Genesis 27

Als Isaak alt geworden, entreißt Jakob auf den Rat seiner Mutter seinem Bruder den Segen des Vaters. (V. 40) d. Esau bedroht seinen Bruder mit dem Tode, doch seine Mutter heißt diesen nach Haran fliehen zu ihrem Bruder Laban. (V. 45) Sie gibt vor, sie fürchte, Jakob möchte gleichfalls eine Hethäerin heimführen.

Isaak aber ward alt, seine Augen wurden dunkel, und er vermochte nicht mehr zu sehen. Da rief er Als Isaak 100 Jahre alt war, hielt Esau im 40. Jahre seines Lebens Hochzeit. Die Streitigkeiten [1Mos 26,35] und [1Mos 27,46] dauerten wohl längere Zeit an. Isaak lebt 180 Jahre, Jakob trifft ihn aus Mesopotamien zurückkehrend noch am Leben [1Mos 35,27], bald nach der Geburt Josephs. Da dieser etwa 40 Jahre alt war, als Jakob im 130. Lebensjahre nach Ägypten kam, wurde Joseph etwa im 90. Lebensjahre Jakobs, dem 150. Isaaks geboren. Jakob blieb in Mesopotamien 20 Jahre [1Mos 31,38.41], also fällt dies Ereignis etwa in das 130. Lebensjahr seines Vaters. - Esau, seinen ältern Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Er antwortete: Hier bin ich! Und der Vater sprach: Du siehst, ich bin alt geworden Gesund, aber blind. Blinde geben sich leichter ernsten Gedanken hin. - und weiß nicht, wann ich sterben werde. So nimm dein Jagdgerät, Köcher und Bogen, und gehe hinaus; und wenn du etwas erjagt hast, so bereite mir davon ein Gericht, Eine besondere Speise. - wie du weißt, dass ich es gern habe, und bringe es, dass ich es esse; so soll meine Seele dich segnen, Die göttliche Verheißung [1Mos 25,33] hatte Esau nicht durch sich das Erstgeburtsrecht benommen, noch der Vater den Verkauf desselben [1Mos 25,33] gebilligt. - bevor ich sterbe. Als Rebekka dies gehört hatte und Esau auf das Feld gegangen war, den Befehl des Vaters zu erfüllen, sprach sie zu Jakob, ihrem Sohne: Ich habe gehört, wie dein Vater mit Esau, deinem Bruder, redete und ihm sagte: Bringe mir von deiner Jagdbeute und bereite mir Speisen, dass ich esse, so will ich dir meinen Segen geben vor dem Herrn, Vor dem Allgegenwärtigen. - bevor ich sterbe. Nun also, mein Sohn, folge meinem Rate. Gehe zur Herde und hole mir zwei von den besten Ziegenböcken, dass ich deinem Vater davon ein Essen mache, wie er es gerne isst. Wenn du ihm dies hineinträgst und er isst, soll er dir seinen Segen geben, bevor er stirbt. Er aber antwortete ihr: Du weißt, Esau, mein Bruder, ist stark behaart, und ich bin glatt. Wenn mich nun mein Vater betastete und es merkte, so fürchte ich, wird er meinen, ich habe mit ihm Spott treiben wollen, und ich werde über mich Fluch bringen statt des Segens. Da sprach seine Mutter zu ihm: Auf mich komme dieser Fluch, mein Sohn! Höre nur auf meine Stimme; gehe und hole, was ich gesagt habe. Dein Vater wird dir nicht fluchen, Gott wird es verhüten, wie ich sicher weiß [1Mos 25,23], zweifelst du aber, so will ich seinen Zorn über mich kommen lassen. - Und er ging und holte, und gab es seiner Mutter; sie aber bereitete ein Essen, wie sie wusste, dass sein Vater es gern hatte. Hierauf zog sie ihm Esaus beste Kleider an, die sie im Hause bei sich hatte, und legte die Felle der Ziegenböcke um seine Hände, und bedeckte die Blöße des Halses. Alsdann übergab sie ihm das Gericht und die Brote, die sie gebacken hatte. Weder Rebekka, noch Jakob können in ihrer Handlungsweise ganz entschuldigt werden. Wenn jene auch aus göttlicher Offenbarung