Daniel 6

5. Daniel wird in die Löwengrube geworfen und von Gott wunderbar errettet. (Kap. 6) a. Daniel werden Nachstellungen bereitet. (V. 17) b. Daniel wird in der Löwengrube von Gott geschützt, der Herr wird geehrt.

und Darius, der Meder, Text: Darius erhielt das Reich. Hier ist wohl der Name Darius als ein bekannterer für einen anderen (Kambuzia) eingesetzt. Der König, welcher auf Baltassar als Herrscher folgte, war Cyaxares II., Sohn des Astyages. (Flav. Joseph, Hieron.) Cyrus führte nach Xenophon als dessen Feldherr Krieg gegen Babylon und rüstete ihm dort einen Palast zu. Die übrigen in dem genannten Schriftsteller angeführten Züge passen auf Cyaxares gleichfalls. Die Septuag. gibt neben dem Namen des Darius noch den des Artaxerxes, was den Verdacht bestärkt, dass auch im Urtexte der Name Darius nicht echt ist. folgte ihm in der Herrschaft, als er zweiundsechzig Jahre alt war. Es gefiel aber Darius, über das Reich hundertundzwanzig Statthalter zu setzen, welche seinem ganzen Reiche vorstehen sollten. Schon unter Nabuchodonosor war das Reich in verschiedene Provinzen geteilt. [Dan 2,48.49] und [Dan 3,2] - Über diese setzte er drei Gewalthaber, von welchen Daniel einer war, Der Ruf von Daniels Frömmigkeit, die Kunde von seiner Prophezeiung über den Übergang der Herrschaft, die Klugheit und Erfahrung Daniels empfehlen ihn dem neuen Könige. Den Gewalthabern war über die Abgaben und Zölle Rechnung zu legen, damit der König keinen Schaden litt. - damit die Statthalter ihnen Rechenschaft ablegen sollten und der König der Mühe überhoben wäre. Da übertraf Daniel alle Gewalthaber und Statthalter, denn der Geist Gottes Weder der Urtext noch die Übersetzung Theodotions hat „Gottes“, sondern weil er von ausnehmendem Geiste war. [Dan 5,12] Darum dachte der König daran, ihn über die beiden anderen zu erheben. - war sehr reichlich in ihm. Und der König gedachte ihn über das ganze Reich zu setzen. Deshalb suchten die Fürsten und Statthalter eine Gelegenheit, etwas an Daniel von Seiten des Königs Der Regierungsgeschäfte. - zu finden, aber sie konnten keine Ursache oder Vorwurf finden, weil er treu war und keinerlei Schuld oder Vorwurf an ihm zu finden war. Daher sprachen jene Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keine Gelegenheit finden, es sei denn etwa im Gesetze seines Gottes. Gegen dieses müssen wir also irgendetwas aufstellen, weil er dann dem Gesetze seines Gottes treu, die Vorschriften der Menschen nicht achten wird. - Alsbald bestürmten die Machthaber und Statthalter den König und sprachen also zu ihm: König Darius, lebe ewig! Alle Fürsten deines Reiches, die Obersten und Statthalter, die Verwalter und Landpfleger haben Rat gehalten, dass eine königliche Verordnung erlassen und ein Gebot gegeben werde, dass jeder, der an irgend einen Gott oder Menschen binnen dreißig Tagen eine Bitte richtet, außer an dich, o König! Durch die Menge der Urheber des Planes wollen sie den König auf ihre Seite ziehen, daher die lügenhafte lange Aufzählung der Beamten. Nur Daniel wollen sie verderben, deshalb liegt ihnen auch nichts daran, dass die Bestimmung im ganzen Reiche verkündet werde. Der König soll ein Mittel erhalten, durch das er die Ehrerbietung und den Gehorsam seiner Hofleute auf die Probe stellen kann, zumal er ja vor kurzem erst in Babylon an Stelle der alten Dynastie König geworden. Es handelt sich nicht um irgendwelche Bitte, sondern um solche, durch welche der König als eine Gottheit geehrt und anerkannt würde. - in die Löwengrube geworfen werden solle. Löwen wurden bisweilen unter den Abgaben in die Königsburg gebracht, dort in Höhlen bewahrt und auch mit zum Tode verurteilten Verbrechern gespeist. - Nun also, o König! bestätige den Beschluss und schreibe den Erlass, so dass nach dem Gesetze der Meder und Perser nichts mehr geändert werden kann, was beschlossen ist, und es niemand erlaubt sei, es zu übertreten. Damit das gebot desto sicherer Kraft erlange, drängen sie den König, es schriftlich zu erlassen, in