Ezechiel 16

G. Gleichnis von der Auserwählung des Volkes. (V. 14) H. Gleichnis von der Treulosigkeit des Volkes. (V. 34) J. Die den Verbrechen gebührende Strafe. (V. 52) K. Verheißung der Wiederherstellung.

Und es erging an mich das Wort des Herrn also: Damit durch diese Gerichte jene Frucht der Besserung, die Gott wünscht, erlangt werde, ist es vor allem notwendig, dass das Volk erkenne und anerkenne, wie sehr es sich versündigt und warum Gott jene Züchtigungen über dasselbe hat kommen lassen. - Menschensohn! tue der Stadt Jerusalem Die Gott durch seine Gegenwart auszeichnete. - ihre Greuel kund und sprich: So spricht der Herr, Gott, zu Jerusalem: Die Erwähnung der Wohltaten Gottes soll den Undank des Volkes umso schwärzer erscheinen lassen. - Dein Ursprung und dein Geschlecht sind von dem Lande Chanaan, dein Vater ist ein Amorrhiter und deine Mutter eine Kethitin. Durch nichts den elenden Völkern der Herkunft nach überlegen, sind sie von Gott aus reinster Güte und ohne alles Verdienst zur höchsten Würde erhoben. (V. 3-14) Bevor ich dich erwählte, warst du so ohne allen Schmuck und Wert, wie wenn du unter Chananäern und Amorrhäern geboren wärest, standest also tief unter den andern Völkern. Als ob die Niedrigkeit eines Stammes in Chanaan nicht ausreichte, wird als Vater der Amorrhäer erklärt, der nach [1Mos 15,16] alle anderen Stämme an Verworfenheit übertraf, und als Mutter eine Kethitin, da die Frauen dieses Stammes ganz besonders durch ihre Schamlosigkeit berüchtigt waren. [1Mos 27,46] Abraham war in der Tat aus einem götzendienerischen Volk auserwählt. [Jos 24,2] Man kann die Geburt des Volkes indes auch von der Zeit verstehen, wo es in Ägyptens Knechtschaft schmachtete. Vergl. [Hos 2,15; Jer 2,2]. - Und als du geboren wardst am Tage deiner Geburt, wurde deine Nabelschnur nicht abgeschnitten und du wurdest nicht mit Wasser gewaschen zur Erfrischung, und nicht mit Salz abgerieben Die Alten meinten, dass die Abreibung mit Salz zum Gedeihen des Kindes diente und die Haut fester zu machen zu machen geeignet war. - und nicht in Windeln gewickelt. Kein Auge hatte Mitleid mit dir, dass es, Erbarmen gegen dich übend, dir eines von diesen Dingen erwies; sondern du wurdest auf den Boden hingeworfen, so verachtet war deine Seele am Tage deiner Geburt. Niemand hat das Kind freundlich aufgenommen, sondern die Eltern setzten es aus. Anspielung auf den Befehl Pharaos, alle männlichen Kinder in den Fluss zu werfen [2Mos 1,22], ein weiterer Hinweis auf die Verachtung und Bedrückung, welche dem Volke widerfuhr. - Da ging ich an dir vorüber und sah, wie du in deinem Blute zertreten lagst, und sprach zu dir, da du so in deinem Blute lagest: Lebe! Ja, ich sprach zu dir: In deinem Blute lebe! Da kein menschliches Auge auf es schauen wollte, blickte Gott es gnädig an, wie es dalag in Schmutz und den Nabel nicht verbunden, ja den wilden Tieren preisgegeben. Wie Gott einst durch das Wort: Es werde! Alles ins Dasein gerufen, so entreißt er es hier durch den Ruf: Lebe dem Tode. „In deinem Blute“: Aus diesem Zustande gerettet. - Zahlreich wie die Gewächse des Feldes machte ich dich, In Ägypten wuchs das Volk zu einer ungeheueren Menge heran. Vergl. [2Mos 1,7]. - da nahmst du zu und wurdest groß und tratest in die Reife und gelangtest zu weiblichem Reize; Ich verlieh dir große Schönheit. - deine Brüste