Daniel 4
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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3. Traumgesicht und Wahnsinn des Königs Nabuchodonosor. (3,98 – 4,34) a. Das Traumgesicht des Königs. (3,98 – 4,15) b. Auslegung des Traumes. (V. 24) c. Wahnsinn und Heilung des Königs.
1 Ich, Nabuchodonosor, lebte sorglos in meinem Hause und glücklich in meinem Palaste; 2 da hatte ich ein Traumgesicht, das mich erschreckte, und meine Gedanken auf meinem Lager, und die Gesichte meines Hauptes Er gebraucht die Mehrzahl, weil er in einem Traumgesichte vieles sah, was sein Herz verschiedenartig bewegte und ängstigte. - beängstigten mich. 3 Und es ging von mir der Befehl aus, dass alle Weisen Babylons vor mich geführt würden, Der König verehrte, wie aus den Inschriften hervorgeht, in ganz besonderer Weise Marduk, den großen Gott, und Nabu, den höchsten Herrscher, Ilu, den Ruhm des Himmels, und Nana, die große Göttin, Ramma, den Gott, der dem Lande Furchtbarkeit verleiht, Sin, der die Gerichte lenkt, Samas, der Sinn für Gerechtigkeit gibt, und andere. So schrieb er denn den Dienern und Priestern der Götter eine gewisse Gewalt zu, welche ihnen die Götter verleihen und von denselben durch Opfer und Gebete erlangen. So wenig er also nach den in [Dan 2] erzählten Ereignissen die Verehrung der Götzen aufgab, so wenig warf er den Aberglauben von sich, dass die Magier und Beschwörer eine gewisse Macht besaßen. - damit sie mir kundtäten, was der Traum zu bedeuten habe. 4 Da kamen die Wahrsager, die Weisen, die Chaldäer, die Zeichendeuter, und ich erzählte ihnen den Traum; aber sie gaben mir nicht an, was er zu bedeuten habe, 5 bis zuletzt Da Daniel nicht zu den Dienern und Dolmetschern der Götzen gehörte, denen Nabuchodonosor seinen Traum zuschrieb, war er nicht mit diesen gekommen. – Zuletzt: der hl. Hieronymus las griechisch bei Theodotion hetairos statt heteros. Das Hebr. hat: bis zuletzt. In der Septuag fehlt das V. 2-7 Berichtete. - Daniel vor mein Antlitz trat, der nach dem Namen meines Gottes Baltassar heißt Da das Schreiben an alle Völker des Babylonischen Reiches gerichtet ist, fügt Nabuchodonosor zu dem den Juden bekannten Namen Daniel den anderen bei Hofe gebrauchten bei: Belit schütze den König. - und der den Geist der heiligen Götter Die Ausdrücke: meines Gottes, und: die heiligen Götter, zeigen, dass Nabuchodonosor noch immer Götzenanbeter ist. - besitzt; diesem legte ich den Traum vor. 6 Baltassar, Oberster der Zeichendeuter! da ich weiß, dass du den Geist der heiligen Götter Der König hatte von den Magiern gehört, dass nur die Götter den Traum andeuten könnten, welchen der König gehabt, [Dan 2,11], so war er also überzeugt, dass Daniel den Geist besaß. - besitzest und kein Geheimnis dir unenthüllbar ist, so gib mir mein Traumgesicht an, Besser: erkläre, denn der König gibt das Traumgesicht selbst an. (V. 7-14) - das ich gehabt, und seine Deutung. 