welchem Falle nicht einmal dieser es widerrufen und aufheben konnte. Vergl. [Est 1,18; Est 8,8]. - Demgemäß gab der König Darius Befehl und erließ die Bestimmung. Als nun Daniel dies erfuhr, nämlich dass der Befehl gegeben sei, begab er sich in sein Haus, und da die Fenster, welche in seinem Oberzimmer offen waren, in der Richtung nach Jerusalem lagen, Text: in dessen Obergemach er in der Richtung nach Jerusalem geöffnete Fenster hatte, kniete täglich dreimal nieder und betete zu seinem Gott und dankte ihm, ganz wie er bisher zu tun gepflegt hatte. – Im Obergemache war er ferne von allem Geräusch. [Apg 10,9] Er wendet sich im Gebete nach Jerusalem, wo der Tempel ist, von dem Gott aus erhören will. [1Koe 9,3] Dorthin richtet der Psalmist seine Gebete [Ps 5,8; Ps 27,2] und auch Jonas wünscht im Bauche des Fisches, sein Gebet möchte zum heiligen Tempel Gottes kommen. Zur Stätte, wo der Tempel gestanden, bringen fromme Juden auch nach dessen Zerstörung Gaben. [Jer 41,5; Bar 1,7] Um die dritte und neunte Stunde wurde einst im Tempel das ewige Opfer dargebracht, deshalb war diese Zeit besonders geeignet für das Gebet. Vergl. [Dan 9,21; Esr 9,5; Ps 141,2]. Mit gebeugten Knieen hatte Salomon bei der Tempelweihe gebetet, ebenso betet Esdras [Esr 9,5]. Daniel lässt nichts von seinem gewohnten Gebete nach, weil er zuvor so gewöhnt war zu tun. Hätte er jetzt das Gebet unterlassen, so hieß dies dem gottlosen Befehle des Königs Folge leisten, zumal er wusste, dass diese Unterlassung dem Gotte Israels zum Hohne und zur gotteslästerlichen Verehrung für den König gefordert ward. - fiel er dreimal des Tages auf seine Knie, um seinen Gott anzubeten und zu preisen, wie er auch zuvor zu tun gewohnt war. Jene Männer aber gaben sorgfältig acht Urtext: Da stürmten jene Männer herein usw. - und fanden Daniel, wie er betete und zu seinem Gott flehte. Da traten sie vor den König und sprachen zu ihm von seinem Befehle: Hast du nicht verordnet, o König! dass jeder, der binnen dreißig Tagen an irgend einen Gott oder Menschen, außer an dich, o König! eine Bitte richtet, in die Löwengrube geworfen werden solle? Der König antwortete ihnen und sprach: Diese Sache ist wahrhaft nach dem Gesetze Urtext: Die Sache steht fest nach dem unabänderlichen Gesetze der Meder und Perser. Die Verschworenen nennen den Namen Daniels nicht, um dem Könige zuerst eine allgemeine Bestätigung der Bestimmung zu entlocken, damit er dann, wenn Daniels Name genannt wird, nicht für diesen Wege zur Rettung suche. - der Meder und Perser, das man nicht übertreten darf! Da erwiderten sie dem Könige und sprachen: Daniel, einer der Gefangenen der Söhne Judas, hat dein Gesetz, das Gebot, das du gegeben, nicht beachtet, sondern dreimal täglich verrichtet er sein Gebet nach seiner Weise. Sie bemühen sich, das vergehen als ein sehr schweres hinzustellen: der Schuldige ist nicht allein ein Fremdling, sondern selbst ein Gefangener, der als solcher besonders bemüht sein musste, dem Befehle des Königs Gehorsam zu leisten. Des Königs erhabener Majestät Verordnungen müssen heilig gehalten werden, und siehe, Daniel hat das gebot desselben aus Verachtung übertreten. Endlich: wie häufig wiederholt ist das Verbrechen begangen worden, dreimal täglich, und das von einem, den der König in Güte und Erbarmen zu einer erhabenen Würde und zu hohem Ansehen erhoben. Jetzt erkennt der König, dass man ihm durch seine Antwort eine Schlinge hat legen wollen und dass die Ursache der Nachstellungen gegen Daniel der Neid ist. - Als der König dies vernahm, ward er sehr betrübt und sann darauf, Daniel zu befreien und war bis zum Sonnenuntergang bemüht, ihn zu retten. Nicht durch seine Macht als König, die er nicht in Anwendung bringen kann, aber auf andere Weise, doch Daniels Gegner leisten Widerstand. - Doch jene Männer durchschauten des Königs Absicht Urtext: Da bestürmten jene Männer den König Sie kennen den wenig entschlossenen Charakter desselben. - und sprachen zu ihm: Wisse, o König! es ist Gesetz der Meder und Perser, dass kein Gebot, welches der König aufgestellt hat, abgeändert werden darf. Jetzt gab der König Befehl und man führte Daniel herbei und warf denselben in die Löwengrube. