Ezechiel 11

D. Das Gericht über die Führer. (V. 12) E. Gott tröstet den Propheten in dessen Betrübnis.

Da hob mich der Geist empor und führte mich zum Osttor am Hause des Herrn, das gegen Sonnenaufgang liegt; Die Vision lässt die zeitliche Ordnung und Aufeinanderfolge zurücktreten. Was in [Ez 10] in einem gemeinsamen Emblem und Symbol dargestellt war, wird jetzt in besonderer Weise beleuchtet. Aus dem allgemeinen Bilde werden einzelne Züge losgelöst und eingehender gewiesen. - siehe, da waren am Eingange des Tores fünfundzwanzig Männer; in ihrer Mitte sah ich Jezonias, den Sohn Azurs und Pheltias, den Sohn Banajas, die Fürsten des Volkes. Es sind nicht dieselben wie [Ez 8,16]. Warum fünfundzwanzig (oder griechisch: etwa fünfundzwanzig), ist nicht klar. Jezonias und Pheltias waren als Haupturheber der Pläne bekannt, welche Gott verwarf. - Und er sprach zu mir: Menschensohn! das sind die Männer, welche auf Unheil sinnen und bösen Ratschlag in dieser Stadt ausdenken, indem sie sprechen: Sind nicht seit langer Zeit unsere Häuser gebaut? Der frühere von den Chaldäern unter Jechonias verursachte Schaden [2Koe 24,11] ist bereits ausgebessert und so haben wir keinen Grund, uns vor Babylon zu fürchten. - Sie Die Stadt. - ist der Topf und wir sind das Fleisch. Das Fleisch bleibt im Topfe, bis es gekocht ist, ohne Besorgnis, dass es verbrenne, so werden wir auch aus der Stadt erst weggeführt, wenn der natürliche Tod uns abberuft. – Der Fleischtopf ist gleichsam das Bild der Befestigung, da er das Fleisch sichert. Solche Überhebung ist jener schlimme Plan V. 2. - Darum weissage über sie, weissage, Menschensohn! Alsbald kam auf mich der Geist des Herrn und sprach zu mir: Verkünde: So spricht der Herr: So habt ihr geredet, Haus Israel! und die Gedanken eures Herzens kenne ich. Ihr habt sehr viele in dieser Stadt getötet und deren Straßen mit Erschlagenen angefüllt. Eine Sünde wird als Beispiel für alle erwähnt, ungerechter Mord, eine Anklage, welche die Propheten häufig gegen das Volk vorbringen. Vergl. [Jes 1,15; Jes 59,3; Jer 2,30; Mic 3,3.10] u.a. - Darum spricht der Herr, Gott, also: Die von euch Erschlagenen, die ihr in ihrer Mitte hingestreckt habt, diese sind das Fleisch und sie ist der Topf; euch aber werde ich aus derselben fortführen. In bitterer Ironie gibt er ihnen das Sprichwort zurück, aber in völlig verschiedener Auslegung: Nur die, welche ihr bereits getötet habt, werden in der Stadt bleiben, in ihren Gräber sicher ruhend, ihr aber werdet aus eurer vermeintlichen Burg und Zufluchtsstätte herausgerissen werden. - Das Schwert fürchtet ihr und das Schwert will ich über euch bringen, spricht der Herr, Gott. Ich will euch aus ihrer Mitte hinauswerfen und euch in die Hand der Feinde überliefern und an euch Gericht vollziehen. Blut haben sie vergossen, mit ihrem eigenen Blute sollen sie für das vergossene Blut Genugtuung leisten. - Durch das Schwert sollt ihr fallen, an den Grenzen Israels werde ich euch richten und ihr sollt erkennen, dass ich der Herr bin. Sie soll euch nicht zum Topf werden und ihr sollt nicht in ihrer Mitte das Fleisch sein, an den Grenzen Israels will ich Gericht über euch halten. Zuerst sollen sie aus dem Erbe des Herrn vertrieben werden, damit es so offenbar werde, dass sie den Bund