Hohelied 4
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Verlöbnis
1 Wie bist du schön, meine Freundin! wie bist du schön! Es ist die Sache des Bräutigams, die Braut freundlich anzureden und ihre Einwilligung zu erlangen. Die gleichen Worte [Hohel 1,14] von Seiten der Braut. - Deine Augen sind Taubenaugen, ungesehen das, was innen verborgen ist. Hebr.: Tauben, hinter deinem Schleier hervor. Vulg.: Was innen, unter dem Schleier, verborgen ist, besonders die Augen. - Dein Haar gleicht einer Ziegenherde, die am Berge Galaad heraufkommt. Die einzelnen Züge fügen sich zu einem allegorischen Bilde zusammen, ohne dass jeder für sich eine besondere derartige Bedeutung hätte. Ihr Haar ist wie der Herden mit schwarzem, weichem Haar, welche den Rücken des Galaad bedecken. - 2 Deine Zähne sind wie Herden von Schafen, die nach der Schur aus der Schwemme heraufsteigen, alle Zwillingsjunge tragend, und kein unfruchtbares ist unter ihnen. Der Vergleichungspunkt ist teils die Schönheit im Allgemeinen, da die Schafe nach der Schur glänzend erscheinen, wie insbesondere die Bezeichnung Zwilling, die sich auf die Zähne bezieht. Die Zähne sind, wenn keine Lücke da ist, paarweise und gleichgestaltet. Dass das Land Israel zum Vergleiche genommen wird, geschieht, weil seine Fruchtbarkeit ein Teil der dem Volke verliehenen Himmelsgaben war. Zudem muss die Allegorie möglichst Bilder wählen, die über das gewöhnlich Menschliche hinausgehen. - 3 Wie ein Purpurstreif sind deine Lippen und deine Rede süß. Hebr. vielleicht: umgebend einen schönen Mund. - Wie der Aufschnitt eines Granatapfels sind deine Wangen, Hebr.: Deine Wange. Es ist wohl die sanfte Rundung gemeint. - ungesehen das, was innen verborgen ist. Hebr.: Hinter deinem Schleier hervor. - 4 Dein Hals ist wie der Turm Davids, der mit Schutzwehren gebaut ist und an dem tausend Schilde hängen, Zum Schmucke. Das Bild entspringt keiner Wirklichkeit, wie nicht festzustellen ist, welcher Turm der Turm Davids ist. - alle Schutzwehr der Helden. Die Kirche wird einem Turme verglichen, der mit Waffen auf das beste ausgerüstet ist; sie bilden gleichsam seine kostbare Halskette. [Hohel 1,9] - 5 Deine zwei Brüste sind wie zwei Zwillingsgazellen, die unter Lilien weiden. Gewiss wird durch die Lilien etwas Reines und Heiliges angedeutet, damit die hier notwendige Erwähnung der Reife, vergl. [Hohel 8,8], nicht etwas Ungeziemendes einschließe. – Es ist die Frauenschönheit im einzelnen geschildert, indes liegt wohl auch darin, dass die einzelnen Teile der Kirche ihre besondere, ihnen eigene Vollkommenheit haben. - 6 Bis der Tag sich kühlt Hier unterbricht der Dichter die Schilderung der Braut (bis V. 9) um den Beginn der Reise anzugeben in die Stadt Jerusalem oder an den Ort des Gastmahles. [Hohel 5,1] Wenngleich es sich mit Sicherheit nachweisen lässt, dass hier eine andere Person redet als zuvor, so sind doch die Worte des V. 6 die gleichen, welche die Braut [Hohel 1,17] gesprochen hat, also wohl wider ihr zuzuschreiben. Vom Bräutigam gesprochen, hätten sie keinen Zusammenhang mit dem folgenden Verse. Endlich enthalten die Worte wohl die [Hohel 4,16; Hohel 5,1] ausdrücklicher wiederholte Zustimmung der Braut. - und die Schatten sich neigen, will ich zum Myrrhenberg hingehen und zum Weihrauchhügel. Vor dem Abend will ich gehen, wohin ich soll. Wohin also? Auf einen Berg der schönsten Wohlgerüche. Vielleicht bildet derselbe einen Gegensatz zu dem Libanon. (V. 8) Vergleicht man [Hohel 1,2.12ff; Hohel 3,6; Hohel 5,13; Hohel 8,14] so erscheint es wahrscheinlich, dass der Berg gemeint ist, auf dem der Bräutigam der Braut seine süßeste Liebe mitteilt, der Berg, auf den er sie besonders an diesem Tage seiner Vermählung führen will. Auch seitens der Braut wird die Liebe durch die Symbole der Wohlgerüche erklärt. [Hohel 1,11; Hohel 4,14; Hohel 7,8] Auch der Ort, an den der Bräutigam kommt [Hohel 6,1] und [Hohel 5,1], ist mit Wohlgerüchen erfüllt. So wünscht sie also dahin zu gehen, wo sie die volle Freigebigkeit des Bräutigams genießen wird. Dieser Ort liegt im heiligen Lande, ist der Berg Jerusalems [Jes 10,31], auf dem der Tempel steht, indes nennt ihn der Dichter nicht. - 7 Vollkommen schön Der Bräutigam wiederholt, ich gleichsam dankend, mit einem Worte das gesamte Lob. – Vorher hat er nur gesagt: Siehe, du bist schön, jetzt steigernd: vollkommen schön bist du. - bist du, meine Freundin! und kein Makel ist an dir. Nichts ist an dir, was mir missfallen könnte. - 8 Komm vom Libanon, meine Braut, Jetzt schließt er gleichsam das Ehebündnis, indem er sie zum ersten Mal seine Braut nennt. - komm vom Libanon, komm! Hebr.: Mit mir vom Libanon, Braut, mit mir vom Libanon, o komm! - du sollst gekrönt werden, vom Gipfel Amanas, vom Gipfel Sanirs und Hermons, Vom Libanon steigt man über den Amana und Hermon (von dem der Sanir [5Mos 3,9] ein Teil), die Ausläufer des Antilibanon, herab, also vom Norden nach Süden. - von den Lagern der Löwen, von den Bergen der Leoparden. 