Genesis 2

Die Pflicht des Gehorsams, welchen der Mensch seinem Herrn und Schöpfer schuldet, wird durch das Sabbatgesetz, welches die Tage der Schöpfung vorbilden, bedeutet. (V. 3) I. Geschichte des Menschengeschlechtes bis auf Abraham. (2,4 – 11,26) Da Gott unter den Menschen nicht den gebührenden Gehorsam findet, wählt er einen Menschen, um durch dessen Nachkommen alle Völker zu segnen. 1. Geschichte des Himmels und der Erde (2,4 – 4,26) A. Geschichte der Stammeltern (2,5 – 3,24): 1) Die den Stammeltern erwiesenen Wohltaten (2,5 – 25): Schöpfung Adams (V. 7), Zuweisung des Paradieses unter leichter Verpflichtung (V. 17), Übertragung der Herrschaft über alle lebenden Wesen (V. 20), Erschaffung einer ihm ähnlichen Hilfe, der mit der gleichen Gabe der Unschuld ausgestatteten Eva.

So ward Himmel und Erde Die Gesamtheit der Himmel und Erde füllenden Wesen. Gott schafft keine neue Gattung mehr. - vollendet, und all ihre Zier. Und Gott vollendete am siebenten Tage sein Werk, das er gemacht hatte; und ruhte am siebenten Tage von seinem ganzen Werke, das er vollbracht hatte. Die Vollendung bestand negativ in dem Aufhören des Schaffens (V. 2), positiv in der Segnung und Heiligung des siebenten Tages. (V. 3) Der Schöpfung der Dinge gegenüber erscheint die Erhaltung, wenngleich auch sie eigentlich eine fortgesetzte Schöpfung ist, als Ruhe. - Und er segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an demselben geruht von all seinem Werke, In dem Tage wird das an ihm vollbrachte Werk, die geschaffene Welt, gesegnet und geheiligt. Indem Gott den siebenten Tag segnet, weiht er ihn sich. Das Segnen und Heiligen des siebenten Tages hat zwar ein besonderes Absehen auf den Sabbat, welchen Israel als Volk Gottes einst feiern soll, aber der Sabbat als Ruhetag hat eine vorbildliche Bedeutung für die ganze Menschheit: sie strebt einem Ziele zu, wo alle Unruhe der Bewegung sich in die selige Ruhe der Vollendung ihres Daseins auflöst. Darum wird bei dem siebenten Tage kein Abend beigefügt. (Aug.) Die Menschen beobachteten ohne ein besonderes Gesetz diesen Tag bereits vor Moses als heilig. - das Gott geschaffen und gemacht hatte. Folgendes ist die Geschichte des Himmels und der Erde, nachdem sie erschaffen waren. Überschrift. Das folgende ist zu V. 5 zu ziehen, wie [1Mos 5,1]. - Zur Zeit, als Gott, der Herr, Himmel und Erde machte: Noch war kein Gesträuch des Feldes auf Erden aufgegangen, noch keine Pflanzen auf den Fluren aufgesprosst; denn Gott, der Herr, hatte noch nicht auf die Erde Regen fallen lassen, und der Mensch war nicht da, um das Land zu bebauen; Das Wachsen der Pflanzen wird als einzelner Punkt herausgehoben im Hinblick auf den V. 8 zu erwähnenden Garten Eden. - sondern ein Quell Richtiger: Nebel. Der Verfasser sagt nicht ausdrücklich, dass nun die Pflanzen emporwuchsen, da sein Ziel die Erzählung der Erschaffung des Menschen ist und er dieser nur einiges, was er in Kap. 1 nicht einfügen wollte, beigibt; so z. B. dass die Vögel [1Mos 2,19], die auf der Erde lebenden Tiere (ebenda) und der Leib des Menschen [1Mos 2,7] aus feuchter Erde gebildet ward. - stieg aus der Erde auf und befeuchtete die ganze Oberfläche der Erde. Da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus Lehm der Erde Also aus anorganischem Stoffe. So ist der Leib von Natur sterblich. Vielleicht deutet das Wort Staub (so im Hebr.) auch die zukünftige Strafe [1Mos 3,19] und die Möglichkeit der Auferstehung an. Nicht die Erde bringt ihn hervor, sondern Gott selbst legt Hand an's Werk. - und hauchte in sein Angesicht den