schwollen an und dein Haar sprosste, doch du warst nackt und voll der Beschämung. Da ging ich bei dir vorüber und sah dich und siehe, es war deine Zeit, die Zeit der Liebe, und ich breitete meinen Mantel über dich und bedeckte deine Blöße. Gott nimmt diese Jungfrau zu seiner Braut an, indem er den Saum seines Mantels über sie deckt. Vergl. [Rut 3,9]. - Und ich schwur dir und ging mit dir einen Bund ein, spricht der Herr, Gott, und du wurdest mein. Der Bund Gottes mit dem Volke wird oft als Ehebund bezeichnet, wie auch im Neuen Testamente die Hochzeit des Lammes mit der Kirche im himmlischen Jerusalem gefeiert wird. Gott bekräftigt den Bund von seiner Seite durch die erhabensten Verheißungen, das Volk beschwört seine Treue. [2Mos 19,8] - Und ich wusch dich mit Wasser, reinigte dich von deinem Blute und salbte dich mit Öl. Und ich kleidete dich mit buntgewirkten Gewändern Der Frau Kleidung und Nahrung zu verschaffen gehört dem Manne zu. - und zog dir purpurne Schuhe an, ich umwand dich mit feiner Leinwand Diese stand allezeit hoch im Werte. - und hüllte dich in Florkleider. Oder: seidene Kleider. - Ich zierte dich mit Schmuck und legte Geschmeide an deine Arme und eine Kette um deinen Hals. Und ich hing einen Ring über deinem Munde auf und Ringe an deine Ohren und setzte dir eine herrliche Krone auf dein Haupt. Als vornehme Königsbraut wird sie mit einer Kette und einer Krone, dem Zeichen königlicher Würde, geschmückt. - So warst du mit Gold und Silber geziert, mit feiner Leinwand gekleidet, mit gestickten und buntgewirkten Gewändern; du aßest Weizenmehl, Honig und Öl, wardst überaus schön und gelangtest zur Königswürde. Wie für Kleider, so trug Gott für Speisen Sorge, und so wird die Braut schön, wie es einer Königin ziemt. - Und dein Name breitete sich aus unter den Völkern ob deiner Schönheit, denn du warst vollkommen, dank meinem Schmucke, welchen ich dir angelegt hatte, spricht der Herr, Gott. Durch meine Wohltaten und unendliche Freigebigkeit erlangtest du den Namen einer Königin, so dass aller Völker Zungen von dir sprachen und du vollkommen warst, nicht durch deine Kraft, sondern durch meine Güte. (Hier.) Es sind die [Roem 9,4] erwähnten Güter gemeint. Diese waren nicht nur dem ganzen Volke, sondern in gleicher Weise den einzelnen zuteil geworden, wie im Neuen Testamente ebenso die Kirche wie die gerechte Seele Braut Christi heißt, da beide mit Christus auf das innigste verbunden sind. - Aber du verließest dich auf deine Schönheit und buhltest auf deinen Ruhm hin Vergl. [5Mos 8,11-15; 5Mos 31,20] u.a. - und du gabst dich einem jeden, der vorüberging, zur Buhlerei preis, um sein zu werden. Du triebest Götzendienst und schlossest Bündnisse mit Auswärtigen: „Um sein zu werden“: Gegensatz zu V. 8. - Und Nach der allgemeinen Anklage geht der Prophet zu besonderen Vorwürfen über. - du nahmest von deinen Gewändern und machtest dir Höhen So heißen nicht nur Hügel, auf denen götzendienerischer Kult geübt ward, sondern auch die auf denselben errichteten Heiligtümer, die gewöhnlich nur zeltartig waren. - aus zusammengenähten Stücken Besonderer Ausdruck der Verachtung. - und triebst Buhlerei auf ihnen, wie es nie gewesen noch je sein wird. Und du nahmst deine Schmucksachen von meinem Gold und Silber, welche ich dir gegeben, und machtest dir Bilder von Männern Von Männern wird dies