2. Die drei Jünglinge im Feuerofen. a. Errichtung der Bildsäule. (V. 6) b. Frömmigkeit und Festigkeit der Jünglinge. (V. 23) c. Gebet des Azarias. (V. 45) d. Gesang der drei Jünglinge im Feuerofen. (V. 90) e. Der König staunt über die Macht Gottes.
1Der König Nabuchodonosor ließ eine goldeneEine mit dünnen Goldplatten belegte, aus Holz oder Metall gefertigte Statue. - Bildsäule machen,Über den Zeitpunkt dieses Ereignisses lässt sich nichts Sicheres sagen, jedenfalls liegt er hinter der Eroberung Jerusalems. Vergl. [Dan 3,38]. Wahrscheinlich wollte der König durch die Errichtung einer herrlichen Statue den Schutzgöttern Dank sagen und ein Ruhmesdenkmal seiner Herrschaft errichten. - sechzig Ellen in der Höhe,Das Bild stand wohl auf einer Säule und hatte mit derselben diese Höhe. - sechs Ellen in der Breite,Diese Breite gehörte der Säule zu. - und stellte sie in der Provinz Babylon in der Ebene DuraDie südlich von der Stadt gelegene weite Ebene. - auf.2 Hierauf sandte der König Nabuchodonosor Boten aus und ließ die Statthalter, Befehlshaber, Richter, Schatzmeister, Gewalthaber, Beamten und alle Fürsten der ProvinzenDie genauere Bedeutung der Namen und Würden ist noch nicht ganz erforscht. Es sind alle, welche in der Verwaltung des Reiches und der Provinzen eine Rolle spielen. Sie sollen fest an Nabuchodonosor gebunden werden, indem sie den vom Könige verehrten Götzen anbeten. - zusammenrufen, dass sie zur Einweihung der Bildsäule, welche der König Nabuchodonosor aufgerichtet hatte, sich einfänden.3 Da versammelten sich die Statthalter, Befehlshaber, Richter, Schatzmeister, Gewalthaber, die vornehmsten Würdenträger und alle Fürsten der Provinzen, um der Einweihung des Bildes, welches der König Nabuchodonosor errichtet hatte, beizuwohnen; und sie stellten sich vor der Bildsäule auf, die der König Nabuchodonosor errichtet hatte.4 Alsbald rief ein Herold laut: Euch, ihr Völker, Stämme und ZungenEs waren mit den Statthaltern also große Scharen Volkes gekommen. - wird angesagt:5 Zur Stunde, da ihr den Schall der Trompeten, Pfeifen und Zithern, des Saitenspiels, der Laute, des DoppelspielsTrompete: Horn. Die Zither hatte bei den Assyriern die Gestalt eines Dreieckes, das mit Saiten überspannt war und mit der Hand oder mit einem Stabe gespielt wurde. Das Saitenspiel war wenig davon verschieden. Die Laute war eine Art Harfe mit wenigstens zehn Saiten über einem konkaven durchlöcherten Boden. Doppelspiel ist die Doppelpfeife, Dudelsack. - und aller Arten von Musik hört, werfet euch nieder und betet die goldene Bildsäule an, welche der König Nabuchodonosor errichtet hat.6 Wer nicht niederfällt und anbetet, soll zur selben Stunde in den brennenden Feuerofen geworfen werden.Der König verlangt, dass auch die besiegten Fürsten und Stämme seinen Gott anbeten, dem er den Sieg über sie und ihre Götter zuschreibt. Um diesem harten Befehle Nachdruck zu geben, droht er mit der bei den Babyloniern nicht seltenen Feuerstrafe. -7 Sobald also das gesamte Volk den Schall der Trompeten, Pfeifen und Zithern, des Saitenspiels, der Laute, des Doppelspiels und aller Art Musik hörte, warfen sich alle Völker, Stämme und Zungen nieder und beteten die goldene Bildsäule an, welche der König Nabuchodonosor errichtet hatte.Die Götzendiener bekennen durch ihre Anbetung, was nach ihren Ansichten von den Göttern ja in der Tat geschehen war, dass der Gott Nabuchodonosors sich mächtiger erwiesen als die ihrigen. -8 Alsbald aber, zu gleicher Zeit, traten chaldäische Männer herzuDie Chaldäer haben sorgfältig beobachtet, ob sich ihnen eine Gelegenheit biete, die Juden beim Könige zu verklagen und seiner Gunst zu berauben. - und klagten die Juden anEigentlich: fraßen die Stücke der Juden, fraßen sie in Stücke, übertragen: verleumdeten sie; allgemeiner: nach jemandes