Prediger (Kohelet) 7

Ein guter Name ist besser als kostbare Salben Der Verfasser hat zwei Fehler getadelt: Allzu große Leichtfertigkeit und mürrische Abschließung. Jenen begeht, wer nach sinnlicher Lust und Pracht strebt [Koh 2], dieser wird durch Zorn, Trauer und Menschenflucht begangen. [Koh 3,16ff] Zu dieser Abschließung von Menschen gehört zuletzt auch das ungeordnete Streben nach Weisheit [Koh 1,13ff], zur Leichtfertigkeit alle Torheit (im strengen Sinne [Koh 1,17; Koh 4,13.17; Koh 5,3]), wie der Gegensatz zur Tugend. [Koh 2,12ff] Diese beiden Klassen von Menschen widersetzen sich dem Willen Gottes. Jetzt wendet sich der Prediger der zweiten insbesondere zu, ohne indes die erste gänzlich zu vernachlässigen. – Der gute Ruf und Salben werden wegen ihres im Hebr. ähnlichen lautes verglichen und weil die Tugend einen gewissen süßen Geruch hat. Vergl. [2Kor 2,15]. Vom Namen [Hohel 1,3]. Also: Der Geruch eines guten Namens übertrifft den Duft der besten Salben. - und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt. Der Tag der höchsten Freude und der höchsten Trauer werden verglichen. Der Sinn des Satzes ist aber ein anderer als [Koh 4,3]: Nicht ist ein langes Leben so erwünscht, dass der Tod nicht lieb wäre. Warum? Siehe [Koh 12,7, Weish 3,1ff]. - Besser ist es, in ein Trauerhaus zu gehen als in ein Haus des Trinkgelages, denn in jenem wird man an das Ende aller Menschen erinnert und der Lebende denkt an das, was kommen wird. Hebr.: Denn das ist das Ende jedes Menschen und der Lebende nimmt es zu Herzen. - Besser ist Zürnen Hebr.: Heftiger Schmerz. - als Lachen, denn durch ein trübes Angesicht wird des Fehlenden Herz gebessert. Die Vulg. scheint an die Besserung anderer zu denken. Hebr.: Denn wenn das Angesicht düster ist, ist dem Herzen wohl. - Das Herz der Weisen ist dort, wo Traurigkeit ist, und das Herz der Toren da, wo Lustigkeit ist. In der der Ausgelassenheit entgegengesetzten Trauer ist wahre Weisheit, schließt sich doch jene sittlich zulässige und lobenswerte Freude nicht aus, die der Prediger als höchstes Erdengut empfiehlt. Sie ist bescheidener Genuss des vom Leben Gebotenen mit Bezähmung aller Leidenschaften. Da aber ein Gegensatz durch den anderen geheilt wird, hält der Dichter in der Empfehlung der Trauer nicht die rechte Mitte inne. - Besser ist es, von einem Weisen zurechtgewiesen als durch Schmeichelei der Toren betrogen zu werden. Hebr.: als dass jemand auf das (den Sinnen schmeichelnde) Lied des Toren hört. - Denn wie das Knistern der Dornen, die unter dem Topfe brennen, Die Dornen geben zwar eine große Flamme, aber diese flackert nur kurze Zeit und erlischt bald. So macht das Lachen der Toren viel Geräusch, bringt aber wenig Frucht, weil es keine Frucht des Herzens ist. Vergl. [Mt 5,25; Lk 6,25], aber auch [Phil 4,4ff]. - so ist das Lachen des Toren, aber auch das ist Eitelkeit! Erpressung macht den Weisen töricht und raubt ihm die Stärke des Herzens. Hebr. etwa: Wenn den Weisen Qual verwirrt und Geschenke seine Standhaftigkeit erschüttern, so ist das Ende der Wort besser usw. Der Gegenstand ist der gleiche wie [Koh 4,17, Koh 3,16, Koh 4,1]. Es wird gegen törichte Reden geeifert. Der Gegensatz zum Vorhergehenden ist ein starker, weil der rechte Mittelweg erst nachher dargelegt werden soll. - Besser ist das Ende einer Sache als ihr Beginn, besser ist der Geduldige als der Hochmütige. Lass dich nicht leicht zum Zorne hinreißen, denn der Zorn