III. Die Nachstellungen Amans gegen die Juden fallen auf ihren Urheber zurück. (Kap. 5, V. 1 – Kap. 8, V. 12) [Est 15,4-19] (8,13 – 10,3) 1. Esther verlangt von dem Könige die Verurteilung Amans zum Tode. (5,1 – 8,2) [Est 15,4-19] A. Am dritten Tage des Fastens begibt sich Esther zum Könige. Zuerst erschrocken, fasst sie Mut (V. 2) und bittet den König auf seine Frage nach ihrem Begehren, mit Aman bei ihr zu speisen. (V. 5) Nach Beendigung des Mahles ersucht sie um dieselbe Gunst für den folgenden Tag. (V. 8) B. Fröhlich geht Aman davon, doch da er Mardochäus erblickt, gerät er in Zorn und befiehlt, einen hohen Balken aufzurichten, um ihn daran zu hängen.
Die Ausgaben hier ordnen dieses Buch unterschiedlich an, sodass dieselbe Kapitel- und Versnummer in jeder einen anderen Text bezeichnet.
1Am dritten Tage aber legte Esther ihre königlichen Gewänder an und trat in den inneren Vorhof des königlichen Hauses, der Halle des Königs gegenüber. Dieser saß auf seinem Throne im Versammlungsorte des Palastes, dem Eingange des HausesDer Königshalle. - gegenüber.2 Als er nun die Königin Esther stehen sah,Nach [Est 15,10] war sie zuerst in großer Aufregung. - gefiel sie seinen Augen und er streckte das goldene Zepter, das er in der Hand hielt, gegen sie aus. Da trat Esther hinzu und küsste die Spitze seines Zepters.
Ebenso auch dies, was nun folgt.
2a Am dritten Tage aber legte sie ihre Trauerkleider ab und bekleidete sich mit ihrer Pracht. Und da sie im Glanze der königlichen Gewänder strahlte und Gott, den Lenker und Retter aller, angerufen hatte, nahm sie zwei Dienerinnen zu sichEsther vor dem König
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.2b und lehnte sich auf die eine, als könnte sie vor Weichlichkeit und übergroßer Zartheit ihren Körper nicht mehr tragen,Griech.: auf die eine stützte sie sich, wie eine Weichliche, die andere folgte ihr, ihre Schleppe tragend. – Vornehme Damen taten wohl so. -2c die andere Dienerin aber folgte der Gebieterin, die auf den Boden herabsinkenden Gewänder haltend.2d Ihr Antlitz war von rosiger Farbe übergossen und ihre Augen glänzten, und so verbarg sie es, dass ihr Herz traurig und von übergroßer Furcht beklommen war.2e So ging sie durch alle Türen nach der Reihe und stellte sich dem Könige gegenüber, da, wo er auf dem Throne seines Reiches saß, angetan mit den königlichen Gewändern, von Gold und kostbaren Steinen strahlend und schrecklich anzusehen.Dieser Beschreibung entsprechen die altpersischen Bildwerke, auf denen die Könige dargestellt sind. -2f Doch als er sein Angesicht aufhob und den Grimm seines Herzens durch die funkelnden Augen zu erkennen gab,Der unbefugte Eintritt schien eine Verachtung seiner Majestät zu sein. - sank die Königin nieder, ihre Farbe verwandelte sich in Blässe und sie ließ kraftlos das Haupt auf ihre Dienerin sinken.2g Da wandte Gott das Herz des Königs zur Sanftmut und eilends sprang er besorgt vom Throne und stützte sie mit seinen Armen, bis sie wieder zu sich kam, und liebkoste sie mit diesen Worten:2h Was hast du, Esther? Ich bin dein Bruder,Ausdruck liebender Gunstbezeigung. - fürchte dich nicht!2i Du sollst nicht sterben; denn dies Gesetz ist für alle andern gegeben, aber nicht für dich.2k Tritt also herzu und berühre das Zepter!2l Und da sie schwieg, nahm er den goldenen Stab, legte ihn an ihren Hals, küsste sie und sprach: Warum sagst du nichts zu mir?2m Sie antwortete: Ich sah dich, Herr! wie einen Engel GottesWie ein überirdisches Wesen im Glanze deiner Majestät. und mein Herz ward verwirrt aus Furcht vor deiner Herrlichkeit,2n denn du bist sehr wunderbar, Herr! und dein Angesicht ist voller Gnade.2o Während sie so redete, sank sie wieder nieder und fiel fast in Ohnmacht.2p Der König aber erschrak und alle seine Diener trösteten sie.3 Dann sprach der König zu ihr: Was willst du, Königin Esther? Was ist dein Begehren? Auch wenn du die Hälfte des Reiches begehrst, soll sie dir gegeben werden!Der König schloss wohl daraus, dass sie ungerufen kam, sie müsse ein wichtiges Anliegen haben. -4 Sie antwortete: Wenn es dem Könige gefällt, so bitte ich, du wollest heute mit AmanAman soll sicher gemacht werden. - zu mir zu dem Mahle kommen, das ich bereitet habe.5 Sogleich sprach der König: Rufet eilends Aman, dass er Esthers Willen Folge leiste. So kamen der König und Aman also zum Gastmahle, das die Königin ihnen bereitet hatte.6 Da sprach der König zu ihr, nachdem er Wein in Fülle getrunken: Was willst du, dass dir zuteil werde, und was begehrst du? Auch wenn du die Hälfte meines Reiches begehrst, sollst du sie erhalten.7 Esther antwortete ihm: Meine Bitte und mein Begehren ist dies:8 Wenn ich Gnade vor dem Antlitze des Königs gefunden habe und wenn es dem Könige gefällt, mir zu gewähren, was ich begehre, und meine Bitte zu erfüllen, so möge der König mit Aman zu dem Mahle kommen, das ich ihnen bereitet habe, und morgen werde ich dem Könige meinen Wunsch eröffnen.Noch bringt sie ihr eigentliches Anliegen nicht vor, auch noch nicht bei dem Mahle. (V. 7) Sie will sich erst in der Gunst des Königs festsetzen. Doch dieser fühlt, dass sie noch anderes wünscht, und fragt später selbst darnach. -9 Aman also ging an jenem Tage fröhlich und heiter von dannen. Als er aber Mardochäus vor dem Tore des Palastes sitzen sah, wie er nicht allein nicht vor ihm aufstand, sondern sich auch nicht einmal von der Stelle bewegte, auf der er saß, ward er sehr zornig.,10 doch verbarg er seinen Zorn. Als er aber nach Hause zurückgekehrt war, ließ er seine Freunde und Zares, sein Weib, zu sich rufen11 und sprach vor ihnen über die Größe seiner Reichtümer und die Menge seiner Söhne,Nach [Est 9,7-10] hatte Aman zehn Söhne. Viel Söhne zu haben, galt als ein besonderer Segen Gottes. - und wie hoch ihn der König über alle seine Fürsten und Diener erhoben habe.12 Darnach fügte er hinzu: Auch die Königin Esther hat keinen andern zum Mahle mit dem Könige eingeladen als mich, bei ihr werde ich auch morgen mit dem Könige speisen.13 Aber wenn ich gleich dies alles habe, so glaube ich doch nichts zu haben, solange ich Mardochäus, den Juden, vor der Pforte des Königs sitzen sehe.14 Da antworteten ihm seine Gemahlin Zares und alle seine Freunde: Lass einen hohen Balken aufrichten, fünfzig Ellen hoch, und sage morgen dem Könige, dass man Mardochäus daran aufhängen solle, so wirst du mit dem Könige fröhlich zum Gastmahle gehen. Dieser Rat gefiel ihm und er ließ ein hohes Kreuz aufrichten.Das recht über Leben und Tod steht zwar allein bei dem Könige, aber hat dieser das ganze Volk dem Untergange preisgegeben, sollte es da nicht leicht sein, gegen einen einzelnen Juden ein Todesurteil zu erlangen? Die Höhe des Galgens (Baumstammes) soll die Schmach vergrößern.