Jesus Sirach 1
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
Einleitung. (Kap. 1) 1. Ursprung und Erhabenheit der Weisheit. (V. 10) 2. Die Weisheit wird durch Frömmigkeit erworben. (V. 25) 3. Was ist zu tun, was zu meiden?
1 Alle Weisheit Alle wahre Weisheit, jeder Akt und jedes Objekt derselben. Das Wort Weisheit ist hier in allgemeiner Bedeutung zu verstehen: einmal als unerschaffene Weisheit, die eine ewige Eigenschaft der drei göttlichen Personen und in dem Sohne Gottes selbst personifiziert ist; dann als erschaffene Weisheit, welche Gott den vernünftigen Wesen mitteilt. Ebenso ist im weiteren Sinne das Wort Weisheit auch in den Sprüchen Salomons und in dem Buche der Weisheit gefasst. Daher erklärt sich, warum einiges von dem Folgenden nur auf die unerschaffene, einiges nur auf die erschaffene Weisheit, manches auf beide bezogen werden kann. - kommt von dem Herrn, von Gott; V. 1, 4, 5 handeln vom Ursprung der Weisheit, V. 2, 3, 6, 7 von ihrer Erhabenheit. Im Griech. fehlt V. 3, 5, 7 der Vulgata. - bei ihm war sie allezeit und ist von Ewigkeit her. In den göttlichen Ideen. Griech.: ist sie auf ewig. - 2 Den Sand des Meeres, die Tropfen des Regens und die Tage der Ewigkeit, wer hat sie gezählt? Wer hat die Höhe des Himmels, die Breite der Erde und die Tiefe des Meeres ermessen? 3 Wer hat die Weisheit Gottes, die allen Dingen voranging, ergründet? Vers 3 fehlt im Griech. und mit Recht, da der Verfasser jeden Satz in zwei Stichen auszudrücken pflegt und V. 3 zudem nichts Neues enthält. In sechs Vergleichen wird angegeben, dass der sterbliche Mensch niemals alle Weisheit in ihrem Umfange und ihrer Erhabenheit erfassen kann, denn die Zahl ihrer Werke ist wie der Sand des Meeres. - 4 Vor allen Dingen ist die Weisheit erschaffen Früher als das Werk ist der Gedanke des Werkmeisters von demselben (vergl. [Spr 8,22]: Gott schuf mich im Anfange seiner Wege) als Vorbild, Ursache und Mittel. - und weise Einsicht von Ewigkeit her. 5 Die Quelle der Weisheit ist Gottes Wort Gottes Vorstellung selbst. - in der Höhe Und diese Quelle sendet auch uns ein Bächlein zu. - und ihre Wege Gleichsam Kanäle. - sind die ewigen Gebote. Die von Ewigkeit her in Gottes Weisheit und Willen bestehenden Gesetze, welche er in der Zeit in die Herzen einschrieb und durch die Stimme der Natur oder durch seine Offenbarung in seinem Gesandten kundtat. - 6 Wem ist der Ursprung der Weisheit enthüllt und wer hat ihre tiefen Pläne erkannt? Die Quelle der Weisheit ist Gott, den niemand zu ergründen oder zu umfassen vermag. - 7 Wem ward der Weisheit Lehre kundgetan und offenbart? Und wer hat ihre vielfältigen Wege erkannt? 