hat seinen Ruheplatz im Busen des Toren. Vergl. [Jak 1,19.20]. Der Zorn ist hier als Leidenschaft zu verstehen. Das Böse ist dem Guten oft scheinverwandt, daher bisweilen der gleiche Name. (V. 4) Vers 10 erklärt, welches Wort (hebr.) V. 9 gemeint war: Gegen Gottes Vorsehung eifernde Reden. - Sage nicht: Wie kommt es doch, dass die früheren Zeiten besser waren als die jetzigen? Denn eine solche Frage ist töricht. Eine Empörung, die Gott unrecht tut. (Vergl. V. 14.) - Weisheit ist nützlich wie Reichtum und noch mehr nützt sie denen, welche die Sonne sehen. Denn wie die Weisheit Schutz gewährt, gewährt auch das Geld Schutz; Sinn des Hebr.: Denn Schatten bietet (es erfrischt) die Weisheit wie das Silber, doch die Weisheit verdient den Vorzug, weil sie allein Leben gibt, denn wer der Traurigkeit nachgibt, kommt in Gefahr, so das Leben des Leibes wie das der Seele zu verlieren. - aber darin hat Erfahrung und Weisheit den Vorzug, dass sie ihrem Besitzer Leben geben. Gott angenehm macht und Strafe abwendet. - Betrachte das Wirken Gottes, wie niemand den bessern kann, welchen er verwirft. Hebr.: denn wer kann gerade machen, was er gekrümmt? Der letzte Grund gegen den Zorn: Er ist unnütz. (V. 14, V. 15) Niemand wird die Ordnung, die Gott aufstellt, ändern. Vergl. [Koh 1,15]. Auf das sittliche Verhalten bezogen wie [Koh 1,14]: denn schlechte Menschen und ihre Verkehrtheit lassen sich schwer bessern. - Am guten Tage freue dich des Guten und bereite dich Hebr.: und am Unglückstage, siehe auch diesen gleich jenen hat Gott geschaffen. - auf den schlimmen vor; denn so wie diesen, hat Gott auch jenen geschaffen, damit der Mensch keine gerechte Ursache finde, über ihn zu klagen. Hebr.: damit der Mensch nicht finde nach ihm (nachdem Gott die Dinge einmal geordnet) irgend etwas. – Man kann Gottes Werke nicht erforschen, vergl. [Koh 3,11], warum er das Böse zulässt (8-11), und so auch nicht das Krumme gerade machen. Es ist von dem gegenwärtigen Leben die Rede. Dadurch dass Gott seine Absichten verbirgt, will er erreichen, was [1Petr 5,6] gesagt und hier [Koh 3,14] ausgesprochen wird. - Auch dies Hebr.: Alles durchaus (beides, was folgt). Der Prediger spricht hier von sich als einer historischen Person. - sah ich in den Tagen meiner Eitelkeit: Der Gerechte Der, welcher als Feind und Rächer des Bösen allzu heftig gegen dasselbe auftritt, als dass er den Fehlenden besserte. - stirbt in Infolge seiner selbst erwählten Gerechtigkeit. - seiner Gerechtigkeit und der Gottlose Der ein solcher nach des vorerwähnten Gerechten Urteil ist, wenngleich er in Wahrheit noch einige Entschuldigungsgründe für sich hat, sein Leichtsinn nicht ohne Beimischung von etwas Klugheit ist. – In der Mitte zwischen diesen beiden ist die Tugend. Ahme in heiliger Weise nach, worin der leichtfertige lobenswert. [Lk 16,8] - lebt lange in Durch. - seiner Bosheit. Sei nicht allzu gerecht und nicht weiser als nötig ist, Deinen Sinn verblende nicht die Ungeduld und versetze dich in eine Art geistiger Erstarrung, dass du als hartnäckiger Sittenrichter etwa nicht allein Menschen, sondern selbst Gott und das Gesetz vor deinen Richterstuhl ziehst und noch heiliger sein willst als Gott. V. 17, V. 20 wird dasselbe Wort Weisheit tadelnd und lobend erwähnt, wie V. 12, V. 17, V. 18 scheinbar widersprechende Vorschriften gegeben werden. Wenngleich also die Gerechtigkeit hier nicht eine Untugend sein kann, pflegt man doch den Fehler, der