Ezechiel 38

D. Die letzte Niederlage der Feinde des Gottesreiches. (Kap. 38, Kap. 39) a. Das Heer Gogs. (V. 9) b. Der Angriff und die Niederlage Gogs und seiner Bundesgenossen.

Und es erging an mich das Wort des Herrn, also: Das Reich Gottes scheint den Völkern schwach und ohne Kraft, da es dessen entbehrt, was von den Menschen am höchsten für ein solches geschätzt wird, Waffen und Burgen. Deshalb glauben sie es ungestraft angreifen zu können. Also auch das messianische Gottesreich hat noch Anfeindungen und Kämpfe zu bestehen. Vergl. [Joe 3,9ff]. Doch Gott steht seinem Reiche bei. Wie er den Ansturm der Feinde zulässt, so wird er ihn auch brechen zu seiner Ehre und zum Heile seines Volkes. Ist nicht dies, wie die ganze Kirchengeschichte lehrt, allezeit das Schicksal der Braut Christi gewesen? Und wenn hier die letzten Feinde, vergl. [Ez 38,8; Offenb 20,7], vor Augen gestellt werden, so sind sie nur ein Beispiel für die Absichten und das Anstürmen der Feinde, für deren Niederlage zu Gottes Ehre und zur Förderung seines Reiches. - Menschensohn! richte dein Angesicht wider Gog, das Land Besser nach dem Hebr.: Im Lande von Magog. Magog: [1Mos 10,2], nach der Überlieferung der Juden die Szythen. Nach der Septuag ist Gog der Fürst der drei Völker Rosch, Mosoch und Thubal. Mit der Vulg. fassen Syr., Aquil., Hier., Chald., Rosch appellativ: Oberster Fürst. Dieser hat also als Untergebene die Fürsten (Könige) von Mosoch und Thubal. Über diese siehe [Ez 27,13] und [Ez 32,26]. Diese Völker wohnten nach den Keilinschriften in früherer Zeit mehr im Süden, bis sie gezwungen waren, nach Norden zu wandern. - Magog, den obersten Fürsten von Mosoch und Thubal, und weissage über ihn und sprich zu ihm: So spricht der Herr, Gott: Siehe, ich will an dich, Gog! du oberster Fürst von Mosoch und Thubal. Ich werde dich umhertreiben und dir ein Gebiss in deine Kinnladen legen, ich werde dich und dein ganzes Heer hinwegführen, Hebr.: Weglocken. Dies geschieht, indem Gott ihm gestattet, die Gelegenheit, ein unbewehrtes Volk anzugreifen, zu benützen. Dass aber alles nach Gottes Wink und Willen geht, zeigt der folgende Tod des Verses: Ich will dir wie einem Pferde ein Gebiss anlegen und dich mit unsichtbarem Zwange leiten. Das Bild deutet vorwegnehmend schon den Untergang Gogs an. Die Sept. lässt die erste Vershälfte aus. - Rosse und Reiter, alle gepanzert, eine große Schar, mit Speer, Schild und Schwert bewehrt; Perser, Äthiopier und Lybier mit ihnen, alle mit Schilden und Helmen versehen; Je schrecklicher der Feind erscheint, desto herrlicher zeigt sich Gottes Macht und Vorsehung. - Gomer und alle seine Heerhaufen, das Haus Thogorma, auch das ferne Nordland, alle seine Heeresmacht und zahlreiche Völker sind mit dir. Vom Osten, Süden, Norden, aus den entferntesten Ländern sammeln sich zahlreiche Heerscharen. Ein gewaltiger Angriff gegen das Gottesreich wird vorbereitet. Hebr.: Perser, Kusch und Phuth. Vergl. [Ez 30,5] und [Ez 27,10]. Gomer wird unter den Söhnen Japheths als erster genannt, Thogorma unter den Söhnen Gomers, Kusch und Phuth unter den Söhnen Chams. Das feindliche Heer setzt sich also aus Nachkommen Japheths und