Daniel 2

I. Teil. (Kap. 2-6) 1. Traumgesicht des Königs Nabuchodonosor von vier Reichen. (Kap. 2) A. Nabuchodonosor verlangt von den Magiern, sie sollen den Traum, den er vergessen, berichten und erklären. Da sie dies nicht können, verurteilt er sie zum Tode. (V. 13) B. Daniel wird auf sein Gebet der Traum von Gott mitgeteilt; er ruft ihn dem Könige ins Gedächtnis zurück (V. 35) und gibt dessen Deutung: die zukünftigen Reiche bis zum Reiche des Messias. (V. 45) Der König belohnt ihn.

Im zweiten Vielleicht ist ein Zahlenbuchstabe ausgefallen? Etwa im zwölften Jahre? Die Würde, zu der Daniel erhoben wird, scheint ein reiferes Alter zu fordern? – Zweiten: eigentlich ist es das dritte Jahr, da die Babylonier die Jahre der Herrschaft erst mit dem Beginne des neuen Kalenderjahres zu zählen begannen und dies diesen vorhergehende Zeit Anfang seiner Herrschaft nannten. Trifft der Traum gegen das Ende des zweiten Jahres der Herrschaft Nabuchodonosors, so war dies das dritte der Erziehung Daniels, da das erste in den „Anfang der Herrschaft Nabuchodonosors“ fiel. - Jahre der Herrschaft Nabuchodonosors sah Nabuchodonosor ein Traumgesicht, So wenig Pharao selbst einst verdiente, die Zukunft zu schauen, ebenso wenig sind Nabuchodonosors Verdienste die Ursache des Traumgesichtes, sondern Gott will durch die Auslegung desselben durch seinen Diener verherrlicht werden und den ihm in der Gefangenschaft treu Gebliebenen Trost gewähren. - über das sein Geist erschrak, und sein Traum entschwand ihm. Hebr.: worüber sein Geist sich beunruhigte und sein Schlaf für ihn dahin war. - Da befahl der König, Träume galten bei den Babyloniern als Offenbarungen der Gottheit. - die Wahrsager und Weisen und Zauberer und Chaldäer Vier Klassen von Weisen [Dan 2,12] werden genannt, doch ist es schwer, die einzelnen genau zu bestimmen. Der König ruft alle Klassen zusammen, damit, wenn eine Beschwörung der bösen Geister notwendig erscheint, die Zauberbücher alsbald befragt werden. Die Zauber- und Verschwörungsformeln waren in der sumerischen, nichtsemitischen Sprache überliefert. - zusammenzurufen, um dem Könige seinen Traum kundzutun. Als diese nun kamen und vor den König traten, Daniel und seine Genossen waren nicht unter denselben, wie V. 13 zeigt. Sie halten sich von aller Art von Zauberei und Wahrsagerei fern. - sprach der König zu ihnen: Ich habe ein Traumgesicht gehabt und mein Geist ist verwirrt und ich weiß nicht mehr, was ich gesehen habe. Hebr.: und mein Geist ist in Bewegung den Traum zu wissen. Die Worte lassen es zweifelhaft, ob er auch den Traum selbst oder nur dessen Deutung wissen will. Die Magier fassen dieselben im nächstliegenden Sinne. - Da antworteten die Chaldäer dem Könige in syrischer Sprache: Hebr.: Aramäisch. Dieses Wort ist einzuklammern. Die Weisen gaben ja ihre Antwort in babylonischer Sprache, dieser Zusatz soll also die Leser erinnern, dass das, was folgt, von Daniel aramäisch, nicht hebräisch geschrieben ist. Das Wort gehört an den Rand. Um die fremde Sprache anzudeuten, in der jene antworten, braucht Daniel die aramäische Sprache. - O König, mögest du ewig leben! Vergl. [Baru 1,11]. Die Chaldäer (Kasdim) allein antworten, also wohl die Höchsten an Würde. Nach Herodot und Diodorus Sikulus bezeichnet dieser Name die babylonischen Priester. - Teile den Traum deinen Knechten mit, so wollen wir kundtun, was er bedeutet. Da antwortete der König und sprach zu den Chaldäern: Mein Beschluss ist gefasst. Wenn ihr mir nicht den Traum und seine Deutung angebt, so müsst ihr sterben und eure Häuser werden euch genommen werden. Hebr.: so sollt ihr in Stücke zerhauen und eure Häuser in Misthaufen verwandelt werden. Mit dem letzteren war dem Besitzer der äußerste Schimpf angetan. Vergl. [2Koe 