Ezechiel 22
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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E. Notwendigkeit der Strafe. (V. 16) F. Das Haus Israel ist in Schlacken gewandelt.
1 Und das Wort des Herrn erging an mich also: 2 Du, o Menschensohn! willst du nicht Gericht halten, Schelten, Vorwürfe machen, rechten. - nicht Gericht halten über die Stadt des Blutvergießens? Jerusalem. Der Mord ist ein Beispiel ihrer vielen Frevel. Vergl. [Jes 1,15; Jes 59,3; Jer 2,30; 2Koe 22,16]. - 3 Halte ihr alle ihre Greuel vor und sprich: So spricht der Herr, Gott: O Stadt! welche in ihrer Mitte Blut vergießt, dass ihre Zeit herankomme, und welche Götzenbilder wider sich selbst macht, um sich zu beflecken. Die höchste Ungerechtigkeit gegen Menschen und der höchste Frevel gegen Gott, Verbrechen gegen beide Tafeln des Gesetzes. - 4 Durch dein Blut, das von dir vergossen ward, hast du gesündigt, und durch deine Götzenbilder, welche du gemacht hast, dich befleckt; du hast deine Tage beschleunigt und die Zeit deiner Jahre herbeigeführt; darum will ich dich zum Hohn für die Völker machen und zum Gespött für alle Länder. Die Strafen sollen den Verbrechen entsprechen: durch die Vergießung von Blut hast du dich schuldig, durch Götzendienst unrein gemacht, so hast du die Zeit der Rache und die Jahre der Strafe herbeigeführt, die Zeit, in welcher die Drohungen wahr werden, die längst über dich ergangen, dass Schmach und Untergang dich treffen sollen. [5Mos 29,23ff; Jer 18,16] u.a. Ferne und nahe Stämme werden Jerusalem verspotten, dessen Namen durch seine schmachvollen Taten berüchtigt und befleckt ist. - 5 Die nahe und die fern von dir sind, sollen über dich frohlocken, du Befleckte, Berüchtigte, ungeheuerem Untergange Preisgegebene! Vulg.: Befleckte, die aufgehört hat, rein zu sein; vornehme, die ehemals an Adel alle übertreffend, jetzt im Bösen ausgezeichnet ist; ungeheurem Untergange preisgegeben, je höher du standest, desto schlimmer soll nun dein Fall sein. (Hier.) Im Hebr. lautet das letzte Glied: voll der Verwirrung, der Sittenverderbnis, derart dass Recht und Unrecht verkehrt wird. - 6 Siehe, die Fürsten Israels trotzen, ein jeder in dir auf seinen Arm, um Blut zu vergießen. Die Fürsten Israels nicht nach Gerechtigkeit, sondern wie jedes Macht es gestattete, vergossen richtend in dir unschuldiges Blut. (Hier.) - 7 Vater und Mutter hat man Schmach in dir In dir, der heiligen Stadt, dem Mittelpunkte des Gottesreiches, in der Stadt, die den Tempel des Herrn besaß. - angetan, Fremde liegen in deiner Mitte unterdrückt, Witwen und Waisen hat man bei dir Leid zugefügt. Es werden die Verletzungen jener Vorschriften genannt, welche das Gesetz besonders einschärfte. – Diese Vorwürfe gelten nicht nur den Fürsten. (Hieron.) - 8 Meine Heiligtümer hast du verachtet und meine Sabbate entweiht. Alles, was zu der im Gesetze angeordneten Verehrung Gottes gehört: den Tempel, indem sie dort Götzenbilder aufstellten, die Riten und Zeremonien, indem sie dieselben vernachlässigten. - 9 Verleumder waren in dir, um Blut zu vergießen, Durch falsches Zeugnis vor Gericht. - auf den Bergen hielt man Opfermahlzeiten, Frevel Besonders gegen die Reinheit. - verübte man in deiner Mitte. 