gebrochen. Doch diese Strafe reicht nicht aus, auch unter den Heiden wird Gott sie verfolgen. - Da sollt ihr erkennen, dass ich der Herr bin, weil ihr nicht nach meinen Geboten gewandelt seid und meine Rechte nicht geübt habt, sondern nach den Rechten der Völker, die rings um euch her sind, gehandelt habt. Vergl. [Ez 5,7]. Israel hat insbesondere den Götzendienst der Heiden angenommen. Die sich den Heiden zugesellt, sollen in dem Lande der Heiden Strafe leiden. - Und es geschah, als ich so weissagte, ward Pheltias, der Sohn Banajas, vom Tode ereilt; Der Tod des einen ist Symbol und Unterpfand des Unterganges der übrigen. Da derselbe zunächst in der Vision statthat, ist die Verkündigung desselben ein Siegel der Prophezeiung, eine Voraussagung, dass sie bei der Vergewaltigung durch die Chaldäer seinen Tod finden werden. - da fiel ich auf mein Angesicht und rief mit lauter Stimme und sprach: Wehe, wehe, wehe, Herr, Gott! willst du denn ganz ein Ende machen mit dem Überreste Israels? Gegen deine so oft gegebenen und mehrfach wiederholten Verheißungen. [Jer 4,27; Jer 5,18; Jer 30,11] - Und das Wort des Herrn erging an mich also: Gott tröstet den Propheten, indem er ihn belehrt, wo und welches der Überrest ist, den er erhalten will: die in der Stadt sind und sich den Chaldäern nicht unterwerfen wollen, werden verworfen werden. [Jer 24,8] Hingegen den Fortgeführten wird die Verbannung zum Guten gereichen. - Menschensohn! deine Brüder, deine Brüder, deine Verwandten und das ganze Haus Israel, alle, zu welchen die Bewohner Jerusalems sagten: Entfernet euch weit von dem Herrn, uns ist das Land zum Besitze gegeben! Uns hat der Herr das Land seiner Verheißung gegeben, euch hat er weit von sich entfernt, sprechen die Bewohner Jerusalems. Doch es soll umgekehrt kommen: sie sollen dem Tode anheimfallen, jener aber will Gott sich annehmen. Nicht für die Bürger Jerusalems, sondern für deine Brüder, die mit dir nach Babylon gekommen sind, übe dein Amt des Vermittlers und Erlösers. (Joel) Das ganze Haus Israel wird genannt, weil Gott niemand von dem Heile, das er anbietet, ausschließt. - Darum spricht der Herr, Gott, also: Ja, ich habe sie fernhin unter die Völker gebracht und habe sie in die Länder zerstreut und werde ihnen ein wenig Kurze Zeit dauert das Exil im Vergleiche zu der gesamten Periode der Theokratie und des Besitzes von Palästina. - zur Heilung dienen in den Ländern, in die sie gekommen sind. Sie sollen nicht dem Götzendienste anheimfallen. - Deshalb sprich: So spricht der Herr, Gott: Ich will euch aus den Völkern sammeln und euch zusammenbringen aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israel verleihen. Und sie werden in dasselbe gelangen und alles Anstößige und alle seine Greuel daraus hinwegschaffen. Das Volk wird zurückkehren aus der Zerstreuung V. 17 aber so, dass sie ihre früheren Verfehlungen und selbst die Spuren derselben mit Entrüstung aus dem Lande schaffen werden. Die große von Gotte einst schon durch Moses gegebene Verheißung [5Mos 30,3], welche die früheren Propheten zugleich mit der Ankündigung des Exils erklärt haben [Hos 2,14; Hos 3,5; Amos 9,9; Jes 40,1; Jer 3,14], wird wiederholt. - Und ich werde ihnen ein einträchtiges Herz geben und werde einen neuen Geist in ihr Inneres legen, ich