10,27; Esr 6,11]. - Wenn ihr aber den Traum und seine Bedeutung angebt, so sollt ihr Belohnung, Geschenke und hohe Ehre von mir empfangen; darum tuet mir den Traum samt seiner Deutung kund. Da antworteten sie zum zweiten Mal und sprachen: Der König möge seinen Knechten den Traum mitteilen, so wollen wir die Deutung kundtun. Der König aber antwortete und sprach: Wahrlich! ich sehe nun, dass ihr Zeit zu gewinnen sucht, weil ihr wisst, dass mein Beschluss gefasst ist. Wenn ihr mir also den Traum nicht angebt, so kann ich von euch nur urteilen, dass ihr auch eine falsche und betrügerische Auslegung verabredet habt, Vermögen sie nicht durch ihre Kraft den Traum selbst zu finden, so ist auch ihre Auslegung nur Täuschung und Trug. - um mich mit Reden hinzuhalten, bis die Zeit vorübergeht. Bis ich durch andere Geschäfte verhindert bin, an euch zu denken. - Darum gebet mir den Traum an, damit ich erkenne, dass ihr auch die Auslegung der Wahrheit gemäß geben könnt! Wenn ihr dies aber nicht vermögt, bleibt mein Spruch über euch in Kraft. – Hat der König den Traum gänzlich vergessen? Nach der Vulgata und den griech. Übersetzungen kann es so scheinen; im Urtexte steht dies indes nicht. Er hat wohl noch einen Schatten und eine Spur des Traumes bewahrt, so dass er hiernach beurteilen kann, ob man ihn etwa zu täuschen versuche. (Hieron.) Eben dies erregt in ihm die heftige Begierde, den ganzen Traum wieder zurückzugewinnen, und die Wut, da die Magier ihm nicht zu helfen vermögen. - Da antworteten die Chaldäer vor dem Könige und sprachen: Kein Mensch ist auf Erden, der zu erfüllen vermöchte, was du Im Aram. Wird nicht der König angeredet: Es gibt keinen Menschen auf Erden, der des Königs Sache mit einer Deutung entsprechen könnte. - verlangst, o König! aber auch nie hat Deshalb. - ein großer und mächtiger König Orientalischer Titel im Assyrischen, Babylonischen und Persischen gebräuchlich. - ein solches Verlangen an einen Wahrsager oder Weisen oder Chaldäer gerichtet. Denn das, was du, o König! forderst, ist schwierig und man wird niemand finden, der es dem Könige kundtun könnte, außer den Göttern; diese aber haben mit den Menschen ja keinen Verkehr. So weist denn die Wiedergabe und Deutung des Traumes durch Daniel auf Gottes Mitwirkung hin. - Als der König dies hörte, ergrimmte er und befahl in großem Zorne, alle Weisen Babylons umzubringen. Als nun das Urteil erlassen war und die Weisen zum Tode geführt werden sollten, suchte man auch Daniel und seine Genossen, um sie zu töten. Den Magiern war wohl Zeit gewährt worden, den Willen des Königs zu erfüllen; so bittet auch Daniel um solche. - Da erkundigte sich Daniel nach dem Gesetze und Urteil Aram.: Da redete Daniel mit Verstand und Einsicht zu Arioch. - bei Arioch, dem Anführer des Heeres des Königs, Aram.: dem Obersten der königlichen Leibwache. - welcher ausgegangen war, die Weisen Babylons zu töten. Und er fragte ihn, der vom Könige den Auftrag erhalten hatte, warum denn ein so grausamer Befehl vom Könige erlassen sei. Daniel war nicht mit den übrigen beim Könige gewesen. - Als Arioch dem Daniel die Sache mitgeteilt hatte, ging Daniel zum Könige und bat denselben, ihm Zeit zu gewähren, dass er dem Könige die Erklärung geben könnte. Die rasche Entschlossenheit, welche ihm das Leben immerhin noch erhält, und sein Gang zum Könige zeugen sowohl von großer Glaubensgewissheit wie von der Klugheit Daniels, der schon mehrfach Gottes sichtbaren Schutz an sich erfahren. [Dan 1,15.17.20] - Alsdann Die Bitte hat Erfolg, denn der König kannte Daniel schon als einen an Weisheit allen überlegenden Mann [Dan 1,20] und wünschte nichts sehnlicher, als an seinen Traum erinnert zu werden. - begab er sich in sein Haus und teilte seinen Genossen, Ananias und Misael