Epheserbrief 3

3. Gebet, dass Gott die Epheser in ihrer Berufung bewahre (Kap. 3, V. 1 – 20): a. Beginn des Gebetes (V. 1), das er abbricht, um den Ephesern darzulegen, wie hoch er das Apostolat unter den Heiden stellt. (V. 13) b. Fortsetzung des Gebetes: Gott möge die Epheser im Glauben stärken, in der Liebe fest wurzeln lassen, sie zu der alles Erkennen übersteigenden Liebe führen und mit der Fülle der Gnaden ausstatten. (V. 19) c. Gebet und Danksagung werden mit einer kurzen Doxologie geschlossen.

Um deswillen Wegen des [Eph 2,22] Gesagten. Dieser Satz wird erst V. 14 wieder aufgenommen (Theodor). Die dazwischen liegenden Verse sind gleichsam eine Parenthese, in welcher Paulus den Ephesern den Wert ihres Glaubens zeigt. - ich Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden, Es handelt sich um die erste Gefangenschaft. Christus ist es, der den Apostel gefesselt hat, um seinetwillen trägt Paulus diese Ketten zum Besten der Heiden. Das Leiden eines Gliedes kommt allen Gläubigen zu Gute, kraft der Vereinigung zu derselben Gemeinschaft. - wenn anders ihr von der Mitteilung Berufung zu der Gnade, dem Amte eines Heidenapostels. - der Gnade Gottes gehört habt, Nicht alle Leser kennen den Apostel persönlich. - die mir für euch zu Teil geworden ist; dass mir durch Offenbarung Gott berief ihn durch Christus und machte ihn so zum Zeugen der Auferstehung des Herrn und zum wahren Apostel. - das Geheimnis Das Geheimnis der Berufung der Heiden. - kund getan ward, wie ich es oben in Kürze beschrieben habe; woraus ihr, wenn ihr es leset, meine Einsicht in das Geheimnis Christi Das in Christus enthaltene Geheimnis, der Inbegriff aller Geheimnisse. - erkennen könnt, welches Gegenüberstellung: andere Zeiten – jetzt, nicht kundgeworden – offenbart, Menschenkinder – heilige Apostel und Propheten. - in andern Zeiten den Menschenkindern nicht kund geworden, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten Der Apostel will wohl nur die Klassen der Träger der Offenbarung angeben. Die Propheten sind hier wohl von Gott besonders erleuchtete Lehrer des Christentums. Heilig sind sie, weil von der Welt für Gott abgesondert. - durch den Geist geoffenbart worden ist, Schon im A. B. wurde der Eintritt der Heiden in das Gottesreich vorausgesagt [Jes 60,3ff], indes war nicht bestimmt, ob dies ohne die Übernahme des jüdischen Zeremonialgesetzes geschehen werde. Da der Heil. Geist indes über diesen Punkt eine Offenbarung gab [Apg 10,28, Apg 15,1ff], war der allumfassende Beruf des Christentums klar, und der Beruf des heil. Paulus war es vor allen Aposteln, diese Wahrheit zu verteidigen und in's Leben einzuführen. - dass die Heiden Miterben sind und Miteinverleibte und Mitteilnehmer Die dreifache Wiederholung des „Mit“ hebt den Gedanken kräftig hervor. - an seiner Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin infolge der Gabe der Gnade Gottes, welche mir nach der Wirksamkeit seiner Macht verliehen ward. Mir, dem geringsten unter allen Heiligen, Im Griech. steht der vom Superlativ gebildete Comparativ. - ward diese Gnade verliehen, unter den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden, Er, der geringer ist als alle Christen ([1Kor 15,8]: als alle Apostel, hier noch mehr), ist von Gott zum Apostelamt berufen. (V. 2) - und alle zu erleuchten, welches die Veranstaltung des Geheimnisses Das V. 6 bezeichnete Geheimnis und die Erlösung überhaupt. - sei, das von Ewigkeit her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat, Da die Erlösung eine Art Neuschaffung ist, konnte sie nur im Schöpfer verborgen sein, nur von ihm ausgehen. - damit den Herrschaften und Gewalten im Himmel durch die Kirche die mannigfaltige Weisheit Gottes kund werde, Dieses Wort ist grammatisch abhängig von: verborgen. (V. 9) Durch die Kirche soll auch den Geistern die Weisheit Gottes offenbar werden. Die guten Engel kannten Gottes Ratschluss betreffs der Menschwerdung im allgemeinen, doch findet die Offenbarung der Einzelheiten in der Kirche statt, und so erfahren die Engel dieselben durch sie. Über ein Nichtwissen der Engel siehe [Mk 13,32]. - nach dem von Ewigkeit gefassten Ratschlusse, den er in Christus Jesus, unserm Herrn, vollzogen hat, Der jetzt kundgewordene Ratschluss Gottes hat von Ewigkeit her bestanden. (Vergl. V. 9) In der Person Christi ist derselbe gleichsam im Keime gegeben: damit der Herr das Haupt sein könne, schuf ihm Gott den Leib der Kirche, und damit er alles in allem sei, wird