Offenbarung 4
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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II. Offenbarung Jesu Christi in Gesichten, welche den sieben Gemeinden kundgetan werden sollen (4,1 – 22,5): 1. Einleitendes Gesicht zum zweiten Teile: Wo und wie der heil. Johannes dieser Gesichte teilhaftig ward. (4,1 – 11) Im Geist in den Himmel entrückt sieht Johannes den Thron Gottes, welchen 24 Älteste und vier Wesen, Gottes Lob singend, umgeben.
1 Nach diesem schaute ich, Die Worte: „Nach diesem schaute ich“ leiten eine neue und besonders wichtige Vision ein; die Formel: „und ich sah“ ein neues Moment in derselben Hauptvision. Nach einigen Auslegern ist zwischen [Offenb 3,22] und [Offenb 4,1] ein Zeitraum zu denken, in welchem Johannes nicht in der Ekstase war. Nach anderen stellt sich dem Apostel ein neues Bild dar. - und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel. Da eine Tür des Himmels sich öffnet, des Hauses [2Mos 28,17], des Palastes Gottes, in welchem er thront [Ps 11,4, Ps 18,7, Ps 29,9], kann der heil. Johannes in denselben blicken. - Und die vorige Stimme, die ich hörte, wie wenn eine Posaune zu mir redete, Nicht die Stimme Christi, welche nach der ersten Stimme [Offenb 1,10] zu dem Apostel geredet, sondern eben jene zuerst vernommene Stimme. - sprach: Steige herauf, hierher, Er soll im Geiste an den Standpunkt des Redenden treten. (Thom.) - so will ich dir zeigen, was nach diesem geschehen soll! Dies zu zeigen ist die Aufgabe des zweiten Teiles der Apokalypse, wie der Herr bereits [Offenb 1,19] gezeigt. - 2 Alsbald war ich im Geiste. Der Geist der Weissagung, welcher seit [Offenb 1,10] über Johannes gekommen war, begann jetzt, da er nicht mehr Dinge dieser Zeit und Welt, sondern Wunder des Endes und Gottestaten der Vollendung, und darum auch Himmlisches, schauen soll, in anderer Weise auf ihn zu wirken. - Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Throne ein Sitzender. Auf dem Throne saß Gott, der Vater, wie [Offenb 4,5] zeigt, wo er von dem Heil. Geiste, und [Offenb 5,6], wo er von dem Sohne unterschieden wird. Wie [Offenb 1,12ff] die Erscheinung Christi der Art war, dass dieselbe in Beziehung zu den Kap. 2, 3 nachfolgenden Reden des Herrn an seine Gemeinden stand, so lässt auch hier die Erscheinung Gottes schon voraus erkennen, dass es sich um ein Gericht über die Feinde und um Gnadenerweisung gegen die Gläubigen handelt. (Viktorin.) - 3 Und der da saß, war von Ansehen einem Jaspis- und Sardisstein ähnlich; Unter Jaspis ist wohl unser Diamant zu verstehen, da der eigentliche Jaspis nicht kostbar und durchsichtig ist, noch den [Offenb 21,11] genannten Eigenschaften entspricht. Er ist das Sinnbild der Heiligkeit Gottes. Der rote Rubin ist das Symbol der Strafgerechtigkeit Gottes. Der Doppelglanz der beiden durcheinander funkelnden Steine ist eine Versinnbildlichung der wesentlichen Einheit der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. - und ein Regenbogen war rings um den Thron, wie Smaragd anzusehen. Um den Thron, denselben in der Höhe umgebend, sah Johannes die Gestalt eines grünen Regenbogens als Symbol der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit. - 4 Rings um den Thron waren vierundzwanzig Throne; und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, angetan mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kronen. Die Ältesten sind menschliche Wesen, von den seligen Überwindern [Offenb 7,9] als Repräsentanten verschieden. Ob es alt- und neutestamentliche Vertreter sind, etwa die Patriarchen und die Apostel, (Andr. Caes.) steht nicht fest, nur eines ist klar: sie sind in der Zahl zweimal zwölf Vertreter der alt- und neutestamentlichen Gemeinde. Als wahres Gottesvolk sind sie mit priesterlichen Gewändern angetan und als königliche Sieger und Mitherrscher Christi mit goldenen Kronen geschmückt. Gott tut nichts in seinem Reiche auf Erden, ohne es diesen, seinen Dienern, zu offenbaren. Jene sitzen, wenn sie mit dem Herrn richten, sie fallen nieder und beten an, wenn Gott einen Ratschluss herrlich hinausgeführt. [Offenb 5,6] erscheint das Lamm mit sieben Hörnern und Augen in ihrer Mitte als das ewige Haupt seiner Kirche, [Offenb 5,8] bringen die Ältesten die Gebete der Heiligen dar. [Offenb 7,14] stellt einer der Ältesten die in der letzten Trübsal für den Heiland Gestorbenen dem heil. Johannes vor, und [Offenb 11,15.16] danken sie Gott, dass die Zeit des Lohnes für alle Auserwählten da ist. - 5 Und von dem Throne gingen Blitze, und Schall, und Donner aus; Vom Throne Gottes. Der Schall ist wohl das Brausen und Tönen, das im Gewitter Donner und Blitz begleitet. - und sieben Feuerfackeln brannten vor dem Throne, dies sind die sieben Geister Gottes. Die erste Vershälfte stellt die Machtwirkungen Gottes im Gebiete des natürlichen Lebens, die zweite die Gnadenwirkungen dar, welche Gott fortwährend durch seinen Geist übt (die sieben Fackeln weisen auf die sieben Geister [Offenb 1,4] zurück). Gott zeigt allezeit seine Macht in der natürlichen Welt, zu dem Zwecke, um alle durch seinen Geist zu berufen, zu erleuchten und zu heiligen. - 6 Vor dem Throne war ein gläsernes Meer, dem Kristalle Der kristallhelle Fußboden trägt den Thron Gottes. Er versinnbildet den Himmel. [Offenb 18,21] wird er wegen seiner Helle und Durchsichtigkeit erwähnt. Er ist dem Kristall ähnlich, also wie von feinstem Glase. - ähnlich, und in der Mitte des Thrones und ringsum den Thron waren vier Wesen voller Augen, vorn und hinten. 