Hohelied 6

Die Braut erlangt die besondere Gunst des Bräutigams. (V. 8) 2. Sechstes Bild. (6,9 – 8,4) Der Bräutigam besucht die Kirche, welche bereits reiche Frucht aus ihren Mühen erlangt hat, in ungewohnter Erscheinung.

Wohin ist dein Geliebter gegangen, du schönste unter den Frauen? Wohin hat sich dein Geliebter gewendet? so wollen wir ihn mit dir suchen! Die Schilderung der Braut hat sie entflammt. Doch vergeblich würden sie ihn suchen, käme er ihnen nicht selbst entgegen. Vergl. [Hohel 3,3]. Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen zu den würzigen Kräutern, Die Braut sieht ihn in seinem Garten, seiner Wohnstätte, und ruft wie [Hohel 4,16] und [Hohel 5,1] nach ihm verlangend. - um in dem Garten zu weiden und Lilien zu pflücken. Ich bin sein und mein Geliebter ist mein, er weidet unter den Lilien, Der Bräutigam kommt in seinen Garten, weil die Braut nichts hat, was ihm nicht gehörte, nicht von ihm verliehen, nicht ihm geweiht, seiner Freude gewidmet wäre. Die Würzen-Kräuter sind duftende Blumen der Tugenden, insbesondere der Liebe. In solchem Garten weilt der göttliche Hirt gern und sammelt Lilien, Pfänder der reinsten Liebe, vergl. [Hohel 4,5, Hohel 2,1.2] diesem göttlichen Hirten übergibt und weiht sich die Braut. - Du bist schön, o meine Freundin! Der Bräutigam antwortet mit ähnlicher Liebesglut. - lieblich Hebr.: Lieblich wie Thirza (eine besonders schöne alte Stadt, deshalb später unter Jeroboam Hauptstadt des Reiches). - und anmutvoll wie Jerusalem, So hat der Dichter (nach dem Hebr.) ganz Israel und das Israel aller Zeiten bezeichnet (Jerusalem ist jünger als Thirza). - furchtbar wie ein geordnetes Heerlager. Er will nicht so die Schönheit als ihre Stärke preisen: Furchtbar wie Scharen unter den Heerzeichen. (Hebr.) - Wende deine Augen von mir, denn sie ziehen mich an sich. Hebr.: sie verwirren (erschrecken mich), ich kann ihren Anblick kaum ertragen. Die Braut ist schön und siegreich. Vergl. [Hohel 7,5]. - Deine Haare sind einer Herde von Ziegen gleich, die von Galaad her erscheint. Die Schönheit ist nicht verloren. Hebr.: Die von Galaad herab lagert. - Deine Zähne gleichen einer Herde von Schafen, Die Wendung etwas anderes als [Hohel 4,2]. Der Dichter deutet wohl auf die Fruchtbarkeit der Gemahlin hin. - die aus der Schwemme heraufsteigen: alle haben Zwillingsjunge und keines ist unfruchtbar unter ihnen. Deine Wangen sind wie die Schale Richtiger: Scheibe. - eines Granatapfels, ungesehen das, was in dir verborgen ist. Hebr.: hinter deinem Schleier hervor. - Sind auch sechzig Königinnen und achtzig Nebenfrauen und Jungfrauen ohne Zahl, Ein menschlicher Königshof, wie er damals zu sein pflegte, dient als Untergrund der Schilderung. Die Mehrzahl von Frauen hatte nichts Anstößiges. Doch hier sind die unzähligen Seelen verstanden, welche sich Christus vermählen, wenngleich der Dichter die Einheit der Kirche durch eine bevorzugte Königin darstellt. An ihr ist kein Makel, es ist die Kirche, soweit sie ein Werk Gottes allein ist. Sie ist schön wie eine Taube, so unversehrt, dass ihr nichts an reifer und vollkommenster Tugend fehlt. - so ist nur eine meine Taube, meine Vollkommene, die Einziggeliebte ihrer Mutter, die Auserkorene ihrer Gebärerin. Der mystischen Stadt Jerusalem auf Erden. - Es sahen sie die Töchter und priesen sie glückselig, die Königinnen und Nebenfrauen lobten sie. Wer ist diese, welche dort hervortritt gleich der aufsteigenden Morgenröte, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Heerlager? Besser neutral: Was ist das? Da die Braut V. 11 durch den Anblick der Wagen in Aufregung kommt, so dass sie zu fliehen beginnt, kann sie nicht das Heerlager sein. Der himmlische Salomon ist es, der in Wagen, vergl. [Hohel 1,8], naht mit hellstrahlendem göttlichem Glanze. Ein Teil des Himmels rötet sich, ein mildes Licht zeigt sich, das an Stärke immer mehr zunimmt, bis zuletzt deutlich ein Heer erscheint. – Es sind nicht Worte des Bräutigams, sondern derer, die es schauen, insbesondere der Braut. - Ich Um die Verwunderung zu erregen, steht V. 9 vor V. 10. Vergl. [Hohel 3,11]. Die erste Person steht statt der dritten wie [Hohel 3,1ff]. Die Genossinnen der Braut sind gegenwärtig. - ging in den Nussgarten hinab, um die Früchte in den Gründen zu beschauen, nachzusehen, ob die Weinstöcke schon sprossen und die Granaten schon blühen. Diese Sorgsamkeit ist die stete Pflicht der Kirche auf Erden, die nur durch Arbeit und Schmerz fortschreitet. [Joh 15,16] Garten, Tal, Weinstöcke, Bäume werden poetisch gesetzt, weil die Arbeit der Frauen diesen gewidmet ist. Dort besucht sie der Bräutigam in seiner Liebe und lobt und belohnt sie. Doch die Art seines Erscheinens ist eine ungewohnte: je mehr die Kirche durch die Jahrhunderte fortfährt, tätig zu sein, desto höherer Ehre wird sie würdig. - Ich wusste um nichts, Dramatische Darstellung dessen, was geschehen, in Form der Erzählung, wie [Hohel 3,1ff]. - da verstörte mich meine Seele um der Wagen Aminadabs Hebr.: Amminadib, Gott, der Fürst. Gottes Erhabenheit wird durch den Namen angedeutet. „Wegen“ ist von der Vulgata beigefügt, also besser: Da verstörte mich meine Seele. „Die Wagen Aminadabs!“ Einen ähnlichen Namen führt die Sunamitin [Hohel 7,1]. (Septuag: Tochter Aminadab.) - willen.

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