Unheil trachten. Daniel war wohl nicht zugegen, da nach Vers 2 nur die Vorsteher der Provinzen usw. berufen sind. Vielleicht war er im Gefolge des Königs, der als Zuschauer dabei stand. -9 und sprachen zu dem Könige Nabuchodonosor: O König, mögest du ewig leben!10 Du, o König! hast den Befehl gegeben, dass jedermann, der den Schall der Trompeten, Pfeifen und Zithern, des Saitenspiels, der Laute, des Doppelspiels und aller Art Musik hört, niederfallen und die goldene Bildsäule anbeten11 und dass, wer nicht niederfällt und anbetet, in den brennenden Feuerofen geworfen werden solle.12 Nun sind da Juden, welchen du die Verwaltung der Landschaft Babylon übertragen hast, Sidrach, Misach und Abdenago; diese Männer haben deinen Befehl nicht beachtet,Die Weigerung gilt als ein Zeichen von Rebellion und Erbitterung über die Niederlage ihres Volkes. - o König! sie ehren deine GötterBesser Keri und Septuag. in Übereinstimmung mit V. 14: deinen Gott. - nicht und beten die goldene Bildsäule nicht an, die du errichtet hast.13 Da befahl Nabuchodonosor im Grimm und Zorne, Sidrach, Misach und Abdenago herbeizuführen; und alsbald wurden sie vor den König gebracht.Es bietet sich den Jünglingen eine herrliche Gelegenheit, ihre Gottesfurcht zu zeigen, ihren Glauben vor dem mächtigen Könige zu bekennen und ein herrliches Beispiel zu geben, wie man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, selbst mit Hingabe seines Lebens. Gott hat alle Umstände zu seiner Ehre geordnet. -14 Und der König Nabuchodonosor begann und sprach zu ihnen: Ist es wahr,Neuere: Geschah es mit Vorbedacht? - Sidrach, Misach und Abdenago, dass ihr meine GötterBesser: meinen Gott. - nicht verehrt und die goldene Bildsäule, die ich aufgerichtet, nicht anbetet?15 Nun wohl, wenn ihr bereit seid, werfet euch nieder, zur Stunde, wo ihr den Schall der Trompeten, Pfeifen und Zithern, des Saitenspiels, der Laute des Doppelspiels und aller Art von Musik hört, und betet die Bildsäule an, welche ich gemacht habe; wenn ihr sie aber nicht anbetet, so sollt ihr zur selben Stunde in den brennenden Feuerofen geworfen werden; und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand zu erretten vermöchte?Das eitle Rühmen des Königs macht das nachfolgende Wunder nur umso herrlicher und eindrucksvoller. Zudem weiß der König doch, dass sie ihrer eigenen Religion wegen einen fremden Gott nicht verehren können, so fügt er Gott Schmach zu und lästert ihn als ohnmächtig. -16 Da antworteten Sidrach, Misach und Abdenago und sprachen zu dem Könige Nabuchodonosor:Die Jünglinge setzen ihr ganzes Vertrauen auf Gott, dessen Willen sie sich unterwerfen, weder sich überhebend in Vermessenheit noch von Misstrauen niedergedrückt. - Wir haben nicht nötig, dir hierauf zu antworten.Auf die Frage: welcher Gott sie retten kann. -17 Denn siehe, unser Gott, den wir verehren, vermag, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten und aus deiner Hand, o König! zu befreien.18 Wenn er dies aber auch nicht wollte, so sei dir doch kund, o König! dass wir deine Götter nicht verehren und die goldene Bildsäule, die du errichtet, nicht anbeten.Die Antwort vereinigt Frömmigkeit und Klugheit. -19 Da ward Nabuchodonosor von Grimm erfüllt und das Aussehen seines Angesichts entstellte sich gegen Sidrach, Misach und AbdenagoDer König hatte vermeint, ihnen eine Gnade zu erweisen, indem er ihnen Gelegenheit verstattete, das seinem Gotte zugefügte Unrecht wieder gut zu machen; ihre Weigerung versetzt ihn in ungeheuere Wut. - und er befahl, den Ofen siebenmalRunde Zahl der größeren Masse gegenüber der Einzahl. - mehr zu heizen, als man ihn zu heizen pflegte.Dieser Befehl soll den Zorn des Königs malen und die Strafe um so viel verschärfen. Der Ofen war oben offen. Die Opfer wurden hinaufgeschafft und hinabgeworfen. Nach