7 Das erste Wesen glich einem Löwen, das zweite Wesen glich einem Stiere, das dritte Wesen hatte ein Angesicht wie ein Mensch, und das vierte Wesen glich einem fliegenden Adler. Die Wesen befinden sich wohl in der Mitte je einer Seite, also in der Mitte und doch rund um den Thron, (Ambros.) das Angesicht dem Beschauer zugewendet. Die Wesen sind Cherube. [Ez 1,5ff] In der Vision erscheinen diese höchsten Geister wie [Ez 1] in der Gestalt der höchsten vier irdischen Geschöpfe: der starke Löwe, der dem Gottesopfer dienende Stier, der hochfliegende Adler, der vernunftbegabte Mensch. (Macht, Gerechtigkeit und Offenbarung, Hoheit und Weisheit, Güte Gottes.) Die Worte [Offenb 5,9] sprechen sie mit dem Ältesten zusammen, so dass diese keine Schwierigkeit für die eben gegebene Auslegung bieten. Der Adler hat hier zwar die Flügel ausgebreitet, fliegt aber nicht. - 8 Jedes der vier Wesen hatte sechs Flügel, Die Cherube haben als die Zeugen der göttlichen Gnadengegenwart Flügel, weil der Gott des Heiles von dieser Stätte aus zu den Menschen kommen will. In der Stiftshütte hatten sie zwei gesenkte Flügel, weil dort die Stätte Gottes ist, bei Ezechiel haben sie auch Räder, da sie dort auf die Zeit hindeuten, wo die Stätte des Heiles ihren Lauf über die ganze Erde nehmen soll, bei Johannes ist die Zahl der der Verbindung zwischen Himmel und Erde dienenden Flügel, wie bei [Jes 6,2] auf 6 erhöht, die nach ihrer Haltung Ehrfurcht, Demut und die stets auf Gottes Wink bereite Tätigkeit andeuten. Doch ihr Flug ist kein blinder, sondern die Augen, welche ringsum und an ihren Flügeln inwendig und auswendig bedecken, schauen auf den Thron und auf die Welt, Wachsamkeit und Weisheit verbindend. - und außen herum und innen waren sie ganz voll Augen, und sie riefen ohne Ausruhen Tag und Nacht: Irdisch gesprochen, denn bei Gott gibt es keinen Wechsel. - Heilig, heilig, heilig Der Lobgesang ist bis auf den der Offenbarung entsprechenden Schluss der gleiche wie [Jes 6,2]. Der dreimal heilige, der Herr, der allmächtige Gott, er ist auch der Ewige, der kommen wird. Die Worte stimmen mit der Erscheinung des Thronenden [Offenb 5,2ff], wie diese selbst mit seinem eigenen Worte [Offenb 1,8] übereinstimmt. - ist der Herr, Gott, der Allmächtige, der da war, und der da ist, und der da kommen wird! 9 Und wenn So oft. - die vier Wesen dem, der auf dem Throne sitzt und in alle Ewigkeit lebt, Ähnlich preisen ihn die Wesen. Daher wird V. 10 diese noch einmal die Ursache des Lobes und den Grund aller Hoffnung und Weissagung einschließende Bezeichnung Gottes wiederholt. - Herrlichkeit, und Ehre, und Dank darbrachten, 10 so fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Throne saß, und beteten den an, der da lebt in alle Ewigkeit und legten ihre Kronen nieder vor dem Throne, Dreifache Bezeugung der Ehrfurcht: Niederfallen auf das Angesicht in dieser Andacht, Anbetung, dankbare Niederlegung der Kronen vor Gottes Thron. - und sprachen: 11 Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu nehmen Nicht allein von uns diese Huldigung entgegenzunehmen, sondern auch dir zu eigen zu nehmen, zur vollen Geltung zu bringen, durch Niederwerfung deiner Feinde und Vollendung deines Reiches. - die Verherrlichung, und die Ehre, und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, Das Responsorium der Ältesten, der Vertreter der erlösten Menschheit, führt den in der Lobpreisung der Cherubine begonnenen Gedanken fort: Ja, es ist, wie die Wesen sagen: du bist der lebendige Gott des Heils allezeit, darum bist du auch würdig, die Herrlichkeit und Macht an dich zu nehmen. - und wegen deines Willens waren sie und wurden sie geschaffen. „Wegen deines Heilswillens, weil du nicht nur das Heil schaffen (wofür die Wesen ihn der Herrlichkeit würdig erkennen), sondern auch durch die Annahme der Herrlichkeit usw. vollenden wolltest, hast du alle Dinge geschaffen.“ Deshalb steht in V. 11 Macht, statt wie V. 9 Danksagung. Zu dem, wozu Gott so aufgefordert wird, wird in Kap. 5 durch Beschließung der das Ende einleitenden Begebnisse der Anfang gemacht.