Prediger (Kohelet) 9

Die menschliche Weisheit vermag aus sich nicht, Gott zu finden. (V. 2) 4. Von aller eitler Begierde frei, freue dich des Lebens. (V. 12) 5. Suche die wahre Weisheit. [Koh 10,3]

Dies alles Hebr.: Den alles dies habe ich in meinem Herzen erwogen, alles dies suchte ich zu ergründen. Denn: Begründung, warum das am Ende des vorigen Kapitels Gesagte wahr ist, dass also die letzte Ursache von allem nicht zu ergründen ist. - habe ich in meinem Herzen erwogen, um es genau zu verstehen. Es gibt Gerechte und Weise und ihre Werke sind in der Hand Gottes und doch „Doch“ fehlt im Hebr. - weiß der Mensch nicht, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist, Der Satz lautet im Hebr. doch anders: Weder Liebe noch Hass steht in des Menschen Wissen. Nur Gott, der Liebe und Hass, Angenehmes und Unangenehmes gibt und dem Menschen bestimmt, kann etwas ändern. Die Worte sind nach [Koh 3,8] zu erklären. Der Prediger redet nur von den äußeren Schicksalen der Menschen, so dass die Übertragung der Worte auf das Gebiet der Gnade nicht gerechtfertigt wäre, wird doch nicht unterschiedslos Guten und Bösen Heil oder Verderben vorherbestimmt. Zudem ist [Koh 9,1] Begründung zu dem [Koh 8,16.17] Gesagten: Also: Der Mensch weiß nicht, wen er als Freund, wen er als Feind haben wird. - sondern alles wird als ungewiss für die Zukunft aufbewahrt; Hebr.: Alles liegt ihnen voraus (außerhalb ihrer Macht). Alles, wie allen, ein Geschick trifft den Gerechten wie den Gottlosen (nämlich das, was an sich weder gut noch böse ist). - denn Eine Erkenntnis hat er erworben: Frömmigkeit und Gottlosigkeit sind keine Ursachen, weshalb die Menschen in diesem Leben von Gott verschiedenartig behandelt werden sollten. - gleichmäßig widerfährt dem Gerechten und dem Ungerechten alles, dem Guten und dem Bösen, dem Reinen und dem Unreinen, dem, der Opfer darbringt, und dem, welcher die Opfer versäumt; wie dem Guten, so geht es dem Sünder; wie dem Meineidigen, so auch dem, welcher die Wahrheit beschwört. Dies ist nicht gegen [3Mos 26], da dort Verheißungen für das ganze Volk gegeben werden. Ließ Gott zudem auch im Alten Testamente Glück zuteil werden, Guten Widriges zustoßen, so verlieh er den Letzteren dafür höhere Güter, Geduld, Martyrium, Herrlichkeit des Himmels. Die Gesetze der Natur sind für alle die gleichen, die Übel, besonders die Sterblichkeit, entspringen aus der ersten Sünde, diese „Eitelkeit“ hebt Gott der Frommen wegen nicht auf. In allem übrigen offenbart sich die besondere Vorsehung Gottes, welche die Frommen entweder vor Heimsuchungen bewahrt oder diese zu ihrem Guten lenkt. [Roem 8,28] Die Bösen hingegen werden oft in besonderer Weise gestraft, damit andere vom Bösen abgeschreckt werden und sie selbst sich bekehren und Gutes empfangen. Wird ihnen aber auch Gutes zuteil, währen sie im Bösen beharren, so ist dies zeitliche Gute eine Belohnung für das Gute, das sie getan und für das sie keinen ewigen Lohn erhalten können. Außer aus anderen Ursachen aber lässt Gott auch deshalb Gute und Böse hier vermischt, damit beide erprobt werden. Vergl. [Lk 2,35]. Dass der Weise dies alles richtig auffasse, will der Prediger durch seine Mahnung erreichen, indem er auch auf das zukünftige Gericht hinweist. Nichts also liegt ihm ferner als zu meinen, die Tugend fände in diesem Leben schon ihren Lohn. - Das ist das Schlimmste Hebr.: Das ist ein (besonderes) Übel in allem. - von allem, was unter der Sonne geschieht, dass alle dasselbe Geschick trifft; darum ist auch das Herz der Menschenkinder voll der Bosheit und des Verdrusses Hebr.: Auch ist das Herz der Menschenkinder des Bösen voll und Wahnwitz ist in ihrem Herzen, in ihrem Leben. – Der Wahnwitz ist der wahren Weisheit entgegengesetzt. [Koh 1,17; Koh 2,2-12]. - in ihrem Leben und hiernach werden sie zur Unterwelt hinweggeführt. Vergl. [Koh 5,14.15] und [Koh 6,6]. So wird ihre Klugheit durch den Tod zunichte gemacht. Die folgende Beschreibung der Toten betrifft nicht die wahrhaft Weisen, sondern soll aus der Notwendigkeit des Todes die Torheit rein weltlicher Bestrebungen zeigen. - Niemand lebt immer und kann dies hoffen. Hebr.: Denn wer nur immer zugesellt wird zu den Lebenden, da ist Hoffnung. – Soweit in den Dingen dieser Welt Glück gesucht wird, wie dies seitens derer geschieht, die hier getadelt werden, wird Torheit begangen. Der Tod nimmt Wissen, Glück, Erinnerung und alle Bestrebungen dahin, in die jene ihr Glück gesetzt hatten. - Besser