Odem des Lebens, Leib und Seele sind mithin ihrer ganzen Wesenheit nach verschieden; indes ist der Leib ein wesentlicher Bestandteil der Menschennatur, weshalb Leib und Seele zugleich erschaffen und vereint wurden. (Thom.) Odem des Lebens: Die Beschreibung hebt nur das Phänomen des Lebens, das, woran das Leben äußerlich zur Erscheinung kommt, hervor: das Atmen. - und der Mensch ward ein lebendes Wesen. Gott, der Herr aber hatte von Anbeginn ein Paradies der Wonne Hebr.: Einen Garten gegen Osten in der Landschaft Eden. Der diesen Vers schrieb, befand sich im Westen des Paradieses. Eden (Wonne, Wonneland) ist der Name des Paradieses. - gepflanzt; in dieses setzte er den Menschen, welchen er gebildet hatte. Und Gott, der Herr, ließ aus dem Boden allerlei Bäume emporwachsen, die lieblich anzuschauen und wohlschmeckend waren; auch den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Welcher Art diese Bäume waren, ist nicht bekannt. Es waren Bäume wie die übrigen des Paradieses, aber von Gott zu übernatürlichen Wirkungen ausersehen. Der Baum des Lebens sollte durch seine Frucht die Hinfälligkeit und Sterblichkeit des Körpers überwinden. Deshalb ist er auch der Typus zukünftiger Güter: Christi, des wahren Weinstockes, des Kreuzes Christi, des Lebensbaumes in der Kirche, insbesondere der Eucharistie; auch der seligsten Jungfrau, sowie der ewigen Glorie. Der Baum der Erkenntnis hieß so in Rücksicht auf den erwarteten Erfolg (Thom.), insofern an ihm sich zeigen sollte, ob Adam sich für das Gute oder für das Böse entschiede, und dieser erfahren sollte, wie gut es sei, Gott zu gehorchen, wie schlimm, ihm ungehorsam zu sein. - Und ein Strom ging von dem Orte der Wonne aus, den Garten zu bewässern, Von Eden entspringend bewässerte er das Paradies. Der Paradiesstrom war der Ursprung von vier anderen Flüssen geworden, welche noch zur Zeit des Verfassers existieren und ihm mehr oder minder bekannt sind. Alsdann zu bewässern. Wie es geschehen ist, dass da, wo früher ein einziger Strom war, jetzt deren vier sind, wird nicht gesagt. - der sich alsdann teilt und zu vier Flüssen wird. Der Name des einen ist Phison; Der im Kaukasus entspringende Kur, der Cyrus der Alten? - dies ist der, welcher das ganze Land Hevilath umfließt, [1Mos 10,7] und [1Mos 10,29]. - woselbst sich das Gold findet. Und das Gold jenes Landes ist vortrefflich, dort findet man Bdellium Das wohlriechende Harz mehrerer Baumarten. - und den Onyxstein. Die Alten schwankten zwischen Beryll, Onyx., Sardonyr., Sardius. - Und der Name des zweiten Stromes ist Gehon; dies ist der, welcher das ganze Land Äthiopien Hebr.: Kusch, nicht das spätere Kusch, denn dies ist zu weit entfernt. Es lag vielmehr an den Euphratquellen, worauf auch der von der Vulgata eingesetzte Name hinweist, der einen Teil Armeniens bezeichnet. Der Fluss dieses Gebietes ist der Arar. (Araxes) - umfließt. Aber der Name des dritten Flusses ist Tigris; dieser wendet sich gegen Assyrien. Das Gebiet, welches südlich vom untern Zab, westlich vom Tigris, nördlich vom Gebirge begrenzt wurde und dessen Hauptstadt Ninive war; ungefähr das heutige Kurdistan. Gegen: Bildet die Westgrenze. - Der vierte Fluss aber ist der Euphrat. Der untere Euphrat. Die Lage des Paradieses ist also in Armenien zu suchen. - Da nahm Gott, der Herr, den Menschen Adam war außerhalb des Paradieses geschaffen, Eva im Paradiese. - und setzte ihn in das Paradies der Wonne, auf dass er es bebauete Zur Übung seiner Herrschaft über die Natur. - und bewahrte. Für sich, damit er ihn nicht samt den übernatürlichen