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, möge dich erretten. Der König weicht ihrem Anstürmen und wagt nicht, Daniel ihren Händen zu entreißen. Was er selbst nicht erlangen konnte, stellt er Gottes Macht anheim. (Hier.) - Sodann brachte man einen Stein herbei und legte ihn auf die Öffnung der Grube, der König aber versiegelte ihn mit seinem Ringe und mit dem Ringe seiner Vornehmen, damit nichts wider Daniel geschehen könnte. Mit seinem Ringe, damit die Vornehmen nicht Daniel herauszögen und töteten, wen ihn die Löwen verschonten; mit dem Ringe der Vornehmen, damit der König den Propheten nicht befreien könnte. - Hierauf ging der König in sein Haus und legte sich ohne Speise schlafen Richtiger: Brachte die Nacht in Fasten zu. - und ließ keine Speise Nach anderen: Sängerinnen, noch andere: Nebenweiber. Die Übersetzung Speise ist jedenfalls nur Konjektur. - vor sich bringen, dazu floh ihn der Schlaf. Am frühesten Morgen Text: Mit der Morgenröte bei Tagesanbruch. - stand der König auf und ging eilig zur Löwengrube. Als er nun nahe zur Grube kam, rief er Daniel mit kläglicher Stimme und sprach zu ihm: Daniel, du Diener des lebendigen Gottes! Diesen Namen hat er oft von Daniel gehört. - hat dein Gott, welchem du immer dienst, es wohl vermocht, dich zu erretten von den Löwen? Da antwortete Daniel dem Könige und sprach: O König, mögest du ewig leben! Gewöhnliche Anrede an den König. -
Daniel in der Löwengrube
Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen, so dass sie mich nicht verletzten; denn vor ihm ward an mir Gerechtigkeit erfunden, aber auch vor dir, o König! habe ich nichts Unrechtes begangen. Durch ein staunenswertes Wunder hat Gott die Unschuld Daniels erwiesen, aber auch zugleich gezeigt, dass man ihm mehr gehorchen muss als den Menschen. - Da ward der König überaus froh darüber und befahl, Daniel aus der Grube zu ziehen. Als nun Daniel aus der Grube gezogen ward, fand man keine Verletzung an ihm, denn er hatte auf seinen Gott vertraut. Vergl. [Dan 3,94; Hebr 11,33]. - Auf den Befehl des Königs aber Da der König erkennt, wie listig Daniels Feinde mit ihm verfahren sind, erblickt er in der wunderbaren Errettung des Propheten ein Urteil Gottes und übt an ihnen die Strafe der Wiedervergeltung. - wurden jene Männer, welche Daniel verklagt hatten, Verleumdet hatten. - herbeigebracht und mit ihren Kindern und Frauen in die Löwengrube geworfen; Die Schuldigen mit ihren Familien zu strafen, war bei den Persern Sitte. Auch Kore, Dathan und Abiron wurden mit ihren Familien getötet, ebenso Achan. Das Gesetz indes schreibt vor, dass Unschuldige nicht mit den Schuldigen sterben sollen. - und noch hatten sie nicht den Boden der Grube erreicht, als die Löwen sie schon erfasst und alle ihre Gebeine zermalmt hatten. Die Zahl der Ankläger war eine sehr kleine, wie V. 11 zeigt, da doch nur wenige in das Gemach Daniels eindringen konnten. - Hierauf ließ der König Darius an alle Völker, Stämme und Zungen, die auf der ganzen Erde wohnen, Hyperbolisch. Gemeint sind die Völker des Reiches, wie V. 26 zeigt. - schreiben: Friede sei euch reichlich! Es ist von mir der Befehl ergangen, dass man im ganzen Gebiete meines Reiches vor dem Gott Daniels zittern und sich fürchten soll; denn er ist der lebendige Gott, der in Ewigkeit bleibt; sein Reich wird nicht zerstört werden und seine Herrschaft währt in Ewigkeit. Die Heiden konnten Gott in besonderer Weise verehren, ohne dass damit ihren Götzen zu nahe getreten ward. - Er ist ein Befreier und Erretter, der Zeichen und Wunder tut im Himmel und auf Erden; er hat Daniel aus der Löwengrube Text: Aus der Gewalt der Löwen. - befreit. Daniel aber blieb in Ehren Text: Erging es wohl. unter der Regierung des Darius und unter der Regierung des Persers Cyrus.

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