8 Einer ist der Allerhöchste, Vers 8-10 sind im latein. Texte ausführlicher als im griechischen. - der allmächtige Schöpfer, Der alle Weisheit besitzt, ja die Weisheit selbst ist. Vers 8 ist Antwort auf Vers 6. Syr.: Einer ist er und schrecklich, er alleinige Gott, der Macht hat über alle Schätze. - der mächtige und überaus furchtbare König, der auf seinem Throne sitzt und der der Herr ist, Gott. 9 Er hat sie durch den Heiligen Geist Glosse des latein. Textes: Gott schuf alles aus Liebe, diese seinen Geschöpfen mitteilend. - erschaffen und gesehen und abgezählt und ausgemessen Antwort auf V. 2, 6, 7. Er kennt alle Gründe und Maße der Weisheit von Ewigkeit her. Vergl. [Weish 11,21]. - 10 und er hat sie auf alle seine Werke und über alles Fleisch ausgegossen, Bei der Schöpfung, indem er alles seinen Zielen entsprechend schuf und ordnete. - so wie er sie mitteilen wollte, und hat sie denen dargeboten, die ihn liebten. Syr.: Er hat sie offenbart und gesehen und verteilt über alle seine Werke. Einem jeden Fleisch hat er sie nach seinem Willen gegeben und reichlich ausgeschüttet über alle, die ihn fürchten (seine Verehrer). - 11 Die Furcht des Herrn ist Ehre Wahre Frömmigkeit ist Ehre, sofern sie solche verschafft und vor Gott zur Ehre gerechnet wird. - und Ruhm Grund zum Ruhm, als wahres Gut des Menschen. - und Wonne und eine Freudenkrone; Bringt wahre Freude, Trost und Frieden, und dies im höchsten Grade. - 12 die Furcht des Herrn erfreut das Herz und gibt Frohsinn und Wonne und langes Leben. Der Verheißung [2Mos 20,12; 5Mos 5,16; Ps 20,5; Ps 22,6; Ps 54,24; Ps 90,16, Spr 3,2.16] u.a. entsprechend. - 13 Wer den Herrn fürchtet, dem wird es am Ende wohl gehen und am Tage seines Hinscheidens wird er gesegnet sein. Vergl. [Ps 37,37]. - 14 Die Liebe zu Gott ist die ehrenwürdige Weisheit. Die Liebe ist ein höherer Grad der Weisheit als die Frömmigkeit oder Furcht. Wem die Weisheit erschienen, dem verleiht sie die Liebe, welche nach der Erkenntnis der Großtaten Gottes strebt. (Griech.) - 15 Wem sie sich zeigt, der liebt sie, wenn er sie sieht und ihre großen Werke betrachtet. Wer die Erkenntnis und Weisheit irgendwie besitzt, liebt sie in ihrer erhabenen Schönheit, sie im Herzen erwägend und ihre erhabenen Werke bewundernd. – V. 14, 15 fehlten in den besten griech. Kodizes, mit recht, da sie den Fortgang der Darlegung unterbrechen. - 16 Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Wer die Weisheit erlangen will, muss mit der Furcht beginnen. - Mit den Getreuen wird sie im Mutterleibe erschaffen, Sie ist den Getreuen so eigen, dass sie gleichsam mit ihnen erschaffen erscheint. - sie wandelt mit den auserwählten Frauen und zeigt sich an den Gerechten und Getreuen. Griech.: Sie ward im Mutterleibe geschaffen mit den Frommen. - 17 Die Furcht des Herrn ist gottselige Erkenntnis. Die Furcht des Herrn ist eine Verehrung Gottes, deren Ursprung in seiner Erkenntnis und Schätzung ist. - 18 Die Gottseligkeit behütet das Herz und macht es gerecht, gibt Wonne und Freude. Dasselbe wie V. 12. Inwiefern erfreut die Furcht Gottes das Herz? - 19 Dem, der den Herrn fürchtet, wird es wohl gehen und er wird am Tage seiner Vollendung gesegnet sein. Wiederholung des V. 13. Vers 17-19 finden sich nur im Lateinischen und sind lediglich Wiederholung. - 20 Der Weisheit Fülle ist Gott fürchten und Fülle kommt von ihren Früchten. V. 120 schließt an V. 16 an. - 21 Ihr ganzes Herz füllt sie mit ihrem Ertrage und die Vorratskammern