Exodus 32

3. Aberglaube und Wiederversöhnung des Volkes. (Kap. 32 – 34) 1) Jahve unter dem Bilde eines goldenen Kalbes verehrt. (V. 8) 2) Erstes Flehen Moses zu Gott um Erbarmen. (V. 14) 3) Herabsteigen Moses vom Berge. (V. 29) 4) Zweites Flehen Moses um Erbarmen. (Kap. 32,30 – Kap. 33,11)

Als aber das Volk sah, dass Moses zögerte, vom Berge herabzukommen, Nicht lange vor dem Ende der 40 Tage fiel das Volk ab. Urheber dieses Abfalles waren wohl die alten Priester, welche es nicht ertrugen, dass sie [2Mos 19,24] zu Laien gemacht waren, [2Mos 20,18ff] unbeachtet und [2Mos 24,6.10] von der Darbringung des Opfers und dem Erscheinen vor Gott ausgeschlossen blieben. Ihnen standen jetzt andere Priester, die Stammesgenossen Aarons und Moses gegenüber. Im offenen Widerstande jenen nicht gewachsen, erregen sie Unzufriedenheit. - versammelte es sich um Aaron und sprach: Auf, mache uns Götter, die vor uns hergehen; An fruchtbarere Orte. Vielleicht hoffen sie auch, dass die Götter sie nach Ägypten zurückführen werden. Der Plural Götter ist zweideutig. Die meisten fordern wohl ein Bild, doch die einen das Bild des wahren Gottes, die anderen, ohne sich zu entscheiden. Sie schreiben dem Bilde eine höhere Macht zu. - denn was diesem Manne, dem Moses, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, begegnet ist, wissen wir nicht. Sie denken nicht an die Wunder bei dem Auszuge. - Da sprach Aaron Aaron ist erschrocken und schwankt. Er will das Volk durch die Forderung abschrecken. (Aug., Theodor) - zu ihnen: Nehmet die goldenen Ringe aus den Ohren eurer Frauen, und eurer Söhne und Töchter, und bringet sie zu mir. Das Volk tat, wie er befohlen, und brachte die Ringe, die sie in den Ohren trugen, zu Aaron. Dieser nahm sie, machte ein Schmelzwerk daraus, und bildete ein gegossenes Kalb. Ähnlich Jeroboam [1Koe 12,28ff]. Das Kalb soll ihnen als Bild des Gottes dienen, der Israel aus Ägypten geführt. An sich war an einer bildlichen Darstellung nichts Böses, da Christus als Lamm, der heilige Johannes der Evangelist als Adler dargestellt wird. Da aber Gott jede Darstellung seiner selbst wegen der Gefahr des Götzendienstes verboten hatte, war ihre Handlung nicht von Aberglauben frei, um so mehr als das Kalb das Sinnbild des ägyptischen Apisstieres war. Aaron will die Anfertigung des Bildes zulassen, wenn er nur den Glauben an Jahve wahrt, und sagt deshalb: Gott, der euch aus Ägypten geführt hat. - Sie sprachen: Das sind deine Götter, Israel, welche dich aus dem Lande Ägypten herausgeführt haben. Als dies Dass sie seinem Rufe folgten. - Aaron sah, baute er einen Altar vor dem Kalbe und ließ durch einen Herold ausrufen: Morgen ist das Fest des Herrn! Des Erretters aus Ägypten. - Sie standen früh auf, opferten Brandopfer und Friedopfer, und das Volk setzte sich hin, um zu essen und zu trinken, sodann standen sie auf, sich zu belustigen. Tänze, zu Ehren des Kalbes ausführend. (V. 19) Die Leviten halten sich von dem Gastmahle fern (V. 26), welches das Grab der Feinde Moses werden soll. Menschliche Klugheit gegen Gottes Befehle eingesetzt, führt zum Verderben. Aaron hat zuerst auf den Eigennutz und die Eitelkeit, besonders der Frauen, gerechnet, indem er deren kostbare Schmuckgegenstände verlangte. Doch da man ihm mit größtem Eifer bringt, was er verlangt, scheint ihm weiterer Widerstand unmöglich. Seine letzte Ausflucht, das ägyptische Götzenfest als ein Fest des Herrn (Jahves) ausrufen zu lassen, ward nur eine noch tiefere Erniedrigung der Ehre Gottes. So musste er denn auch schließlich dem Feste seinen heidnischen Verlauf lassen. [JSir 45,7.27] erhebt seine Würde, nicht seine Tat. Nachdem er Hoherpriester geworden, ward er wohl auch in diesem Punkte ein anderer. - Da redete der Herr zu Moses und sprach: Geh, Verlasse mich. Das Volk verdiente nicht, von Gott Gesetze zu empfangen, während es die früher gegebenen übertrat. - steige hinab; dein Volk, Nicht mein Volk (Hier.), das du aus Ägypten geführt hast, nicht ich. - das du aus dem Lande Ägypten herausgeführt hast, hat gesündigt. Schnell sind sie von dem Wege abgewichen, den du ihnen gezeigt