10 Die Scham des Vaters entblößte man in dir, Vergl. [3Mos 18,7.8]. Sie nahmen ihre Stiefmütter zu Frauen. - man schwächte in dir die vom Blutgange Unreinen. Gegen [3Mos 18,19]. Im gewählten Verbum liegt wohl, dass sie dies selbst mit Gewalt taten. - 11 Ein jeder Im Hebr. beginnt jedes Glied mit den Worten: der eine (der andere). - beging Greuel mit dem Weibe seines Nächsten; der Schwiegervater Hebr.: der andere. - befleckte schandvoll seine Schwiegertochter, der Bruder schändete seine Schwester, die Tochter seines eigenen Vaters, in dir. 12 Man nahm bei dir Geschenke an, Außer der Unsittlichkeit befleckte sie besonders Habsucht. - um Blut zu vergießen; Die Richter ließen sich durch Geld bestechen, Unschuldige zum Tode zu verdammen. - Wucher und Aufgeld nahmst du, bedrücktest aus Habsucht deine Nächsten hart, mein aber vergaßest du, Die Wurzel aller Übel war, dass sie Gottes vergaßen; nur die Erinnerung an ihn hält vom Bösen zurück. (Hier.) - spricht der Herr, Gott. 13 Siehe, so schlage ich denn meine Hände zusammen Zeichen des Zornes und des Schmerzes. - über deine Habsucht, welche du ausgeübt, und über das Blut, das in deiner Mitte vergossen ward. 14 Wird dein Herz wohl standhalten oder werden deine Hände stark bleiben in den Tagen, die ich über dich bringen werde? In denen ich die Drohungen ausführe, welche ich dir kundgetan. Wie soll der Mensch, elend und gebrechlich an Leib und Seele, Gott den Rächer ertragen? - Ich, der Herr, habe es geredet und ich werde es auch vollbringen. 15 Ich werde dich unter die Völker zerstreuen und dich in die Länder worfeln und deiner Unreinigkeit ein Ende machen. 16 Und ich werde dich in Besitz nehmen angesichts der Völker, damit du erkennest, dass ich der Herr bin. Der seinem Bunde treu bleibt. - 17 Und es erging an mich das Wort des Herrn also: 18 Menschensohn! das Haus Israel ist für mich zu Schlacken gewandelt, sie alle sind Erz und Zinn und Eisen und Blei im Schmelzofen, Silberschlacken sind sie geworden. Dem Silber sind andere minder wertvolle Metalle beigemischt. Die Israeliten haben ihre frühere Frömmigkeit verlassen und sind Lastern anheimgefallen, von denen sie wieder gereinigt werden müssen. Vergl. [Jer 6,28-30]. - 19 Darum spricht der Herr, Gott, also: Weil ihr alle in Schlacken gewandelt seid, darum, sehet, will ich euch inmitten Jerusalems zusammenbringen. 20 Wie man Silber und Erz und Zinn und Eisen und Blei in das Innere des Ofens zusammenwirft und Feuer darunter anfacht, um es zu schmelzen, so werde ich euch in meinem Grimm und meinem Zorn zusammenraffen und euch dort lassen, dass ihr geschmolzen werdet. 21 Ja, ich will euch zusammenraffen und das Feuer meines Grimmes wider euch anfachen, dass ihr darin zerschmolzen werdet. 22 Wie das Silber im Schmelzofen geschmolzen wird, so sollt ihr darin geschmolzen werden; Das Bild drückt die Not der Belagerung aus. Was im Schmelzofen das Feuer vollbringt, wird hier Hungersnot und Seuche tun, derart dass, wenn meine Peinen über euch kommen, ihr erkennt, dass ich der Herr, der Richter und Vergelter aller bin. (Hier.) - damit ihr erkennet, dass ich der Herr bin, wenn ich meinen Zorn über euch ausschütte. 23 Und es erging an mich das Wort des Herrn also: Welches die Schlacken und die wertlosen Metalle sind, sie dem Silber beigemischt sind, wird im Folgenden dargelegt. - 24 Menschensohn! sprich zu demselben: Du bist ein unreines Land, auf das kein Regen fällt am Tage des Grimmes. Die Stadt Jerusalem ist wie ein beflecktes Land, den Gott im gerechten Zorne den Regen versagt und die deshalb trocken und öde allen Schmuckes entbehrt. Dass Gott den Regen je nach dem Verhalten des Menschen sendet oder versagt, wird [5Mos 11,17; Amos 4,7] versichert. Die Stadt hat die Mahnungen der Propheten, die bisweilen mit dem Regen verglichen werden [Amos 7,16; Mic 2,6; Ez 20,46; Ez 21,2], verachtet, dadurch ist sie denn ein Land geworden, dem Gottes Segen entzogen ist. - 25 Die