unten hin war eine Türe, durch welche die Umstehenden die Verbrennung sehen konnten. An diese tritt Nabuchodonosor V. 26 heran, aus ihr treten auch die Jünglinge heraus. -20 Alsdann gebot er einigen der stärksten Männer aus seinem Heere, Sidrach, Misach und Abdenago die Füße zu binden und sie in den brennenden Feuerofen zu werfen.21 Alsbald wurden diese Männer gefesselt und in ihren Unterkleidern und ihrem Kopfschmuck mit Schuhen und KleidernDie weiten Kleider werden erwähnt, weil sie besonders schnell Feuer fangen. Besser ist nach dem Texte zu übersetzen: Untergewänder, Röcke, Mäntel und sonstige Kleider. – Man ließ sich nicht Zeit, ihnen das Verbrecherkleid anzuziehen. - mitten in den brennenden Feuerofen geworfen.22 Denn der Befehl des Königs war dringlich und der Ofen so überaus stark geheizt, dass die Männer, welche Sidrach, Misach und Abdenago hineinwarfen, von den Flammen des Feuers getötet wurden.Text: Infolge davon, dass der Befehl des Königs so scharf und der Ofen übermäßig geheizt war, tötete die Feuerflamme die Männer, welche usw. -23 Die drei Männer aber, nämlich Sidrach, Misach und Abdenago, fielen gefesselt in den brennenden Feuerofen.Sidrach, Misach und Abdenago im Feuerofen
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.
Was nun folgt, habe ich in den Handschriften der Hebräer nicht gefunden.Im masorethischen Texte folgt hier, was im Griechischen und in der Vulgata V. 91 erst sich findet. Selbst „kritische“ Erklärer gestehen zu, dass im masor. Texte eine Verderbnis des Textes und eine Lücke unleugbar ist. Da Theodotion, ebenso wie die Septuaginta, den folgenden Lobgesang hat, fand sich dieser früher im Urtext, aus dem ja Theodotion seine Übersetzung anfertigte. Der heilige Hieronymus hat seine Übersetzung auf Grund des des Theodotion angefertigt. -
24 Und sie gingen inmitten der Flammen einher, Gott lobend und den Herrn preisend.Das erste, was die drei Jünglinge tun, da sie sich gerettet sehen, ist, dass sie Gott preisen und ihm Dank sagen. Dann wenden sie sich ihrem Volke zu, welches die Chaldäer V. 8 bei dem Könige verklagt haben: Ob sie dabei an die Drohungen Ezechiels dachten [Dan 5,2.22]? Da es nach V. 38 und nach dem griech. Texte [Dan 3,1] sehr wahrscheinlich ist, dass das Edikt Nabuchodonosors in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems fiel, ist es klar, warum die Bitte der drei Jünglinge für ihre Stammesgenossen mit demütigem Sündenbekenntnis vor Gott verbunden ist. Das Gebet enthält viele Stellen aus dem Pentateuch und den Psalmen. Wie es hebräisch gesprochen, so war es wohl ursprünglich auch hebräisch, in der heiligen Sprache, niedergeschrieben. Wie ferner aus V. 52ff erhellt, war der Gesang bereits ihnen bekannt und wird von ihnen auf ihre Lage in besonderer Weise angewendet. -25 Azarias aber stand und betete also und sprach, seinen Mund mitten im Feuer öffnend:26 Gepriesen seist du Herr, Gott unserer Väter!Dieses Wort ruft die Erinnerung an die herrlichen Wohltaten wach, welche Gott dem Volke durch so viele Jahrhunderte bewiesen. Gottes Treue und Liebe ist es, die sie vor dem Untergange bewahrt hat. - lobwürdig und herrlich ist dein NameAlles, was Gott von sich geoffenbart hat, und seine ganze Erhabenheit. - in Ewigkeit;27 denn du bist gerecht in allem, was du an uns getan;Ein ganz besonderer Beweis von Frömmigkeit ist es, Gott zu loben und seine Ehre zu verkünden auch dann, wenn ein allgemeines Unglück allen droht. Der Zorn des Königs verkündet dem Volke Gottes neue Bedrückung. Deshalb betet Ananias, Gott wolle diese abwenden, und bekennt demütig, wie sich das Volk gegen Gott verschuldete und alles verdient habe, was Gott ihm auferlegt. - alle deine Werke sind wahrhaft, deine Pfade recht und alle deine Gerichte wahrhaft.Vergl. [5Mos 32,4; Ps 118,137.151; Ps 