ist ein lebender Hund als ein toter Löwe. Die Lebenden wissen doch, Ironie. - dass sie sterben müssen, aber die Toten wissen nichts mehr und haben weiter keinen Lohn, Vergl. [1Mos 15,1]. - denn ihr Andenken ist der Vergessenheit überliefert. Denn weder Gott noch Menschen gedenken ihrer, ihnen Gutes zu tun. - Auch ihr Lieben und Hassen und Neiden ist zumal Hebr.: längst. - dahingegangen und sie haben keinen Anteil Das, was sie allein gesucht. - mehr an dieser Welt Hebr.: auf ewig. - und an allem, was unter der Sonne geschieht. So gehe denn hin und iss dein Brot mit frohem Sinn und trinke deinen Wein mit Freuden, Genieße das dir von Gott verliehene Gute. Vergl. [Koh 8,15]: bescheidener Genuss der irdischen Güter (V. 7), gemäßigte Freude (V. 8), Freundschaft und Familienfriede. (V. 9) - denn dein Tun gefällt Gott wohl. Deine Kleider seien allezeit glänzend weiß und deinem Haupte ermangle nie das Öl. Die Freude soll in der äußeren Erscheinung zum Ausdruck kommen. - Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines unbeständigen Lebens, die dir unter der Sonne gegeben sind, die ganze Zeit deines eitlen Seins; Die Zusätze sollen verhüten, dass der Leser glaubt, in diesen Dingen sei das höchste Gut gelegen. Nein, alles Irdische ist eitel. Auch soll niemand glauben, ein anderes äußeres Gut sei dem Menschen von Gott auf dieser Erde als höchstes Glück gegeben. Nur das aufgezählte Gute ist nach Gottes Willen, obwohl auch dies eitel und hinfällig, ja mit vielen Beschwerden verbunden ist: Freiheit von Habsucht und von dem Aufruhr der Leidenschaften. „Deine Speise“ (V. 7) ist das Sinnbild der Enthaltsamkeit und Bescheidenheit, der goldene Mittelweg. Daher folgt V. 10 die Aufforderung zur Arbeit, denn nicht ist Nichtstun dieser Straße entsprechend, sondern der Weise muss allezeit tätig sein. Vergl. [Joh 9,4]. Mit welcher Gesinnung aber ist zu genießen und zu arbeiten? Die höchste Richtschnur bleibt Gottes Wille, dass der Mensch sich demütig mit dem bescheide, was Gott ihm zugewiesen. - denn dies ist das, was du davon hast im Leben und bei deiner Mühsal, mit der du dich abmühest unter der Sonne. Was immer deine Hand tun Hebr.: Was du tun kannst deinen Kräften (die dir von Gott zugewiesenen Lebenstage) entsprechend, tue. - kann, tue eifrig; denn in der Unterwelt, der du zueilst, ist weder Wirken noch Sinnen noch Weisheit noch Wissenschaft. Ich wendete mich etwas anderem zu Hebr.: Ich wendete mich von neuem derselben Erwägung zu. - und sah unter der Sonne, dass nicht dem Schnellen der Lauf gehört, nicht dem Helden der Kampf, nicht dem Weisen das Brot, nicht dem klug Berechnenden der Reichtum, nicht dem Kunstverständigen Gunst, sondern dass alles von Zeit und Zufall abhängt. Der Mensch kennt sein Ende nicht, sondern wie die Fische mit der Angel gefangen werden und wie man die Vögel mit der Schlinge fängt, so werden die Menschen zur Zeit Besonders zu beachten sind die Ausdrücke: Zeit, Zufall (Schicksal), Ende (hebr. Zeit), Zeit. (V. 11, 12) - des Unglücks gefangen, wenn es plötzlich über sie hereinbricht. Auch das Nicht etwas neuer Art. - habe ich als Weisheit unter der Sonne erkannt und sie erschien mir sehr groß: Es folgt eine Allegorie. Wie Gott den Menschen gleichsam mit einem Walle belagert und ihn mit Zeit und Tod umgibt. Einen Weg nur gibt es, dem Verderben zu entrinnen, den der Weise zeigt und dies ganze Buch empfiehlt: Demut und Bescheidenheit. - Es war eine kleine Stadt, in der nur wenig Menschen waren. Gegen diese kam ein großer König herangezogen und warf einen Wall um sie auf und baute Bollwerke ringsum und sie ward völlig umlagert. Da fand sich darin ein armer, aber weiser Mann, dieser rettete die Stadt durch seine Weisheit; aber niemand gedachte darnach Früher, also: hatte gedacht, niemand vermutete diese Weisheit in ihm. Das unpassende „darnach“ steht nicht im Hebr. - jenes armen Menschen. Und ich sprach: Besser ist Weisheit als Stärke, wie konnte man also die Weisheit des Armen verachten und seinen Worten nicht Gehör schenken? Die Worte der Weisen in der Stille Worte von Weisen in Ruhe gesprochen sind besser als das Geschrei eines Herrschers unter den Toren. - finden mehr Gehör als das Geschrei des Fürsten unter den Toren. Besser ist Weisheit als Kriegswaffen In V. 18 – 10,3 vergl. [Koh 2,12] usw. - und wer sich in einem Stücke verfehlt, richtet viel Gutes zugrunde. Hebr.: ein Sünder verdirbt dieses Gute.

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