Propheten Mit Veränderung eines Buchstabens ist vielmehr mit der Septuag zu lesen: die Fürsten. Grausame Könige und Fürsten werden ja auch häufig mit Löwen verglichen, vergl. [Ez 19,2ff; Ez 32,2; Ez 38,13; Jer 2,15; Jer 4,7; Jer 49,19; Zeph 3,3], nie aber Propheten. Zudem mehren doch die falschen Propheten nicht die Zahl der Witwen, töten keine Männer, sondern dies tun vielmehr ungerechte Fürsten, Richter, Beamte. - in seiner Mitte haben sich verschworen; einem brüllenden Löwen gleich, der sich Beute raubt, verschlingen sie die Seelen, bringen Geld und Gut an sich und machen die Zahl der Witwen in ihr zahlreich. 26 Seine Priester verachten mein Gesetz Hebr. eigentlich: Sie haben mein Gesetz unterdrückt, wie schon [Zeph 3,4]. Vergl. V. 8. Sie verachten die Zeremonialgesetze, den Unterschied zwischen rein und unrein, also den größten Teil der Vorschriften, welche sich auf die Verehrung Gottes beziehen, betrafen diese doch nicht allein die Opfer und anderen heiligen Handlungen, sondern auch die Auswahl der Speisen und viele andere Umstände des täglichen Lebens, wie die Behandlung des Aussatzes, Berührung von Leichen, usw. - und entweihen meine Heiligtümer, zwischen heilig und gemein machen sie keinen Unterschied und die Unterscheidung von rein und unrein kennen sie nicht, von meinen Sabbaten wenden sie ihre Augen ab, Sie sorgen sich nicht darum, dass der Sabbat gebührend gefeiert, sondern dulden, dass er den gewöhnlichen Wochentagen gleichgestellt werde. (Theod.) So lassen sie die Verehrung, welches das Volk Gott als dem höchsten Herrn und Könige des Landes darbringen soll, in Verfall geraten. Diese Geringschätzung und Verachtung des Herrn im Privat- wie im öffentlichen Leben schändet die Ehre des Höchsten. - so dass ich entheiligt werde in ihrer Mitte. 27 Seine Fürsten Und Richter (die für Lohn Bluturteile fällen). Vergl. [Zeph 3,3]. - in seiner Mitte sind wie Beute raubende Wölfe, nur bedacht, Blut zu vergießen, Seelen zu verderben und gierig, Gewinn zu erjagen. 28 Seine Propheten aber streichen Tünche ohne Beimischung, Schmeicheln den ungerechten Gewalthabern, allem, was jene tun, einen schönen Schein verleihend. (Hebr.) - indem sie ihnen Nichtiges erschauen und Trug wahrsagen und sprechen: So spricht der Herr, Gott, während der Herr doch nicht geredet hat. 29 Das Volk im Lande treibt arge Bedrückung Gegen die Ankömmlinge. - und raubt gewaltsam, dem Geringen und Armen fügen sie Leid zu und den Fremdling vergewaltigen sie durch Gewalttat wider das Recht. 30 Und ich suchte unter ihnen einen Mann, der sich als Mauer dazwischen stellte und mir entgegenträte für das Land, damit ich es nicht zugrunde richtete, Die Gerechten pflegen den andern als Schutz zu dienen. Vergl. [1Mos 18,32; Jer 5,1]. Auch [Jer 38,17] weist darauf hin. - aber ich fand keinen. Gewiss doch aber stellten sich Jeremias, Baruch und andere als Mauer vor die Sünder? Doch sie sind niemand im Vergleich zu der unendlichen Menge der letzteren. [Ps 13,1-3] Wieviel das Gebet der Gerechten vermag, zeigt diese Stelle, ebenso [2Mos 32,10]. Gott will die Stadt verschonen, wenn ein gerechter zwischen ihn und diese tritt, doch da die Bosheit zunimmt, erklärt er bald, dass kein Bitten ihn mehr zu besänftigen vermag. [Jer 7,16; Jer 11,14; Jer 14,11; Jer 15,1; Ez 14,14ff]. 31 Darum werde ich meinen Unwillen über sie ausschütten und sie durch das Feuer meines Zornes verzehren, ich werde ihren Wandel auf ihr Haupt zurückgeben, spricht Gott, der Herr.
Zitiert in 4
- V. 2 Evangelium Vitae(§49)
- V. 21 Summa (EN)(II-II 69.4)
- V. 27 Summa (EN)(II-II 66.8
II-II 118.3)