Hohelied 5

Die Ausgaben hier teilen diesen Abschnitt nach verschiedenen Grundsätzen in Verse ein, sodass eine Nummer nicht in jeder dieselben Worte bezeichnet.

Verlöbnis. (V. 1) III. Vervollkommnung und Fruchtbarkeit der Braut. (5,2.8-14) 1. Fünftes Bild. Die Braut wird berufen, für Christus zu leiden, mit inniger Liebe erfüllt und erlangt die besondere Gunst des Bräutigams.

Mein Geliebter komme in seinen Garten und genieße die Frucht seiner Äpfel. Ich kam in meinen Garten, meine Schwester, meine Braut! ich habe meine Myrrhe gepflückt samt meinen Gewürzen, den Honigseim genossen samt meinem Honig, meinen Wein getrunken mit meiner Milch; Die Szene wir mit einem Gastmahle beschlossen, ein passender Abschluss der Verlobung. Vergl. [Offenb 19,9, Rich 10,14.17, Tob 11,21]. - esset, Freunde, und trinket und berauschet euch, meine Geliebten! Da er die Freunde mit sich gebracht, sollen diese am gleichen Mahle teilnehmen. – Im Hebr. kann das letzte Wort auch Liebe bedeuten wie [Hohel 1,2.4, Hohel 4,10, Hohel 7,13] also: Berauschet euch mit Liebe. – Die Vermählung ist die Volle Gründung der Kirche am Pfingstfeste. Demgemäß stellen Kap. 5-8 die Ausbreitung und Früchte der Kirche dar. - Ich schlafe, doch mein Herz wacht. Die Braut ist in Verzückung. Ähnlich endete die erste und die dritte Szene. Mit der Braut sind auch die Töchter Jerusalems jetzt in Verzückung, da sie [Hohel 3,11] alle dem Bräutigam genaht. Bald nach dem Mahle entfernte sich der Bräutigam, wie nach den früheren Szenen. Wenn er also durch seine Ankunft tröstet, ist dies ein außergewöhnlicher Liebeserweis, wie die Erscheinungen des Heilandes nach seiner Auferstehung. Doch nach der Tröstung kommt die Prüfung. Die hier beginnende Szene ist der zweiten [Hohel 2,8ff] und der dritten [Hohel 3,1-5] ähnlich, aber indem der Dichter ähnliche Worte anwendet, will er zugleich auf den Fortschritt aufmerksam machen, der in der Abweichung vom Früheren liegt. - Die Stimme meines Geliebten, der klopft! Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Unbefleckte! Dramatische Erzählung der Braut, die sich an die Leser richtet. Die Braut schläft, aber anders als [Hohel 3,1]. Ohne Hilfe der Sinne verkehrt die Braut in der Entzückung mit Gott. Da kommt der Bräutigam, wie [Hohel 2,8]. Er muss klopfen, anders als [Hohel 2,8], so hat die Beschauung sie gefangen genommen. Die Liebe des Bräutigams wird als eine höhere dargestellt, vier Namen drücken das Lob der Braut aus, der Bräutigam scheut nicht die Unbilden der Nacht, er klopft und versucht Einlass zu erhalten. (V. 4) Die Bezeichnung Braut kommt nicht mehr wieder, sie war dem Tage des Verlöbnisses vorbehalten. Jetzt heißt sie Schwester, wie [Hohel 4,9; Hohel 5,1]. Freundin und Taube wird sie durch das ganze Gedicht genannt, der Name Unbefleckte (Unversehrte) ist das Zeugnis unbedingter Vollkommenheit. - denn mein Kopf ist benetzt vom Tau, meine Locken durchnässt von der Feuchtigkeit der Nacht. Ich habe mein Gewand abgelegt, wie sollte ich es wieder anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie wieder beschmutzen? Die Schwester antwortet nicht dem Klopfenden, sondern schildert dem Leser erzählend, wie schwer es ihr gewesen sei, sich aus der Ruhe zu erheben. Man kann das Hebräische wiedergeben: Ich hatte mein Gewand abgelegt, ich hatte usw. In der Tat können diese Worte von der Braut nicht an den Bräutigam gerichtet sein, die V. 6 von sich sagt: Meine