Jesus Sirach
Einleitungen zu den Büchern
Einleitung
Dieses Buch trägt den Namen Ekklesiastikus, Kirchenbuch, nicht um den Verfasser desselben, sondern um den Charakter des Buches zu kennzeichnen. In der alten Kirche war es Sitte, die für den Unterricht der Katechumenen geeigneten Bücher zu einer besonderen Sammlung zu vereinen, welche ecllesiastici, Bücher zum Gebrauch der Kirche, hießen. Die erste Stelle unter diesen nahm das vorliegende ein, weil es am häufigsten zu diesem Zwecke diente. (Athan.) Der wahre Titel des Buches ist Weisheit es Sohnes Sirachs (Sira); bei den Juden hieß es, wie das gleichnamige Buch Salomons, Sprüche. (Hier.) Der Verfasser dieses Buches hatte die Sprüche Salomons sicher vor Augen, doch herrscht in seinem Werke eine größere Übersichtlichkeit, da er die Aussprüche über ein und dieselbe Tugend zu vereinigen pflegt. Verfasser des Buches ist Jesus, der Sohn Sirachs, der in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts vor Christus lebte. Von ihm wissen wir nur das, was er selbst in dem Buche von sich berichtet. Die Abfassung des Buches ist um das Jahr 190-180 vor Chr. Zu setzen, die Übertragung ins Griechische etwa in das Jahr 130.
Der Ekklesiastikus wurde schon in der jüdischen Synagoge als kanonisch verehrt und von Anfang an in der Kirche als ein kanonisches Buch anerkannt. Wenn die Juden in späterer Zeit das göttliche Ansehen des Buches bestritten, so waren sie hierzu nur durch äußere Gründe veranlasst. – Die Vorrede ist nicht kanonisch.
Prolog
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Viele und große Weisheit ist uns durch das Gesetz, die Propheten und die anderen, welche ihnen nachfolgten, Dieselbe Dreiteilung, welche auch [Lk 24,44] wiederkehrt. - kund getan worden, um derentwillen man Israel preisen muss wegen seiner Wissenschaft und seiner Weisheit.
Denn nicht nur die, welche so lehrten, mussten erfahren sein, sondern auch andere können durch sie in Rede und Schrift geschickt werden. Der lateinische Übersetzer hat den Sinn nicht getroffen. Griech.: wodurch nicht nur die Leser (der heiligen Schrift unter den Israeliten) selbst unterrichtet werden müssen, sondern auch in den Stand gesetzt werden, lernbegierigen Ausländern (außerhalb Palästinas zerstreuten Juden) durch mündlichen und schriftlichen Unterricht nützlich zu werden – habe ich beschlossen, das Buch griechisch herauszugeben. -
Mein Großvater Jesus, der sich viel und emsig mit dem Lesen des Gesetzes, der Propheten und der anderen uns von unseren Voreltern hinterlassenen Bücher beschäftigt hatte, fasste den Entschluss, auch selbst etwas, was zur Unterweisung und zur Weisheit diente, zu schreiben, damit jene, welche zu lernen begierig sind, darin erfahren würden und immer mehr darauf bedacht sein möchten und im Wandel nach dem Gesetze bestärkt würden.
So mahne ich euch denn, mit gutem Willen zu kommen und mit aufmerksamem Fleiße zu lesen und Nachsicht zu haben, wenn es irgendwo scheint, dass wir, dem Bilde der Weisheit folgend, in der rechten Wahl der Worte gefehlt haben; denn die hebräischen Worte verlieren an Kraft, wenn sie in andere Sprachen übertragen werden. Nicht allein aber dies Buch, sondern auch das Gesetz, die Propheten und die übrigen von anderen verfassten Bücher weisen eine nicht geringe Verschiedenheit auf, wenn man sie untereinander vergleicht. Wenn man sie hebräisch nachliest, bemerkt man den großen Unterschied zwischen Original und Übersetzung. -
Als ich nämlich im achtunddreißigsten Jahre der Herrschaft des Königs Ptolemäus Euregetes Ptolemäus Euregetes regierte von 170-117 v. Chr. Der Enkel Jesus kam um das Jahr 132 vor Chr. nach Ägypten und begann alsbald die Übersetzung. - nach Ägypten gekommen war und mich daselbst längere Zeit aufgehalten hatte, fand ich dort hinterlassene Bücher von nicht geringer und nicht zu verachtender Weisheit. Griech.: fand ich einen nicht geringen Unterschied der Bildung vor. – Die alexandrinischen Juden verstanden das Hebräische nicht mehr. - Ich hielt es daher für gut und notwendig, auch selbst einigen Fleiß und einige Mühe darauf zu verwenden, dies Buch zu übersetzen und wendete in vielen Nachtwachen meine Einsicht in jenem Zeitraume auf das, was zu dem Ziele führt, dies Buch jenen mitteilen zu können, welche ihr Herz darauf richten und lernen wollen, Griech.: auch für die in der Fremde (Diaspora) weilenden herauszugeben, welche willens sind, sich der Schrift zu befleißigen, sofern sie sich in ihrem Wandel dazu vorbereiten, ein Leben usw. wie diejenigen ihren Wandel einrichten müssen, welche entschlossen sind, ein Leben nach dem Gesetze des Herrn zu führen.