Daniel 5

König Baltassars Gastmahl und Tod. (Kap. 5) a. Erscheinung der schreibenden Hand, Berufung Daniels. (V. 12) b. Erklärung des Zeichens. (V. 29) c. Tod des Königs.

Der König Baltassar Auf Nabuchodonosor folgt dessen Sohn Evilmerodach (Avil-Marduk, Mann, Diener des Gottes Marduk), der wegen seiner Tyrannei von dem Schwiegersohne Nabuchodonosors Neriglissor (Nergul-sar-usur, Nergal behüte den König) getötet ward. Neriglissor regierte vier Jahre (560 – 556). Da er den König von Babylon seinen Vater nennt, verwaltete er das Reich wohl während dessen Wahnsinn. Sein Sohn Laborosoarchos (der Name wird verschieden wiedergegeben) wurde neun Monate nach dem Tode des Vaters von Nabonidus getötet, der an seiner Statt König ward und siebzehn Jahre regierte (555 – 538). Nabonidus hatte einen Sohn Bil-sar-usur (Bel schirme den König Belsazar, Baltassar). Zur Zeit des Krieges mit den Medern war Baltassar Mitregent. Als Nabonidus im Kriege mit Cyrus bei Rutu geschlagen war, zog der Satrap Ugbaru (Gobrynas) mit einem Heere gegen Babylon, wo Baltassar als Mitregent das Heer befehligte. Aus dieser Stellung Baltassars erklärt sich auch, warum Daniel zur dritten Würde erhoben werden soll. (V. 16) - veranstaltete ein großes Gastmahl für seine tausend Vornehmsten und ein jeder trank nach seinem Alter. Richtiger: Und trank in Gegenwart der Tausend Wein. Die hohe Zahl kennzeichnet Pracht und Macht des Königs. In Gegenwart: der König saß auf höherem Sitze und die Gäste nach Rang und Würden. (Vulgata) - Als er nun bereits trunken war, Wörtlich: in der Weinlaune. - befahl er, die goldenen und silbernen Gefäße herbeizubringen, Die Gefäße werden gebracht, um dem besiegten Gotte Israels Schmach anzutun und den Göttern des Königs, wie V. 4 und 23 zeigen. So lange die Gefäße im Tempelschatze der Götter waren, waren sie noch nicht so entweiht, wie dies nun geschieht. - welche sein Vater Nabuchodonosor Großvater mütterlicherseits. (Hier.) - aus dem Tempel zu Jerusalem weggeführt hatte, damit der König und seine Großen, seine Gemahlinnen und Nebenfrauen Die Frauen genossen in Babylon größere Freiheit. - daraus tränken. Alsbald brachte man die goldenen und silbernen Gefäße, welche jener aus dem Tempel zu Jerusalem weggeführt hatte, herbei und es tranken aus denselben der König und seine Großen, seine Gemahlinnen und Nebenfrauen. Sie tranken Wein und priesen ihre Götter von Gold, Silber, Erz, Eisen, Holz und Stein.
Daniel deutet die Schrift an der Wand
In derselben Stunde erschienen Finger, gleich einer Menschenhand, welche schreibt, dem Leuchter gegenüber Auf der vom Lichte bestrahlten Wand konnten die schreibenden Finger (Aram.) vom Könige klar gesehen werden, auf dem Kalke der Wand des königlichen Prunksaales. (Aram.) - auf der Oberfläche der Wand des Königssaales und der König sah die Finger der schreibenden Hand. Da veränderte sich des Königs Angesicht und seine Gedanken machten ihn bestürzt und seiner Lenden Kraft erlahmte Der König erkennt, dass die Erscheinung eine übernatürliche ist, sein Schrecken ist so groß, weil er sich eines schlimmen Frevels bewusst ist; er fällt gleichsam in sich zusammen. - und seine Knie schlugen aneinander. Und der König rief mit lauter Stimme, man solle die Weisen, Chaldäer und Zeichendeuter herbeibringen. Und er begann und sprach zu den Weisen von Babylon: Wer immer diese Schrift dort lesen und mir angeben kann, was sie bedeutet, soll mit Purpur bekleidet werden, eine goldene Kette am Halse tragen und der dritte in meinem Reiche sein. Aram.: als dritter herrschen. In Purpur sich kleiden dürfen war die höchste Ehre. [Est 8,15; 1Mak 10,20] Die goldene Kette wurde als Zeichen höchster Würde von den Fürsten verliehen. - Da