Galaterbrief 1

Eingang des Briefes (Kap. 1, V. 1 – 11): Überschrift. (V. 5) Tadel der Galater. (V. 11) I. Apologetischer Teil. (1,11 – 2,21): Die apostolische Gewalt und Lehre des heil. Paulus. 1. Der göttliche Ursprung der Lehre des heil. Paulus (1,11 – 24): Weder konnte er vor der Bekehrung seine Lehre von Menschen empfangen (V. 14), noch hat er sie nach derselben von den Aposteln erhalten.

Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, Um die Gläubigen gegen die Irrtümer der judaisierenden Christen zu schützen, will der Apostel seine Autorität nachweisen und zeigen, dass das Gesetz zur Erlangung der Rechtfertigung unnütz ist. Die ersten Verse bereits weisen auf dies sein Vorhaben hin: V. 1, 2 seine apostolische Autorität; V. 3 – 5 unsere Erlösung durch Christus. – Ein Apostel den anderen gleichgestellt, nicht von Menschen berufen als der Haupt- und bewirkenden Ursache, noch auch durch ihre Mitwirkung. Das erstere ist zwar allen Arbeitern des Evangeliums gemeinsam, das andere aber den Aposteln eigen, welche Christus selbst berufen (Chrys.). - sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, Der Apostel vereint Vater und Sohn, um den unmittelbaren Urheber seiner Berufung anzugeben, Gott. Indirekt deutet er an, dass der Vater ihn durch den Sohn, den er von den Toten auferweckt, berufen hat. - der ihn von den Toten auferweckt hat, und alle Brüder, die bei mir sind, Die Mitarbeiter des Apostels, welche den Galatern wohl bekannt waren. - an die Gemeinden von Galatien. Allen Gemeinden, die Paulus in den Städten von Südgalatien gegründet hatte. Dass der heil. Paulus dem Worte „Gemeinden“ sein Lob beifügt, ist ein Zeichen seiner Betrübnis. - Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Jesus Christus, Der Apostel wünscht den Galatern alle übernatürlichen Wohltaten, durch welche dieselben fähig gemacht werden, ein wahrhaft christliches Leben zu führen, und deren Frucht jener Friede ist, den die Welt nicht geben kann. - welcher sich selbst dahingegeben hat Nämlich in den Tod. Der Sohn Gottes hat sich dahingegeben, um die Ungerechtigkeit in uns durch die Gerechtigkeit zu vertreiben, die Weisheit hat sich dahingegeben, um unsere Torheit zu besiegen, die Heiligkeit und Stärke hat sich dahingegeben, um unsere Bosheit und Schwäche wegzunehmen. So hat er uns nach der Hoffnung, in der wir glauben, nicht allein im zukünftigen Leben von den Strafen befreit, sondern auch von dieser Welt, indem wir mit Christus gestorben zur Neuheit des Lebens umgewandelt werden (Hier.). - für unsere Sünden, Ist der Tod Christi die genügende Ursache unseres Heiles und wird uns in den Sakramenten des Neuen Testamentes, welche ihre Wirksamkeit aus dem Leiden Christi herleiten, Gnade zu Teil, so ist es überflüssig, mit dem Neuen Testamente die Vorschriften des Alten zu beobachten, durch welche weder die Gnade gewährt, noch das Heil erworben wird (Thom.). - um uns von der gegenwärtigen bösen Welt Die Welt ist böse, weil der Satan, der Fürst dieser Welt, auch nach der Ankunft Christi seine Herrschaft über alle diejenigen behält, welche die Gnade Gottes nicht annehmen, und auch weil er andere sich wieder zu unterwerfen sucht. - zu erretten, nach dem Willen Gottes, unseres Vaters, dem die Ehre ist von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Ich bin erstaunt, dass ihr euch so bald Vor wenigen Wochen erst hat der Apostel die Galater im besten Stande verlassen. Der Ausruf des heil. Paulus zeigt ihnen, wie hoch er sie geschätzt hatte. Ihre Schuld ist groß, denn sie haben sich mit freiem Willen, in großem Unverstande abwenden lassen, dazu von dem, der sie berufen, von Gott, dem Vater, um ihnen alle übernatürlichen Gaben zu verleihen; und zu was sind sie abgefallen? - abwenden lasset von dem, der euch zur Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium, Wenn die Gegner ihre Lehren nicht mit diesem ehrenvollen Namen geschmückt hätten, würden die Christen nicht auf sie gehört