7 Das Gesicht meines Hauptes auf meinem Lager war dies: Ich schaute, siehe, da stand ein Baum mitten auf der Erde, überaus hochragend. Auf assyrischen Denkmälern erscheint oft ein heiliger Baum, den zwei Schutzgeister bewachen. Unter dem Sinnbilde der Zeder wird bei Ezechiel die Pracht Assurs beschrieben. [Ez 31,3ff] - 8 Der Baum war groß und stark, seine Höhe reichte bis zum Himmel empor und er war sichtbar bis an die Grenzen der ganzen Erde. 9 Sein Laubwerk war sehr schön und seine Früchte überaus zahlreich, er gab allen Nahrung, unter ihm wohnten zahme und wilde Tiere, Text: Im Schatten. - in seinen Zweigen weilten die Vögel des Himmels und alle lebenden Wesen nährten sich von ihm. 10 Ich schaute im Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager, siehe, da stieg ein Wächter, Diesen Namen hat der König von dem Engel selbst gehört. (V. 14) Die Bedeutung des Namens ist aus [Dan 10,12-21] zu entnehmen. - ein Heiliger, vom Himmel herab. 11 Dieser rief mit starker Stimme und sprach also: Fället den Baum und hauet seine Zweige ab, streifet sein Laub ab und streuet seine Früchte umher; es fliehe das Getier, welches unter ihm ist, und die Vögel aus seinen Zweigen! 12 Jedoch seinen Wurzelstock lasset in der Erde, dieser werde mit Banden von Eisen und Erz im Grünen des Feldes gefesselt, dass er vom Taue des Himmels benetzt werde und mit den Tieren seinen Anteil habe am Grase der Erde! In V. 12 wird von dem Bilde zur bezeichneten Sache selbst übergegangen. Der König wurde, als der Wahnsinn ihn erfasste, wohl wirklich in Fesseln geworfen (Hier.), wenn auch nicht beständig in solchen gehalten. - 13 Sein Herz soll aus einem menschlichen verwandelt und ihm dafür das Herz eines wilden Tieres gegeben werden Er wird menschliches Fühlen und Wollen mit dem der Tiere vertauschen. - und sieben Zeiten Welchen Raum eine „Zeit“ umfasst, wird nicht bestimmt. Die Zahl sieben ist eine heilige, welche Gottes Werk andeutet und bei solchem oft erwähnt wird. Auch bei den Babyloniern galt sieben als eine heilige Zahl. Viele fassen die sieben Zeiten als ebenso viele Jahre, so die Septuag, Hieron. und zahlreiche Ausleger. Besser indes wird angenommen, dass die Zeit des Wahnsinns durch eine symbolische Zahl als von Gott in besonderer Absicht verhängt bezeichnet wird. - sollen so über ihn dahingehen! 14 So ist es bestimmt durch den Spruch der Wächter und das ist die Verkündigung und der Befehl der Heiligen, Die Rede nimmt poetischen Schwung an, wie der Parallelismus zeigt. - auf dass die Lebenden erkennen, dass der Allerhöchste über das Königtum der Menschen Macht hat und es verleihen kann, wem er will, und den niedrigsten der Menschen darüber zu setzen vermag. Der König selbst soll durch die Erfahrung lernen, dass Gott den Hochmütigen widersteht, den Demütigen aber Gnade gewährt. (V. 21, V. 22) - 15 Dies So rätselhaft. - ist das Traumgesicht, das ich, König Nabuchodonosor, gehabt: du also, Baltassar! verkünde ohne Verzug Fehlt im Urtext und bei Theodotion. Die Septuag. weicht in diesem Verse sehr vom chaldäischen Texte ab. - die Deutung, denn alle Weisen meines Reiches vermögen mir die Deutung nicht anzugeben; doch du kannst es, weil du den Geist der heiligen Götter besitzest. 16 Da begann Daniel, dessen Name Baltassar ist, bei sich schweigend etwa eine Stunde lang nachzudenken und seine Gedanken beunruhigten ihn. Chald.: Darauf war Daniel, genannt Baltassar, eine ganze Weile (unbestimmte Zeit) starr vor Entsetzen und seine Gedanken machten ihn bestürzt. - Der König aber redete ihn an und sprach: Baltassar! lass dich durch den Traum und seine Deutung nicht beunruhigen. Daniel hat das, was sein Herz bewegte, äußerlich zur Erscheinung gebracht. - Baltassar antwortete und sprach: Mein Gebieter! der Traum gelte denen, welche dich hassen, und seine Deutung deinen Feinden! 