144,17; Hos 14,10]. -28 Denn deine Gerichte, welche du gehalten, sind wahrhaftig in allem, was du über uns und über Jerusalem, die heilige Stadt unserer Väter, verhängt hast; denn nach wahrhaftigem Gerichte hast du alles dies um unserer Sünden willen über uns kommen lassen.29 Wir haben ja gesündigt und übel getan, indem wir von dir abfielen, und haben uns in allem verfehlt,Vergl. [Bar 2,5.8.10.12]. Von dir wird mit großem Nachdrucke hervorgehoben, von dir, dem Schöpfer, dem gütigen Herrn, dem Erhalter und Beschützer, der uns aus Ägypten geführt usw. (Theod.) -30 und wir haben nicht auf deine Gebote gehört noch sie beobachtet und nicht getan, wie du uns geboten hattest, auf dass es uns wohl gehe.[5Mos 4,40] -31 Darum hast du alles, was du über uns hast kommen lassen, und alles, was du uns getan, nach wahrhaftem Gerichte vollzogen32 und hast uns in die Hand unserer ruchlosen und schlimmsten Feinde überliefert, der Sünder, und dem ungerechtesten und schlimmsten Könige auf Erden.Nabuchodonosor hat die Stadt zerstört, die Fürsten Judas getötet, den König Sedekias des Augenlichtes beraubt, viele in fremde Länder zerstreut und fordert nun für seinen Gott, in dessen Namen er ihnen alles Böse angetan und den er als Sieger feiert, von den Juden Anbetung, mit dem schrecklichsten Tode drohend. -33 Und jetzt dürfen wir unsern Mund nicht auftun,Furcht und Scham schließen den gefangenen Juden den Mund; Furcht vor ihren Unterdrückern, Scham vor Gott, vor dem sie sich ihrer Schuld bewusst sind. - zur Schmach und zur Schande sind wir deinen Knechten und denen geworden,Septuag. und die alte lateinische Übersetzung lesen: Schmach und Schande ist deinen Dienern und Verehrern zuteil geworden. Azarias spricht nicht von sich und seinen Genossen, sondern von dem Volke im Exil. Auch diese Lesart entspricht den Drohungen Jeremias [Jer 23,40; Jer 24,9.18; Jer 42,18; Jer 44,8]. - die dich verehren.34 Gib uns doch nicht auf immer dahin, wir bitten dich um deines Namens willen, und löse deinen Bund nicht.Dieser Bund gibt ihnen Zuversicht, Der Name, die Ehre Gottes verlangt es, dass sie nicht zugrunde gehen, sind sie doch das Volk Jahves. -35 Entziehe uns nicht dein Erbarmen um Abrahams, deines Geliebten, Isaaks, deines Dieners, und Israels, deines Heiligen willen,Der Bund ist bereits mit diesen geschlossen. Vergl. [2Mos 3,15]. -36 welchen du die Verheißung gegeben hast, ihre Nachkommenschaft zu mehren wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Ufer des Meeres.37 Denn, o Herr! wir sind heute erniedrigt worden unter alle Völker und gedemütigt auf der ganzen Erde um unserer Sünden willen.38 Wir haben zur Zeit weder Fürsten noch Führer noch Propheten; weder Brandopfer noch Schlachtopfer noch Speiseopfer noch Rauchopfer noch eine Stätte, an der wir die Erstlingsopfer darbrächten,Welch Unheil ist über uns gekommen, da Stadt und Tempel zerstört sind! Vergl. [Klagel 2,9]. Die Prophetie ist keine bleibende Gabe, sie ist nur da, wenn Gott durch einen Propheten redet. Vergl. [Ps 73,9]. Dass Gott Antworten versagte, siehe [Ez 14,3, Ez 20,3]. Das Aufhören ständiger Opfer beklagt ähnlich Jeremias [Jer 41,5] und Baruch [Bar 1,10]. So kann denn Gott nicht mehr versöhnt und sein Zorn nicht mehr von seinem Volke abgewendet werden. (V. 39) -39 dass wir bei dir Erbarmen finden möchten. Aber mit zerknirschtem Herzen und mit gebeugtem Geiste möchten wir von dir angenommen werden.Da dein Gesetz nicht gestattet, dir die gewöhnlichen Opfer überall darzubringen, bringen wir dir ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz dar. Möchte dir dies angenehmer sein als alle Opfer, da du ja die, welche auf dich vertrauen, von aller Schmach zu befreien pflegst. (Theod.) -40 Wie wenn wir Widder und Farren und Tausende von fetten Schafen als Brandopfer darbrächten, so