Offenbarung 18

b. Ein anderer Engel steigt vom Himmel herab und verkündet (proleptisch), dass Babylon schon gefallen ist (V. 3), während zugleich eine Stimme vom Himmel die Auserwählten mahnt, die Stadt zu verlassen (V. 8) und die Trauerklage beschreibt, welche die verschiedenen Klassen der Menschen über deren Untergang erheben werden. (V. 20) c. Der dritte Engel verkündet, dass der Untergang Babylons ein ewiger sein werde.

Nach diesem Der Engel hat versprochen, dem heil. Johannes das Gericht über die Weltstadt zu zeigen. Dies geschieht in den beiden folgenden Abschnitten [Offenb 18,1-20] und 18,21 – 19,10 in verschiedenen das Gericht vorbereitenden [Offenb 18,4-8], begleitenden [Offenb 18,9-20] und ihm nachfolgenden Akten. [Offenb 19,1-10] Das mittlere Teil also, der die Schnelligkeit und Völligkeit des Unterganges beschreibt, enthält zugleich das Geschehen desselben. Von dem Falle Babels handeln also insgesamt 17,1 – 19,10. - sah ich einen anderen Engel Der andere Engel wird dem Engel [Offenb 17,1] gegenübergestellt. - vom Himmel herabsteigen, der hatte große Gewalt; und die Erde ward von seiner Herrlichkeit erleuchtet. Der Wichtigkeit der Tatsache gemäß, welche ja auch aus der weiten Ausdehnung der Erzählung vom Falle Babels erhellt, erscheint der Engel mit großer Gewalt ausgerüstet und in hellem Lichtglanze: Mit dem Gerichte über Babel bricht das Licht Christi über die Erde an. - Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, das Große! Proleptisch, wie V. 4 zeigt. - und es ist eine Wohnung der bösen Geister geworden, ein Gefängnis aller unreinen Geister, ein Gewahrsam alles unreinen und verhassten Gevögels; Das Gleiche wurde einst von den Propheten über Edom [Jes 34,13-15] und über das alte Babel [Jes 13,21.22, Jer 50,39] ausgerufen. Wie dem Vorbilde, so wird es dem Nachbilde ergehen. - denn vom Zornwein ihrer Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Kaufleute der Erde sind reich geworden durch ihre gewaltige Üppigkeit. Und ich hörte eine andere Stimme vom Himmel sagen: Diese andere Stimme erhebt sich infolge der Ankündigung V. 1 – 3, es ist die Stimme eines Engels, der im Namen Gottes spricht. Vergl. [Offenb 11,3]. Wie einst an Lot die Aufforderung erging, das dem Untergange geweihte Sodoma zu verlassen [1Mos 19,15], und wie der Herr [Jer 51,6] zu Israel sprach: „Fliehet aus Babylon, denn die Zeit der Rache ist da vor dem Herrn“, so ergeht auch hier der Ruf des Engels an das Volk Gottes, an die wahrhaft Gläubigen, auszuziehen aus Babel, damit sie nicht teilnehmen, wie an der Schuld, so an den Strafen ihrer Sünden. Das Sündenleben ist gleichsam etwas der Stadt Gemeinsames, darum sollen die Gläubigen aufhören, ein Teil derselben zu sein, ehe die Strafe kommt. Also werden zur Endzeit noch Christen in der Stadt leben. - Ziehet aus von ihr, mein Volk! auf dass ihr nicht mit ihren Sünden Gemeinschaft habet, und dass ihr von ihren Plagen nicht empfanget;
Babylon ist gefallen
denn ihre Sünden haben sich bis an den Himmel gehäuft, Wörtlich griech.: Bis an den Himmel gehängt, befestigt, sind ihre Sünden. - und Gott hat ihrer Freveltaten gedacht. Gebet ihr zurück, wie sie euch gegeben, Die Aufforderung ist an den Antichrist und an die zehn Könige gerichtet, denen Gott nach [Offenb 17,16ff] in's Herz gegeben hat, die Buhlerin zu hassen und zu strafen. Trotz ihrer Gottwidrigkeit müssen jene als Werkzeuge Gottes handeln. Sie sollen an der gottlosen Stadt die strengste Vergeltung für deren sündhaftes Treiben und für ihre Verführung vollziehen; was Babel anderen Übles getan, sollen sie ihm zweifach vergelten. Die Selbstverherrlichung der Stadt soll in Trauer, die Üppigkeit in Qual verwandelt werden. - und gebet ihr doppelt nach ihren Taten; in den Becher, den sie euch eingeschenkt hat, schenket ihr doppelt ein! Soviel sie sich verherrlicht und geschwelgt hat, so viel gebet ihr Qual und Leid. Denn sie spricht in ihrem Herzen: Vergl. [Offenb 17,1.15] und [Jes 47,8]. - Ich throne als Königin, und bin keine Witwe, und Leid werde ich nicht sehen. Sie rühmt sich ihrer Weltherrschaft. Witwe: Ihr Gemahl ist das Tier, von dem sie bisher getragen ward, und ihre Buhlen sind die Könige der Erde. Vergl. [Offenb 17,2]. Sie