Seele zerschmolz, als er zu mir redete, die (V. 7) ihn mit solcher Sehnsucht sucht, dass sie selbst Schläge nicht fürchtet. Sie erzählt also, welche Schwierigkeiten das Aufstehen hatte, wie sie aber durch dieselben sich nicht abhalten ließ, alsbald zu öffnen. Diese Schwierigkeiten fordern eine allegorische Erklärung: Vor irdischen Dingen und Erdenstaub glücklich gelöst und mit Gott in Beschaulichkeit vereint, scheut sie sich, zu jenen zurückzukehren, sie fühlt eine natürliche, nicht aus dem Willen entspringende Langsamkeit. Wie der Bräutigam die Braut [Hohel 2,10] durch eine längere Aufforderung zur Arbeit lockt, so ist hier mehr notwendig, sie aus dem Schlafe zu wecken, besonders bei Nacht, und nicht zur Übernahme von Arbeit allein, sondern selbst von Schmerz. - Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Öffnung, Der Türe. - und mein Innerstes erzitterte, als er sie berührte. Hebr.: über ihn, seinetwegen. Die Hand macht eine Gebärde der Sehnsucht, so dass die Braut ihn nicht nur hört, sondern auch sieht und einen neuen Liebesbeweis empfängt. So wird ihre natürliche, nicht freiwillige Langsamkeit gebrochen. - Ich stand auf, meinem Geliebten zu öffnen; meine Hände troffen von Myrrhe, und meine Finger waren bedeckt mit kostbarer Myrrhe. Der Duft von Myrrhe und anderen wohlriechenden Stoffen bezeichnet in diesem ganzen Gedichte die Süßigkeit der Liebe. [Hohel 1,11ff, Hohel 4,10ff; Hohel 5,1] Die doppelte Nennung von Myrrhe also: die höchste Liebe. - Ich öffnete meinem Geliebten den Riegel meiner Tür, Im Hebr. gehören diese Worte noch zu V. 5: auf die Griffel des Querriegels. Auch dieser hat eine allegorische Bedeutung, soll er doch die lange Dauer und Schwierigkeit verstärken. - doch er hatte sich weggewendet und war weiter gegangen. Meine Seele zerschmolz, da er redete; nun suchte ich ihn, aber fand ihn nicht; ich rief, Dies war [Hohel 3,1] nicht notwendig. Was [Hohel 3,2] gesagt wird, ist hier wider hinzuzudenken. - aber er antwortete mir nicht. Da fanden mich die Wächter, welche die Stadt durchstreifen; sie schlugen mich und verwundeten mich; Vergl. [Hohel 3,3]. Zu der Sehnsucht kommt Schmerz hinzu, zu diesem ist sie aus der Ruhe der Beschauung gerufen, so erst wird ihre Liebe zu Christus vollkommen. Indem der Bräutigam vom Tau der Nacht durchnässt kam, zeigte er durch sein Beispiel, was er verlangte, wie er [Hohel 2,8.17] durch sein Kommen über zerklüftete Berge durch sein Beispiel zur Arbeit einlud. – Wer die Wächter sind, ist nicht weiter zu fragen. Worauf es ankam, war, dass die in der Nacht umherirrende Braut keine Antwort erhielt, sondern schweren Schmerz von den Menschen erleiden musste. Will man aber die Wächter deuten, so sind es [Hohel 3,3] die Weisen dieser Welt, [Hohel 5,7] die Mächtigen; sie wissen nicht, wo Christus ist, wenn er sich verbirgt, wie hier. - die Wächter der Mauern nahmen mir meinen Mantel. Die äußeren Güter. Doch umso glühender wird die Liebe der Braut. - Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! Die Braut redet die Töchter Jerusalems an, weil ein so großer Schmerz sich äußern muss, sodann die Töchter Jerusalems am füglichsten den Bräutigam beschreiben. Die Braut liebt den abwesenden Bräutigam nicht weniger als den anwesenden [Hohel 2,5], ja noch höher ist diese Liebe zu schätzen. - wenn ihr meinen Geliebten findet, so kündet ihm, dass ich vor Liebe krank bin. Hebr.: Wenn ihr findet meinen Lieben, was wollt