und Azarias, die Angelegenheit mit, dass sie den Gott des Himmels dieses Geheimnisses wegen um Barmherzigkeit anflehen sollten, Auch seinerseits tut Daniel alles, um sich der Hilfe Gottes würdig zu machen. - und dass Daniel und seine Gefährten nicht mit den übrigen Weisen Babylons getötet würden. Daniel hat um Aufschub gebeten, nicht um über den Traum nachzusinnen, sondern um den Herrn, der alles Verborgene kennt, anzuflehen. Darum gesellt er sich Ananias, Misael und Azarias an, damit er nicht auf seine Verdienste zu vertrauen schien und damit die, welche in gleicher Gefahr waren, auch am Gebete teilnahmen. (Hier.) - Da ward dem Daniel bei Nacht das Geheimnis in einem Gesichte Also nicht im Träume, sondern wohl im Gebete. - geoffenbart. Daniel aber pries den Gott des Himmels und hob an und sprach: Der Name des Herrn sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit! denn sein ist Weisheit und Macht. Er führt den Wechsel der Zeiten und Weltalter herbei und stürzt Reiche und festigt andere, Aram.: Stürzt Könige und setzt Könige ein. - er verleiht den Weisen Weisheit und den Einsichtigen Erkenntnis. Er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis begraben ist, und das Licht wohnt bei ihm. Ich sage dir Dank, o Gott meiner Väter! und preise dich, dass du mir Weisheit und Stärke verliehen Der Gabe der Weisheit, die Gott verliehen [Dan 1,19.20], hat er neuen Glanz hinzugefügt. - und mich nun hast wissen lassen, um was wir dich gebeten, dass du uns des Königs Angelegenheit geoffenbart hast. Hierauf Aram.: Darum: nämlich weil ihm der Traum des Königs offenbart worden war. - ging Daniel zu Arioch, den der König beauftragt hatte, die Weisen Babylons zu töten, und sprach also zu ihm: Töte die Weisen Babylons nicht! Durch Daniel werden auch die übrigen Magier vor dem Tode bewahrt. So verherrlicht Gott seinen Diener und macht seine eigene Macht offenbar. - führe mich vielmehr vor das Angesicht des Königs, so will ich dem Könige die Deutung geben.
Daniel unter den Verbannten
Da führte Arioch Daniel eilends vor den König und sprach zu diesem: Ich habe unter den Söhnen der Gefangenen Judas einen Mann gefunden, welcher dem König die Deutung angeben will. Entweder wusste Arioch nicht, dass Daniel den König um Aufschub gebeten, um die Deutung des Traumes zu geben, oder er spricht sich in seinen Worten die Verachtung gegen den jüdischen Gefangenen aus, dessen Namen er nicht einmal nennt. - Der König begann und sprach zu Daniel, dessen Name Baltassar war: Bist du wohl wahrhaft imstande, mir das Traumgesicht, das ich gehabt habe, und seine Auslegung kundzutun? Daniel antwortete dem Könige und sprach: Daniel will den König alsbald veranlassen, Gottes Erhabenheit und Allwissenheit zu bewundern, indem er ihm gleichzeitig die Ohnmacht der Magier und ihrer Götter zeigt. - Das Geheimnis, über das der König befragt, können die Weisen, die Wahrsager, die Zauberer und Zeichendeuter dem Könige nicht kundtun. Die Magier sind nicht Diener des Gottes im Himmel (V. 28), ihnen offenbart er nicht sein Wissen. - Doch ist ein Gott im Himmel, welcher die Geheimnisse enthüllt; er hat dir, o König Nabuchodonosor! kundgegeben, was am Ende der Zeiten Das aramäische Wort kann sowohl Folgezeit wie auch Ende der Zeiten, d.i. messianische Zeit bedeuten. Auf diese zielt ja auch das ganze Traumgesicht ab. - geschehen wird. Dein Traum und die Gesichte deines Hauptes, die du auf deinem Lager gesehen, waren diese: Es stiegen dir, o König, auf deinem Lager Gedanken auf, was nach dieser Zeit geschehen werde; Ehe der König einschlief, dachte er über die Zukunft nach (Ephr., Hieron., Chrys.), ob das Babylonische Reich fest gegründet sei und wachsen werde. - und der, welcher die Geheimnisse offenbart, hat dir gezeigt, was