hast; sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, und es angebetet, und ihm Opfer dargebracht, und gesagt: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Lande Ägypten herausgeführt haben! Und der Herr sprach weiter zu Moses: Ich sehe, dass dieses Volk halsstarrig ist; V. 9 fehlt in der Septuag. Ist derselbe festzuhalten, so fehlt die Erwähnung der Fürbitte Moses zwischen 8 und 9. – Halsstarrig: Vergl. [Jes 48,4]. - lass mich, Diese Worte zeigen teils, wie viel das Gebet der Heiligen vermag, teils muntern sie zum Gebete für das Volk auf. - dass mein Zorn wider sie entbrenne und ich sie vernichte; sodann will ich dich zum Stammvater eines großen Volkes machen. Vergl. [4Mos 14,12]. - Moses aber bat den Herrn, seinen Gott, und sprach: Herr, warum entbrennt dein Zorn wider dein Volk, Mehr dein als mein Volk, da du es dir durch so viele Wunder erworben hast. Ist die begangene Sünde ausreichend, um ein Volk zu verstoßen, für das du so Großes getan? - welches du mit großer Kraft und mit starker Hand aus dem Lande Ägypten herausgeführt hast? Lass doch nicht zu, dass die Ägypter sagen: Er hat sie mit List herausgeführt, um sie auf dem Gebirge zu töten und von der Erde zu vertilgen. Dein Zorn lasse nach, lass dich versöhnen ob der Missetat deines Volkes. Gedenke deiner Diener Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst zugeschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen so zahlreich machen, wie die Sterne des Himmels; und dieses ganze Land, von dem ich geredet, will ich euren Nachkommen geben, und ihr sollt es besitzen immerdar. Da ward der Herr versöhnt, so dass er das Übel nicht tat, welches er wider sein Volk ausgesprochen hatte. Nach hebr. Eigentümlichkeit geschichtlicher Darstellung wird hier schon das Resultat eines noch im einzelnen zu beschreibenden Ereignisses vorausgeschickt. -
Moses steigt vom Berg Sinai herab
Und Moses kehrte von dem Berge zurück und trug die beiden Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die auf beiden Seiten beschrieben und von Gott gemacht waren; auch die auf die Tafeln eingegrabene Schrift war Gottes Werk. Als aber Josue das Getümmel des schreienden Volkes hörte, sprach er zu Moses: Kriegslärm lässt sich im Lager hören! Josue wusste nicht, was Gott (V. 8) dem Moses gesagt. - Er aber antwortete: Das ist kein Geschrei solcher, die zum Streite mahnen, noch auch das Angstgeschrei solcher, die zur Flucht auffordern, sondern die Stimme von Singenden höre ich.
Moses zerbricht die Gesetzestafeln
Als er nun nahe zum Lager kam, sah er das Kalb und die Reigentänze; und in heftigen Zorn geratend, warf er die Tafeln aus der Hand und zerschmetterte sie am Fuße des Berges. Die Tafeln waren [2Mos 24,12] als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Volke gegeben. [2Mos 24,3] hatte das Volk bezeugt, es werde alle Worte Gottes tun, und Gott hatte verheißen, die Gesetzestafeln zu geben. Nachdem das Volk durch die Anfertigung des Kalbes sein Versprechen gebrochen, ziemte es sich auch, dass das göttliche Zeichen des Bundes zerstört ward. - Dann ergriff er das Kalb, das sie gemacht hatten, verbrannte es, zermalmte es zu Staub, streute diesen in Wasser, und gab den Söhnen Israels davon zu trinken. Die Ordnung ist sachgemäß, nicht der Zeitfolge entsprechend: 20 Moses und das Kalb, 21 – 24 Moses und Aaron, 25 – 28 Moses und die Häupter des Aufstandes, 29 Moses und die Leviten. Wahrscheinlich stürzte Moses zuerst das Kalb um, befragte dann Aaron kurz über den Stand der Dinge, sandte die Seinigen zur Vernichtung der Gegner aus, zerstörte das aus Holz geformte und mit Gold überzogene Kalb und warf die Asche in den Fluss. Vergl. [5Mos 9,21]. - Und er sprach zu Aaron: Was hat dir dies Volk getan, dass du eine so schwere Sünde auf dasselbe gebracht hast? Aarons Schuld war schwer, da er dem Volke nachgegeben, dessen Führer er sein sollte. - Dieser antwortete ihm: O Herr, zürne mir nicht, du kennst ja dieses Volk und weißt, dass es zum Bösen geneigt ist. Hebr.: Dass es im Bösen ist. (Vergl. V. 9.) - Sie sprachen zu mir: Mache uns Götter, die vor uns herziehen; denn was diesem Moses, der uns aus dem Lande Ägypten weggeführt hat, begegnet