werde heute vor deinem Angesichte unser Opfer dargebracht, dass es dir wohlgefalle;Griech.: Und unser gehorsam gegen dich; oder „und“ auslegend gefasst: unser Gehorsam gegen dich. - denn nicht zuschanden werden, die auf dich vertrauen.41 Und jetzt folgen wir dir von ganzem Herzen und fürchten dich und suchen dein Angesicht.Durch Unglück belehrt und bekehrt wollen wir deinen Willen tun und so deine Huld erlangen. -42 Lass uns nicht zuschanden werden, sondern tue an uns nach deiner Milde und nach der Fülle deiner Barmherzigkeit.Die du unseren Vorvätern erwiesen. -43 Rette uns durch deine Wunder und verherrliche deinen Namen, o Herr!Indem du den Unterdrückern des Volkes, das nach dir genannt ist, deine göttliche Macht zeigst und dich als Herr und einziger Herrscher des Weltalls erweisest. -44 Lass alle zuschanden werden, welche deinen Dienern Böses zufügen; lass sie zuschanden werden durch deine Allmacht und zerbrich ihre Stärke.45 Sie mögen erfahren, dass du der Herr bist, der alleinige Gott, der herrlich ist auf dem ganzen Erdkreise!46 Die Diener des Königs aber, welche sie hineingeworfen hatten, hörten nicht auf, den Ofen mit Erdharz, Werg, Pech und Reisigbündeln zu heizen;47 und die Flammen schlugen über den Ofen hinaus neunundvierzig EllenDer König hatte befohlen, den Ofen siebenmal mehr zu heizen als gewöhnlich (V. 19), und zugleich drängte sein zweiter Befehl, die Jünglinge in das Feuer zu werfen. (V. 21, V. 22) Deshalb schürten die Knechte das Feuer immer weiter, auch nachdem sie die Jünglinge in den Ofen geworfen, bis die Flammen neunundvierzig Ellen weit (sprichwörtliche Redensart, wie deutsch: bergehoch) über den Ofen hinausschlugen. So war also das Feuer um das Siebenfache gemehrt. Dieser Teil der Erzählung hängt eng mit V. 19 – 23 zusammen und beschreibt das Tun der Knechte des Königs, während Azarias im Ofen betete. -48 und griffen um sich und verzehrten die Chaldäer, welche sie bei dem Ofen erreichten.Nach dem Aramäischen sind diese bereits V. 22 getötet. Bei Theodotion fehlt an jener Stelle eine derartige Strafe für die Knechte und wird nur das Hineinwerfen der drei Jünglinge berichtet. Erst hier wird von dem Tode er Chaldäer Erwähnung getan. Diese Darstellung ist wohl die ursprünglichere. In dem aramäischen Text kann die Erzählung wohl in V. 22, weil nach Wegnahme der liturgischen Teile, des Gebetes Azarias und des Gesanges nur eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse übrig bleibt. So wurde die Erwähnung der Verbrennung an die Stelle gesetzt, wo die Knechte selbst zuerst vorkommen. Die Vulgata folgt bis V. 23 dem aramäischen Texte, von V. 24 an dem des Theodotion, und so bringt sie dieselbe Erzählung zweimal. -49 Der Engel des Herrn aber stiegRichtiger: war herabgestiegen (griech: zugleich mit ihnen). Nach Hieronymus: das Wort, die zweite Person der Gottheit. - zu Azarias und dessen Genossen in den Ofen hinab und stieß die Feuerflammen zum Ofen hinaus50 und machte es mitten im Ofen, wie wenn ein Tauwind weht, und das Feuer berührte sie nicht im mindesten und verletzte und belästigte sie nicht.51 DaSie sahen den Engel also, wie nachher auch der König. (V. 92) - lobten die drei Gott wie aus einem Munde und verherrlichten und priesen ihn in dem Ofen und sprachen:V. 52 – 56 preisen sie Gott, der seine Herrlichkeit und Majestät an seinem Volke und der Leitung der ganzen Welt offenbart. -52 Gepriesen seist du Herr, Gott unserer Väter! preiswürdig und herrlich und hochgerühmt in Ewigkeit; und gepriesen sei dein heiliger, herrlicher Name, lobwürdig und hochgerühmt in alle Ewigkeit!53 Gepriesen seist du in dem heiligen Tempel deiner Herrlichkeit, überaus preiswürdig und überaus verherrlicht in Ewigkeit!54 Gepriesen seist du auf dem Throne deines Reiches, überaus preiswürdig und hochgerühmt