in der Zukunft geschehen wird. Wie Gott, dem Wunsche des Königs entsprechend, zu wissen, was die Zukunft bringe, jenes Traumgesicht hat kommen lassen, so soll ihm das Vergessen des Traumes seitens des Königs Gelegenheit bieten, sich zu offenbaren und seinen Diener zu ehren. - Auch mir ist dieses Geheimnis nicht durch meine Weisheit offenbart worden, So entschuldigt Daniel die anderen, dass sie den Traum nicht offenbaren konnten, und hält ihren Neid fern; zugleich ehrt er den König, da er sagt, dass um seinetwillen ihm die Geheimnisse von Gott offenbart seien. - als wäre diese größer als die aller Lebenden, sondern zu dem Ziele, damit dem Könige die Deutung kund werde und du deines Herzens Gedanken erfahrest. Du, o König! schautest: Siehe, es stand vor deinen Augen eine gewaltige Bildsäule; diese Bildsäule war groß, von erhabener Gestalt, und stand vor dir und ihr Anblick war furchtbar. Sie erfüllte den König mit Staunen, Schrecken und Ehrfurcht. - Das Haupt dieser Bildsäule war vom feinsten Golde, die Brust und die Arme von Silber, der Bauch und die Lenden von Erz, die Schenkel von Eisen, die Füße teils von Eisen, teils von Ton. Klarer: Seine Füße teils von Eisen, teils von Ton; d.i. aus mit Ton gemischtem Eisen. (V. 43) - Als du so schautest, riss sich ein Stein vom Berge Fehlt im Aram. Die Deutung V. 45 fügt ihn hinzu, ähnlich wie in [Dan 7] der Deutung manches hinzugefügt wird, was im Traumgesichte fehlt. - los, ohne Zutun von Menschenhänden, und stieß an die teils aus Eisen, teils aus Ton bestehenden Füße der Bildsäule und zertrümmerte diese. Da wurden auf einen Schlag zermalmt Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold und wurden gleichsam in Spreu einer Sommertenne Das Bild von der Spreu auf der Tenne ist im Alten Testamente sehr häufig. [Jes 41,15.16; Mic 4,13]; u.a. Es ist der Ausdruck vollständiger Vernichtung. Vergl. [Ps 102,15]. - aufgelöst und vom Winde weggeführt, so dass von ihnen keine Spur mehr zu finden war; der Stein aber, welcher die Bildsäule traf, ward zu einem großen Berge und erfüllte die ganze Erde. Dies ist der Traum und nun wollen wir Plural der Autorität? Seine Genossen deuten den Traum nicht. - vor dir, Aram.: vor dem Könige. Erst im Folgenden tritt eine Anrede des Königs ein. - o König! auch die Deutung verkünden. Du bist der König der Könige Titel der persischen [Esr 7,12] wie der babylonischen Könige. [Ez 26,7] - und der Gott des Himmels hat dir Herrschaft, Macht, Gewalt und Herrlichkeit gegeben Diese lange Anrede soll die Beziehung des Hauptes auf Nabuchodonosor begründen, der gleichsam das ganze Reich in sich beschließt und darstellt. Auch ist die Abhängigkeit des höchsten Menschen von Gott nicht ohne Absicht betont. - und alles, wo immer Menschenkinder und Tiere des Feldes wohnen; selbst die Vögel des Himmels hat er in deine Hand gegeben Wer über Menschen herrscht, kann als Machthaber über des angesehen werden, was des Menschen wegen geschaffen ist und von Menschen zu seinem Nutzen und Dienste verwendet wird. - und hat alles deiner Herrschaft unterworfen; du also bist das Haupt von Gold. Vergl. [Jer 51,7]. Babylon ein goldener Kelch. Das Gold ist Bild des Glanzes, der macht, des Reichtums des Reiches. - Aber nach dir wird ein anderes Reich sich erheben, geringer als du, von Silber; Das medo-persische, das wie dem Silber dem Golde nachsteht, minder glänzend und ruhmvoll ist als das erste. - dann ein drittes Reich von Erz, das seine Herrschaft über die ganze Erde erstrecken wird. Das vierte Reich wird wie Eisen sein; denn wie das Eisen alles zertrümmert und bezwingt, so wird dieses Reich alle jene zertrümmern und zerschmettern. Aram.: Dann aber wird ein viertes Reich aufkommen, stark wie Eisen; dementsprechend, dass Eisen alles