gesagt, weil das Volk im Bilde der ungetreue Braut dargestellt wird. Die Worte sind also nicht buchstäblich zu fassen. - und triebst mit diesen Unzucht. Und du nahmst deine buntgewirkten Gewänder und hülltest sie in dieselben, mein Öl und Räucherwerk setztest du ihnen vor. Und meine Speise, die ich dir gegeben, Weizenmehl, Öl und Honig, womit ich dich genährt hatte, legtest du ihnen vor zum lieblichen Geruche; so geschah es, spricht der Herr, Gott. Du kannst es nicht leugnen, denn ich, der Herr, weiß es. - Und du nahmst deine Söhne und Töchter, die du mir geboren hattest, und schlachtetest sie ihnen hin zum Verzehren. Die Söhne sind ihr von Gott gegeben und sollen zu Gottes Dienst erzogen werden und doch bringt man sie den Götzen dar. Und wozu noch? Zum verzehren! Anspielung auf die Molochopfer. - Ist denn deine Buhlerei etwas Geringes? Meine Kinder schlachtetest du und gabst sie jenen zum Opfer hin. Hebr.: Schien es dir zu wenig, Buhlerei zu treiben, wenn du nicht auch meine Söhne tötetest? - Und bei allen deinen Greueln und Buhlereien gedachtest du nicht der Tage der Jugend, als du nackt und voll der Beschämung warst und in deinem Blute zertreten lagst. Dieser doppelten Vergessenheit wird einigermaßen die Ursache jener Frevel zugeschrieben: wie nämlich die Erinnerung an das eigene Elend und die Erbarmung Gottes und seine Wohltaten die Frömmigkeit schützt und mehrt, so lässt das Vergessen den Hochmut die Zügel schießen und macht die Seele stolz. - Da geschah es noch nach allen deinen Übeltaten, - wehe, wehe dir! Spricht der Herr, Gott, - dass du dir Buhlhäuser bautest und dir Unzuchtstätten errichtetest auf allen Plätzen. An jeder Straßenecke bautest du die Zeichen deiner Buhlerei auf, machtest deine Schönheit zum Greuel, spreiztest deine Beine jedem Vorübergehenden und begingst Buhlereien ohne Zahl. Zahlreiche Götzenaltäre richtetest du auf Hügeln, an den Toren, ja im Tempel selbst auf. Vergl. [Jer 2,28; Jer 11,13]. - Du buhltest In übertragenem Sinne vom Götzendienste zu verstehen (Hier., Theod.), der freilich zudem durch vielfache Unsittlichkeiten befleckt war. - mit den Söhnen Ägyptens, deinen Nachbaren mit großen Gliedern, Bildlich für den schimpflicheren Götzendienst. - und begingst noch viele Unzucht, um mich zum Zorne zu reizen. Siehe, da streckte ich meine Hand über dich aus, nahm dir deine Rechtfertigung Hebr.: und minderte das dir Bestimmte, nämlich den dir als Gattin gebührenden Unterhalt. Ich strafte dich mit Trockenheit, Teuerung, Not. - und gab dich denen preis, die dich hassen, den Töchtern der Philister, Den Städten der Philister, also den Philistern. Vergl. [Rich 13; 2Sam 14,2]. - die sich deines lasterhaften Wandels schämten. Die Philister hielten treu an ihren Göttern fest und sahen deshalb mit Beschämung, wie die Israeliten ihren eigenen Gott verließen, um fremden anzuhängen. Vergl. [Jer 2,10-12]. - Auch Keine Strafe vermochte es, dich zur Umkehr zu bewegen. - buhltest du mit den Söhnen der Assyrier, Vergl. [2Koe 16,7; Jer 2,36]. - weil du noch nicht befriedigt warst; und als du mit ihnen gebuhlt hattest, warst du auch dann noch nicht satt. Du triebst noch mehr Buhlerei im Lande Chanaan Appellativ wie [Ez 17,4] (Hier.) d.i. Land des Handels. Babylon war der Haupthandelsplatz Asiens. Von dort wurden besonders gestickte und bunte Kleider ausgeführt. Schon Ezechias