zweifelt nicht, dass dies ihr Buhlleben fortdauern werde. Sie lebt ferner in vermessener Sicherheit, dass sie nie Totenklage um ihre Kinder (die Einwohner) erfahren werde. - Darum Weil ihr Herz so hochmütig spricht. - werden ihre Plagen an einem Tage kommen, Tod und Leid und Hunger, und sie wird mit Feuer verbrannt werden; denn stark ist Gott, der sie richten wird. Wenn sie auch die starke Stadt heißt [Offenb 18,10], ist Gott doch noch stärker, und er hat ihr Urteil gesprochen. An einem Tage: und zwar plötzlich. Vergl. [Jes 47,9]. Vier Plagen werden erwähnt: Tod (Tötung durch das Schwert), Trauer (Klagegeschrei über den Tod der Einwohner), Hungersnot (im Gegensatze zu ihrer früheren Üppigkeit), Feuersbrunst (die sie in einen Schutthaufen verwandelt). Richten wird: Griech. der sie gerichtet hat, der soeben die Vollstreckung des Urteils angeordnet hat. - Und es werden über sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben und in Üppigkeit gelebt haben, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen werden. Von ferne werden sie stehen, aus Furcht vor ihrer Qual, und sprechen: Wehe! Nun tritt die Vollstreckung bis zur Inbrandsetzung wohl ein, wie die folgenden Verse 9 – 19 zeigen. Die Klage ist der über Tyrus [Ez 27] nachgebildet. Alle Klassen, die bei dem Untergange Babels beteiligt sind, erheben ihre Stimme: Sie stehen von ferne, rufen Wehe und bedauern den Untergang der Stadt. Während in V. 4 – 8 die Form der Anrede gebraucht ist, folgt nun Schilderung, die V. 14 durch Anrede unterbrochen, V. 20 wieder ganz in diese übergeht. Zuerst werden V. 9, V. 10 die Könige der Erde mit dem Antichristen der Weltstadt gegenüberstehend geschildert. - Wehe! du große Stadt Babylon, du gewaltige Stadt, dass in einer Stunde dein Gericht gekommen ist! Da die Könige sehen, wie plötzlich das Gericht über die einst so große und mächtige Stadt hereingebrochen ist, erinnern sie sich an alles, was jene ihnen geboten und trauern aus Eigennutz. Der Brand hält sie fern, so lassen sie aus der Ferne ihren Weheruf erschallen. Die Dauer der Stadt, die V. 8 noch als ein Tag bezeichnet ist, ist hier und V. 17, V. 19 schon nur eine Stunde. Die Plötzlichkeit des Unheils lässt jene Könige ein Gericht ahnen und sie fürchten für sich. - Und die Handelsleute der Erde werden weinen und wehklagen über sie; denn ihre Waren wird niemand mehr kaufen, Nicht um die Menschen, nur um ihre Verluste klagen die Kaufleute. - Waren von Gold, Silber, Edelstein und Perlen, feiner Leinwand und Purpur, Seide, Scharlach, allerlei kostbares Holz, Geräte von Elfenbein, und allerlei Gefäße von kostbarem Stein, Erz, Eisen und Marmor, auch Zimmet, Räucherwerk, Salben, Weihrauch, Wein, Öl, Weißmehl, Weizen, Lastvieh, Schafe, Rosse und Wagen, Sklaven und Menschenseelen. Und das Obst, das deines Herzens Lust war, ist von dir gewichen, und alles Leckere und Köstliche ist dir verloren, und nimmer wird man es hinfort mehr finden. Die Verkäufer dieser Waren, Babel war Mittelpunkt des Luxus. Sieben Klassen von Waren werden aufgezählt: Schmuckgegenstände, Gegenstände zur Ausschmückung der Möbel, Gewürze und Rauchwerk, Delikatessen, üppige Lebensmittel, äußerer Prunk, Diener und Sklaven. Durch den Übergang in die Anrede, welche in prophetischen Reden nicht selten ist (und auch unten V. 23, V. 24 wiederkehrt), war die Schilderung der Klage unterbrochen, deshalb nimmt V. 15, V. 16 an die vorher aufgezählten Waren anknüpfend den V. 11 inhaltlich wieder auf und führt die Klage weiter. - die reich geworden sind, werden fern von ihr stehen, aus Furcht vor ihren Peinen, weinend und wehklagend, und rufend: Wehe! wehe! die große Stadt, die gekleidet war in feine Leinwand, Purpur und Scharlach, und mit Gold, Edelsteinen und Perlen bedeckt war, Die Schilderung entspricht der Beschreibung [Offenb 17,4], nicht weil sie das Gesicht gesehen, sondern weil die Wirklichkeit der Stadt ihnen dies Bild vor Augen gestellt hat. Wie die Wehklage der Könige die Macht der Stadt hervorhob, so hier die Kaufleute, ihrem Charakter entsprechend, den Reichtum. - dass in einer Stunde ihr so großer Reichtum dahin geschwunden ist! Und alle Steuerleute, und alle, die das Meer befahren, und alles Schiffsvolk, und alle, die