wusste, dass der Segen der Patriarchen auf Jakob übergehen sollte, und wenn auch Jakob durch einen Vertrag [1Mos 25,23] auf das Recht der Erstgeburt Anspruch hatte, so suchen sie doch ihr Ziel durch unerlaubte Mittel, durch Verstellung und Lüge zu erreichen. - Da trug er dies alles hinein und sprach: Mein Vater! Dieser aber antwortete: Ich höre. Wer bist du, mein Sohn? Jakob sprach: Ich bin Esau, Hatte auch Jakob das Erstgeburtsrecht gekauft, so doch nicht den Namen seines Bruders. Dass Jakob den Segen des Erstgeborenen empfing, war dem Willen Gottes gemäß; dass er ihn durch List und Betrug erlangte, war gegen den Willen Gottes. - dein Erstgeborener; ich habe getan, wie du mir befohlen hast. So setze dich nun auf und iss von meinem Wildbret, damit mich deine Seele segne. Da sprach Isaak wiederum zu seinem Sohne: Wie hast du sobald etwas finden können, mein Sohn? Er antwortete: Es war Gottes Wille, dass mir bald begegnete, was ich wollte. Und Isaak sprach: Tritt näher zu mir her, mein Sohn, dass ich dich betasten kann, und mich überzeuge, ob du wirklich mein Sohn Esau bist, oder nicht.
Isaak segnet Jakob
Da trat er zu seinem Vater hinzu, und Isaak betastete ihn und sprach: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und er erkannte ihn nicht, denn die haarigen Hände machten ihn dem ältern ähnlich. So segnete er ihn denn und sprach: Du bist mein Sohn Esau? Er antwortete: Ich bin es. Da sprach Isaak: So bringe mir das Essen von deiner Jagd her, mein Sohn! dass meine Seele dich segne. Da brachte er es ihm, und er aß; dann brachte er ihm auch Wein, und er trank. Hierauf sprach er zu ihm: Tritt her zu mir und küsse mich, mein Sohn! Da trat er hinzu und küsste ihn. Als nun Isaak den Wohlgeruch seiner Kleider roch, segnete er ihn alsbald und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines vollen Feldes, das der Herr gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von dem Fette der Erde, Getreide und Wein im Überfluss. Und es sollen dir Völker dienstbar sein und Stämme sich vor dir niederwerfen; du sollst Herr sein über deine Brüder, und die Söhne deiner Mutter sollen sich vor dir beugen. Wer dir flucht, sei verflucht, und wer dich segnet, erhalte die Fülle des Segens! Isaak will dem älteren Sohne den Segen zuwenden, den Gott dem jüngeren [1Mos 25,22] vorausgesagt hat. - Kaum hatte Isaak den Segen vollendet und Jakob war hinausgegangen, da kam Esau. und brachte seinem Vater die Speise, welche er von seinem Wildbret bereitet hatte, und sprach: Stehe auf, mein Vater! und iss von dem Wildbret deines Sohnes, auf dass deine Seele mich segne. Isaak sprach zu ihm: Wer bist du denn? Er antwortete: Ich bin dein erstgeborner Sohn Esau. Da erschrak Isaak über die Maßen, und unbeschreiblich verwundert sprach er: Wer ist denn also der, der vordem ein Wild erjagt und mir gebracht hat, und ich aß von allem, ehe du kamst? Ich habe ihm meinen Segen gegeben, und er wird gesegnet bleiben! Als gotterleuchteter Mann erkennt er, dass Gott alles so hat geschehen lassen und erinnert sich an die Vorhersagung Gottes. - Als Esau diese Worte seines Vaters hörte, schrie er überlaut auf und rief tiefbetrübt: Segne auch mich, mein Vater! Er verlangt wohl noch den gleichen Segen, den er doch nicht erhalten kann. [Hebr 12,17] Erst V. 36 will er sich mit irgend welchem Segen begnügen. - Er aber sprach: Dein Bruder ist listigerweise