haben, und wenn sie nicht behauptet hätten, ein vollkommeneres Evangelium zu verkünden als Paulus, wären die Gläubigen nicht auf ihre Seite getreten. Aber ein anderes Evangelium ist kein Evangelium, sondern nur Bosheit der falschen Apostel. - da es doch kein anderes gibt; nur dass sich etliche finden, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verkehren wollen. Der Versuch dieser Menschen ist freilich ein vergeblicher, denn das Evangelium kann kein anderes als das wahre sein. - Allein wenn auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündete, als wir euch verkündet haben, der sei ausgestoßen! Damit niemand behaupte, dass er seine eigene Meinung preise, will er sich selbst in den Fluch einschließen, ja, da die Gegner zu der Autorität des heil. Jakobus und Johannes fliehen, auch die Engel Gottes. Der Fall freilich, dass Paulus oder ein Engel ein entgegengesetztes Evangelium predigen sollten, ist ein unmöglicher. - Wie wir eben gesagt haben, Bei euch weilend (Aug., Hier.), auf der zweiten Missionsreise. - so sage ich auch jetzt abermals: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkündet als das, welches ihr empfangen habt, der sei ausgestoßen! In den Worten des heil. Paulus liegt die Rechtfertigung der Kirche, wenn dieselbe über die Irrlehre ein ähnliches Verdammungsurteil spricht. Derselbe Geist, der Paulus erfüllte, leitet auch die Kirche. Diese äußerste Strafe der Ausstoßung ist dem Bestande des Leibes Christi so notwendig als die Liebe, mit welcher sie allen Irrenden nachgeht; denn ein Körper, der seine unverbesserlich faulen Glieder nicht abschneidet und ausschneidet, muss endlich selbst faulen. - Suche ich denn Der Apostel begegnet dem stillschweigenden Einwurfe: Warum bist du so hart? - nun Menschengunst zu gewinnen, oder ist es mir um Gottes Beifall zu tun? Oder trachte ich, Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, Wie vor meiner Bekehrung. Der heil. Paulus weist nur jenes Bemühen, den Menschen zu gefallen, von sich, welches das Bemühen, Gott zu gefallen, ausschließt (Thom.). - so wäre ich nicht Christi Diener. Denn ich tue euch kund, Brüder! Der Beisatz Brüder soll die Galater erinnern, dass Paulus nur aus Liebe streng ist. - das Evangelium, welches ich verkündet habe, Das Evangelium, welches die Gegner unvollkommen nennen und der Lehre anderer Apostel nachstellen, als ob es von ihrer Lehre verschieden wäre. - ist nicht Menschenlehre; denn auch ich habe es nicht von einem Menschen empfangen, noch gelernt, Derjenige empfängt das Evangelium, der es von Christus erhält und durch dasselbe zum Glauben kommt. Wer die in demselben dargestellten Wahrheiten klar durch einen anderen erklärt erhält, lernt dasselbe. (Hier.) Der Apostel hat die ganze Wahrheit nicht auf einmal erhalten, wie [Apg 26,15ff] zeigt. - sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. Denn ihr habt ja von meinem ehemaligen Wandel im Judentume gehört, dass ich die Kirche Gottes über die Maßen verfolgte, und sie zu zerstören suchte, und wie ich es im Judentume vielen meiner Altersgenossen in meinem Volke zuvorgetan, da ich heftiger eiferte für die Satzungen meiner Väter. Nur Gottes Eingreifen hat aus dem Eiferer für das Gesetz gleichsam einen Gegner des Gesetzes gemacht, mithin handelt der Apostel nicht aus Hass gegen das Gesetz, wenn er jetzt nicht wünscht, dass es von den Galatern angenommen werde. Der Vergleich seines früheren Lebenslaufes mit dem jetzigen bietet den Galatern einen gewichtigen Grund, das Gesetz nicht auf sich zu nehmen. Der Apostel weist V. 13 auf sein Verhalten zur Kirche, V. 14 auf seine Stellung zum Gesetze hin. Er verfolgte die Kirche Gottes nicht nur wie die anderen Juden, sondern über die Maßen, und nicht zufrieden selbst mit der Beobachtung der in seiner Familie gleichsam erblichen pharisäischen Vorschriften, offenbarte er sich als ein heftiger Eiferer um dieselben. Nun blieben die Pharisäer auch jetzt noch Feinde des Evangeliums, und