traten alle Weisen des Königs herein, aber sie vermochten weder die Schrift zu lesen Die Ursache, weshalb sie die Schrift nicht zu lesen vermochten, wird im Texte nicht angegeben. Sie vermochten wohl die Buchstaben nicht zu Worten zu vereinigen, noch weniger diese zu erklären. - noch dem Könige ihre Bedeutung anzugeben. Darüber erschrak König Baltassar sehr und sein Gesicht veränderte sich und auch seine Großen wurden bestürzt. Als aber die Königin Die Mutter Baltassars. Diese bleibt ihres Alters und ihrer Würde halber vom Gastmahle fern. Wörtlich: Die Königin Mutter kann auf Grund der reden des Königs und seiner Großen zum Hause des Gelages. - von dem erfuhr, was dem Könige und seinen Großen begegnet war, trat sie in den Speisesaal und begann und sprach: Ewig lebe, o König! Lass dich deine Gedanken nicht schrecken und dein Angesicht verändere sich nicht! Es ist ein Mann in deinem Reiche, welcher den Geist der heiligen Götter besitzt und bei dem in den Tagen deines Vaters Einsicht und Weisheit erfunden ward; Aram.: In dem unter der Regierung deines Vaters Erleuchtung, hoher Verstand und geradezu göttliche Weisheit erfunden wurde. - darum hatte ihn König Nabuchodonosor, dein Vater, zum Obersten der Weisen und Zauberer, der Chaldäer und Zeichendeuter bestellt, dein Vater, sage ich, o König! Die weitläufige Erzählung zeigt, dass der König wenig oder nichts von Daniel wusste, wenngleich dieser nach [Dan 8,27] ein Amt in der Verwaltung des Reiches hatte. Wie Nabuchodonosor Vater des Königs heißen kann, ist erklärlich, wenn die Königin die Tochter des letzteren ist. - weil sehr viel Geist, Klugheit und Einsicht und die Kunst der Traumdeutung und der Eröffnung von Geheimnissen und der Auflösung von Verwicklungen bei ihm erfunden wurden, nämlich bei Daniel, welchen der König Baltassar benannt hat; Da die Königin den eigentlichen Namen Daniels angeführt, ebenso wie den ihm gegebenen, kann der König auf Daniels Herkunft schließen, oder wenn die Ereignisse bei ihm nur in Vergessenheit gekommen sind, sich leicht an dieselben erinnern. - darum werde nun Daniel gerufen und er wird die Deutung kundtun. Als nun Daniel vor den König geführt ward, redete ihn dieser also an: Bist du Daniel, einer von den Söhnen der Gefangenen Judas, welchen mein Vater, der König, aus dem Judenlande hierher gebracht hat? Die Anrede ist wenig ehrenvoll, anders als einst Nabuchodonosor getan [Dan 4,6]. Der ganze Charakter Baltassars ist ein anderer als der Nabuchodonosors, weshalb er auch die Götter nicht, wie seine Mutter doch getan, heilig nennt. Auch Daniel verhält sich anders gegen ihn, als er gegen Nabuchodonosor getan. Mit dem letzteren hatte er Mitleid und zögerte, Gottes Drohungen zu verkünden, obwohl ihm die Herrschaft zurückgegeben werden sollte. [Dan 4,16] Doch Baltassars gotteslästerliche Handlungsweise bannt jedes Mitgefühl. Zudem wusste Daniel aus der Prophezeiung des Jeremias, dass die Zeit der Befreiung der Juden nahe war, deshalb konnte ihm der Untergang Babylons nur erwünscht sein. Seine Auslegung ist frei von allem Verdachte, da er Ehren ablehnt. - Ich habe von dir gehört, dass du den Geist der Götter besitzest und dass in dir Erkenntnis, Einsicht und Weisheit reichlich erfunden sind. Soeben sind die Weisen und Wahrsager vor mich getreten, um diese Schrift zu lesen und mir deren Deutung kundzutun, aber sie vermochten nicht den Sinn dieser Worte anzugeben. Da hörte ich von dir, dass du vermagst, Dunkles auszulegen und Verwickeltes zu lösen; kannst du also die Schrift lesen und mir ihre Deutung anzeigen, so sollst du mit Purpur bekleidet werden und eine goldene Kette um deinen Hals erhalten und als dritter in meinem Reiche herrschen. Hierauf antwortete