Chams zusammen. Gomer sind die Cimmerier im Norden vom Pontus euxinus. Über Thogorma, Westarmenien, siehe [Ez 27,14]. Das Nordland: Das äußerste Nordland, gleichsam das Ende der Erde. - Mache dich bereit, rüste dich und alle deine Heerscharen, die sich um dich versammelt haben, und sei ihr Befehlshaber! Spottende Aufmunterung, da Gog und sein Heer ja unterliegen wird. - Nach vielen Tagen wirst du heimgesucht werden, Vergl. [Jes 24,22]. Wieder wird das Schicksal Gogs angedeutet. - am Ende der Jahre Der Jahre des messianischen Reiches. Vergl. [Offenb 20,7]. - wirst du in ein Land kommen, das vom Schwerte wieder frei, das aus vielen Völkern auf den Bergen Israels gesammelt ward, welche beständig wüste lagen; aus den Völkern ist es herausgeführt worden und daselbst werden sie nun insgesamt in Sicherheit wohnen. Aus der Lage der Trostlosigkeit herausgeführt und aus den Völkern vereinigt, wohnen sie jetzt in Frieden und Sicherheit. Der Zustand des messianischen Reiches wird beschrieben. - Da wirst du heranziehen und daherkommen wie ein Ungewitter, wie eine Wolke, um das Land zu bedecken, du und alle deine Scharen und zahlreiche Völker mit dir. Zwei Heerzüge werden unterschieden. Die Propheten pflegen, wenn sie die Feinde des Gottesreiches bezeichnen, nicht abstrakt und allgemein zu sprechen, sondern aus den Zeitumständen heraus, in denen sie leben, ein konkretes Volk als Bild der Feindschaft, des Hasses und der Verfolgung zu erwählen, aber auch zugleich an demselben die Rache darzustellen, welche Gott an seinen Feinden nehmen wird. So werden bei Isaias als Feinde des Gottesreiches Babel, Moab, Edom gezüchtigt, bei Michäas Assyrien, die Chaldäer, Äthiopier und Madian bei Habakuk. [Ez 1,6; Ez 3,7] Daher ist auch die kriegerische Einkleidung des Anstürmens gegen das Gottesreich eine Hülle und ein Bild: Wilde Feinde, die keine Anstrengung scheuen, die sich durch keine Schwierigkeit abschrecken lassen, die auf der ganzen Erde zerstreut, dennoch im Hasse gegen Gottes Reich eines sind, verbünden sich wider dasselbe. Gog ist das Bild des letzten und schlimmsten Gegners des Reiches Gottes [Offenb 20,7], also des Antichrists und seines Wütens, der seine Vorläufer durch alle Jahrhunderte voraussendet. - So spricht der Herr, Gott: An jenem Tage werden Gedanken Böse, die im Folgenden angegeben werden. - in deinem Herzen aufsteigen und du wirst mit schlimmen Plänen umgehen und sagen: Ich will hinaufziehen gegen das Land, das keine Mauern hat, Hebr.: Das offen da liegt. So kann es sich also nicht leicht verteidigen. - will über die Sorglos- und Sicherwohnenden kommen, wohnen sie doch alle ohne Mauern und haben weder Riegel noch Tore; um Raub zu holen und Beute zu erlangen, Die Sucht, anderen zu schaden und sich an ihrem Unglück zu freuen, vereint sich mit Habsucht und Begierlichkeit. - deine Hand wider das zu wenden, was verwüstet war und darnach wieder aufgebaut ward, Hebr.: Deine Hand zu kehren wider besiedelte Wüsteneien und gegen ein Volk, das sich Hab und Gut erwirbt. - und wider ein Volk, das aus den Völkern gesammelt ward, welches sein Besitztum eingenommen hat Das einer gewissen Fülle von Gütern sich erfreut. - und