Apostelgeschichte 4

Petrus und Johannes vor Gericht. (V. 22) Gebet der christlichen Gemeinde nach der Freilassung der Apostel Petrus und Johannes. (V. 31) Einheit und Liebe der ersten Christen.

Da sie aber zu dem Volke redeten, kamen die Priester und der Tempelhauptmann und die Sadducäer Der Grund, welcher die hier Genannten gegen den Herrn aufgestachelt, musste sie auch gegen die Apostel aufreizen, da diese die Anerkennung Jesu als Messias zum Ziele ihrer Tätigkeit hatten. Dazu kam, dass die Apostel, die von den Sadducäern geleugnete Auferstehung der Toten [Mt 22,23] verkündeten. Jesus und die Auferstehung gehören zusammen. So werden denn die Sadducäer, zu denen auch Annas und Kaiphas gehörten, die Hauptgegner und Verfolger der Apostel und der Christen zu Jerusalem [Apg 4,1ff, Apg 5,17ff], während die Pharisäer nach dem Rate des Gamaliel [Apg 5,34] zunächst eine abwartende Stellung einnehmen, ja zum Teil selbst gläubig werden. - dazu, die unwillig waren, dass sie das Volk lehrten, und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündigten. Und sie legten Hand an sie, und brachten sie in Gewahrsam bis zum anderen Tage, denn es war schon Abend. Es war wohl bereits gegen 6 Uhr abends. In der Nacht konnte keine Gerichtssitzung stattfinden. - Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig, und die Anzahl der Männer ward fünftausend. Die Worte des Textes machen es wahrscheinlich, dass an diesem Tage gegen 2000 gläubig wurden, so dass die Zahl der Christen auf 5000 stieg. Immerhin ist die Mehrzahl der älteren Ausleger der Meinung, dass, wie Christus einst 4000 Menschen wunderbar speiste [Mt 14,21], so heut sich 5000 bekehrten (Hier., Aug., Chrys.). - Es geschah aber am andern Tage, dass sich ihre Vorsteher und Ältesten, und die Schriftgelehrten zu Jerusalem versammelten; Nach Ähnlichkeit des von Moses zu seiner Unterstützung in der Verwaltung berufenen Rates von Ältesten [4Mos 11,16], bestand der hohe Rat aus 71 Mitgliedern, welche aus dem Hohenpriester und den Häuptern der 24 Priesterklassen, aus Stammesältesten und Schriftgelehrten sich zusammensetzten. Vergl. [Mt 23,Anm. 41]. Er war die höchste Justizstelle und Zivilbehörde. Sicher war der hohe Rat schon vor Antipater und Herodes dem großen eingeführt. Vergl. [2Mak 1,10]. - auch Annas, der Hohepriester, und Kaiphas, Johannes und Alexander, Über Johannes und Alexander ist weiter nichts bekannt. - und alle, die aus priesterlichem Geschlechte waren. Und sie stellten sie in die Mitte, und fragten: Aus welcher Macht, oder in welchem Namen habt ihr dies getan? Diese Frage ist der einst dem Heilande vorgelegten [Mt 21,23] ähnlich. Der hohe Rat leugnet die Heilung nicht (V. 16), deutet aber die Vermutung an, dass sie „dies“ (verächtlich) durch magische Kräfte vollbracht. Vergl. [Lk 11,15]. - Da ward Petrus vom heiligen Geiste erfüllt, und sprach zu ihnen: Ein wie anderer ist Petrus heut, als zu der Zeit, vor dem hohen Rate stand. Wie einst auf Samson, ehe er etwas Großes tat, der Geist des Herrn kam [Rich 14,6, Rich 15,14], so erhält heute der heil. Petrus eine neue Kraft von dem Heiligen Geiste, wie der Heiland verheißen. [Lk 12,11.12, Mt 10,20]. Zum ersten Male legt das Haupt der Kirche vor den höchsten Würdenträgern der Synagoge das Zeugnis des Glaubens ab, zum vierten Male führt er die Sache der Kirche. - Ihr Vorsteher des Volkes und ihr Ältesten höret! Wenn wir heute vor Gericht gezogen werden wegen einer diesem Der Geheilte ist zugegen. - kranken Menschen erwiesenen Wohltat, durch die er geheilt worden ist, so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund: Im Namen unsers Herrn Jesus Christus, des Nazareners, den ihr gekreuziget, den Gott aber von den Toten auferwecket hat, durch diesen steht dieser gesund vor euch. Petrus bekennt den Heiland als Messias, bezeugt seine Auferstehung und seine Wunderkraft und wiederholt das Bekenntnis, dass