Epheserbrief 6

Die gegenseitigen Pflichten der Kinder (V. 3) und Eltern. (V. 4) d. Pflichten der Knechte (V. 8) und Herren gegeneinander. (V. 9) Epilog (V. 10 – 24) 1. Mahnung an alle, stark im Herrn zu sein (V. 10), zum Kampfe gegen den Teufel (V. 12), gegen den sie sich mit der Rüstung Gottes wappnen müssen (V. 17), und insbesondere zum Gebet, welchem sich auch der Apostel selbst empfiehlt. (V. 20) 2. Zuletzt verweist Paulus die Epheser an Tychikus betreffs Nachrichten über ihn (V. 22) und gibt ihnen seinen Segen.

Ihr Kinder! gehorchet euren Eltern im Herrn; Der Herr sei die bewegende Ursache und auch die Grenze. - denn das ist recht. Recht nach Gottes Gesetz (Theod.), sittliche Pflicht. - Ehre deinen Vater und deine Mutter; dies ist das erste Gebot mit der Verheißung, dass es dir wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Paulus hat wohl auch die in der Folge gegebenen Gebote vor Augen. [2Mos 20,6, 5Mos 5,16] Das lange Leben im Lande Chanaan ist ein Vorbild des ewigen Lebens im Himmel. Diese Erklärung der Worte: „mit der Verheißung“, ist die gewöhnliche. - Und ihr Väter! erbittert eure Kinder nicht, Im Altertum stand den Vätern ein viel größeres Recht über ihre Kinder zu als in unserer Zeit. - sondern ziehet sie auf in der Zucht und Zurechtweisung des Herrn. Ernst und Milde sollen sich zusammenfinden, beide aber im Herrn. - Ihr Knechte! Ein Teil der ersten christlichen Gemeinde bestand wohl aus Sklaven. Stand auch die Sklaverei, eine Folge der Sünde, im Widerspruch mit dem Christentum, so wollte dieses jene doch nicht in revolutionärer Weise aufheben. Die Welt sollte sich von innen umgestalten, und so sollte eine Änderung der Verhältnisse herbeigeführt werden. - gehorchet euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, Mit Besorgnis, eine Pflicht zu versäumen. Vergl. [Kol 3,22ff]. - in der Einfalt eures Herzens, wie Christus; So wird zwar der gehorsam noch mehr eingeschärft, aber auch erleichtert. - nicht in Augendienerei als solche, die Menschen gefallen wollen, sondern als Diener Christi, den Willen Gottes von Herzen erfüllend, mit gutem Willen Ohne den guten Willen ist aller gehorsam Augendienerei. - dienend, als dem Herrn, und nicht Menschen; im Bewusstsein, dass ein jeder das Gute, das er tut, vom Herrn zurückempfangen wird, er sei Knecht oder Freier. Am Tage des Gerichtes wird die ungleiche Verteilung der irdischen Schicksale ausgeglichen. Knechte wie Herren werden auf Christus hingewiesen. - Und ihr Herren! tuet dasselbe Zwar nicht dem Inhalte, aber doch der Weise, dem Wohlwollen nach. - gegen sie und lasset ab von Drohungen; Von der Härte, aus der diese hervorgehen. - euch bewusst, dass ihr wie sie einen Herrn im Himmel habt, und dass bei ihm kein Ansehen der Person gilt. Im übrigen, Brüder! erstarket im Herrn Die gleiche Mahnung wie [Eph 3,16]. Die Stärke ist wohl notwendig, wo es gegen übersinnliche Mächte zu kämpfen gilt. Die Kraft aber, deren wir bedürfen, vermag einzig Christus und seine Gnade zu gewähren. Aber eben deshalb muss auch das Vertrauen groß sein, da der Herr gleichsam hinter uns steht. - und in der Kraft seiner Macht. Ziehet an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr standzuhalten vermöget gegen die Nachstellungen des Teufels; denn wir haben nicht den Kampf wider Fleisch und Blut zu führen, Nicht gegen schwache Menschen, denn wenn auch solche uns angreifen, tun sie es doch als Werkzeuge Satans, wie Judas ein solches war (Aug.). - sondern wider die Mächte und Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, Es sind verschiedene Ordnungen der bösen Geister. Sie heißen Weltbeherrscher, weil die noch nicht erlösten Menschen und die ganze Natur ihnen unterworfen sind. Der Zusatz: „dieser Finsternis“ bezeichnet die gegenwärtige aus der Sünde entstandene Verfinsterung des Verstandes und Herzens. - wider die Geister der Bosheit unter dem Himmel. Darum ergreifet die Waffenrüstung Gottes, Haben wir gegen Geister zu kämpfen, so tut uns eine geistige Waffenrüstung, eine Waffenrüstung Gottes not. - damit ihr am bösen Tage Wenn eine Zeit der Versuchung und die Gefahr des Unterliegens kommt. Eine schöne Steigerung im Griechischen: Widerstehen, niederkämpfen, das Feld behaupten. - widerstehen und in allem vollkommen standhalten könnet. Wie Vers 11. - So stehet denn, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, Man gürtet sich zum Kampfe und zur Arbeit. Der Gürtel ist also das Zeichen der Kraft und der Bereitschaft, die der Christ aus der Wahrheit schöpft, wie die Lüge das Element des Teufels ist. Die Rechtfertigung und Heiligung wird als ein Panzer bezeichnet, da dem, der mit Gott vereint ist, keine Versuchung beizukommen vermag. - eure Füße beschuht mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens; Im Griech. sind die Stiefeln selbst das Bild der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verkünden (Chrys.), die nicht auf Dornen und Rauheit des Weges achtet. - zu allem den Schild des Glaubens ergreifend, mit welchem ihr alle feurigen Geschosse des Argen auslöschen könnt, Nur der Glaube an Christus überwindet die Welt. [1Joh 5,4] Auch schützt er den Christen durch seine Gründe. (Vergl. [Mt 4,3-10], wo der Heiland den Bösen durch Worte der Offenbarung abwehrt.) - und nehmet den Helm des Heiles, Vergl. [Jes 59,17] (Septuag). Klarer [1Thes 5,8]: Hoffnung des Heiles. Die Hoffnung erhebt den Blick des Christen zu Gott und hält ich in allen Stürmen aufrecht. - und das Schwert des Geistes Am ausführlichsten beschreibt der Apostel die Schutzwaffen des Christen gegen die Angriffe. Als Trutzwaffe nennt er nur das Schwert, gilt doch unser Kampf auf Erden mehr der Verteidigung als dem Angriffe. Das Bild der geistlichen Waffenrüstung findet sich auch [Jes 59,17] von Jahve, und Paulus braucht es in gedrängterer Weise. [2Kor 10,4, 1Thes 5,8, Roem 6,13.23] - (welches ist das Wort Gottes Zunächst denkt der Apostel wohl an das N. T. -) unter Gebet und Flehen jeder Art, indem ihr zu aller Zeit im Geiste Unser Gebet darf nicht ein bloßes Lippengebet sein. Ein Gebet im Geiste aber erfordert Wachsamkeit und Beharrlichkeit. - bittet, und dafür wachsam seid, mit aller Beharrlichkeit und in Fürbitte für alle Heiligen, auch für mich, damit Inhalt der Fürbitte - mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, das Geheimnis des Evangeliums mit Zuversicht kundzutun, Paulus schreibt aus seiner Gefangenschaft, in der er vor dem höchsten Gerichtshofe und dem Kaiser Rechenschaft ablegen sollte. - für welches ich das Botschafteramt übe in Banden, Auch in Banden hat Paulus das Evangelium zu verkünden. Botschafter – in Banden, ein schöner Gegensatz. Nach dem Völkerrechte soll ein Botschafter frei und ungehindert sein, denn er stellt seinen König vor. Paulus nun ist Botschafter des Königs der Könige; seine Botschaft war die des frohe Heiles, und er liegt in Ketten! - so dass ich in ihm Zuversicht beweisen möge, Wohl hat Paulus den heil. Geist empfangen und damit auch die Gabe der rechten Rede. Aber diese wird ihm nach Umständen und in verschiedenen Graden gewährt. Vergl. [Apg 16,6]. Darum ist das Gebet nicht überflüssig. - wie es meine Pflicht ist zu reden. Damit aber auch ihr wisset, wie es mit mir steht, wie ich mich befinde, so wird euch Tychikus Vergl. [2Tim 4,12]. - alles kund tun, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, welchen ich eben zu dem Zwecke zu euch gesandt habe, damit ihr erfahret, wie es mit uns stehe, und er eure Herzen tröste. Friede sei den Brüdern, und Liebe mit Glaube von Gott dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Mit demselben Segenswunsche, mit dem der Apostel den Brief begonnen, schließt er ihn. Im Beginne hat er den Lesern Gnade und Frieden gewünscht, hier wünscht er ihnen Frieden, Liebe mit Glaube und Gnade. In diesen drei Worten liegt der Inbegriff des ganzen christlichen Lebens: die göttliche Gnade als Wurzel, die Liebe mit dem Glauben, d. i. der in der Liebe tätige Glaube als Stamm, der innere Friede als Blüte des geistlichen Lebens. - Die Gnade sei mit allen, welche unsern Herrn Jesum Christum in Unvergänglichkeit lieben! In dieser Gestalt soll die Gnade den Christen zu teil werden, d. i. wie Gott unvergänglich ist, so ist auch die Unvergänglichkeit das höchste Gut, welches die Gnade zu bieten vermag, und dies wünscht der Apostel den Lesern. Amen.

Zitiert in 123