B. Das Lied Moses: (V. 1-43) Nach kurzer Einleitung (V. 3) und Angabe des Gegenstandes (V. 6) feiert Moses die großen Wohltaten Gottes, die der Herr den Söhnen Israels von Anfang an vor den übrigen Völkern erwiesen. (V. 14) Alsdann beschreibt er die zukünftigen Beweise des Undankes des Volkes, als ob er sie gegenwärtig sähe (V. 8), indem er die schweren Strafen voraussagt, welche Gott dafür verhängen wird. (V. 33) Endlich verheißt er, dass Gott, wenn er auch das Volk seiner Gerechtigkeit gemäß sicher strafen wird, ihm dennoch, wenn es Buße tue, nahe sein und es an seinen Feinden rächen werde. (V. 43) C. Dem Volke das Lied übergebend, mahnt er es von neuem, das Gesetz zu beobachten, da hiervon der Besitz des Landes abhänge, in das sie einzuziehen im Begriff sind. (V. 47) 3. Moses Tod. (32,48 – 34,12) A. Nachdem er das Lied geendet, erhält Moses von Gott den Befehl, auf den Berg Nebo zu steigen, um das Land zu sehen, in das er nicht eingehen soll.
1Höret,Das Lied kann nach seinen Strophen so unterschieden werden: 1. Strophe V. 1-4 Lob Gottes. I. Gegenstrophe V. 5-7: Israels Abfall. I. Wechselstrophe V. 8-14: Der Chor im Namen der Ältesten: Die früheren Wohltaten Gottes (V. 9-11 sind Zwischenverse). II. Strophe V. 15-18: Israels Abfall. II. Gegenstrophe V. 19-21: Jahves Zorn. II. Wechselstrophe V. 22-27: Beschreibung des Zornes Jahves. III. Strophe V. 28-31: Torheit der Feinde. III. Gegenstrophe V. 32-35: Bosheit der Feinde. III. Wechselstrophe V. 35b-39: Zukünftiges Gericht Jahves. IV. Strophe V. 40-42: Jahves Schwur betreffs des zukünftigen Gerichtes. IV. Gegenstrophe V. 43: Jubels des Himmels und der Erde. - Das Lied umfasst die gesamte Geschichte der Israeliten. Israel wird von Jahve zum Götzendienste abfallen und von Gott gestraft, aber nicht gänzlich vernichtet werden. Zu ihm gefälliger Zeit wird Gott das Volk erretten und die Götzenbilder zu Schanden machen. - ihr Himmel, was ich rede; es höre die Erde die Worte meines Mundes!Die Himmel mit den Engeln, die Erde mit ihren Völkern. (Vergl. V. 43.) Israel ist gleichsam als Schuldiger zugegen, den jene Zeugen beschämen sollen. Durch diese Zeugen wird zugleich zu erkennen gegeben, dass Israels Geschicke Weltbedeutung besitzen. -2 Meine Lehre ströme zusammenEs fließe reißend. Wie der Regen die Erde durchdringt, so mögen die Worte meines Liedes auf die Herzen allen und daraus Früchte der Gottesfurcht hervorlocken. - wie Regen, wie Tau fließe meine Rede, wie milder Regenguss auf das Grün, wie Regentropfen auf die Gräser.3 Denn den Namen des Herrn will ich preisen. Gebet unserm Gott die Ehre!4 Gottes Werke sind vollkommen, und alle seine Wege sind gerecht;Hebr.: der Fels (Jahve), vollkommen ist sein Tun, denn alle seine Wege sind recht usw. - getreu ist Gott, und ohne allen Trug, gerecht und gerade.5 Sie sündigten gegen ihn in Schmach, sie, nicht mehr seine Söhne;Hebr.: Übel handelten gegen ihn, - nicht seine Söhne, ihr Schandfleck, - ein verkehrtes und verderbtes Geschlecht. – Sie sind nicht gerecht, deshalb ein Schandfleck und Nichtsöhne. - ein verderbtes und verkehrtes Geschlecht!6 Vergiltst du so dem Herrn, du törichtes und unverständiges Volk? Ist er denn nicht dein Vater, der dich erworben, der dich gemacht und erschaffen hat?Hebr.: Dir Bestand geschenkt hat. Die Häufung der Worte kennzeichnet Gottes große Güte. -7 Gedenke der weit zurückliegenden Tage, betrachte alle Geschlechter; frage deinen Vater, er wird es dir kundtun; deine Vorfahren, sie werden es dir sagen.Väter und Greise sind die natürlichen Vermittler alter Überlieferungen. -8 Als der Höchste die Völker schied, als