9 Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut! Hier und V. 10, V. 12 wie [Hohel 5,1] wird der Bezeichnung Braut der Name Schwester beigefügt, so dass leicht erkannt wird, es handelt sich um eine Braut in geistigem Sinne. Zweimal nur, V. 8, V. 11 wird die Anrede Braut gesetzt, nirgends (auch nicht V. 8) im Hebr. meine Braut. - du hast mein Herz verwundet Hebr.: du hast mir das Herz geraubt. - mit einem Blicke deiner Augen, und mit einer Locke deines Halses. Wiederholung von V. 1-4 wie auch V. 10, V. 11 Wiederholungen bieten. - 10 Wie schön sind deine Brüste, Hebr.: deine Liebkosungen. - meine Schwester, meine Braut! deine Brüste Hebr. wieder: deine Liebkosungen. - sind köstlicher als Wein und der Duft deiner Salben übersteigt alle Wohlgerüche. 11 Honigseim träufen deine Lippen, meine Braut! Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider gleicht dem Duft des Weihrauchs. Hebr.: des Libanons. – In V. 10 entdeckt der Bräutigam eine volle Ähnlichkeit mit sich in der Braut. Vergl. [Hohel 1,1-3]. Vers 11 wird eine genauere Beschreibung des heiligen Landes geboten, denn schon haben sie (um poetisch zu reden) die Grenzen Palästinas überschritten. So bietet sich das Bild von Milch und Honig von selbst, dem hier der Duft des Weihrauches (hebr. des Libanon) beigefügt wird. Doch noch mehr wird die Braut im Folgenden mit der Fruchtbarkeit des Landes verglichen. - 12 Ein wohlverschlossener Garten Ein wohl eingezäunter und geschützter Garten wird das den Israeliten von Gott verliehene Land mit Recht genannt. [Jes 58,11] wird das Bild auf die Fülle der dem Volke verliehenen Gnaden angewendet und [Jer 31,12] das gleiche Bild der Quelle gebraucht. - bist du, meine Schwester, meine Braut! ein wohlverschlossener Garten, Hebr.: Ein verschlossener Born. Die, welche das ganze Volk darstellt, wird mit einem verschlossenen Garten verglichen, der eine nicht minder sorgfältig bewahrte Quelle hat. Dieser Quelle wird die Braut als Haupt des Volkes hier und V. 15 verglichen. - ein versiegelter Quell. 13 Deine Schösslinge sind ein Lustgarten Paradies. - von Granatbäumen mit der Frucht ihrer Äpfel, Cyprusblumen samt Narden, 14 Narde und Safran, Kalmus und Zimmet, samt allen Bäumen des Libanon, Hebr.: mit allerlei Weihrauchsträuchern. - Myrrhe und Aloe, samt allen kostbaren Salben, Hebr.: Besten Balsamen. Um das Wort Paradies immer mehr zu verstärken, werden weiterhin duftende Gewässer aller Art aufgezählt, ein Bild der guten und nützlichen Werke der Braut. - 15 eine Quelle der Gärten, Die Quelle aller dieser Fruchtbarkeit des Lustgartens ist die Braut. - ein Brunnen lebendiger Wasser, die ungestüm vom Libanon niederrauschen. Vom (Anti-) Libanon strömt der Jordan herab, gleichsam jenen Brunnenquell erfüllend, von dem das Land bewässert wird und dessen Wasser stets fließt und nie versiegt. Vergl. [Hohel 7,4ff]. So ist die Freigebigkeit Christi gegen seine Kirche, insbesondere aber seine Liebe und Vertraulichkeit gegen dieselbe, geschildert. Sie ist ein Duft Christi [2Kor 2,15], ihre Liebe der des Heilandes ähnlich (V. 10), vergl. mit [Hohel 1,1-3], ist ein sicher umschlossener Garten Gottes, in dessen Mitte ein Quell in ewige Leben fließt, diese Erde in ein Paradies wandelnd. Der Libanon wird genannt, weil die Braut über die Grenzen des Vaterlandes dem Bräutigam entgegen hinausgegangen ist. Jenseits des Gebietes der Zwölfstämme haben sie sich getroffen und sind von dort an den Ort des Gastmahles [Hohel 5,1] herabgestiegen. Vergl. [Mt 25,1]. - 16 Erhebe dich, Nordwind! und komm her, Südwind! durchwehe meinen Garten, auf dass seine Düfte ausströmen. Wiederum unterbricht die Braut die Lobpreisung des Bräutigams. Sie übergibt wohl jetzt ihren Garten dem Geliebten. Vergl. [Hohel 5,1]. Alle Winde, auch die einander entgegengesetzten ruft sie inzwischen an, den Duft zu verbreiten, den der Bräutigam gelobt, so wird der Bräutigam in diesen Garten kommen, der nun der seine. – Im Hebr. gehört der erste Satz von [Hohel 5,1] der Vulgata mit Recht zu [Hohel 4]