jene von ihnen, welche Christen geworden waren, blieben dem mosaischen Gesetze zugetan [Apg 15,15]; also war es undenkbar, dass Paulus vor seiner Bekehrung etwas von den Christen gelernt hatte oder sich von Hass gegen das Gesetz leiten ließ, wen er jetzt lehrte, dass alle vom Gesetze frei sind. - Als es aber dem, der mich von meiner Mutter Schoße an ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Heiden verkündete, Gott hat das ganze Leben, Gaben und Erziehung des heiligen Paulus so geordnet oder zugelassen, dass er zu der Zeit, welche Gott auserwählt hatte, ein geeignetes Werkzeug war, den Heiden das Evangelium zu verkünden (Chrys., Ök.). Die Berufung zum Glauben fiel bei Paulus mit der Berufung zum Apostelamt zusammen. Gott offenbarte seinen Sohn in dem Apostel, so dass dieser den Herrn ganz in sich aufnahm. - habe ich mich keinen Augenblick an Fleisch und Blut gewandt, noch bin ich nach Jerusalem zu denen gegangen, die vor mir Apostel waren, In der früheren Berufung erkennt Paulus also keine höhere Autorität den übrigen Aposteln zu, weshalb er, ebenso wie sie durch den Herrn berufen, auch nicht für nötig hielt, sie zu befragen. - sondern ich zog nach Arabien, und kehrte dann wieder zurück nach Damaskus. Um zu zeigen, dass er bis zu der Zeit, wo er sein Amt auszuüben begann, nichts von einem Apostel gelernt hat, noch hat lernen können, zählt Paulus die verschiedenen Länder, in welchen er sich seit einer Bekehrung aufgehalten hat, genau auf. Der heil. Lukas berichtet zwar auch [Apg 9,19-28] von den Anfängen der Kirche bei Juden und Heiden, aber berührt die besondere Geschichte der Apostel nur, soweit sie dazu dient, die Geschichte der Kirche zu beleuchten; deshalb übergeht er die Reise des heil. Paulus nach Arabien mit Stillschweigen, während er seine Bekehrung und seine Reise nach Jerusalem erzählt. In Jerusalem sah Paulus mehrere zur Zeit seiner Anwesenheit dort weilende Apostel [Apg 9,27], Petrus und Jakobus. Die Flucht aus Damaskus erzählt der Apostel selbst [2Kor 11,32ff]. Hier übergeht er dieselbe, weil ihre Erwähnung nichts zur Sache tut. Bei dem heil. Lukas ist ein doppelter Aufenthalt in Damaskus erwähnt: [Apg 9], V. 19 und V. 22. Die Rückkehr nach Damaskus fällt vor das V. 22 erzählte Ereignis. - Hierauf, drei Jahre später, kam ich nach Jerusalem, Bei seiner Flucht aus Damaskus, wo er zum zweiten Male weilend wohl mehrere Monate zugebracht hatte. - um Petrus zu sehen, Der griech. Ausdruck ist ein für den heil. Petrus überaus ehrenvoller. Übrigens wollte Paulus, vom Heilande selbst belehrt, nichts von ihm lernen, zumal er nur fünfzehn Tage blieb, sondern nur dem Apostelfürsten die gebührende Ehre erweisen (Chrys.). - und blieb bei ihm fünfzehn Tage; einen andern aber von den Aposteln habe ich nicht gesehen, als Jakobus, den Bruder des Herrn. Jakobus, den Sohn des Alphäus, den Bischof von Jerusalem, der ein großes Ansehen genoss. Warum der Apostel so schnell Jerusalem verlassen musste, erzählt der heil. Lukas [Apg 9,29]. - Was ich euch aber schreibe, sehet, bei Gott, ich lüge nicht! So wichtig erscheint ihm seine Behauptung, dass er erst drei Jahre nach seiner Bekehrung Petrus und Jakobus gesehen, und dies durch wenige Tage. - Dann kam ich in die Gegenden von Syrien und Cilicien. In die Gegenden, in welchen Paulus das Evangelium verkündete. [Apg 11,25] - Ich war aber den Gemeinden von Judäa, Wenngleich Judäa ein Teil der römischen Provinz Syrien war, betrachtet Paulus sie hier im Gegensatze zu Syrien als eine besondere Provinz im Gegensatze zu den Gegenden von Syrien. - die in Christus sind, D. i. mit Christus, ihrem Haupte, innigst vereint. - von Angesicht unbekannt. Nur durch Hörensagen erfuhren sie: Der uns ehedem verfolgte, verkündet nun den Glauben, welchen er ehemals anfocht; und sie priesen Gott meinetwegen. Mithin billigten sie seine Verkündigung des Evangeliums und ihren Inhalt. (Hier., Tert.)

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