wird gestraft wegen seiner Freundschaft mit den Babyloniern. [Jes 39,1-8; 2Koe 20,12] - mit den Chaldäern und auch damit wurdest du noch nicht satt. Womit soll ich doch dein Herz reinigen, spricht der Herr, Gott, da du alles das verübtest, was ein unverschämtes Buhlweib zu tun pflegt? Was kann Gott tun, Jerusalem zu reinigen? Vergl. [Jes 5,4]. - Denn du bautest dein Buhlhaus an jede Ecke der Straße und errichtetest deine Anhöhe auf allen Plätzen und doch warst du nicht einer Buhldirne gleich, die, wenn sie gesättigt ist, den Lohn steigert, Jene Buhlerinnen verachten kleinen Gewinn, um größeren zu fordern, du hast deine Schönheit für den geringsten Preis, ja umsonst, angeboten. - sondern einer Ehebrecherin, die neben ihrem Manne Fremde einführt. Jene Buhlerinnen zeigen, indem sie höheren Lohn fordern, wie hoch sie sich selbst schätzen, du aber wirst dich, zur Schande deines Gatten, selbst anderen in die Arme; jene suchen ihren Nutzen, du einzig die Befriedigung deiner bösen Lust; dich treibt nicht Not zur Unzucht, sondern du missbrauchst die Fülle der Güter, die Gott dir gespendet. - Allen Buhldirnen gibt man Lohn, du aber gabst allen deinen Liebhabern Lohn und machtest ihnen Geschenke, dass sie von überall her zu dir kämen, um mit dir Unzucht zu treiben. Vergl. das Beispiel des Achaz [2Chr 28,23]. - So war es bei dir, in deiner Buhlerei, umgekehrt wie sonst bei den Weibern, und eine solche Buhlerei wird nach dir nicht mehr sein; Hebr.: Nach dir war nicht Buhlerei. Während du eifrig suchtest, verschmähten andere deine Gemeinschaft. - denn indem du Lohn gabst und nicht Lohn empfingst, geschah an dir das Widerspiel. Darum, Buhldirne, höre das Wort des Herrn. So spricht der Herr, Gott: Weil dein Geld Besser: Beschämung, Schande. - verschwendet ist und deine Scham bei deiner Hurerei vor deinen Buhlen und vor deinen greuelhaften Götzen entblößt ward und wegen des Blutes deiner Kinder, die du ihnen preisgegeben hast, siehe, will ich alle deine Liebhaber, mit denen du Unzucht getrieben hast, zusammenbringen, alle, die du geliebt, samt allen denen, die du verschmäht hast; Deiner Verbrechen wegen wird Gott gegen dich die Völker versammeln, sowohl die, mit denen du Bündnis und Freundschaft geschlossen, wie jene, welche du hassest; vor allen sollst du mit Schmach überhäuft werden und alle sollen dich verspotten. - ich will sie wider dich sammeln von allen Seiten und will deine Scham vor ihnen aufdecken, damit sie deine ganze Schande sehen. Und ich will dich nach dem Rechte der Ehebrecherinnen und der Mörderinnen richten Die Strafen werden mit solchen Worten ausgedrückt, dass sie den [4Mos 5,21] über Ehebrecherinnen ausgesprochenen Flüchen nahe kommen. Die Ehebrecherinnen wurden gesteinigt, (V. 40 und [5Mos 22,42]) Blut wurde für Mord vergossen. [1Mos 9,6; 2Mos 21,12; 3Mos 24,17] - und will das Blut des Grimmes und der Eifersucht über dich bringen. Hebr.: Und ich will dich zum Blute hingeben, d.i. ganz mit Wunden so überdecken, wie Wut und Eifersucht eines schwer gekränkten Mannes beizubringen pflegt. - Und ich will dich in ihre Hand hingeben und sie sollen dein Buhlhaus niederreißen und deine Unzuchtsstätte zerstören, sie werden dich deiner Kleider berauben und deine Schmucksachen nehmen und dich nackt und voll der Schande lassen. Die Feinde werden das zerstören, was dem Götzendienste geweiht