Jesus der Messias ist, in doppelter Weise. - Er ist jener von euch Bauleuten verworfene Stein, der zum Eckstein geworden ist, und es ist in keinem andern Heil; denn kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollten. Nach Gottes Bestimmung. Wohl sagen manche: Rechtschaffen leben, macht selig. Aber Gott verlangt mehr als eine bloß äußere natürliche Rechtschaffenheit, er will eine innere übernatürliche Gerechtigkeit, welche nur durch Anschluss an Christus erlangt wird. Wer also diese nicht besitzt, hat auch nicht die wahre Rechtschaffenheit, welche zu besitzen er verpflichtet ist. - Da sie nun die Standhaftigkeit des Petrus und Johannes Johannes gab durch seine Haltung zu erkennen, dass er ebenso wie Petrus bereit war, Zeugnis abzulegen, und in allem dasselbe fühlte und wollte wie dieser. - sahen, und inne wurden, dass sie ungelehrte und gewöhnliche Leute seien, Die Apostel sind ungelehrt, d. i. ohne rabbinische Bildung, und ungebildet, d. i. Privatpersonen ohne amtlichen Beruf, und die dazu gehörige Ausbildung - verwunderten sie sich, und erkannten jetzt auch, dass sie mit Jesus gewesen waren. Dass sie Jesu Jünger gewesen waren. - Und da sie auch den Menschen, der geheilt worden war, bei ihnen stehen sahen, konnten sie nichts dagegen sagen. Da sie das Wunder nicht strafen können, wollen sie wenigstens die weitere Bekanntmachung desselben und die Verbreitung der Lehre hindern. - Sie befahlen ihnen aber, aus der Versammlung abzutreten, und berieten sich untereinander. indem sie sprachen: Was sollen wir mit diesen Leuten machen? Denn es ist doch ein Wunder durch sie geschehen, das allen Bewohnern von Jerusalem bekannt ist, es ist offenkundig, und wir können es nicht leugnen. Damit es jedoch nicht noch weiterhin unter das Volk verbreitet werde, wollen wir sie scharf bedrohen, nicht mehr in diesem Namen zu irgendeinem Menschen zu reden. Jerusalem kannte wohl das wunderbare Ereignis, aber nicht alle Bewohner der heil. Stadt wussten, dass es im Namen Jesu geschehen sei. Die Besorgnis, der Glaube und die Anhänglichkeit an Jesus und seine Lehre möchte aufs neue im Volk erwachen, bewegt sie, den Aposteln vollständiges Schweigen aufzuerlegen. Wie oft geschieht es auch noch heut zu Tage, dass die Menschen den Verkündern des Heiles Stillschweigen auferlegen möchten! - Sie riefen sie hinein, und geboten ihnen, durchaus nicht mehr zu reden und zu lehren im Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten, und sprachen zu ihnen: Ob es recht ist vor Gottes Angesicht, euch mehr zu gehorchen als Gott, das urteilet selbst. Das Gebot der Obrigkeit steht dem Willen Gottes entgegen. Der Wille Gottes war, die Apostel sollten Jesu Leiden, Auferstehung und Lehre überall verkünden. [Mt 28,19ff] vergl. [Apg 1,8] Die Obrigkeit, als Stellvertreterin Gottes, durfte sich diesem Willen nicht widersetzen; tat sie es dennoch, so handelte sie nicht als Obrigkeit, sondern als eine Versammlung von Menschen, und konnte Gott gegenüber nicht in Betracht kommen. - Denn wir können nicht unterlassen das zu verkünden, was Wir dürfen nicht, weil es der Wille Gottes ist, dass wir predigen „Was wir gesehen“ usw. sagen wir mit voller Überzeugung, da wir Augen- und Ohrenzeugen sind. - wir gesehen und gehört haben. Jene aber drohten ihnen, und entließen sie, da sie keine Mittel fanden, dieselben zu strafen, wegen des Volkes, weil alle das, was geschehen war, priesen. Denn der Mann, an dem dieses Wunder der Heilung geschehen, war über vierzig Jahre alt. Also war sein Lahmsein längst bekannt, mithin das Wunder unleugbar. - Als sie nun freigelassen waren, kamen sie zu den Ihrigen, und verkündigten ihnen alles, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Da diese es hörten, erhoben sie einmütig ihre Stimme zu Gott, und sprachen: Die Gläubigen scheinen an einem Orte versammelt gewesen zu sein. (V. 31) Der heil. Petrus spricht das