er die Söhne Adams sonderte,Der Gott aller Völker richtete bereits vor Moses, zur Zeit Noes, sein gnädiges Absehen auf Israel. - bestimmte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.Damit Israel Raum behielt in dem für dasselbe bereits damals erwählten Lande. -9 Des Herrn Anteil aber ist sein Volk, Jakob das ihm zugemessene Erbe.10 Er fandSeptuag Chald: Er erhielt es. Den gleichen Sinn bietet das hebräische und die Vulgata. - es im wüsten Lande, am Orte des Grauens, der weiten Einöde; er führteHebr.: und umgab es liebevoll und hatte Acht und hütete es usw. - es, und lehrte es, und hütete es wie seinen Augapfel.11 Gleichwie der Adler seine Jungen zum Fluge lockt und über ihnen schwebt, so breitete er seine Flügel aus, und nahm es und trug es auf seinen Schultern.Aus Ägypten heraus sicher durch die gefährliche Wüste führend. -12 Der Herr allein war sein Führer, und kein fremder Gott war mit ihm.13 Er setzte es auf ein hohes Land,Hebr.: Er ließ ihn hoch einherfahren auf den Höhen des Landes. Jahve legte Israel alle Mächte zu Füßen. - dass es die Früchte des Feldes esse, dass es Honig aus dem Felsen sauge, und Öl aus dem harten Gesteine,Wilde Bienen pflegen sich in Felsritzen anzusiedeln, aus denen alsdann Honig träufelt, und der Ölbaum nimmt mit dem steinigsten Erdreich vorlieb; also quillt sogar aus der unfruchtbarsten Öde Israel Segen entgegen. -14 ButterHebr.: Dickmilch, noch jetzt Lieblingsspeise der Landbevölkerung. - esse von den Kühen und Milch von den Schafen, samt dem Fette der Lämmer und Widder der Söhne Basans,Widder und Ziegen aus dem fetten Weideland Basan. - und Böcke, samt dem Marke des Weizens;Dem feinsten, besten Weizen. - dass es trinke das Blut der Trauben, den lautersten Wein.15 Aber der LieblingHebr.: Jeschurun. Der Sinn des Wortes ist vielmehr: das gerade, redliche Volk. - ward fett und schlug aus;Wie ein Rind im Vollgefühl seiner Kraft. - er ward feist und breit, da verließ er Gott, seinen Schöpfer, und wich von Gott, seinem Heile.Der Abfall aus fleischlicher Gesinnung in seinem Gegensatze zu Gottes Verhalten. -16 Sie erzürnten ihn durch fremde Götter, sie reizten ihn durch Greuel zum Zorne.17 Sie brachten den bösen GeisternHebr.: den Schedim. Assyrisch heißen gute, wie böse Geister Schilde. - Opfer dar, und nicht Gott, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die jüngst aufgekommen waren,Hebr.: Von Nahe gekommen: deren Herrschergebiet nicht die Welt, noch der Verlauf der Zeiten. - die ihre Väter nicht verehrten.18 Den Gott,Hebr.: den Fels. - der dich gezeugt, hast du verlassen, und des Herrn, deines Schöpfers, hast du vergessen.19 Der Herr sah es und ward zum Zorne erregt,Hebr.: verwarf (sein Volk) aus Unmut über dessen Söhne und Töchter. - denn seine Söhne und Töchter reizten ihn.20 Und er sprach: Ich will mein Angesicht vor ihnen verbergen und schauen, welches ihr Ende sein wird;Er will, das Volk seinem Geschicke überlassend, zusehen, wohin es kommt, wenn er ihm seine väterliche Fürsorge entzieht. [5Mos 31,17] - denn sie sind ein verkehrtes Geschlecht, und Kinder ohne Treue.21 Sie haben mich durch das, was nicht Gott war, gereizt, mich mit ihren Eitelkeiten erbittert; so will auch ich sie reizen mit dem, was kein Volk ist, und sie durch ein törichtes Volk erbittern.Wie Israel im heiligen Lande einen Nichtgott vor Jahve erwählt, so wird Gott es einem Nichtgott unterwerfen und wie Israel töricht den Herrn verworfen, so wird dieser es einem törichten Volke unterwerfen. Die Torheit der Fremden wird V. 28-31 erklärt. Nichtvolk ist: Nicht mein Volk. -22 Das Feuer meines Zornes ist entflammt, und