werde aus ihrem Leibe das Herz von Stein wegnehmen und ihnen ein Herz von Fleisch geben, Gott ist Urheber der Erneuerung und Wiederherstellung, indem er seinen Geist in die Herzen ergießt, der sie gleichsam neu schafft und ihre Lage in das Gegenteil umwandelt. Der Geist ist neu, insofern er dem neuen Bündnisse, das Jeremias bereits verkündet [Jer 31,31], gleichförmig ist. Ein Herz von Stein ist nach Theodoret ein Herz, das nicht gehorchen und sich nicht erweichen lassen will, nach Hieronymus ein hartes Herz. Diese Härte und diese Auflehnung nimmt Gott weg und durch die Ergießung seines Geistes, dass das Herz weich und fromm, Gott unterworfen wird. So ist denn das, was im Neuen Testamente von der Wiedergeburt aus dem Geiste gelehrt wird, hier angedeutet und vorbereitet. - damit sie nach meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und üben, dass sie mein Volk seien und ich ihr Gott. Die Worte sind aus [2Mos 6,7; 3Mos 25,18; 3Mos 26,12; 5Mos 4,5.6] entnommen. Die im Gesetze vorgezeichnete, aber im Alten Testamente nicht befolgte Richtschnur soll nun treu befolgt werden. Vergl. [Roem 8,3.4]. - Denen aber, die nach den Ärgernissen und Greueln ihres Herzens Dem Götzendienst und den damit verbundenen Greueln. - wandeln, diesen werde ich ihr Tun auf ihr Haupt bringen, Auch in jener Zeit wird der Herr zur Auferstehung und zum Falle vieler in Israel sein. - spricht der Herr, Gott. Wie oft bei den Propheten wird die Erneuerung in einem Bilde geboten. Diese Verheißungen betreffen in unvollkommener Weise die aus dem Exile Zurückkehrenden, mit denen die Erneuerung der Theokratie tatsächlich begann, voll und ganz aber das Messianische Reich, in dem die Erneuerung der Theokratie eine absolute und allgemeine ist. - Da erhoben die Cherube ihre Flügel und die Räder bewegten sich mit ihnen und die Herrlichkeit des Gottes Israel war oben über ihnen. Und aus der Mitte der Stadt erhob sich die Herrlichkeit des Herrn und ließ sich auf dem Berge nieder, der gegen Aufgang der Stadt ist. Nach diesem Troste zeigt Gott dem Seher den letzten Teil des Gerichtes: die Herrlichkeit des Herrn verlässt Tempel und Stadt und so werden beide auf eine Zeit dem Untergange geweiht. Bevor die Herrlichkeit des Herrn den äußeren Vorhof des Tempels und die Stadt verließ, ward noch V. 15-19 die feierliche Versicherung gegeben, dass der Herr dem Volke seine Gnade und seinen Bund nicht entziehen werde. Auf dem Ölberge im Osten der Stadt lässt die Herrlichkeit des Herrn sich nieder, vergl. [Sach 14,4]; von dort schaut sie auf den Untergang der Stadt und des Tempels, um endlich [Ez 43,3.4] in den neuen Tempel einzuziehen. Von eben diesem Berge kündete Christus später den Untergang der Stadt und des Volkes an [Mt 24,3; Mk 13,3] und von demselben stieg er in den Himmel auf, Gericht über jene zu üben. [Lk 24,50; Apg 1,17] - Der Geist aber hob mich empor und führte mich im Gesicht, durch den Geist Gottes, nach Chaldäa zu den Weggeführten; das Gesicht aber, das ich geschaut, verschwand. Auf dieselbe Weise, wie er entrückt war, wird der Prophet dem gewöhnlichen Stande seines Geistes zurückgegeben. - Und ich sprach zu den Weggeführten alle Worte Werke. des Herrn, die er mir kundgegeben hatte.

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