zertrümmert und zermalmt, wird es wie Eisen, das zerschmettert, alle jene (Reiche) zermalmen und zerschmettern. – Warum werden vier Reiche im Gleichnisse einer Bildsäule dargestellt? Sie sammeln in sich und umfassen alles, was die Menschen aus eigener Kraft vermögen und was Gott nicht kennende und verehrende Menschen begehren. Auf wie vielfache Weise aber diese menschliche Macht in die Erscheinung treten mag, immer tritt sie in Gegensatz zu dem einen Reiche Gottes, immer kämpft sie in gleicher Weise gegen dieses, immer wird sie von den gleichen gottfeindlichen Bestrebungen beherrscht. Doch da der Mensch fern von Gott wahres Leben und Glückseligkeit nicht zu erlangen vermag [Jer 51,58; Hab 2,13], ist er einer leblosen Statue ähnlich. Die verschiedenen Metalle kennzeichnen die verschiedenen Mittel, die dem Menschen zu Gebote stehen. Doch was ist dieser Gott entfremdete Mensch, der in Staub zermalmt wird, wenn wir ihn mit dem Menschensohne vergleichen, der in den Wolken des Himmels kommt, dem Macht und Ehre und Herrschaft gegeben wird! [Dan 7,13.14] Das dritte Reich ist von Erz, ein Reich, das durch seine Kriegsmacht und seine Waffen sich auszeichnet und seine Herrschaft über die ganze Erde erstreckt. Es ist das griechisch-mazedonische und die aus demselben hervorgegangenen Reiche. Das vierte Reich ist das römische, das alle übrigen vernichtete und in dessen Zeit das messianische Reich seinen Anfang nahm, durch welches jede feindliche Weltmacht gedemütigt und vernichtet wird. - Dass aber die Füße und die Zehen, die du sahest, teils aus Töpferton, teils von Eisen waren, bedeutet, dass das Reich nicht geeint sein wird; immerhin wird sein Grund von Eisen sein, gemäß dem, dass du Eisen mit Töpferton gemischt gesehen hast. Aram.: Und dass die Füße und die Zehen, die du sahest, teils aus Töpferton, teils aus Eisen bestanden (dies bedeutet): es wird kein zusammenhaltendes Reich sein; immerhin wird es auch von der Festigkeit des Eisens an sich tragen, dem entsprechend, dass du ja gesehen hast, wie Eisen mit der Tonerde vermischt war. – Dass zwei Stoffe sind, weist auf Teilung; dass die Härte derselben sehr verschieden ist, auf die verschiedene Widerstandskraft des Reiches in seinen einzelnen Teilen. Der Versuch, diese ungleichartigen Stoffe zu mischen, deutet (V. 43) auf die vergeblichen Anstrengungen, die verschiedensten Elemente in dem Reiche zu vereinen. - Und dass die Fußzehen teils von Eisen, teils von Ton waren, bedeutet, dass das Reich zum Teil stark und zum Teil zerbrechlich sein wird. Die Mischung ist nicht fest. Sie werden gemischt, haben sich also nicht naturgemäß von selbst zusammengeschlossen. - Dass du aber Eisen mit Ton gemischt sahest, bedeutet, dass sie sich zwar mit Hilfe von Menschensamen Verschwägerungen, politische Heiraten, durch welche verschiedene Nationen vereinigt werden. - vermischen, aber dennoch keinen Zusammenhalt haben werden, Die einzelnen Teile. - so wie sich Eisen nicht mit Ton vermischen lässt. In den Tagen jener Reiche Aram.: In den Tagen aber jener Könige – nämlich Reiche. - wird der Gott des Himmels Der Gott, der den Himmel geschaffen, ist Urheber dieses Reiches. - ein Reich aufrichten, welches in Ewigkeit nicht zerstört werden und dessen Herrschaft auf kein anderes Volk übergehen wird, dieses wird alle jene Reiche Zunächst die vier zuvor genannten, welche das Abbild der gesamten Gott feindlichen Menschenmacht sind. Wie andere Propheten alle Feinde Gottes in einem Volke oder einem Reiche darstellen [Jes 13,10; Jes 34,6], so umfasst Daniel in der Reihenfolge der Reiche die gesamte Schar der Feinde Gottes. Diese werden soweit überwunden und vernichtet, als sie den Wesen des Reiches Gottes entgegengesetzt sind. Denn da nach allen Prophezeiungen das