wird brennen bis in die tiefste Tiefe der Hölle,Der Feuerstrom des göttlichen Zornes flutet von Gottes Thron durch alle Bereiche der Schöpfung bis an ihre untersten Enden und, würde er nicht durch Buße und Gnade aufgehalten, brächte er Vernichtung über alles. Zu den Wirkungen dieses Zornes gehört auch die Zerstörung Jerusalems durch Titus. (Beda) - und wird die Erde mit ihrem Gewächs verzehren, und die Grundfesten der Berge verbrennen.23 Ich will des Unglücks Fülle über sie häufen und alle meine Pfeile gegen sie schleudern.24 Sie werden vom Hunger aufgezehrt werden, und Raubvögel werden sie mit bitterm Bisse verschlingen;Hebr.: Verzehrt von Pestglut und giftiger Seuche. - den Zahn wilder Tiere werde ich über sie senden, die WutHebr.: samt dem Gifte. - der am Boden dahinschleichenden Schlangen.25 Von außen wird sie das Schwert dahinraffen, von innenIn den Gemächern, aus denen er sie herausreißt. - der Schrecken, den Jüngling wie die Jungfrau, den Säugling wie den Greis.26 Ich sprach:Ich dachte. - Wo sind sie?Hebr.: Wegblasen will ich sie. - Vernichten werde ich ihr Andenken unter den Menschen.27 Doch wegen des Grimmes der Widersacher habe ich verzogen, dass ihre Feinde nicht etwa im Übermute sagen möchten: Unsere mächtige Hand und nicht der Herr hat dies alles getan.28 Es ist ein Volk ohne Rat und ohne Einsicht.Schroffer Gegensatz zu Israels Beruf [5Mos 4,6]. -29 O wären sie weise, und hätten sie Einsicht und bedächten, welches ihr Ende sein wird!Den Zusammenhang ihrer verzweifelten Lage mit ihrem Abfall von Jahve. Die Reflexionen (V. 28ff) sind Worte Moses, nicht Gottes. -30 Wie könnte ein einziger tausend verfolgen, und zwei zehntausend in die Flucht jagen?Gegenteil der Verheißung. [3Mos 26,8, Jos 23,10] Nicht aus eigener Kraft vermögen die Feinde solches, sondern weil Gott die Israeliten überliefert als unnütze Knechte. - Nicht darum, weil ihr Gott sie verkauft und der Herr sie preisgegeben hat?31 Denn unser Gott ist nicht wie ihre Götter,Hebr.: Denn ihr Fels ist nicht wie unser Fels. - und des sind unsere Feinde selbst Richter.Die unverdächtigsten Richter. -32 Vom Weinstocke Sodoms stammt ihr Weinstock,Zweiter Grund, weshalb die Feinde den Sieg über Israel nicht ihrer Kraft zuschreiben dürfen: Weil sie aller Gunst unwürdig sind. V. 32-33 bilden zugleich die begründende Überleitung zu V. 34. Rache an den Feinden, Begnadigung Israels. - und von den Gefilden Gomorrhas; ihre Trauben sind Trauben von Galle, und ihre Beeren bitter.33 Drachengalle ist ihr Wein, und unheilbaresHebr.: Grausiges. - Natterngift.34 Ist diesDieser verkehrte Charakter derselben. - nicht bei mir verborgen, und versiegelt in meinen Schätzen?Gleichsam im Archiv. -35 Mein ist die Rache,Mein ist das Recht der Rache und ich werde solche sicher üben. - und ich will vergelten zu seiner Zeit, auf dass ihr Fuß wanke; schon nahet der Tag des Verderbens, und die Zeiten eilen schnell heran.Hebr.: und es eilt herbei, was ihnen bereitet ist. -36 Der Herr wird sein Volk richten,Er wird für das Recht seines Volkes rächend eintreten dann, wann und weil alle andere Möglichkeit, den Feinden zu widerstehen, alle Hilfe fehlt. - und sich über seine Diener erbarmen; wenn er sieht, dass ihre Hand entkräftet ist, dass die EingeschlossenenDie Erklärer gehen von der Septuag angefangen in der Auslegung auseinander. Am besten wohl: Wehrlose und Waffentragende. - schwach und die übriggebliebenen aufgerieben sind.37 Dann wird erJahve wird zu Israel sprechen, es zum Insichgehen seiner Torheit zu mahnen. - sprechen: Wo sind ihre Götter,Wenn Jahve zum Gerichte kommt, sind die Götzen nicht