Gebet wohl vor und die übrigen folgen mit dem Herzen. Es ist das älteste Dankgebet der Kirche. Mit dem Lobe Gottes als des Schöpfers beginnend hat es weiter Ähnlichkeit mit dem Gebete des Ezechias. [Jes 37,16-20] - Herr! du bist es, der den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, gemacht hat, der durch den Heiligen Geist aus dem Munde unsers Vaters David, deines Knechtes, gesprochen: Warum toben die Heiden, und sinnen die Völker Eitles? Die Heiden sind hier besonders die Römer, die Völker wohl die zwölf Stämme Israels. Sie sinnen Eitles, d. i. Unmögliches. V. 25, 26 werden durch V. 27 erklärt. - Es stehen auf die Könige der Erde, und die Fürsten kommen zusammen wider den Herrn und wider seinen Gesalbten. Denn es sind in Wahrheit in dieser Stadt wider deinen heiligen Sohn Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus, mit Heiden und den Stämmen Israels verbunden, zusammengekommen, um zu tun, Sie kommen zusammen um ihre Absichten auszuführen, erfüllen aber, ohne es zu wissen, den Willen Gottes. - was deine Hand und dein Ratschluss festgesetzt hatte, dass geschehen sollte. Und nun, o Herr! siehe herab auf ihre Drohungen, Verhindere die Ausführung dieser Drohungen oder gib wenigstens die Gnade, dass die Glaubensboten sich von diesen Drohungen nicht einschüchtern und von ihrer Pflicht, dein Wort zu verkünden, nicht abschrecken lassen. - und gib deinen Dienern, dass sie mit allem Freimut dein Wort reden, indem du deine Hand zu Heilungen ausstreckest, und dass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Sohnes Jesus. Stärke unseren Mut, indem du auch fürderhin, wie heute, unsere Predigt mit Wundern begleitest. - Als sie gebetet hatten, ward die Stätte, wo sie versammelt waren, erschüttert, und sie wurden alle mit dem Heiligen Geiste erfüllt, und redeten das Wort Gottes mit Zuversicht. Wie einst am Pfingstfeste sendet Gott heut ein Zeichen, damit sie erkennen, dass er sie gehört und erhört. Wie sie erfleht, kommt der heil. Geist als Geist der Stärke über sie, damit sie das Wort mit Zuversicht reden. - Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; Der von Seite der Welt drohende Kampf (V. 29) unterbrach das Liebesleben der Kirche nicht. Der Verfasser schildert in V. 32 – 35 das Leben der ersten Christen in Jerusalem, ähnlich wie [Apg 2,42-47], will aber an demselben auch eine Schattenseite hervorheben. [Apg 5,1ff] - und keiner sagte, dass etwas von dem, was er besaß, sein eigen sei, sondern sie hatten alles miteinander gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi unsers Herrn; und große Gnade war in ihnen allen. Denn es war kein Dürftiger unter ihnen; So erfüllte die christliche Gemeinde buchstäblich, was Gott einst dem auserwählten Volke empfohlen. [5Mos 15,4] - alle diejenigen nämlich, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften dieselben, und brachten den Erlös des Verkauften herbei, und legten ihn zu den Füßen der Apostel. Indem die Gläubigen ihre Habe zu den Füßen der Apostel niederlegten, statt sie ihnen zu übergeben, offenbaren dieselben ihren Glauben, ihre kindliche Liebe und Ehrfurcht. Dies Niederlegen bedeutet nach morgenländischer Sitte, vergl. [Ps 8,8], dass den Aposteln alles Verfügungsrecht über das niedergelegte Gut zusteht. Wie sehr bemüht man sich in unseren Tagen, Armut und Unzufriedenheit zu bannen! Doch vergeblich bauen, die ohne Christus bauen, und die Gegensätze weichen nur der christlichen Liebe. - Es wurde aber einem jeden zugeteilt, so viel er bedurfte. Joseph aber, der von den Aposteln den Zunamen Barnabas erhielt (das ist Sohn der Tröstung), ein Levit, aus Cypern gebürtig, verkaufte einen Acker, den er besaß, und brachte das Geld und legte es zu den Füßen der Apostel nieder. Dem schönen Beispiele des Joseph aus Cypern wird im folgenden Kapitel das traurige Beispiel des Ananias und der Saphira gegenübergestellt.

Zitiert in 190