auch die himmlische Geisterwelt in diese Heilsordnung einbezogen. - in welchem Mittler - wir Vertrauen und Zutritt in Zuversicht haben durch den Glauben an ihn. Darum Weil wir in Christus Zuversicht zu Gott haben können. Dieser Vers findet nach dem Griech. eine doppelte Auslegung. Die Vulgata mit Chrys., Ökum., Theoph. lassen Paulus die Leser bitten, nicht mutlos zu werden. Nach anderen (Syr., Theod.) bedeuten die Worte im Anschluss an V. 8 – 10: Ich bitte Gott, dass ich nicht mutlos werde. Die erste Erklärung verdient den Vorzug. Die Epheser sollen nicht mutlos werden, denn es ist ein Apostel, der für sie leidet, die Größe des Opfers aber ist ein Maßstab für die Würde dessen, dem es dargebracht wird. Wie spricht sich nach der persönlichen Demut V. 7 hier das Bewusstsein der Würde seines Amtes aus! - bitte ich, werdet nicht mutlos bei den Drangsalen, die ich für euch leide, welche euer Ruhm sind. Deshalb Anschließend an [Eph 2,22]. - beuge ich meine Kniee Gehobene Rede des A. T. [Jes 45,23, 1Koe 19,18] - vor dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat, Die lat. Übersetzung ist nicht ganz entsprechend, da die Rede von den Engeln ist. Das griech. Wort bezeichnet die Gesamtheit derer, die von einem Vater abstammen: Von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden den Namen führt, der Vater aller Engel und Menschen ist. Die irdische Stellung des Kindes zum Vater ist nur gleichsam ein Schattenbild dessen, was in der Vaterstellung Gottes zu seinen wahren Kindern gegeben ist. – Welch enge Vereinigung besteht zwischen der triumphierenden und der kämpfenden Kirche! - dass Absicht des Gebetes. - er euch nach dem Reichtume seiner Herrlichkeit verleihen wolle, mit Kraft gestärkt Gestärkt wird der, der noch einige Kraft hat. Durch die Erbsünde ist uns nicht alle Fähigkeit genommen, das Wahre zu erkennen und das Gute zu wollen, und selbst in gewissem Maße (das natürlich Gute) zu vollbringen. - zu werden durch seinen Geist am innern Menschen, Gegensatz zum sinnlichen Menschen. - auf dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, und ihr, in der Liebe festgewurzelt und gegründet, Die beiden nebeneinander gestellten Bilder sollen die Festigkeit doppelt hervorheben, die sie in der Liebe erlangt haben sollen, derart, dass es ihnen unmöglich ist, diese nicht zu üben, so dass die Liebe untrennbar zu ihrem ganzen Wesen gehört. Nur wenn sie selbst lieben, vermögen sie auch, seine Liebe zu verstehen. - damit ihr vermöget mit allen Heiligen inne Das Objekt ist die allgemeine Heilsordnung Gottes (Chrys., Ökum., Theophyl.) V. 16 und 17 haben die Vorbedingungen angegeben, damit die Christen diese Erkenntnis gewinnen können. V. 16: Das Gott im Menschen Widerstrebende muss zurückgedrängt werden und Gottes Geist muss in den Menschen eingehen. Nur in dem Maße, wie beides geschieht, gewinnt das Gottesreich für den Menschen Bedeutung. V. 17: Ebenso muss der Glaube in ihm leben, soll er das Reich Christi, also auch dessen Umfang, erkennen. Endlich ist es notwendig, dass er in der Liebe festgewurzelt sei, damit er verstehe, dass das Reich Christi keine nationalen Schranken kennt. - zu werden, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei, Einige Ausleger verstehen die vier Ausdehnungen von der Form des Kreuzes Christi (Hier., Chrys.), besser indes werden dieselben von der in dem Leiden sich offenbarenden Liebe Gottes verstanden. Diese erstreckt sich über die ganze Erde (Breite), ist von Ewigkeit her beschlossen in Ewigkeit (Länge), bevölkert durch Menschen den Himmel (Höhe) und reicht bis in die Unterwelt [1Petr 3,19] (Tiefe). Der heil. Paulus spielt wohl auf [Job 11,8] an (Thom.). - und auch die Liebe Christi zu erkennen, welche alles Erkennen übersteigt, damit ihr bis zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werdet. Dies ist das Ziel seines vorhergehenden Gebetes: Dass ihr mit aller Vollkommenheit erfüllt werdet, deren Fülle Gott besitzt (Theophyl.). - Dem aber, welcher über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr als was wir bitten oder verstehen, nach der in uns wirksamen Kraft, ihm sei die Ehre Die ihm gebührende Ehre. - in der Kirche Die Kirche ist der äußere Bereich des Lobes, die geistige Sphäre ist Christus. - und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Der erste Teil endet mit einer der gehobenen Haltung desselben entsprechenden Doxologie an den Gott, der die Gebete erhört und überschwenglich erhört.

Zitiert in 223