Apostelgeschichte 3

3. Weitere Zunahme und Stärkung der Kirche zu Jerusalem. (Kap. 3 – 5) Heilung des Lahmen an der Tempelpforte. (V. 10) Rede des heil. Petrus im Tempel.

Petrus aber und Johannes Vor ihrer Berufung bereits sind Petrus und Johannes Genossen [Lk 5,10], nach derselben stets auf das innigste verbunden, z. B. [Lk 22,8, Joh 21,21, Gal 2,9] - gingen hinauf in den Tempel zur neunten Stunde des Gebetes. Um 3 Uhr nachmittags wurde das Abendopfer im Tempel dargebracht. Schon seit langer Zeit [Ps 55,18, Dan 6,11] beteten die Israeliten dreimal am Tage, eine Sitte, welche auch die Christen annahmen. - Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Mutterleibe an lahm war; den setzten sie täglich an die Pforte des Tempels, welche die schöne heißt, Die Heiland fand im Tore statt, das aus dem Vorhofe der Heiden in den Vorhof der Frauen führt, welches auch Tor des Nikanor hieß. [1Mak 7,47, 2Mak 15,33] Es wird hervorgehoben, dass der Bettler von Geburt lahm war, also sein Übel menschlicherweise nicht heilbar war, und dass alle Besucher des Tempels ihn kannten. - hin, dass er von denen, welche in den Tempel gingen, Almosen heische. Als dieser den Petrus und Johannes sah, die eben im Begriffe waren in den Tempel hineinzugehen, bat er sie, um ein Almosen zu empfangen. Petrus aber mit Johannes blickte auf ihn und sprach: Siehe uns an! Die Apostel befehlen ihm, auf sie zu blicken, um seine Aufmerksamkeit zu wecken und sein Vertrauen zu erregen. - Da richtete er seinen Blick auf sie, in der Hoffnung, etwas von ihnen zu empfangen.
Petrus und Johannes an der Schönen Pforte
Petrus aber sagte: Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir: Ich habe die von Gott verliehene Macht dich zu heilen und diese will ich ausüben. O selige Armut, die nichts besitzt an irdischen Schätzen, aber dennoch so Großes aus himmlischen gibt! - Im Namen Jesu Christi, Im Namen: in Kraft der Macht Jesu Christi. Der Leidende soll wissen, wem er im Grunde die Heilung zu verdanken habe, darum die genaue Bezeichnung: Jesu Christi, des Nazareners. - des Nazareners, stehe auf und wandle! Und er fasste ihn bei der rechten Hand an und richtete ihn auf; und alsbald kam Kraft in seine Füße und Sohlen. Und aufspringend, stand er und wandelte umher; und er trat mit ihnen in den Tempel, gehend, hüpfend und Gott lobend. Alle diese Handlungen sollen ihn und andere überzeugen, dass er geheilt sei. Die Dankbarkeit hält ihn alsdann in der Nähe seiner Wohltäter, mit denen er in den Männervorhof eintritt. – Die Halle Salomons lag auf der inneren Seite der den Vorhof der Heiden abschließenden Mauer. Es war eine etwa 16 Meter breite Säulenhalle mit flachem Dache, deren Fundamente Salomon gelegt hatte. - Und alles Volk sah ihn umhergehen und Gott loben. Da sie nun erkannten, dass er der war, welcher des Almosens wegen an der schönen Pforte des Tempels saß, wurden sie voll Staunens und außer sich über das, was mit ihm vorgegangen war. Da er aber Petrus und Johannes festhielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, welche Salomons Halle heißt, voll Erstaunen. Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volke: Ihr Männer von Israel! Was wundert ihr euch hierüber, oder was blicket ihr auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Macht diesen gehen gemacht? Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott unserer Väter Der eine, alte Gott der Väter, der von Jeher Wunderbares wirkt [Ps 71,18], hat durch das Wunder Jesus, seinen Sohn, verherrlicht. Der Alte und der Neue Bund gehören zusammen. - hat seinen Sohn Jesus verherrlicht, welchen ihr überliefert, und vor dem Angesichte des Pilatus verleugnet habt, während er entschieden hatte, ihn freizulassen; ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet, und verlangt, dass man euch einen Mann, der ein Mörder war, schenkte. Welcher grausiger Gegensatz! Sie haben für den gebeten, der Leben geraubt, doch den Urheber des Lebens [Joh 10,10] haben sie verleugnet. - Den Urheber des Lebens dagegen habt ihr getötet, und Gott hat ihn von den Toten auferweckt; des sind wir Zeugen! Durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr sehet und kennet, gestärket; und der Glaube, der