17 Der Baum, den du geschaut hast, Daniel wiederholt das Traumgesicht, um dem Könige zu zeigen, dass er es wohl erfasst. So wird die Erklärung wirksamer und zuverlässig, weil der König sieht, dass die Auslegung voll und ganz dem Gegenstande gilt. - der hoch und stark war, dessen Höhe bis zum Himmel emporreichte und der über die ganze Erde hin gesehen ward, 18 dessen Gezweige sehr schön, dessen Früchte überaus reichlich waren, von dem alles Nahrung erhielt, unter dem die Tiere des Feldes wohnten und auf dessen Zweigen die Vögel des Himmels weilten: Die Tiere des Feldes und die Vögel bezeichnen die verschiedenen Völkerschaften, welche unter der Herrschaft des Königs lebten. Der Zusatz von der Nahrung ist kaum bedeutungslos, wenn ihn auch Daniel nicht ausdrücklich erklärt. - 19 der bist du, o König! der du groß und mächtig geworden bist; denn deine Größe ist gewaltig geworden und reicht bis an den Himmel und deine Macht bis an die Grenzen der ganzen Erde. 20 Dass aber der König einen Wächter, einen Heiligen, vom Himmel herniederkommen sah, der rief: Haut den Baum um und vernichtet ihn, doch den Stumpf samt seinen Wurzeln lasset in der Erde; eine Fessel von Eisen und Erz werde ihm im Grün des Feldes angelegt, dass er vom Taue des Himmels benetzt werde, und mit den wilden Tieren habe er seine Speise, bis sieben Zeiten über ihn dahingegangen sind; 21 so ist dies die Deutung des Beschlusses des Allerhöchsten, Chald.: Dies bedeutet, o König, und der Beschluss des Höchsten ist es. - der über meinen Gebieter, den König, ergangen ist: 22 Man wird dich aus der Gesellschaft der Menschen ausstoßen und bei dem Vieh und den wilden Tieren wird dein Aufenthalt sein; du wirst Gras fressen Eigentlich: Grünfutter wie Rindern wird man dir zu fressen geben und von des Himmels Tau wird man dich feucht machen. - wie ein Rind und wirst vom Taue des Himmels benetzt werden und so werden sieben Zeiten über dich dahingehen, bis du erkennst, dass der Allerhöchste über das Königtum der Menschen Macht hat und es verleiht, wem er will. 23 Dass er aber befahl, den Wurzelstock des Baumes stehen zu lassen, bedeutet, dass dein Königtum dir verbleiben soll, nachdem du erkannt hast, dass der Himmel die Herrschaft übt. Besser: Deine Herrschaft wird dir wieder zufallen von der Zeit an, da du weißt, dass der mächtig ist. - 24 Darum, o König! lass dir meinen Rat gefallen: löse dich von deinen Sünden durch Almosen Viele übersetzen: durch Gerechtigkeit. Er soll die Tugend üben, welche bei einem Herrscher die zuerst erforderte ist. Mit dieser soll er eine andere verbinden, die Barmherzigkeit gegen Elende. Durch die Übung dieser Tugenden soll der König sich wie durch ein Lösegeld von seinen Sünden befreien. So kühne Worte, dass er mit Sünden belastet sei, hat der König wohl noch niemals gehört. - und von deinen Missetaten durch Barmherzigkeit gegen die Bedrängten, so wird er vielleicht deine Sünden verzeihen. Das ihm im Traumgesichte Angedrohte kann der König noch abwenden, wenn er die erforderliche Bedingung erfüllt. Chald.: Ob vielleicht deine glückliche Ruhe von Dauer sein wird; d.i. wenn du willst, dass sie von Dauer sei. – Gott zürnt nicht auf die Menschen, sondern auf die Laster. - 25 Dies alles kam über den König Nabuchodonosor. 