Gnaden durch die Sünde verlor. (Aug., Thom.) - Und er gebot ihm und sprach: Von allen Bäumen des Gartens magst du essen; aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. Besser: Wirst du sterblich sein. (Hier.) Wann der Tod eintreten soll, ist im Texte nicht ausgedrückt. Dem leiblichen Tode schließt sich der geistige durch Trennung der Seele von Gott und infolgedessen der ewige Tod durch die Verdammnis an. Das Gebot wurde zunächst Adam gegeben als dem Haupte des Menschengeschlechtes, Eva ward es durch den Mann mitgeteilt. Die Ausführung des Richterspruches (Tod) ist verschoben. - Und Gott, der Herr, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Lasset uns ihm eine Gehilfin machen, In der Gemeinschaft des Lebens und der Familie, sowie des Zieles. - die ihm gleiche. Nachdem also Der Verfasser kehrt zu dem Zeitpunkte der Erschaffung des Menschen zurück, seine Stellung zu Gott und zu anderen Menschen darzustellen. - Gott, der Herr, aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet hatte, führte er sie zu Adam, dass er sähe, wie er sie benenne; denn wie Besser wohl: Und damit. - Adam jedes von den lebenden Wesen benannte, so ist sein Name. Eine sinnliche Vorstellung des Vorführens ist auszuschließen. Gott befähigt Adam, das Wesen der Tiere nach ihren sichtbaren Eigenschaften zu erkennen, zunächst wohl derjenigen, die zu ihm in Beziehung traten, und ihnen einen Namen zu geben, so gleichsam die Herrschaft über sie antretend. - Und Adam gab allem Vieh, und allen Vögeln des Himmels, und allen Tieren des Feldes ihre Namen; aber für Adam fand sich keine Gehilfin, Im Stande, ihn zu unterstützen zu seinem natürlichen und übernatürlichen Ziele. Diese der Vernunft vermittelte Erkenntnis bereitet Adam, wie die Ekstase (Aug.) auf übernatürliche Weise tut, auf die Erscheinung des Weibes vor. Der Name Adam (von roter Erde) soll den Menschen vor Hochmut bewahren. - die ihm ähnlich war. Da sandte Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf Adam, und als er entschlafen war, nahm Gott eine von seinen Rippen und füllte deren Stelle mit Fleisch. Adam schaut in seiner Ekstase nicht das Sinnbild einer bloßen Idee, sondern das Bild einer wirklichen Tatsache. - Und Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er von Adam genommen, ein Weib und führte es zu Adam.
Die Erschaffung Hevas
Da sprach Adam: Das ist nun Im Gegensatze zur Vorführung der Tiere: endlich. Zugleich wird der Ursprung Evas angegeben. - Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleische! Sie soll Männin heißen, denn sie ist vom Manne genommen. Die Schöpfungsgeschichte des Weibes ist die reale Voraussetzung und Grundlage des Verhältnisses des Weibes zum Manne. Die Erzählung ist in anthropomorpher Gestalt gegeben. Dass auch Eva von Gott die Seele erhielt und so ein Ebenbild Gottes ward, mithin die Hoheit und Würde der menschlichen Natur beiden Geschlechtern eigen ist, wird hier als selbstverständlich nicht besonders erwähnt. - Darum Weil Mann und Weib eine Natur haben und das Weib zur Stütze des Mannes geschaffen ist. - wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen; und beide werden ein Fleisch sein. Das gegenseitige Recht über den Leib wird bezeichnet. [1Kor 6,16] – Wer spricht die Worte V. 24? Adam, von Gott erleuchtet, erkennt das Wesen der Ehe. - Sie waren aber beide nackt, Adam und sein Weib; und sie schämten sich nicht. Vergl. [1Mos 3,7]. – In Kap. 1 wird der Mensch mehr als Ziel der Entwicklung des Naturlebens, in Kap. 2 als Prinzip der Entwicklung der Geschichte geschildert.

Zitiert in 351