in Ewigkeit!Auf vier verschiedene Weisen wird die dem auserwählten Volke von Gott gewährte Offenbarung gepriesen: Gott, der Gott, der die Väter auserwählt und mit Gnaden überhäuft hat, Gott, der sich (seinen Namen) geoffenbart hat, dessen Ruhm im Tempel und vom Königsthrone, dem Priestertum und der Königswürde, widerstrahlt. Dass der Tempel so erwähnt wird, als ob er noch stände, hat seine Ursache darin, dass der Lobgesang althergebracht und von Jugend auf den Jünglingen bekannt ist. Vergl. [2Chr 29,30; Esr 3,11]. -55 Gepriesen seist du, der du die Tiefen schaust und über den Cherubim thronst;Vom irdischen Heiligtum Gottes, in dem der Herr unter den Cherubim weilt, geht der Gesang zu dem Himmelsthrone Gottes über, den diese auch dort bilden. - preiswürdig und hochgerühmt in Ewigkeit!56 Gepriesen seist du an der Feste des Himmels, preiswürdig und verherrlicht in Ewigkeit!Gottes Allwissenheit wird gepriesen, vor dem Erde und Meere offen daliegen. Seine Herrlichkeit unter den Cherubim, seine den Gottlosen schreckliche Majestät, seine Wohltaten gegen die Frommen werden gepriesen. -57 Preiset den Herrn, alle ihre Werke des Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!Die Aufrufung der Geschöpfe, selbst der unbelebten, zum Lobe Gottes zeigt die Stärke des Affektes. Vergl. [Jes 1,2; Jer 2,12; Mic 1,2; Mic 6,2]. Unfähig, voll und ganz dem Ausdruck zu geben, was das Herz erfüllt, rufen sie jene Geschöpfe zu Hilfe, welche Gottes Kraft, Herrlichkeit und Güte offenbaren und bezeugen. Vergl. [Ps 148-150]. Wer so die Geschöpfe zum Lobe Gottes aufruft (wie dies im täglichen Offizium der Priester geschieht), bezieht alles Erschaffene auf Gott als letztes Ziel desselben und auf seine Ehre. – Zuerst werden alle Geschöpfe insgesamt aufgefordert, Gott zu preisen, dann die einzelnen: Himmel und was unter dem Himmel ist, Erde und was sie erfüllt, endlich die Menschen. Alle diese Geschöpfe preisen Gott nicht mit der Stimme, sondern durch die Tat, da der Schöpfer aus den Geschöpfen erkannt wird und seine Herrlichkeit an jedem Werke und Geschöpfe Gottes sich offenbart. (Hier.) -58 Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!Die Aufforderung zum Lobe wird nach Art unserer Litaneien in jedem Verse wiederholt. -59 Preiset, ihr Himmel,In engerem Sinne. In V. 60 werden dieselben bezeichnet: die Wasser über dem Himmel, über dem Sternenhimmel. Die Hebräer vermuteten dort Wasser, ebenso viele der heiligen Väter. - den Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!60 Preiset, alle ihr Wasser über dem Himmel, den Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!61 Preiset den Herrn, alle ihr Heere des Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!Jahve Sabaoth: das Heer des Himmels umfasst alles, was im obersten Himmel und Sternenhimmel zu Gottes Diensten bereit ist. -62 Preiset den Herrn, Sonne und Mond! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!63 Preiset den Herrn, ihr Sterne des Himmels! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!64 Preiset den Herrn, alle Regengüsse und Tautropfen! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!65 Preiset den Herrn, alle ihr Winde Gottes!Weil ihr Nutzen und ihre Aufgaben groß ist. (Theod.) - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!66 Preiset den Herrn, Feuer und Hitze! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!67 Preiset den Herrn, Kälte und Hitze!Septuag. besser: Kälte und Frost. Theodotion, Syr. und alte lat. Übersetzung haben V. 67 und 68 nicht. In ihnen folgen 66. 71. 72. 69. 70. 73 nach der Zählung der Vulgata aufeinander, so dass eine Wiederholung derselben Dinge vermieden ist. Mit Beifügung der eben erwähnten Verbesserung aus Sept. ist dieser Text vorzuziehen, da der Hymnus eine bestimmte Reihenfolge innehält. - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!68 Preiset den Herrn, Tau und Reif! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!69 Preiset den Herrn, Frost und Kälte! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!70 Preiset den Herrn, Eis und Schnee! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!71 Preiset den Herrn, Nächte und Tage!Die Nächte stehen voran, weil die Hebräer den Tag von dem Abende an zu rechnen pflegten. - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!72 Preiset den Herrn, Licht und Finsternis! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!73 Preiset den Herrn, Blitze und Wolken!Bei Theodot. werden Blitze und Wolken besser dem beigefügt, was verschiedenartiges Wetter anzeigt, nach Frost und Kälte (V. 69), Eis und Schnee (V. 70) - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!74 Es preise die Erde den Herrn, sie lobe und rühme ihn hoch in Ewigkeit!75 Preiset den Herrn, ihr Berge und Hügel! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!76 Preiset den Herrn, alle ihr Gewächse auf Erden! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!77 Preiset den Herrn, ihr Quellen! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!78 Preiset den Herrn, ihr Meere und Flüsse! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!79 Preiset den Herrn, ihr Walfische und alles, was sich in den Wassern regt! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!80 Preiset den Herrn, alle ihr Vögel des Himmels! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!81 Preiset den Herrn, alle ihr wilden und zahmen Tiere! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!82 Preiset den Herrn, ihr Menschenkinder!Endlich werden die Menschen im Allgemeinen, dass das auserwählte Volk und seine verschiedenen Ordnungen aufgefordert, Gott zu preisen. - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!83 Preise den Herrn, Israel! lobe und rühme ihn hoch in Ewigkeit!84 Preiset den Herrn, ihr Priester des Herrn! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!85 Preiset den Herrn, ihr Diener des Herrn!Aus dem Volke Israel werden diejenigen insbesondere erwähnt, welche kraft ihres Amtes gehalten sind, Gott zu loben und im Namen des Volkes ihm Preis darzubringen: Priester und Diener des Herrn (Leviten und andere Tempeldiener, Nathinäer). - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!86 Preiset den Herrn, ihr Geister und SeelenGeister: Verstand und Wille. Seelen: Kräfte der Sinne und sensitive Affekte und Begehren. So soll der ganze Mensch Gott preisen. Eine ähnliche Verteilung der Seelenkräfte siehe [1Thes 5,23; Mk 12,30] u.a. - der Gerechten! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!87 Preiset den Herrn, ihr Heiligen und von Herzen Demütigen!Nach denen, welche kraft ihres Amtes berufen sind, Gottes Preis zu verkünden, werden sie zum Lobe Gottes aufgefordert, welche Gott in besonderer Weise genehm und am berufensten sind, Gott Lob darzubringen: Gerechte, Fromme, Betrübte. Heilige: fromme Verehrer Gottes. Demütige: Bedrückte, Arme. Von Herzen Demütige: mit großen Schmerzen Heimgesuchte. Tragen solche ihre Mühsale mit Ergebung in Gottes Willen, so sind sie Gott in besonderer Weise genehm [Jes 66,2] und haben Gottes Tröstung sicher zu erwarten. [Jes 61,2.3; Mt 5,5] - lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit!88 Preiset, Ananias, Azarias, Misael, den Herrn,! lobet und rühmet ihn hoch in Ewigkeit! denn er hat uns aus dem TotenreicheDort würden sie bereits wohnen, wenn Gott ihnen nicht geholfen hätte. - errettet und uns aus der Gewalt des Todes erlöst und uns mitten aus der lodernden Flamme und mitten aus dem Feuer entrafft.89 Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Barmherzigkeit währt in Ewigkeit!Vergl. [Ps 105,1; Ps 106,1; Ps 117,1; Ps 135,1ff; 1Chr 16,34.41; 2Chr 7,3.6; 2Chr 20]. -90 Preiset alle, die ihr Gott fürchtet, den Herrn, den Gott der Götter!Passend heißt er so, da er durch die Errettung seiner Verehrer für seine und seiner Frommen Sache wunderbar eingetreten ist. - lobsinget und danket ihm, denn seine Barmherzigkeit währt in alle Ewigkeit!Nicht ihr Verdienst, sondern Gottes Barmherzigkeit hat sie gerettet. -