gekommen und hat deinen Segen hinweggenommen. Da antwortete jener: Mit Recht ist sein Name Jakob Überlister. Vergl. [1Mos 25,25]. - genannt worden, denn nun hat er mich zum zweiten Male überlistet; meine Erstgeburt hat er vorher genommen, und nun hat er auch meinen Segen erschlichen. Und wiederum sprach er zu seinem Vater: Hast du denn nicht auch einen Segen für mich behalten? Isaak antwortete: Ich habe ihn zum Herrn über dich gesetzt, und alle seine Brüder habe ich seiner Dienstbarkeit unterworfen; mit Korn und Wein habe ich ihn reich ausgestattet, was also könnte ich nun noch für dich tun, mein Sohn? Da sprach Esau zu ihm: Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? ich bitte dich, segne auch mich! Und da er seine Stimme erhob und weinte, ward Isaak bewegt und sprach zu ihm: Im Fette der Erde und im Taue vom Himmel von oben her wird dein Segen sein. So Vulg. über das Hebräische siehe Anm. 14. Damit war die Bedingung zum Reichtum [1Mos 33,9] gegeben. Esau zog zu dem Gebirge Seir, das sich vom toten Meere bis Älath erstreckt und viele fruchtbare Täler hat. [1Mos 36,6-8] - Vom Schwerte wirst du leben, aber deinem Bruder sollst du dienstbar sein. Jedoch wird die Zeit kommen, da du sein Joch abschütteln und lösen wirst von deinem Halse. Der Segen über Esau ist im ersteren Teil der Vulgata dem Inhalte nach parallel mit dem Segen über Jakob. Dem Hebräischen entsprechend ist zu übersetzen: Fern vom Fette der Erde wird deine Wohnung sein, und fern vom Taue des Himmels von oben. Aus diesem Grunde wird Esau nicht vom Ackerbau leben, sondern vom Schwerte. Die letzten Worte besser: Und wenn du dich erhebst, wirst du etwa das Joch abschütteln? Zur Zeit Salomons versuchte der Edomiter Adad dies [1Koe 11], besseren Erfolg hatten die Edomiter gegen Joram [2Koe 8,20-22]; in der Zeit des Achaz hörte die Herrschaft Judas über sie auf. Doch dem Thiglath-Philesar (745 – 27) bringen sie bereits wieder Tribut. - Darum hasste Esau immerdar den Jakob um des Segens willen, den ihm sein Vater gegeben hat, und sprach in seinem Herzen: Es werden Tage der Trauer über meinen Vater kommen; denn ich werde meinen Bruder Jakob töten. Als dies Rebekka berichtet ward, ließ sie Jakob, ihren Sohn, rufen und sprach zu ihm: Siehe, Esau, dein Bruder, droht, dich zu töten. Darum höre nun auf meine Stimme, mein Sohn, mache dich auf, und fliehe zu meinem Bruder Laban in Haran. Bleibe bei ihm einige wenige Tage, Diese Hoffnung soll Jakob den Entschluss fortzugehen erleichtern. - bis sich der Grimm deines Bruders legt, und sein Zorn nachlässt, und er vergisst, was du ihm angetan hast; alsdann will ich hinsenden, und dich von dort wieder hierher holen lassen. Warum sollte ich beider Söhne an einem Tage beraubt werden? Wenn Esau den Jakob erschlug, musste der Bluträcher ihn töten. Vergl. [4Mos 35ff]. - Da sprach Rebekka zu Isaak: Ich bin des Lebens überdrüssig wegen der Töchter Heths. Wenn Jakob ein Weib nähme aus dem Volke dieses Landes, möchte ich nimmer leben. Rebekka will nicht, dass Jakob fortgehe ohne Einwilligung Isaaks, und sie benutzt klug den Kummer, den Esaus Weiber Isaak und ihr selbst bereiten, um Isaak zu veranlassen, Jakob nach Haran zu senden, damit dieser sich dort eine der Verwandten seiner Mutter zur Frau wähle. Isaak geht in Erinnerung an das [1Mos 24] gern darauf ein.

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