die Höhe der Erde wieder bewohnt. Inmitten der bewohnten Erde, in dem Sinne, in welchem von Jerusalem [Ez 5,5] gesagt ist, es liege inmitten der Völker. Die Lage deutet die Würde der Theokratie an, insofern von dort nach allen Seiten die wahre Gottesverehrung verbreitet wird und deshalb alle Völker darum gelagert werden. Vergl. [Mic 5,7]. Ist die Kirche inmitten der Völker, so ist sie deren Lehrerin, Führerin und erregt den Hass der Feinde. V. 11, V. 12 spricht der Teufel, der Führer aller Irrlehrer, sagt der heilige Hieronymus. - Saba und Dedan, die Kaufleute von Tharsis und alle ihre Löwen werden zu dir sagen: Kommst du etwa, um Raub zu holen? Siehe, um Beute zu holen, hast du deine Heerhaufen gesammelt, um Silber und Gold wegzunehmen, Hausgerät und Habe wegzutragen, unermessliche Beute zu erhaschen. Nach dem Hebr. ist der ganze Vers fragend. Bist du gekommen, um Beute zu rauben, hast du deine Menge geschart, um wegzutragen Silber und Gold, wegzunehmen Hab und Gut, zu rauben großen Raub? – Löwen heißen sonst die Könige [Ez 19,2; Ez 32,2], doch auch die reichsten Kaufleute heißen bei Isaias Fürsten [Jes 23,8]; deshalb ist es nicht wunderbar, wenn auch die Fürsten der Völker, welche Handel treiben, Löwen heißen. Über Saba siehe [Ez 27,22]; Dedan [Ez 27,15]; Tharsis [Ez 27,12]. Die Frage enthält eine freudige Gutheißung. Wer nur auf zeitliches sinnt und auf Gewinn ausgeht, steht immer auf Seiten der Verfolger des Gottesreiches, auf großen Gewinn hoffend und den Feindseligkeiten gegen die Kirche zustimmend. - Darum weissage, Menschensohn! und sprich zu Gog: So spricht der Herr, Gott: Wirst du es nicht an dem Tage, da mein Volk Israel sicher wohnt, erkennen? Besser nach Septuag.: Wirst du dich erheben, zum Angriff schreiten? - Ja, du wirst von deiner Stätte, von ferner Mitternacht Dort ist das Land Magog zu suchen. - her kommen, du und viele Völker mit dir, insgesamt Reiter auf Rossen sitzend, eine große Schar, ein gar mächtiges Heer. Und du wirst wider mein Volk Israel heranziehen, um wie eine Wolke das Land zu bedecken. In den letzten Tagen wirst du erscheinen Septuag.: Wird es geschehen. - und ich werde dich über mein Land herbeiführen, Dies soll die Frommen trösten, da sie sehen, dass Gott selbst es erlaubt und alles zu höherem Ziele führt, der Offenbarung seiner Herrlichkeit und Heiligkeit, wenn er den mächtigen Feind, der an das heilige Erbe Gottes Hand anlegt, zur Strafe zerschmettert. - damit die Völker mich erkennen, wenn ich vor ihren Augen an dir, o Gog, mich als heilig erweise. So spricht der Herr, Gott: Ja, du bist es, von dem ich in den Tagen der Vorzeit durch meine Diener, die Propheten Israels, gesprochen habe, welche in den Tagen jener Zeit weissagten, dass ich dich über sie herführen werde. Jene Weissagungen sind gemeint, durch welche den Gott feindlichen Völkern Gericht und Untergang vorausgesagt wird, Prophezeiungen, die in der Niederlage des letzten Feindes einst ihre volle Erfüllung finden. Vergl. [Joe 3,11; Jes 24,1ff; Jes 25,10; Jes 26,21; Jes 34,2; Hos 2,18; Hos 12,14; Mic 4,13; Hab 3,9ff; Zeph 1,14] u.a. Diese Worte zeigen von neuem, dass Gog und Magog nicht bestimmte Nationen