mit ihren Schätzen. Eine Gott fürchtende Seele ist ein Haus, das die Weisheit bewohnt und mit ihren Schätzen ausstattet. - 22 Die Krone der Weisheit ist die Furcht des Herrn, in Fülle gibt sie Frieden und Frucht des Heiles. Der höchste Schmuck des Menschen ist die Weisheit, diese aber bietet die Furcht Gottes. Dieser Schmuck bringt Frieden und die beste Gesundheit, geistiges und leibliches Wohl. Im Alten Testamente werden zeitliche Güter für die Beobachtung der Gebote Gottes verheißen. - 23 Er sah die Weisheit und zählte sie, beide Friede und Gesundheit. Vers 23b fehlt im Griech. - aber sind Gaben Gottes. 24 Die Weisheit Wie in V. 21 wird die Weisheit als Person gefasst, welche ihren Jüngern, denen, die Gott fürchten, ihre Gaben mitteilt. - teilt Wissenschaft und kluge Erkenntnis mit und erhöht den Ruhm derjenigen, die an ihr festhalten. 25 Der Weisheit Wurzel Aus dieser wächst sie empor und wird aus ihr genährt. - ist es, den Herrn zu fürchten und ihre Zweige sind langes Leben. 26 In den Schatzkammern der Weisheit ist Erkenntnis und gottselige Wissenschaft, aber den Sündern ist die Weisheit ein Greuel. Weil er durch die Sünde ein Gegner Gottes ist. - 27 Die Furcht des Herrn verscheucht die Sünde, 28 denn wer keine Furcht hat, kann nicht gerechtfertigt werden; sein Zornmut stürzt ihn ins Verderben. 29 Bis zu seiner Zeit leidet der Geduldige, nachmals aber wird es ihm mit Freuden vergolten. 30 Rechte Einsicht Zusatz der Vulgata. Subjekt ist vielmehr derselbe Geduldige wie V. 29. - hält ihr Wort bis zur rechten Zeit zurück, Ohne in Zorn auszubrechen oder sich zu rühmen. - alsdann verkünden viele Lippen die Klugheit derselben. 31 In den Schatzkammern der Weisheit ist Anweisung zur Zucht, 32 dem Sünder aber ist die Verehrung Gottes ein Greuel. 33 Sohn, verlangst du nach Weisheit, so wahre die Gerechtigkeit, und Gott wird sie dir verleihen. 34 Denn die Furcht des Herrn ist Weisheit und Zucht, und was ihm wohlgefällig ist, 35 ist Treue und Sanftmut; In der er sich Gott unterwirft und dem Nächsten gütig begegnet. - einen solchen überhäuft er mit Schätzen. 36 Sei der Furcht des Herrn Dem, was die Furcht des Herrn von dir fordert. - - nicht unfolgsam und nahe ihr nicht mit geteiltem Herzen. Von V. 36 an werden die Hindernisse der Weisheit dargestellt. 37 Heuchle nicht vor Menschen und komme nicht zu Falle mit deinen Lippen. 38 Habe acht auf dieselben, dass du nicht fallest und Schande über deine Seele bringest 39 und Gott das, was du verbirgst, enthülle und dich inmitten der Gemeinde zu Falle bringe, 40 weil du dich dem Herrn heuchlerisch genaht und dein Herz voll Trug und Falschheit war.
Zitiert in 18
- V. 1 Summa (EN)(I 10.5
II-II 167.1) - V. 5 Summa (EN)(III 3.8
III 10.4) - V. 9 Summa (EN)(I 41.3)
- V. 10 Summa (EN)(I 41.3
III 12.3) - V. 14 Fides Et Ratio(§20)
- V. 16 Summa (EN)(I-II 68.7)
- V. 22 CCC(¶2339)
- V. 25 Summa (EN)(II-II 19.7)
- V. 27 Summa (EN)(I-II 113.4
II-II 19.7 II-II 64.6) - V. 28 Summa (EN)(I-II 68.2
II-II 126.1) - V. 34 Summa (EN)(II-II 157.4)
- V. 35 Summa (EN)(II-II 157.4)