durch ein Übermaß begangen wird, allzu große Gerechtigkeit zu nennen, und was über wahre Weisheit hinausgeht, zu viel Weisheit. So werden die Namen in der Heiligen Schrift bisweilen nicht für die Sache gesetzt, sondern für das, was die Menschen darunter verstehen. - damit du nicht ein Tor werdest. Sündige nicht viel und sei kein Tor, dass du nicht sterbest, ehe deine Zeit gekommen. Hebr.: sei nicht gar ungerecht und sei nicht töricht. Warum willst du sterben zu einer Zeit, die nicht die deine? – Mag dein Verhalten auch in den Augen eines vermeintlichen Gerechten Ungerechtigkeit sein, lasse es ja nie entarten zu wirklicher Ungerechtigkeit und Torheit. - Gut ist es, wenn du dich an das hältst, was recht ist, doch auch von jenem ziehe die Hand nicht zurück; Hebr.: Es ist gut, dass du dieses festhältst und auch von jenem deine Hand nicht abziehst, denn wer Gott fürchtet, entgeht dem allen. – Halte die Gebote Gottes, doch verschmähe auch nicht jene Freuden, die Gott dir zuerteilt [Koh 5,8, Koh 3,22]. - denn wer Gott fürchtet, verabsäumt nichts. Die Weisheit gibt dem Weisen mehr Stärke als zehn Machthaber in einer Stadt. Begründung zur gesamten Mahnung, die deshalb auch hinter V. 16 Platz finden konnte. - Denn es gibt auf Erden keinen Gerechten, der nur Gutes täte und nicht sündigte. Also entrüste dich nicht. – Diese Wahrheit des V. 21 leitete die heiligen zur Sanftmut an, auch wenn sie andere schwer sündigen sahen. - Jedoch Aber der Mensch sucht gern Anstoß. - nimm nicht alles Gerede zu Herzen, du möchtest dich sonst von deinem Knecht lästern Schlecht reden, während du nicht dabei bist. (Hieron.) Jene Gerechtigkeit, jenes Zürnen, jene Strenge entspringen aus einem gewissen Stolze, darum lassen sie keinen Herzensfrieden zu. Nichts also ist mehr zu raten, als den Mittelweg innezuhalten, nicht, indem wir das Böse gut heißen oder gar nachahmen, sondern indem wir das Böse, das wir unter der Sonne gesehen haben, nach Gottes Vorbild geduldig ertragen. Vergl. [Mt 13,24ff] und [Koh 3,17]. - hören; ist ja dein Gewissen sich bewusst, dass auch du oft andere gelästert hast. Alles habe ich mit Weisheit erprobt. Ich sprach: Ich will weise werden; Aber ach, ich sah, dass ich die höchste Ursache nicht gefunden. Woher stammt die der menschlichen Natur eigene Bosheit? Warum drückt Gott die Menschen so nieder, dass sie sich kaum erheben können? Das blieb in Dunkelheit. - aber sie entwich fern von mir, viel weiter als zuvor; sie ist ein tiefer Abgrund; wer wird sie finden? Hebr.: Fern ist, was ist (was geschehen ist) und tief, ja tief, wer kann es erreichen? Was Gott tut, ist in unendlicher Höhe vor uns verborgen. Vergl. V. 14 und [Koh 3,11.14.15]. - Ich durchforschte alles mit meinem Geiste, Hebr. am besten: Ich wandte mich also und mein Geist sann darauf, zu erkennen und zu erforschen und zu suchen Weisheit usw. - um Weisheit und Klugheit kennen zu lernen und zu erschauen und damit ich des Toren gottloses Wesen erkannte und den Irrtum der Unweisen; Die Häufung der Worte zeigt die Lebhaftigkeit des Begehrens: Weisheit und Torheit zu erkennen, damit er sich über das gegenwärtige Elend der Menschen in der Welt Rechenschaft geben konnte. Statt aber unmittelbar die Lösung der Frage zu geben, leitet er dieselbe durch eine persönliche Erfahrung ein. - und ich fand, dass bitterer als der Tod ein Weib ist, welches ein Fanggarn ist, dessen Herz ein Netz ist und dessen Hände Fesseln sind. Wer Gott