auf dem Meere arbeiten, Griech.: das Meer bearbeiten. - standen von ferne, und schrieen, da sie ihre Brandstätte sahen, und sprachen: Welche Stadt war dieser großen Stadt gleich? Der Augenblick, wo der Untergang der Stadt vollendet ist, rückt immer näher. Daher der Wechsel der Zeiten: V. 9 Zukunft, V. 11 Gegenwart, V. 17 Vergangenheit. Die klagende Frage ist aus [Ez 17,32] genommen. Zu ergänzen ist: An Tiefe des Falles, Gegensatz zu der Rede [Offenb 13,4]. - Und sie warfen Staub auf ihre Häupter, Zeichen der höchsten Trauer. - und schrieen weinend und trauernd, und sprachen: Wehe! Wehe! die große Stadt, in welcher alle, die Schiffe auf dem Meere hatten, reich wurden von ihren Kostbarkeiten, dass sie in einer Stunde verödet ward! Frohlocke über sie, Himmel, und ihr heiligen Griech.: und ihr Heilige, Apostel usw. Die Heiligen sind die Gattung, doch werden Apostel und Lehrer besonders erwähnt, weil diese von dem Hasse der weltbeherrschenden Stadt am meisten betroffen waren, sie, welche die übrigen zur Heiligkeit führten. - Apostel und Propheten! Die Aufforderung zur Freud ergeht von derselben Stimme, die von V. 4 an redete. Die Himmel sind die Engel, die Heiligen alle Gläubigen, sie seien schon im Himmel oder noch auf Erden. - denn Gott hat an ihr für euch das Gericht vollzogen. Das an der Stadt vollzogene, gleichsam von ihr entnommene Gericht ist zugleich die Rechtfertigung der von Babylon verfolgten, nun aber an ihr gerächten Gläubigen. Das Gericht über die Weltstadt ist das Zeichen des Herrn, dass er nun kommen wird, den Antichrist und dessen Mächte zu vernichten und seine Herrlichkeit aufzurichten. Vergl. [Offenb 19,11ff]. - Da hob ein starker Engel einen Stein auf, wie einen großen Mühlstein, und warf ihn in's Meer, indem er sprach: Insofern dieser Engel nicht nur etwas zu erklären hat, sondern etwas auszuführen, ist er mit den Engeln [Offenb 17,1] und [Offenb 18,1] in eine Reihe zu stellen. Die Vergleichung mit dem Mühlstein erinnert an [Mt 18,6]. Im übrigen ist die symbolische Handlung nach [Jer 57,63.64] vorgenommen, eine Stelle, welche wieder auf [2Mos 15,4.5] zurückweist. Die Bedeutung der Handlung erklärt der Engel auch so. - Mit solchem Ungestüme Dies bezeichnet das Gewaltsame und Plötzliche des Versinkens. - wird Babylon, die große Stadt, hinabgestürzt und nicht mehr gefunden werden. Der Engel setzt seine Rede fort V. 22 – 24 indem er für die Schilderung Worte aus dem A. T. entlehnt. [Ez 26,13, Jer 25,10, Jer 7,36, Jer 16,9, Jer 33,11] u. a. Alles öffentliche und alles häusliche Leben, aller Genuss und alle Freude wird aus Babel verschwinden, alles wird in ihr öde, tot und wüste sterben. - Und der Laut der Harfenspieler und Sänger, und Flötenspieler und Trompetenbläser soll in dir nicht mehr gehört werden; und ein Künstler irgend welcher Kunst soll in dir nicht mehr gefunden werden, und das Geräusch der Mühle soll in dir nicht mehr gehört werden; und das Licht deines Leuchters soll in dir nicht mehr scheinen, die Stimme des Bräutigams und der Braut soll in dir nicht mehr gehört werden; denn Zum Schluss wird die Ursache des furchtbaren Gerichtes noch einmal hervorgehoben. Dieselbe ist eine dreifache: 1. Der unerhörte Luxus, der die Kaufleute so bereicherte, dass sie Tyrannen der Erde wurden. 2. Die Betörung der Völker. Vergl. [Offenb 14,8, Offenb 17,2.5]. 3. Die Vergießung des Blutes der Gläubigen, die jene hasste. Diese letzte Ursache wird besonders nachdrücklich dadurch hervorgehoben, dass auch die Form der Rede wechselt. - deine Kaufleute waren die Fürsten der Erde, denn durch deine Zauberei wurden alle Völker berückt. Und in ihr ward das Blut der Propheten und Heiligen gefunden, ja aller, die getötet sind auf Erden. Wie nach dem Worte des Herrn [Mt 25,35ff] alles gerechte Blut von Abel an über Jerusalem kommen soll, so hier das Blut der Märtyrer und alles unschuldig vergossene Blut über Babel. Wie Jerusalem mit der Verwerfung des Heilandes das Maß seiner Sünden voll machte und nun die ganze von Israel aufgehäufte Schuld büßen musste, so zuletzt die Weltstadt der Endzeit. Johannes unterscheidet hier die ganze Menschheit in die Stadt Gottes und die Stadt der Bösen, wie später der heil. Augustin.

Zitiert in 24