Daniel und sprach vor dem Könige: Deine Geschenke mögen dir verbleiben und die Gaben deines Hauses Hebr.: deine Gaben. Daniel will die Gabe der Prophezeiung nicht um Lohn verkaufen. - verleihe einem andern, doch die Schrift will ich dir lesen, o König! und was sie bedeutet, dir kundtun. O König! Gott, der Allerhöchste, hat deinem Vater Nabuchodonosor das Königtum und Herrlichkeit, Ruhm und Ehre verliehen und vor der großen Herrlichkeit, welche er ihm verliehen, bebten und fürchteten sich alle Völker, Stämme und Zungen; wen er wollte, tötete er, wen er wollte, schlug er; Zuerst führt er das an, was des Königs Vermessenheit der Strafe würdig zeigt. Was Nabuchodonosor angedroht und begegnet war, konnte Baltassar nicht verborgen sein, auch wenn er sich nicht an Daniel erinnerte. Doch das Beispiel seines Großvaters hat ihn nicht belehrt. – Schlug er. Syr.: erhielt er am Leben. - wen er wollte, erhöhte er und wen er wollte, erniedrigte er. Als aber sein Herz sich erhob und sein Geist sich in Hoffart verhärtete, ward er von dem Throne seines Reiches gestoßen und seine Herrlichkeit ihm genommen und er ward aus der Gesellschaft der Menschenkinder ausgestoßen, sein Herz ward den Tieren gleich und bei den Waldeseln Anstatt aller Tiere des Feldes wird eine Art derselben angeführt. - war sein Aufenthalt; er fraß Gras wie ein Rind und sein Leib ward vom Taue des Himmels benetzt, bis er erkannte, dass der Allerhöchste über das Königtum der Menschen Macht hat und, wen er will, zu demselben erhebt. Auch du, sein Sohn Baltassar, hast dein Herz nicht verdemütigt, obwohl du dies alles wusstest; sondern du hast dich wider den Herrn des Himmels erhoben und hast die Gefäße seines Hauses vor dich bringen lassen und du, deine Gewaltigen, deine Gemahlinnen und deine Nebenfrauen, ihr habt Wein daraus getrunken und die Götzen von Silber und Gold, Erz, Eisen, Holz und Stein, die weder sehen noch hören noch fühlen, hast du gepriesen; den Gott aber, in dessen Hand dein Odem und alle deine Wege sind, hast du nicht verherrlicht. Der Unterschied zwischen dem lebendigen Gott und den toten Götzen wird scharf hervorgehoben. - Darum wurden von ihm die Finger der Hand gesandt, die dies schrieb, was hier aufgezeichnet steht. Besser: Und diese Schreibzüge dort geschrieben. - Dies aber ist die Schrift, welche aufgezeichnet ist: Erst nach der eindringlichen Mahnung liest und erklärt er die Schrift. - Mane, Thekel, Phares. Und dies ist die Deutung der Worte: Mane: Gezählt hat Gott deine Herrschaft und hat ihr ein Ende bereitet. Thekel: Gewogen wardst du auf der Waage und zu leicht erfunden. Phares: Geteilt ward dein Reich und den Medern und Persern gegeben. Gezählt und zu Ende geführt hat Gott die Tage deiner Herrschaft. In gerechtem Gerichte und auf rechter Waage hat Gott dich geprüft und deine Werke gewogen, doch zu leicht erfunden, da die Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit fehlt. Darum wird die Herrschaft von dir gerissen und von Gott dem Meder und dem Perser gegeben. - Da befahl der König, Daniel mit Purpur zu bekleiden und ihm eine goldene Kette um den Hals zu legen; und man rief aus über ihn, dass er als der dritte in seinem Reiche Gewalt haben solle. Entweder hofft Baltassar, das Verkündete werde erst später eintreten oder er könne noch, wenn er den Propheten Gottes ehrt, Verzeihung erlangen. (Hieron.) Die Ehrung wird Daniel alsbald zuteil. Daniel lässt dieselbe zu, um das Wohl seines Volkes bei dem neuen Herrscher wirksamer fördern zu können. (Hier.) - In derselben Nacht ward Baltassar, der König der Chaldäer ermordet Zwischen dem Juli und dem Oktober drangen die Meder in die Stadt ein. -

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