ist, wissen wir nicht. Da sprach ich zu ihnen: Wer unter euch hat Gold? Und sie brachten es, und gaben es mir, und ich warf es in das Feuer, da ward dieses Kalb daraus. Es war umsonst, diesem Volke zu widerstehen und ihm Jahves Wohltaten und Bündnis in's Gedächtnis zurückzurufen. Gezwungen und geängstet habe ich so gehandelt. Wie weit ist Aarons Herz von der Größe Moses entfernt! (V. 32) - Da nun Moses sah, dass das Volk bloßgestellt war, (denn Aaron hatte es ausgezogen durch die schmachvolle Schandtat und nackt unter seine Feinde gestellt) Hebr.: Was zum Gezischel unter ihren Widersachern dienen musste. Die Zorngerichte Gottes über Israel waren geeignet, den heidnischen Feinden Anlass zum Spott zu geben. - trat er an das Tor des Lagers An dem dem Berge zugewandten Tore stand Moses, dort war das Kalb, dort die Leviten. Es war jedenfalls der dem Stamme Levi zugewiesene Teil des Lagers. - und rief: Wer dem Herrn gehört, schließe sich mir an! Da versammelten sich alle Söhne Levis um ihn. Er aber sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder gürte sein Schwert an seine Lenden, und gehet hin und her, von Tor zu Tor mitten durch das Lager, und ein jeder töte seinen Bruder, Freund und Nächsten. So fern jene nicht vom Kälberdienste lassen wollen. Moses redet als von Gott bestellter Richter. - Da taten die Söhne Levis nach dem Worte Moses, und es fielen an diesem Tage bei dreiundzwanzigtausend Mann. Die anderen Texte haben nur 3000. [1Kor 10,8] bezieht sich nicht auf diese Stelle, sondern auf [4Mos 21,9]. - Darnach sprach Moses: Ihr habt heute eure Hände dem Herrn geweiht, Vergl. [5Mos 33,9]. Nach dem Hebr.: Bringet für Jahve eure Opfer dar, Für Jahve: Im Gegensatz zu dem Kalbe. - ein jeder an Wider seinen Sohn und seine Nachkommen. - seinem Sohn und an seinem Bruder, damit euch Segen zu Teil werde. Am andern Tage Nach der Vernichtung des Kalbes. - aber sprach Moses zu dem Volke: Ihr habt eine übergroße Sünde begangen; ich will zu dem Herrn hinaufsteigen, ob ich ihn irgendwie für eure Missetat durch Bitten versöhnen kann. Und er kehrte zu dem Herrn zurück und sprach: Ach, dies Volk hat eine übergroße Sünde begangen, indem es sich Götter aus Gold gemacht hat. Entweder vergib ihnen diese Sünde, Hebr.: Und nun, wenn du ihnen ihre Sünden nachlassest, (ist es gut). - oder, tuest du das nicht, so streiche mich aus deinem Buche, das du geschrieben, aus. Nicht das Buch der Vorherbestimmung ist gemeint, den aus diesem wird niemand ausgetilgt und die Bitte, aus diesem ausgetilgt zu werden, wäre gottlos. Also nach einigen: aus dem Buche der Lebenden (Hier., Greg., M.). Gott kann nach seiner Gerechtigkeit weder Moses aus seinem Buche tilgen, noch dem Volke ohne weiteres vergeben, doch ist Moses Fürbitte nicht ganz erfolglos. Vergl. Anmerkung 32. - Der Herr antwortete ihm: Wer gegen mich gesündigt, den werde ich aus meinem Buche austilgen. Du aber gehe hin und führe dieses Volk dorthin, wohin ich dir gesagt; mein Engel Mein Engel? Vielleicht ein Engel? Dies scheint durch [2Mos 33,12] nahegelegt. Anders [2Mos 23,20], wo die weiteren Bestimmungen keinen Zweifel lassen, dass der Engel Jahves, der Sohn Gottes, gemeint ist. Was Gott den Patriarchen verheißen hat, will er erfüllen, aber es soll fehlen, was der Gabe den eigentlichen Wert verleiht, die Gnadengegenwart Gottes. - wird vor dir herziehen. Aber am Tage der Vergeltung will ich auch diese ihre Sünde ahnden. Die Erhaltung des Volkes und seine Einführung in das gelobte Land hat Moses durch seine Fürbitte erwirkt und die Aufhebung des Bundesverhältnisses vom Volke abgewendet, indes das durch die Leviten vollzogene Strafgericht war noch keine der göttlichen Gerechtigkeit voll genügende Sühne. Von dem ganzen schuldigen Volke war nur ein kleiner Teil der Strafe anheimgefallen, die übrigen hatten sich nicht durch Reue und Buße der vergebenden Gnade würdig gemacht. Am Tage, an dem das Volk das Maß seiner Sünden voll machte [4Mos 14,26ff], trat die Vergeltung ein. Also schlug der Herr das Volk wegen der Versündigung durch das Kalb, das Aaron gemacht hatte.

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