ihr ihm melden? Dass ich vor Liebe krank bin. - Was ist dein Geliebter vor einem andern Geliebten, o schönste unter den Frauen? Was ist dein Geliebter vor einem andern Geliebten, dass du uns so beschwörst? Die Töchter Jerusalems haben noch nicht eine gleiche Liebe erlangt (vergleiche eine ähnliche Unkenntnis [Hohel 1,4-7]), auch haben sie [Hohel 3] und [Hohel 5] nicht teil am Schmerze, sondern nur [Hohel 2,15] an der Arbeit. Die Braut also, welche immer gleichsam um einen Grad der Tugend ihnen voraus ist, erleichtert ihr betrübtes Herz und entflammt jene derart, dass sie [Hohel 5,17] auch selbst alles für den Bräutigam auf sich nehmen wollen. Sie wissen wohl, dass dieser Bräutigam vor allen liebenswürdig ist, aber die Freundschaft treibt sie an, der Braut Gelegenheit zu geben, ihren Schmerz aufzuschütten. Eines nur verwundert sie, dass die Braut gerade jetzt in ungewöhnlicher Liebe erglüht. Da der Bräutigam abwesend, erwidert die Braut gleichsam die ihr [Hohel 4,1] gespendeten Lobeserhebungen. - Mein Geliebter ist glänzend weiß und rot, Die Vereinigung dieser Farben gilt als höchste Schönheit. Vergl. [Klagel 4,7]. - auserkoren aus Tausenden. Hebr.: aus Zehntausend, allen. - Sein Haupt ist das feinste Gold; seine Haare sind wie Palmenkronen, Wie Zweige, die von derselben herabhängen. Der Dichter wählt das jedem Gliede irgendwie entsprechende Erhabenste aus der Natur. - rabenschwarz. Seine Augen sind Tauben gleich Dasselbe von der Braut vergl. [Hohel 1,14; Hohel 4,1]. Braut und Bräutigam sind einander ähnlich. Doch wird der Bräutigam ausgezeichnet (wie Gold nur ihm zugeschrieben wird. V. 11, V. 14, V. 15): sein Augenstern ist so lebendig und beweglich wie die Tauben, wenn sie sich im Wasser baden und ihre Köpfe hierhin und dorthin bewegen. - an Wasserbächen, die in Milch gebadet sind und an vollen Strömen wohnen. Die Augensterne, welche im Weißen des Auges sich hin und her zu bewegen scheinen. - Seine Wangen sind wie Gartenbeete, von den Salbenhändlern mit würzigen Kräutern besät. Es ist wohl vom Bart die Rede. - Seine Lippen sind Lilien, die von der besten Myrrhe triefen. Vergl. [Hohel 4,3.11]. - Seine Hände sind wie aus Gold gedreht, gefüllt mit Hyazinthen. Bläuliche Hyazinthsterne. Hebr.: Tarsissteine. (Topas: wohl an dem Ringe) Die Allegorie geht stets über alles gewöhnliche Maß hinaus. - Sein Leib ist Elfenbein, mit Saphiren geziert. Elfenbein bezeichnet die Aufrichtigkeit und Festigkeit. Hebr.: ein Kunstwerk von Elfenbein. Die Saphire deuten auf die Menge der Edelsteine hin, die den Gürtel zieren. - Seine Schenkel sind Marmorsäulen, die auf goldenen Sockeln ruhen. Weiß und fest wie Marmor und ruhen auf Füßen, so edel geformt wie von Gold. Die Beschreibung ist wie die einer Statue. - Sein Aussehen ist wie der Libanon, auserlesen gleich den Zedern. Der Libanon kennzeichnet die Majestät dessen, der erhaben ist an Schönheit wie die Zedern des Libanon. [Hohel 2,3] wurde der Bräutigam seiner Früchte wegen mit einem Apfelbaum verglichen. - Sein Gaumen Seine Rede, die gleichsam der Hauch seiner Seele ist, überträgt die Süßigkeit des Liebenden auf die Geliebte, dass sie dieselbe gleichsam einatmet. Vergl. [Hohel 7,8.9]. - ist lauter Süßigkeit und er ist ganz Holdseligkeit. So ist mein Geliebter und das ist mein Freund, ihr Töchter Jerusalems! Diese hatten sie veranlasst, von ihrem Bräutigam zu reden. -

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