durch ihn ist, hat diesem die vollkommene Gesundheit gegeben, wie ihr alle sehet. Auf den Glauben an seinem Namen hin, durch die Kraft seines Namens, ist der Lahme geheilt. (Bis V. 16: Anregung zum Glauben und zur Furcht vor Gottes Strafgerichten. V. 17 – 26: Folgerung: Buße und Bekehrung.) - Und nun, meine Brüder! ich weiß, dass ihr es aus Unwissenheit getan habt, wie auch eure Vorsteher. Wie liebevoll mildert der heil. Petrus die V. 13 – 15 ausgesprochenen Vorwürfe! Das Volk hat sich durch seine Vorsteher verführen lassen, aber selbst diese waren durch Vorurteile und Leidenschaften verblendet, so dass ihr Vergehen, dass sie den Heiland nicht als Sohn Gottes erkannten, dadurch einigermaßen geringer ward. Sind die Worte des Apostelfürsten nicht gleichsam eine Wiederholung der Worte Christi am Kreuze? [Lk 23,34] - Gott aber hat das, was er durch den Mund aller Propheten vorherverkündigt hat, dass sein Gesalbter leiden werde, so erfüllt. Ihr waret die verblendeten Werkzeuge, welche Gottes Pläne auch gegen ihre eigene Absicht erfüllten. Gott hat das Leiden des Heilandes vorhergesehen und durch die Propheten vorausgesagt. Christus hat die Sündenvergebung verdient, aber dieselbe wird nur denen zugewendet, welche Buße tun. So tuet also, belehrt, jetzt Buße. - So tuet denn Buße, und bekehret euch, damit eure Sünden getilgt werden; damit die Zeiten der Erquickung von dem Angesichte des Herrn kommen, Es ist die Aufgabe der in Mitte der Himmelfahrt und der Wiederkunft des Herrn liegenden Zeiten, deren Dauer die Apostel nicht kannten, die Entsündigung und Heiligung aller Menschen herbeizuführen, welche dem Rufe zur Buße folgen. [Offenb 22,10] Die Erquickungszeit, d. i. die Zeit der Tröstung Israels [Lk 2,25] und der vollendeten Frucht des Erlösungswerkes [Lk 21,28] wird mit der Wiederkehr des verherrlichten Erlösers anbrechen. - wenn er den, welcher euch verkündigt worden ist, sendet, Jesus Christus. Für jetzt muss der Himmel denselben aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, wovon Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von Alters her geredet hat. Alle Dinge, von denen Gott geredet (von [1Mos 3,15] an), werden wiederhergestellt werden. Dies geschieht indes erst, wenn Israel sich von der Verleugnung des Herrn bekehrt hat. Schon jetzt ist Christus verherrlicht, aber seine Herrlichkeit ist gleichsam im Himmel verschlossen und verborgen. In V. 20 sind die Zeiten dem göttlichen Ursprunge nach, hier als Erfüllung der Weissagungen bezeichnet. Vergl. Judasbr. V. 14. - So sagte schon Moses: Der Herr, euer Gott, wird euch einen Propheten wie mich aus euren Brüdern erwecken; den sollet ihr hören in allem, was er euch immer sagen wird. Bereits Johannes der Täufer war gefragt worden, ob er dieser, alle anderen überragende Prophet sei. Zu dem angeführten Texte vergl. [Mk 16,16]. - Es wird aber geschehen: jede Seele, welche diesen Propheten nicht hört, wird aus dem Volke vertilgt werden. Im jetzigen hebr. Texte lauten die Worte etwas anders. Die von dem heil. Petrus gewählten Worte sind eine seit [1Mos 17,14] oft wiederkehrende Formel des Todesurteils. Hier ist der ewige Tod zu verstehen, welcher jeden ereilt, der sich von Christus, dem Leben, abwendet. - Und alle Propheten, welche geredet haben, von Samuel angefangen Samuel steht an der Spitze, weil er (nach Moses) die Reihe der Propheten im engeren Sinne genommen eröffnete. [1Koe 3,1] - und fernerhin, verkündigten diese Tage. Ihr seid die Kinder der Propheten und des Bundes, den Gott mit unsern Vätern geschlossen hat, da er zu Abraham sprach: Und in deinem Samen werden alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Von euch als den Nachkommen Abrahams soll der Segen auf die übrigen Völker der Erde übergehen. Darum muss dieser Segen, den Gott durch seinen Sohn verleiht, das messianische Heil, zuerst und vor allem euch zu Teil werden. - Euch zuerst hat Gott seinen Sohn erweckt und gesandt, um euch zu segnen, Von Sünde und Strafe und von der sündhaften Gesinnung zu erlösen, das ist des Sohnes Segen, das Vergangene tilgend, das Neue anbahnend. (Chrys.) damit sich ein jeder von seiner Bosheit bekehre.

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