war, Stadt und Land verwüsten und plündern, so dass diese ein Gegenstand des Entsetzens und des Hohnes werden für die benachbarten Völker. - Und sie werden eine Versammlung wider dich herbeirufen, dich mit Steinen niederwerfen und mit ihren Schwertern niedermetzeln. Und sie werden deine Häuser mit Feuer verbrennen und vor den Augen sehr vieler Frauen Gericht an dir vollziehen, dann wirst du aufhören, Unzucht zu treiben Da es sich um Sünden der untreuen Braut handelt, werden ihr vor den Augen zahlreicher Weber, d.i. vieler Völker, Züchtigungen zuteil, weil Jerusalem durch seinen Fall den Hohn der Heiden herausfordern soll. In der Tat war das Heer Nabuchodonosors aus verschiedenen Völkerschaften zusammengesetzt. Vergl. [Jer 25,9]. Doch die Strafe soll bewirken: Ich will dich dazu führen, dass du ablässest von deinen Buhlereien (hebr.). So wird der göttlichen Gerechtigkeit Genüge getan, doch zugleich ist der Herr voller Erbarmen. - und wirst hinfort keinen Buhllohn mehr geben. Ich will meinen Zorn gegen dich aufhören lassen, mein Zorneifer soll von dir weichen, ich will ablassen und nicht mehr zürnen. Weil du der Tage deiner Jugend nicht gedacht und mich durch all dies zum Zorne gereizt hast, darum will auch ich deinen Wandel auf dein Haupt zurückfallen lassen, spricht der Herr, Gott, obwohl ich nicht nach dem Maß deiner Freveltaten bei allen deinen Greueln verfahren werde. Sie hat sich nicht erinnert, aus welchem Elend Gott sie gezogen durch seine Güte und wie hoch er sie erhoben und welchen Gehorsam sie Gott gelobt. [2Mos 19,8] Nach dem Hebr. lauten die letzten Worte: Ich will den Frevel nicht zulassen, dass ich dich ungestraft ließe in allen deinen Greueln. - Siehe, jeder, der ein Sprichwort braucht, wird es auf dich anwenden und sagen: Wie die Mutter, so auch ihre Tochter! Wer in Sprichwörtern zu reden pflegt oder über sie ein Sprichwort bilden will, wird sagen: Wie die Mutter, die Kethiterin (V. 3, 45) so die Tochter, Jerusalem. - Du bist die Tochter deiner Mutter, die ihren Mann Gott, den alle Völker einst gekannt und verehrt. Jeder Götzendienst ist Abfall von Gott und von dem Bündnisse, das Gott im ersten Stammvater mit dem ganzen Menschengeschlechte geschlossen. - und ihre Kinder verstoßen; Diese den Götzen opfernd. - du bist die Schwester deiner Schwestern, welche ihre Männer und ihre Kinder verstoßen; Wie jene Frauen ihren Männern untreu wurden, so hat Jerusalem Gott von sich gewiesen. - eure Mutter ist eine Kethitin und euer Vater ein Amorrhiter. Und deine ältere Schwester Samaria mit seinen Städten gehört zu dem größeren Reiche. - ist Samaria mit ihren Töchtern, die zu deiner Linken Im Norden. - wohnen; deine jüngere Schwester aber, welche dir zur Rechten wohnt, ist Sodoma mit ihren Töchtern. Doch nicht einmal auf ihren Wegen bist du gewandelt und hast Greuel verübt wie sie, ein geringes Weilchen nur, Klarer im Hebräischen: Das wäre wenig gewesen, Schlimmeres hast du vollbracht. - sondern bist lasterhafter gewesen als sie auf allen deinen Wegen. So wahr ich lebe! spricht der Herr, Gott, Sodoma, deine Schwester, und ihre Töchter haben nicht getan, was du samt deinen Töchtern begangen hast. Siehe, dies war die Schuld Sodomas, deiner Schwester: Hoffart, Genüge an Nahrung und Überfluss und Müßiggang war ihr und ihrer Töchter Teil; Und Ursache der Verhärtung ihres Herzens. - aber