VIII. Zug aus Raphidim in die Wüste Sinai. (Kap. 19 – 23) 1. Der Offenbarung Gottes vorhergehende Erscheinungen. (V. 1 – 15) A. Gott eröffnet Moses seine Absicht. (V. 9) B. Gott gebietet dem Volke, sich vorzubereiten. (V. 15) 2. Beschreibung der Offenbarung Gottes (19,16 – 20,21) A. Beginn der Offenbarung.
1Im dritten Monat nach dem Auszuge Israels aus dem Lande Ägypten, an demselben TageDie Zahl ist ausgefallen. - kamen sie in die Wüste Sinai.Mit dem Worte Sinai wird gewöhnlich die ganze Gebirgskette bezeichnet. Sinai und Horeb werden oftmals füreinander gesetzt. Gemeint ist entweder der Berg Serbal oder der Berg Dchebel Musa. -2 Denn als sie von Raphidim aufgebrochen waren, kamen sie in die Wüste Sinai und lagerten sich ebendaselbst, und hier schlug Israel seine Zelte auf, dem Berge gegenüber.Wo Gott zum Moses im Dornbusch gesprochen. -3 Moses aber stieg hinauf zu Gott, und der HerrIrgendwie erscheinend. - rief ihm vom Berge herab zu und sprach: Also sprich zum Hause Jakobs und dies verkünde den Söhnen Israels.4 Ihr habt selbst gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und an mich genommen habe.Zu mir, zu diesem auserwählten Orte, geführt habe. Derselbe Vergleich [5Mos 32,11]. -5 Wenn ihr nun auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet,Der vom Sinai verkündet wird. - so sollt ihr mir unter allen Völkern ein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde ist ja mein.6 Und ihr sollt mir ein priesterliches KönigtumSeptuag und der heilige Petrus [1Petr 2,9]: königliches Priestertum. Der Sinn ist: Der König ist aus den Priestern zu nehmen. Oder: Derselbe sei stets König und Hoherpriester. Wie Gott zuerst die Israeliten alsbald in das heilige Land führen wollte, sie aber alsdann ihrer Sünden halber 40 Jahre in der Wüste umherziehen ließ, so wollte er ihnen auch alsbald einen König geben, der zugleich Priester sein sollte, doch wegen ihrer Sünden gewährte er zunächst nur das Aaronitische Priestertum, erst nach einigen Jahrhunderten das, freilich nicht priesterliche, Königtum. Doch auch so war Israel ein heiliges, d. i., von anderen Völkern abgesondertes Volk. - und ein heiliges Volk sein. Dies sind die Worte, welche du zu den Söhnen Israels reden sollst.7 Da ging Moses hin, und rief die Ältesten des Volkes zusammen, und legte ihnen alle Aufträge vor, welche der Herr ihm gegeben hatte.8 Und das ganze Volk antwortete mit einer Stimme: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun. Als nun Moses die Worte des Volkes dem Herrn überbrachte,9 sprach der Herr zu ihm: Alsogleich werde ich in dunklem GewölkeEin die Unmöglichkeit, Gottes Wesen zu durchdringen, andeutendes Sinnbild. - zu dir kommen, dass mich das Volk zu dir reden höre und dir auf immer glaube. Und Moses berichtete dem Herrn die Worte des Volkes.V. 8 und 9 stellen zweimal die gleiche Tatsache dar. Wahrscheinlich bieten sie zwei verschiedene Lesarten von V. 8. -10 Er aber sprach zu ihm: Gehe hin zum Volke, und lasse sie sich heiligenDurch Enthaltung vom Gebrauche der Ehe (V. 15), der unrein machte [3Mos 15,18], und Waschungen. Vergl. [1Mos 35,2]. Eine ähnliche Sitte bestand wohl schon vor Moses. - heute und morgen, und lasse sie ihre Kleider waschen.11 Und auf den dritten Tag sollen sie bereit sein;Durch diese drei Tage sollten sie dem Berge fern bleiben. - denn am dritten Tage wird der Herr vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herniedersteigen.12 Bezeichne dem Volke ringsherum eine Grenze und sage zu ihnen: Hütet euch, den Berg zu besteigen, oder nur den Saum desselben zu berühren; jeder, der den Berg berühret, soll des Todes sterben!13 Keines Hand soll ihn berühren, sondern er soll gesteinigt oder mit Pfeilen durchbohrt werden; ob Tier, ob Mensch, er soll nicht am Leben bleiben. Wenn die Posaune zu erschallen anfängt,Die von Moses aufgestellten Trompeten geben ihr Zeichen, da Gott durch Donner usw. seine Gegenwart kundgibt. - dann sollen sie an den Berg heranziehen.14 Da stieg Moses von dem Berge herab zu dem Volke und befahl ihm, sich zu heiligen. Und als sie ihre Kleider gewaschen hatten,15 sprach er zu ihnen: Seid bereit auf den dritten Tag und nahet euch euren Frauen nicht!Die Gesetzgebung auf dem Berg Sinai
