Ezechiel 19
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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O. Klagelied über den Untergang des jüdischen Reiches. (Kap. 19)
1 Du aber stimme ein Klagelied an über die Fürsten Israels Zuerst beweint er den Schaden, der schon zugefügt ist, und die den davidischen Königen angetane Schmach, um dann zu zeigen, dass dies nicht mehr zu bessern, und zu schließen, dass das ganze Reich dem Untergange geweiht sei. - 2 und sprich: Warum lag deine Mutter, die Löwin, unter den Löwen und zog ihre Jungen auf in der Mitte junger Löwen? Das Hebr. kann auch übersetzt werden: Was war deine Mutter? Sie ruhte eine Löwin unter Löwen. D.i.: das Volk wollte im Pomp seines Reiches und im Kriegsruhm wie die übrigen Nationen sein. [1Sam 8,20] Die Löwen also sind die Völker und Reiche, deren Sitten, Stolz, Habsucht das Volk Gottes nachzuahmen bestrebt war. Mutter ist das jüdische Volk, die Kinder sind die Juden. Vergl. [Hos 2,2; Jes 50,1]. Auch die Hauptstadt und der Mittelpunkt des Reiches, Jerusalem, wird Mutter genannt, insofern die anderen Städte als ihre Töchter gelten. An anderem Orte wird Juda aber allgemein das Volk Israel als Ehrenbezeigung ein Löwe genannt [1Mos 49,9; 4Mos 23,24; 4Mos 24,9], hier aber wird der stolze und wilde Charakter der heidnischen Reiche durch das Bild zum Ausdruck gebracht. Nach Art dieser Reiche hat auch die Mutter Israel ihre königliche Nachkommenschaft erzogen und sie mit Stolz und Herrschbegierde erfüllt. Auf diese Nachkommenschaft blickt die Mutter mit Stolz und treibt sie an, sich zu verhalten wie die Könige der Heiden. - 3 Sie zog einen ihrer jungen Löwen auf und er ward ein Löwe, da lernte er Beute rauben und Menschen fressen. Umschreibung des [2Koe 23,30] Berichteten. Dass Joachaz wirklich wie ein wildes Tier wütete, zeigt V. 32 daselbst. - 4 Als aber die Völker von ihm hörten, fingen sie ihn, doch nicht ohne Wunden für sie, Da der davidische König nicht ein König im Sinne von [1Mos 49,9] und [4Mos 23,24] und [4Mos 24,9] ist, sondern vielmehr ein wildes Tier, so begegnet ihm, was diesem zu widerfahren pflegt: er wird in einer Grube gefangen. (Hebr.) - und führten ihn in Ketten Hebr.: Im Nasenringe. - in das Land Ägypten. Joachaz wurde von Pharao Nechao in Rebla gefangen genommen und nach Ägypten geführt [2Koe 23,33], wo er starb. Vergl. [Jer 22,10.11]. - 5 Als nun die Löwin sah, dass sie machtlos geworden und ihr Hoffen vereitelt sei, nahm sie einen von ihren jungen Löwen und machte ihn zum Löwen. Die Mutter Juda ist durch den ersten Unfall noch nicht belehrt. Sie wollte, dass ihr Reich dem der Heiden glich; um also ihrer Ohnmacht ein Ende zu machen, erzog sie einen anderen Löwen, der wie die übrigen Löwen sich seiner Wildheit überließ, der Weise der Heiden, die so sehr von der Norm des theokratischen Reiches abwich. - 6 Dieser wandelte unter den Löwen und ward ein Löwe und lernte Beute rauben und Menschen verschlingen, 7 er lernte Witwen machen und ihre Städte zu Wüsteneien wandeln, so dass das Land und was es erfüllte verödete vor dem Schalle seines Gebrülles. 8 Da versammelten sich wider ihn die Völker aus den Ländern ringsum und breiteten ihr Netz gegen ihn aus und er ward gefangen, doch nicht ohne Wunden für sie. Hebr.: wie V. 4. Er ward in ihrer Grube gefangen. - 9 Dann sperrten sie ihn in einen Käfig und führten ihn in Ketten Nasenring. - zu dem Könige von Babylon und brachten ihn in das Gefängnis, damit seine Stimme nicht ferner mehr über die Berge Israels hin gehört würde. Weder von Sedekias noch von Joakim kann hier die Rede sein, also ist die Stelle von Joachin zu verstehen. (Hier.) Vergl. [2Koe 25,27; Jer 52,31] Sein Vater Joakim war gottlos gewesen, in dessen Fußstapfen war Joachin getreten. [2Koe 24,9] Diese beiden wählt der Prophet, weil ihr Beispiel am besten die bitteren Demütigungen zeigt, denen das Volk von Ägyptern und Chaldäern unterworfen ward, ihr Schicksal also am besten die Erfüllung der [Ez 16,37] ausgesprochenen Drohung zeigt. Die Braut des Herrn hat mit Ägyptern und Chaldäern gesündigt [Ez 16,26.29], von beiden wird sie mit Schmach überhäuft. - 10 Deine Mutter war einem Weinstocke gleich, an Wasser gepflanzt durch dein Blut; Besser: in deiner Ruhe: als ihm Ruhe gegönnt ward, blühte der Weinstock; er war wohl bewässert, darum sandte er zahlreiche Sprösslinge aus. Ja, der Weinstock trug so starke Rebzweige, dass diese als königliche Zepter dienten. (V. 11) - seine Früchte und seine dichten Zweige wuchsen wegen des vielen Wassers. 11 Und seine Reben wurden stark, zu Herrscherstäben, und sein Stamm wuchs hoch empor zwischen dichten Zweigen und er zeigte seine Höhe bei der Menge seiner Zweige. 12 Da ward er ausgerissen im Zorne, auf die Erde geworfen und der Glutwind dörrte seine Frucht aus, seiner Reben Kraft ward saftlos und dürr, Feuer verzehrte ihn. Vergl. [Ez 15,4]. Doch was das Feuer nicht zerstört, wird fortgeführt. - 13 Und jetzt ist er in eine Wüste Als solche erschien Babylon dem frommen Israeliten, dessen Herz die Sehnsucht nach dem Tempel und dem Vaterlande erfüllte und der die Verbannung als von Gott verhängte Strafe gleichsam als eine Scheidung von ihm und als eine Verstoßung ansah. [Ez 20,35] heißt Babylon eine Wüste mit Anspielung auf das Weilen des Volkes in der Wüste, welches den Einzug in das verheißene Land vorbereitete. - verpflanzt, in ungebahntes und wasserloses Land. 14 Und Feuer brach hervor aus einem Zweige seiner Reben Von dem, der das Zepter hält, wird dies letzte Verderben ausgehen: Von Sedekias, der durch seine Treulosigkeit gegen Nabuchodonosor der Stadt und des Reiches verschuldete. - und verzehrte seine Früchte und es blieb an ihm keine starke Rebe, kein Stab mehr für Herrscher. Kein davidischer König bleibt mehr, der das Zepter führte. Mehr darüber unter [Ez 21,26.27]. Wie trotzdem das Zepter nicht von Juda weicht, hat der Seher bereits [Ez 17,22] berührt und erklärt er [Ez 21,27]. Vergl. [Jer 23,5]. - Ein Klagelied ist dies und wird es sein! Siegel und Bekräftigung des Klageliedes: das ganze Lied ist Klage und Weh und wird in seiner Erfüllung als Jammer allen kund werden.