dem Dürftigen und Armen boten sie ihre Hand nicht. Dies sind jene Herlinge, von denen [Jes 5,7-23] spricht. - Sie wurden hochmütig und verübten Greuel vor mir, da raffte ich sie hinweg, wie du gesehen. Sept. und Hebr.: wie ich gesehen. Ähnlich [1Mos 18,21]. - Auch Samaria hat nicht die Hälfte deiner Sünden begangen, sondern du hast sie übertroffen mit deinen Freveln Vergl. [Jer 3,11]. Juda hatte eine größere Zahl von Propheten, bei ihm war der Tempel Gottes, das rechtmäßige Priestertum, der theokratische König; so waren ihre Verbrechen denn viel größer, wenn sie z.B. im Tempel Götzenbilder aufstellten. [2Koe 21,4] - und hast so deine Schwestern gerechtfertigt durch alle Greuel, die du begangen hast. Sodoma und Samaria sind nicht schlechthin gerechtfertigt, sondern im Vergleich zu dem noch schlimmeren Juda. (Hier.) Wenn also jene das Gericht Gottes sich nahen sehen, was ist geziemender als dass dies auch Jerusalem ereilt? - So trage denn nun auch du deine Schmach, die du deine Schwestern durch deine Sünden übertroffen, Besser zu übersetzen: Die du für seine Schwestern Fürbitte eingelegt hast durch deine Sünden. – Gott muss sich auch jener Städte erbarmen, da er Jerusalem wiederherstellen will, das mehr als jene gesündigt; in diesem Sinne tritt Jerusalem für jene ein. - da du freventlicher handeltest als sie; ja, sie wurden gerechtfertigt vor dir, darum werde auch du schamrot und trage deine Schmach, Trage die Schmach deiner Zerstörung, wie jene Städte, die ihre tragen mussten, und dies umso mehr als du lasterhafter bist denn jene, denn sie sind gerechter denn du. (Hebr.) - da du deine Schwestern gerechtfertigt hast. Ich werde die Gefangenschaft Sodomas und ihrer Töchter wenden Hebr.: Ich werde die Gefangenschaft derselben wenden, die Gefangenschaft Sodomas… und die Gefangenschaft Samarias. Welcher Art die Wiederheimführung sein soll, erhellt aus der Jerusalem versprochenen Wiederherstellung, die [Ez 11,19.20] beschrieben ist. - und sie wieder heimführen und die Gefangenschaft Samarias und ihrer Töchter und ich will auch deine Gefangenen mitten unter ihnen Die Genossen deiner Frevel gewesen, sollen genossen der Wiederherstellung sein. Vergl. [Jer 3,21-25]. Israel, einst Gottes Erstgeborener und das heilige Volk, das er sich vor allen anderen erwählt, erscheint bei der Wiederherstellung inmitten der Völker, wie eines von diesen. Hierin liegt die Beschämung. V. 54 - heimführen, damit du deine Schande tragest und beschämt werdest wegen alles dessen, was du verübtest, indem du sie dadurch tröstetest. Die Wiederherstellung ist ein reines Werk der Erbarmung und Gnade Gottes, weshalb Jerusalem sich bei derselben mit Schmerz und Beschämung seiner Schuld erinnern soll. Indem es die unendliche Güte, die ihm Gott erwiesen, aufzeigt, tröstet es seine Schwestern, die anderen Völker, die nun gleichfalls sein Erbarmen erfahren werden. - Und deine Schwester Sodoma soll mit ihren Töchtern zu ihrem vormaligen Stande zurückkehren und Samaria und ihre Töchter sollen zu ihrem vormaligen Stande zurückkehren und auch du wirst mit deinen Töchtern zu euerem vormaligen Stand Dem Stand der Verehrung Gottes und der Treue. Jerusalem, das andere Völker zu verachten pflegte, wird nach den anderen Völkern genannt, nicht ohne Ursache, wie [Roem 11,25.26] zeigt. - zurückkehren. Aber von Sodoma, deiner Schwester, war