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.16 Als nun der dritte Tag kam und der Morgen anbrach, siehe, da begannen Donner zu rollen und Blitze zu leuchten, und dichtes Gewölk verhüllte den Berg, und der Schall der Posaunen ertönte immer stärker,Es tönte von dort wie Trompetenblasen. - und das Volk, das im Lager war, überkam Bangen.17 Da führte Moses sie aus dem Lager Gott entgegen, und sie stellten sich am Fuße des Berges auf.Innerhalb der Schranken. -18 Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgestiegen war und Rauch von ihm wie aus einem Ofen aufstieg; und der ganze Berg war furchterregend.Richtiger: erzitterte. -19 Nun ward der Posaunenschall allmählich stärker und stärker und drang in immer weitere Fernen; Moses redete, und Gott antwortete ihm.20 Der Herr also kam auf den Berg Sinai, auf den Gipfel des Berges herab und rief den Moses auf die höchste Höhe desselben.Ergänzung zu dem Erzählten. - Als dieser nun dorthin hinaufgestiegen war,21 sprach er zu ihm: Steige hinab und warne das Volk, dass es nicht etwa gelüste, die GrenzenBesser: die Wolke. - zu überschreiten, um den Herrn zu sehen, und eine sehr große Menge von ihnen umkomme.22 Auch die Priester,Wohl die Priester der primitiven Religion. Sie dürfen, wie es [2Mos 24,10] einigen gewährt wird, wohl Jahve nahen. Die Priester möchten von dem Versprechen V. 8 aus Furcht frei werden. - welche sich dem Herrn nahen, sollen sich heiligen, damit er sie nicht schlage.23 Und Moses sprach zu dem Herrn: Unmöglich wird das Volk den Berg Sinai betreten können;Es ist dies nicht gegen V. 12. Durch das frühere Verbot war die Heiligkeit des Berges offenbar geworden, deshalb erklärt sich das Volk für unwürdig, den Berg zu besteigen. Es ist ein Vorwand, der Misstrauen und Furcht verdecken soll. - denn du hast es gewarnt und geheißen mit den Worten: Bestimme Grenzen um den Berg und erkläre ihn als heilig!24 Der Herr sprach zu ihm: Gehe, steige hinab; und komm dann herauf, du und AaronHier wird Aaron zum ersten Male den alten Priestern vorgezogen. Während in V. 22 von ihm noch nichts gesagt wird, werden hier jene, wie zu schließen ist, gleichsam in den Laienstand versetzt. [2Mos 24,5] werden sie von der Darbringung des Opfers ausgeschlossen; [2Mos 24,9] steigen mit Moses zu Jahve nicht die Priester empor, sondern Nadab und Abiu und die 70 Ältesten, und versöhnen Gott mit dem Volke. Von Kap. 19 an verschwinden die alten Priester. Ob sie etwa nicht zufrieden damit, dem Volke nicht mit gutem Beispiele voranzugehen, es hinderten, auf den Berg emporzusteigen? Die Strafe verschob Gott, doch entließ er sie nicht und machte Aarons Familie zu Priestern. - mit dir! Die Priester aber und das Volk sollen die Grenzen nicht überschreiten und nicht zum Herrn emporsteigen, dass er sie nicht töte.25 Da stieg Moses zum Volke hinab und berichtete ihnen alles.Das Volk wird zur Strafe des Königtums beraubt und erhält, als es einen König erlangt, kein priesterliches Königtum [2Mos 19,6]. Nun darf es Jahve nicht mehr nahen [2Mos 24,2].
Zitiert in 61
Dieses KapitelCCC(¶708·¶751·¶2060)Compendium of the Social Doctrine of the Church(22)