Bis hierher findet sich der Text nicht im Hebräischen, sondern ist aus der Ausgabe des Theodotion übersetzt.Anmerkung des heiligen Hieronymus. -
91 Da entsetzte sich der König Nabuchodonosor und stand eilends aufNach der Septuag. und Theodotion hört der König die drei Männer auch singen. Das schnelle Sicherheben ist Zeichen des höchsten Erstaunens. - und sprach zu seinen Edlen:Zunächst zu den ihn umgebenden Dienern, welche dann mit den auswärtigen Beamten (V. 3) das Wunder anstaunen. - Haben wir nicht drei Männer gefesselt und in das Feuer geworfen?Da der König vier Männer sieht, fragt er, um sicher zu sein, dass nur drei in den Feuerofen geworfen sind. - Sie antworteten dem Könige und sprachen: Gewiss o König!92 Er entgegnete und sprach: Sehet, ich erblicke vier Männer, die ohne Fesseln inmitten des Feuers umhergehen, ohne irgendwie verletzt zu sein, und das Aussehen des vierten gleicht einem Göttersohne.Es ist nicht das Wort Gottes, sondern ein wirklicher Engel. Vergl. [Jes 63,9]. -93 Da trat Nabuchodonosor an die Türe des brennenden Feuerofens und sprach: Sidrach, Misach und Abdenago, ihr Diener des höchsten Gottes,Der König erkennt Gottes Macht an, da er bekennt, durch wen sie gerettet sind und sie Gottes Diener nennt. - kommet heraus und tretet herzu! Alsbald kamen Sidrach, Misach und Abdenago mitten aus dem Feuerofen heraus.94 Und die Statthalter, Beamten, Richter und Gewalthaber des Königs versammelten sich und sahen, dass das Feuer keine Gewalt über ihre Leiber gehabt und dass ihr Haar nicht versengt und ihre weiten Kleider unversehrt waren und kein Brandgeruch sie durchdrungen hatte.95 Da hob Nabuchodonosor an und sprach:Da Nabuchodonosor sie vor sich sieht, erfasst er immer besser die Größe es Wunders und bricht selbst in Gottes Lob aus. - Gepriesen sei ihr Gott, der Gott Sidrachs, Misachs und Abdenagos, welcher seinen Engel gesandt und seine Diener, die auf ihn vertrauten, errettet hat! Sie übertraten den Befehl des Königs und gaben ihre Leiber preis, um nicht einem anderen Gott als dem ihrigen zu dienen und ihn anzubeten.Der König lobt die Jünglinge, dass sie ihrem vaterländischen Gotte selbst mit Gefahr ihres Lebens treu geblieben, und bekennt, dass kein anderer Gott dies vermocht hätte. Von der Erkenntnis eines Gottes und der Eitelkeit der Götzen ist er immer noch fern. -96 So geht also von mir dieser Befehl aus, dass jeder, welchem Volke, Stamme und Zunge er auch angehöre, der gegen den Gott Sidrachs, Misachs und Abdenagos eine Lästerung ausstößt, umkommen und sein Haus in einen Schutthaufen verwandelt werden soll;Die gleiche Strafe, welche die Chaldäer gegen die Juden festgesetzt. - denn es ist kein anderer Gott, der so zu befreien vermöchte.97 Hierauf erhob der König Sidrach, Misach und Abdenago wieder über die Provinz Babylon.98 Der König Nabuchodonosor an alle Völker, Stämme und Zungen, die auf der ganzen Erde wohnen. FriedeWohlfahrt, Glück. - werde euch reichlich!Dieser Vers ist der Anfang eines königlichen Schreibens, das bis [Dan 4,34] fortläuft. Die Kapitelabteilung ist nicht sehr glücklich. -99 Der höchste Gott hat Wunder und Zeichen an mir getan. Darum gefiel es mir,100 seine Zeichen bekannt zu machen, wie groß sie sind, und seine Wunder, wie mächtig sie sind. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.Diese Worte hat er wohl von Daniel erfahren, den er befragt, wie er von jenem Gott reden solle.