, wie mir gesagt worden ist. Wir müssen aber auf eine Insel gelangen. Als nun die vierzehnte Nacht Die vierzehnte Nacht ist es seit der Abfahrt von Guthafen. - kam, und wir im adriatischen Meere Adriatisches Meer hieß damals das Meer zwischen Griechenland, Italien und Afrika. - fuhren, vermuteten die Schiffer um Mitternacht, dass ihnen Land in Sicht komme. Sie warfen also das Senkblei, und fanden zwanzig Faden Tiefe, Ein Faden hat 1,85 Meter. - und ein wenig weiter davon fanden sie fünfzehn Faden. Da sie nun fürchteten, wir möchten auf Klippen stoßen, warfen sie vom Hinterteile des Schiffes vier Anker aus, und erwarteten mit Sehnsucht den Tag. Als aber die Schiffsleute von dem Schiffe zu fliehen suchten, und schon das Boot in's Meer gelassen hatten, unter dem Vorwande, sie wollten auch vom Vorderteile Anker auswerfen, sprach Paulus zu dem Hauptmanne und den Soldaten: Wenn diese nicht im Schiffe bleiben, könnet ihr nicht gerettet werden. Wer sollte bei der Flucht der Schiffer das Schiff unter so schwierigen Umständen regieren? Dieses Wort widerspricht nicht dem V. 26 gegebenen Versprechen. Letzteres setzt ja voraus, dass jeder seine Pflicht tue, denn das Geschick der Seeleute sollte ausführen, was Gott versprach. - Da hieben die Soldaten die Taue des Bootes ab, und ließen es fahren. Als es nun anfing Tag zu werden, ermahnte Paulus alle, Speise zu nehmen, und sprach: Vierzehn Tage sind es heute, dass ihr wartet und nüchtern bleibet, ohne etwas zu euch zu nehmen. Darum bitte ich euch, Speise zu eurer Erhaltung zu nehmen; Die Zeit bis zum Tagesanbruch wird so am besten benutzt und so Kraft für die bevorstehende Arbeit gesammelt. Sie hatten keine ordentliche Mahlzeit in der Zwischenzeit zu sich genommen. - denn keinem von euch wird ein Haar vom Haupte verloren gehen. Da er dies gesagt hatte, nahm er Brot, dankte Gott vor aller Augen, brach es, und begann zu essen. Da wurden alle ermutigt, und nahmen gleichfalls Speise zu sich. Es waren aber unser im ganzen im Schiffe zweihundertsechsundsiebzig Seelen. Da sie sich nun mit Speise gesättiget hatten, erleichterten sie das Schiff, indem sie das Getreide Es ist wohl der Mundvorrat, der bei der großen Zahl der Personen eine bedeutende Last war. Sie konnten dies ohne Leichtfertigkeit tun, da sie auf keinen Fall noch lange auf dem Meere bleiben konnten und das Schiff ohnehin verloren gehen sollte. Vergl. 22. - in's Meer warfen. Als es aber Tag geworden war, erkannten sie nicht, was für ein Land es sei, doch gewahrten sie einen Meerbusen, der einen Strand hatte; dahin gedachten sie, wenn möglich, das Schiff zu treiben. Sie lösten also die Anker ab, und überließen sich dem Meere, indem sie zugleich die Bande der Steuerruder lösten; und nachdem sie das Vordersegel nach dem Winde gerichtet hatten, steuerten sie dem Ufer zu. Die Anker wurden abgelöst und in's Meer fallen gelassen, um keine Zeit zu verlieren und das Schiff nicht zu beschweren. Die Steuerruder, welche während des Ankerns zum Schutze gegen die Wellen festgebunden waren, wurden jetzt losgemacht, um in Gebrauch genommen zu werden. - Und da wir auf einen Ort gerieten, wo zwei Meeresarme Diese Stelle erhielt später den Namen St. Paulusbucht. Sie liegt im N. O. der Insel. An der Westseite derselben liegt die kleine Insel Salmonetta. Dort ist eine vom Schlamme gebildete Untiefe. Die Worte am Schlusse des Verses „durch die Gewalt des Meeres“ fehlen im Griechischen. Der Grund, warum der Stern des Schiffes entzwei ging, lag wohl in der Gewalt des Anpralles, auch das Vorderteil wäre geborsten, wenn es nicht tief in weichen Sand eingebohrt gewesen wäre. - zusammenstießen, ließen wir das Schiff auflaufen, und das Vorderteil blieb, nachdem es sich festgesetzt, unbeweglich, das Hinterteil aber fing durch die Gewalt des Meeres an auseinanderzugehen. Da waren die Soldaten Willens, die Gefangenen zu töten, damit keiner fortschwimme und entkäme. Nach dem römischen Gesetze hafteten die Soldaten mit dem Leben für die ihrer Obhut Anvertrauten. - Der Hauptmann aber, welcher den Paulus retten wollte, ließ es nicht geschehen, sondern befahl, dass die, welche schwimmen könnten, sich zuerst ins Meer werfen sollten, um sich zu retten, und an's Land zu kommen. Damit der heil. Paulus, dem er günstig war (V. 3), gerettet wurde, ließ der Hauptmann gar keinen Gefangenen töten. -
Paulus erleidet Schiffbruch
Die übrigen brachten sie, einige auf Bretter, andere auf Schiffstrümmer; und so geschah es, dass sich alle an das Land retteten. So ward das prophetische Wort des heil. Paulus von V. 22 erfüllt.

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