gefällt, wird ihr entkommen; wer aber ein Sünder ist, wird von ihr gefangen werden. Siehe, das fand ich, spricht der Prediger, eines zum andern fügend, damit ich den rechten Grund fände, Hebr.: Siehe, das fand ich, spricht Koheleth, eines an das andere fügend, um die Lösung zu finden: dass alles Böse vom Weibe herstammt. - den meine Seele noch sucht und den ich nicht gefunden habe. Einen Mann habe ich unter tausenden gefunden, ein Weib habe ich unter allen nicht gefunden. Hebr.: Denn noch immer suchte meine Seele und hatte es nicht gefunden. (Er spricht von jener Zeit, in der er, die Ursache der Eitelkeit suchend, erkannte, dass es die Verkehrtheit des Weibes sei): Einen Mann (hebr.: adam) unter tauenden habe ich gefunden, aber ein Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden. – Männer fand ich nur wenige Gute, unter tausenden einen, ein rechtes Weib fand ich gar nicht. Keine hat mich zur Tugend, nur zur Sinnlichkeit haben sie mich geführt. – Sicheres hat er nicht gefunden als dies eine, darum will er dies laut verkünden. Die Beifügung seines Namens (Rufende Stimme) gibt seinen Worten besonderen Nachdruck. Aber ist denn die Lockung des Weibes wirklich der letzte Grund der Eitelkeit in der Welt? Es liegt in den Worten eine gewisse Übertreibung, welches die Stärke des Affektes anzeigt, soweit das gegenwärtige Geschlecht in Frag kommt. Indes in anderer Weise ist der Ausspruch voll und ganz wahr: Ein Weib ist die erste Ursache alles Elendes, das über das Menschengeschlecht gekommen ist. Darauf weist der Prediger V. 26 hier, wenn er sagt, er habe Weisheit und Klugheit erkennen und erforschen wollen, er wolle also nicht nur verkünden, was er selbst gesehen, sondern auch, was er durch den Glauben erleuchtet, in der Betrachtung geschlossen. Zudem ist die Gefahr, welche von der Frauenliebe droht, offenbar, nicht tief verborgen und geht V. 30 doch nicht rein zufällig zu den Anfängen des Menschengeschlechtes zurück. Es konnte wie eine Anklage gegen die göttliche Vorsehung erscheinen, dass das Weib dem Manne Ursache der Sünde und des Unterganges ist und von Anfang her war. Wenn also V. 24 auch gesagt ist, niemand könne Gottes Werk ergründen, will der Prediger doch V. 30 feststellen, dass nicht Gott das Böse in der Welt erschaffen hat, sondern dass dies durch die Schuld des Menschen in dieselbe gekommen ist. Darum hat er den Mann mit Rücksicht auf die Vollkommenheit seines Ursprungs Adam genannt. Wenn also Evas Sünde nicht berührt wird, steht V. 24-30 außer Zusammenhang mit dem Thema des ganzen Buches. Die höchste und letzte Ursache der menschlichen Eitelkeit ist dem Menschen angeboren, Mann wie Frau, wenngleich der Vorwurf, der auf die letztere fällt, ein größerer ist, da sie sowohl jetzt dem Manne Schlingen stellt wie einst den ersten Adam verführt hat. - Nur dies habe ich gefunden, dass Gott den Menschen Mann wie Weib. - recht geschaffen hat, dieser sich aber in unzählige Fragen verwickelt hat. Die Stammeltern haben die Begier, Höheres zu erkennen und zu begehren als ihnen gewährt, nicht bezähmt, da sie ein neues Mittel suchten, ewig selig zu leben. Der Ausgang des Versuches war Eitelkeit, wie das ganze Buch zeigt. - Wer ist Diese Worte gehören im Hebr. mit Recht zum folgenden Kapitel. - wie Ihm ähnlich. Der Prediger will den Schein meiden, als ob er sich die [Koh 7,24] erwähnte Kenntnis zuschriebe. der Weise und wer versteht sich darauf ein Wort zu deuten?

Zitiert in 18