mehr. - auf welche sie ihr Vertrauen setzten?Hebr.: Ihr Götter, der Fels, auf den … -38 von deren Schlachtopfer sie das Fett aßen,Hebr.: Wo sind sie, die das Fett ihrer Opfer verzehrten usw., während die Vulgata das Essen den Verehrern der Götzen zuschreibt. - von deren Trankopfern sie den Wein tranken? Sie mögen sich erheben, und euch Hilfe bringen, und euch in der Not beschirmen.39 Erkennet denn, dass ich der einzige bin,Hebr.: sehet nun, dass ich, ich es bin und dass usw. Die Ohnmacht der Götzen beweist die alleinige Gottheit Jahves. - und dass kein anderer Gott ist außer mir; ich töte, und ich mache lebendig; ich schlage, und ich heile, und niemand kann aus meiner Hand erretten.40 Ich erhebe meine Hand zum Himmel und spreche: So wahr ich lebe in Ewigkeit!41 WennZur Zeit, wo. - ich mein Schwert wie den Blitz schärfe, und meine Hand das Gericht ergreifet, so werde ich Rache an meinen Feinden nehmen, und denen vergelten, die mich hassen.42 Ich will meine Pfeile trunken machen vom Blut, und mein Schwert soll Fleisch fressen von dem Blute der Erschlagenen, und von den Gefangenen, das Fleisch der Feinde, deren Haupt entblößt ist.Den Gefangenen pflegte man zum Zeichen der Sklaverei das Haupt zu scheren. Hebr.: Vom Haupte der Führer des Feindes. -43 Preiset ihr Völker sein Volk! Denn er rächt das Blut seiner Knechte, und nimmt Rache an ihren Feinden, und ist gnädig dem Lande seines Volkes.Die Septuag fügt noch eine Strophe bei: Jubelt, Himmel, mit seinem Volke, und betet ihn an, alle Engel Gottes, jubelt, ihr Völker, mit seinem Volke und seid standhaft, alle ihr Söhne Gottes. Denn das Blut seiner Diener hat Rache verlangt, es hat sich gerächt an seinen Feinden, hat Vergeltung geübt und seinen Hassern vergolten, und Jahve ist mit dem Lande seines Volkes versöhnt. -44 Moses also kam und sprach alle Worte dieses Liedes vor den Ohren des Volkes, er und Josue,Hebr.: Osee. Der Sache nach trifft der Vers mit [5Mos 31,30] zusammen. - der Sohn Nuns.45 Und als er alle diese Reden,Hier speziell Hauptgesetz [5Mos 6,1-7,11] und Lied. - zu ganz Israel sprechend, vollendet hatte,46 sagte er zu ihnen: Nehmet alle die Worte, die ich euch heute bezeuge, zu Herzen, damitBesser: und. - ihr sie euren Söhnen einschärfet, dass sie dieselben halten und tun, und alles erfüllen, was in diesem Gesetze geschrieben ist;Dies ist auch das Ziel des Liedes. -47 denn nicht ohne Grund sind sie euch geboten, sondern dass alle darin leben;Hebr.: sondern es ist euer Leben. - und dass ihr, wenn ihr sie tut, lange in dem Lande bleibet,Langes Leben setzt zugleich glückliches Leben voraus. - in das ihr über den Jordan ziehet, es in Besitz zu nehmen.48 An eben diesem Tage redete der Herr zu Moses und sprach:49 Steige auf das Gebirge Abarim dort, das ist der Übergänge, auf den Berg Nebo, welcher im Lande Moab, Jericho gegenüber, liegt; und schaue das Land Chanaan, das ich den Söhnen Israels zum Besitze geben werde, und stirb auf dem Berge.50 Wenn du ihn bestiegen hast, wirst du zu deinem Volke gesammelt werden,Fast gleichlautend mit [4Mos 27,12-14]. Das Gebot wird wiederholt. - so wie Aaron, dein Bruder, auf dem Berge Hor gestorben ist und zu seinem VolkeSeinen Verwandten, Vorfahren. - gesammelt ward;51 weil ihr inmitten der Söhne Israels, bei dem Wasser des Widerspruches zu Kades in der Wüste Sin,Zin. - wider mich gesündigt und mich nicht unter den Söhnen Israels verherrlicht habt.Ihr habt meine Herrlichkeit nicht bezeugt, sondern daran gezweifelt.52 Gegenüber wirst du das Land sehen, aber du sollst nicht in das Land hineinkommen, welches ich den Söhnen Israels geben werde.