aus deinem Munde am Tage deiner Hoffart nichts zu hören, Vor Hochmut wolltest du Sodoma ehemals nicht einmal nennen. - bevor deine Bosheit aufgedeckt wurde, wie du zu dieser Zeit die Schmach der Töchter Syriens bist, und aller Töchter der Philister ringsum, die dich in die Runde umgeben. Hebr.: Wie zur Zeit der Schmach der Töchter Arams… und der Töchter der Philister, welche dich von allen Seiten verachteten. - Die Schmach, ist die von den Königen von Syrien und Philistäa angetane, z.B. unter Achaz [2Koe 15,37; 2Koe 16,6; 2Chr 28,18ff] unter Joakim [2Koe 24,2], wie auch die Chaldäer ihr solche antun sollten. - Deinen Frevel und deine Schande musst du nun tragen, spricht der Herr, Gott. Denn also spricht der Herr, Gott: Ich will dir tun, wie du getan, indem du den Eid hintansetztest, dass du den Bund brachst; Von neuem wird betont, dass Jerusalem durch seinen Bundesbruch sich den anderen Städten gleichgestellt, ja, sie selbst übertroffen hat. So soll es denn mit Ergebung die Strafe über sich ergehen lassen und in Demut Gottes Gnade erwarten und annehmen. Hebr.: Ich will mit dir tun, wie du getan, die du meinen Eidschwur verachtet. Anspielung auf [5Mos 27,6ff]. Da du nicht einmal vor den Flüchen Furcht hattest, sondern ohne Scheu meinen Bund verletztest, so empfange die Früchte deiner Aussaat. - doch will ich meines Bundes mit dir in den Tagen deiner Jugend wieder gedenken und will mit dir einen ewigen Bund schließen. Gottes Gaben reuen ihn nicht (V. 8), deshalb verwirft er das Volk, das er erwählt, nicht, sondern hält, was er [3Mos 26,42.45] verheißen. Um jenes alten Bundes willen will er den neuen schließen, der keinen Bruch kennt. [Ez 11,19.20; Hos 2,19-24; Jer 31,33] - Da wirst du deines Wandels gedenken und beschämt werden, Die Reue über die Sünde und die Beschämung bleiben und sind so ein Beweis, dass Gott ohne Verdienst seine neue Wohltat gespendet hat. - wenn du deine älteren samt den jüngeren Schwestern Die anderen Völker. - zu dir nimmst, und ich werde sie dir zu Töchtern geben, Sion ist ja die Mutter der Völker [Ps 86,4-6], der Mittelpunkt, zu dem sie eilen. [Jes 2,3; Mic 4,2] Vergl. [Jes 51,1ff; Jes 60,3ff] u.a. - ob auch nicht kraft deines Bundes. Nicht um Sions Verdienst, nicht kraft des Bundes, sondern aus Erbarmung Gottes. Vergl. [Roem 1,16] und [Roem 11,17] - Und ich werde meinen Bund mit dir schließen und du sollst erkennen, dass ich der Herr bin, damit du dich erinnerst und schamrot werdest und vor Beschämung hinfort deinen Mund nicht mehr auftun mögest, Nichts bleibt für Jerusalem übrig, als dass es in Demut bekennt, dass jene großen Gunsterweisungen Gottes ihm nur aus freier Gnade Gottes unverdient zukommen. - wenn ich dir alles das verzeihe, was du getan hast, spricht der Herr, Gott. Wie Israel zu dem ersten Bunde nur durch das Erbarmen Gottes auserwählt war, so wird es auch zur zweiten Bundesschließung mir durch Gottes Gnade zugelassen, nachdem es den ersten Bund gebrochen. So verwirft der Prophet schon jene pharisäische Anmaßung [Mt 3,9] u.a.: Wir sind Kinder Abrahams und bereitet die Predigt des hl. Johannes vor: Tuet Buße. [Mt 3,17; Mk 1,15] Welch herrlichen Ausblick aber gewährt zugleich der Schluss dieses Kapitels: die Braut des Herrn als Mutter der Völker, alle Völker in eine Familie Gottes vereint.

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