Reich Gottes ein geistiges ist, das auf wahrer Heiligkeit beruht, wird in den reichen nur zerstört, was Gott feindlich entgegentritt. Wenn der Stein ein großer Berg wird, der die Erde erfüllt, so ist dies ein Bild des Reiches Gottes, das unscheinbar beginnt und mächtig emporstrebt. Durch Gottes Wohlgefallen und Macht erweckt, ist es in sich stark und unbesiegbar, dem gegenüber alle Menschenmacht nur wie eine gebrechliche Scherbe gegen einen Felsen und einen Berg ist. Die Macht der Ausbreitung versinnbildet der Berg, der die ganze Erde erfüllt. Vergl. [Ez 17,23.24; Mt 13,31.32]. Der Stein kann im Gegensatze zu dem Glanze der Weltreiche die Unansehnlichkeit der Erscheinung des Reiches Gottes bezeichnen, das dennoch stärker ist als alles Menschliche. [1Kor 1,25] – Die meisten Erklärer verstehen indes unter dem Steine Christus den Herrn selbst. In der Tat ist der Übergang von dem durch Christus gestifteten und ausgebreiteten Reiche auf den Urheber desselben leicht, ist dieser doch das Haupt der Kirche und in derselben und durch dieselbe allezeit wirksam. Zudem wird Christus oft als der Eckstein bezeichnet und nennt sich selbst so. So erklären Iren., Euseb., Athanas., Cyrill v. Jerus., Epiph., Tertull., Cypr., August., Hieron. - zermalmen und vernichten, es selbst aber wird in Ewigkeit bestehen; wie du ja gesehen hast, dass der Stein sich vom Berge ohne Zutun von Menschenhänden losriss und Ton, Eisen, Erz, Silber und Gold zermalmte. So hat der große Gott dem Könige kundgetan, was in der Zukunft geschehen wird; der Traum ist wahrhaft und seine Deutung zuverlässig. Daniel schließt mit der wiederholten Versicherung, dass die Erklärung nicht sein Verdienst sei, sondern von Gott gegeben, damit der König diesen verehre, und dass dieselbe demnach sicher und zuverlässig sei. (Hieron.) - Da fiel der König Nabuchodonosor auf sein Angesicht nieder, verneigte sich tief vor Daniel und befahl, ihm Schlachtopfer und Räucherwerk darzubringen. Während Daniel das Traumgesicht beschrieb und die Deutung desselben gab, erinnerte sich der König an dasselbe. So erkennt er denn, dass eine mächtige Gottheit durch Daniel zu ihm redet, und ehrt in diesem ein höher stehendes, der Gottheit nahe verwandtes Wesen. Die tiefe Verneigung ist also eine wahre Anbetung, wie die Opferung von Weihrauch beweist. Besonders durch Weisheit ausgezeichnete Männer ehrt man leicht mit göttlichen Ehren; vergl. auch [Apg 14,10]. Daniel weist das Opfer zurück und belehrt den König über seinen Irrtum, wie V. 47 zeigt. - Zu Daniel aber sprach Antwortete? Dann billigt er Daniels Gründe und nicht sowohl ihn als in ihm betet er Gott an, den er in seinem Diener noch in anderer Weise ehrt. - der König also: Wahrlich! euer Gott ist der Gott der Götter Nabuchodonosor legt also die Meinung nicht ab, dass es noch andere Götter gebe und diese gleichfalls etwas vermögen. - und der Herr der Könige und der Offenbarer der Geheimnisse, Nicht allein Dankbarkeit, sondern auch Klugheit rät ihn an, Daniels Gott über alle Götter zu stellen. Was könnte er von einem so weisen Gotte nicht für die Wohlfahrt seines Reiches erhoffen? - denn du hast dieses Geheimnis zu enthüllen vermocht. Alsdann erhob der König Daniel sehr und gab ihm viele und große Geschenke und setzte ihn zum Fürsten über alle Landschaften von Babylon Aram.: übertrug ihm die Herrschaft über die ganze Provinz Babel. - und zum obersten Vorsteher über alle Weisen Babylons. Auf die Bitte Daniels aber übergab der König die Verwaltung der Provinz Babylon Sidrach, Misach und Abdenago; Daniel selbst aber blieb an dem Hofe des Königs. So erlangten die frommen Jünglinge eine zweite und höhere Belohnung für ihre Frömmigkeit. Vergl. [Dan 1,19.20].

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