bezeichnen, denn vor Ezechiel hat kein Prophet über diese eine Weissagung gegeben. Gottes Vorsehung sagt Verfolgungen voraus, auch Christus verkündet solche seinen Jüngern, sie im Glauben und im Vertrauen zu festigen. Hebr.: in jenen Tagen Jahre lang. - Und es wird an jenem Tage, am Tage, wo Gog wider das Land Israel heranzieht, geschehen, spricht der Herr, Gott, dass mein grimmiger Zorn sich erhebt. Und in meinem Eifer, im Feuer meines Zornes, rede ich es: Bestimme ich: Ein großes Erdbeben soll über das Land kommen, in das der Feind einfällt. Ein Erdbeben zeigt die Herabkunft Gottes an. [Rich 5,4; Joe 4,16; Mic 1,3; Nah 1,5]; zum Gericht über die Welt [Jes 24,1ff]. - Fürwahr, an jenem Tage wird ein großes Erdbeben über das Land Israel kommen, dann werden vor meinem Angesichte die Fische des Meeres erbeben und die Vögel unter dem Himmel und die Tiere des Feldes und alles Gewürm, das sich auf Erden regt, und alle Menschen, welche auf dem Erdboden sind, und die Berge werden umgestürzt werden, die Wände einfallen Hebr.: Die Felsenstufen fallen. Die belebte und die unbelebte Welt bebt und zittert und jedes Geschöpf offenbart auf seine Weise seinen Schrecken. Was durch Natur oder Kunst am festesten ist, wird fallen, zum Erweise des Zornes und der Macht Gottes. Vergl. [Weish 5,18]. - und jegliche Mauer zu Boden sinken. Und ich werde auf allen meinen Bergen Die Berge Gottes sind das Land Israel. Vergl. V. 12 und [Jes 14,25]. - wider ihn das Schwert Verschiedene Arten von Strafen. Alle Gerichte, die Gott sonst über einzelne Völker verhängt, kommen über Gog zugleich; da er alle Bosheit in sich vereint hat, sollen auch alle Strafen ihn treffen. - herbeirufen, spricht der Herr, Gott, eines jeden Schwert wird wider seinen Bruder gerichtet sein. Und ich werde an ihm Gericht halten mit Seuche und Blutvergießen, mit heftigem Platzregen und gewaltigen Hagelsteinen, Feuer und Schwefel werde ich auf ihn, auf sein Heer und auf die vielen Völker regnen lassen, welche bei ihm sind. Wie einst die Madianiter, die Philister, Ammoniter, Moabiter und Edomiter [Rich 7,22; 1Sam 14,20; 2Chr 20,23] werden sie sich gegenseitig töten, während andere durch Seuche und Schwert umkommen, siehe [Ez 5,17; Ez 14,19; Ez 28,23] wie einst die Ägypter und Assyrier und wie Gott den Hochmut des König David gestraft, vergl. [2Mos 12,29; 2Koe 19,35; 2Sam 24,15], andere durch heftige Platzregen, wie es in der Sündflut geschehen, andere durch Steine oder Hagel, wie die Feinde zur Zeit Moses und Josues [2Mos 9,24; Jos 10,11] und wie es den falschen Propheten angedroht ist [Ez 13,11.13]. Vergl. [Weish 5,23; JSir 46,6; Offenb 16,21]. Über andere wiederum lässt Gott Feuer und Schwefel herabfallen, wie einst über die Fünfstädte, die Knechte des gottlosen Ochozias und wie es allgemein den Sündern angedroht wird. Vergl. [1Mos 19,24; 2Koe 1,10ff; Ps 10,7; Offenb 20,9]. Das gleiche Ende finden die, welche sich mit Gog verbunden und fröhlich mit ihm gezogen sind. Und ich werde mich groß und heilig erweisen und mich vor den Augen vieler Völker kundmachen, und sie werden erkennen, dass ich der Herr bin.

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