26 Als er nach Verlauf von zwölf Monaten Gott ist langmütig und geneigt, zu verzeihen; doch der König hat das Jahr ungenützt verstreichen lassen. - auf der Burg von Babylon wandelte, 27 hob der König an und sprach: Ist dies nicht das große Babylon, das ich zur Wohnung des Königs durch meine starke Macht und zur Verherrlichung meines Glanzes gebaut habe? Diese Worte charakterisieren den Hochmut und die Gottvergessenheit des Königs. - 28 Doch noch war das Wort in des Königs Munde, da ertönte eine Stimme vom Himmel herab: Dir, o König Nabuchodonosor! wird gesagt: Dein Königtum soll dir genommen werden 29 und man wird dich aus der Gesellschaft der Menschen ausstoßen und bei den wilden Tieren wird dein Aufenthalt sein; du wirst Gras fressen wie ein Rind und sieben Zeiten werden über dich dahingehen, bis du erkennst, dass der Allerhöchste über das Königtum der Menschen Macht hat, und es verleiht, wem er will. 30 Zu derselben Stunde ging das Wort an Nabuchodonosor in Erfüllung: er ward aus der Gesellschaft der Menschen ausgestoßen, fraß Gras wie ein Rind und sein Leib ward vom Taue des Himmels befeuchtet, bis ihm das Haar wuchs wie Adlerfedern und die Nägel wie Vögelkrallen. In einem Fragment des Abydenus, das Eusebius uns bewahrt hat, findet sich ein Hinweis auf diesen Zustand des Nabuchodonosor, die zoanthropische Krankheit. - 31 Nach Ablauf der Tage Die Gott vorherbestimmt. Während der Krankheit hat Nabuchodonosor in lichten Augenblicken die Ursache derselben erkannt und sein Herz zu Gott gewendet. - aber erhob ich, Nabuchodonosor, meine Augen zum Himmel Der Voraussagung V. 14, V. 22 entsprechend. - und mein Verstand ward mir zurückgegeben. Nur dieser, nicht die menschliche Gestalt war ihm geraubt. (Hieron.) - Da pries und verherrlichte ich den Allerhöchsten und lobte den, der in Ewigkeit lebt; denn seine Macht ist eine ewige und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht. 32 Alle Bewohner der Erde sind neben ihm nichts zu achten, denn nach seinem Willen verfährt er sowohl mit den Mächten des Himmels, wie mit den Bewohnern der Erde und niemand ist, der seiner Macht widerstehen und ihm sagen dürfte: Warum hast du das getan? 33 Zu derselben Zeit kehrte mir der Verstand wieder und ich gelangte wieder zur Würde und zur Herrlichkeit meiner Herrschaft und ich erhielt meine frühere Gestalt wieder, Chald.: Alsbald kehrte dieser zu mir zurück. - meine Großen und meine Statthalter suchten mich auf und setzten mich wieder über mein Reich und noch größere Herrlichkeit ward mir zuteil. 34 Darum lobe und verherrliche und preise ich, Nabuchodonosor, nun den König des Himmels, denn alle seine Taten sind wahrhaft und seine Wege gerecht, und die in Hoffart wandeln, vermag er zu demütigen. Auch in erhaltenen Inschriften zeigt der König große Ehrfurcht vor den Göttern.
Zitiert in 14
- V. 1 Summa (EN)(II-II 173.2)
- V. 2 Summa (EN)(II-II 173.2)
- V. 22 Summa (EN)(III 48.4)
- V. 24 Summa (EN)(I-II 69.3
II-II 32.1 Amoris Laetitia(§306)Evangelii Gaudium(§193)II-II 32.5 II-II 189.3 III 48.4 III 64.6 Suppl 14.2) - V. 27 Amoris Laetitia(§306)Evangelii Gaudium(§193)