Genesis 3

2) Fall und Strafe der Stammeltern (3,1-24). Durch die Schlange verführt übertritt zuerst Eva, dann Adam das Gebot Gottes (V. 6), weshalb sie der Gabe der Unschuld beraubt (V. 8), durch Gottes gerechten Richterspruch verurteilt, doch durch die Hoffnung auf eine zukünftige Erlösung getröstet werden. (V. 20) Ihre Vertreibung aus dem Paradiese.

Die Schlange aber war listiger Die natürliche Klugheit der Schlange [Mt 10,16] lenkte die Aufmerksamkeit des bösen Feindes auf sie. Gott gestattete ihm kein anderes Werkzeug der Versuchung (Aug., Thom.), da er diese nicht über Vermögen an den Menschen herantreten lässt. - als alle Tiere der Erde, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Diese Der Verfasser berichtet den Hergang, wie er sich Eva darstellt. Dass die Schlange nicht reden konnte, wusste Eva vermöge der Gabe der Erkenntnis. Sie musste daher annehmen, dass ein unsichtbares Wesen durch jene rede. Einer Täuschung war sie unzugänglich und keiner Regung der Begierde unterworfen, bis sie mit freiem Willen begann, auf die Versuchung einzugehen und ihr Herz dem Verlangen des Hochmutes öffnete, zu sein wie Gott. Daraus erst entsprang die Ungläubigkeit gegen Gottes Drohung, die sinnliche Begierde nach der verbotenen Frucht und endlich der Ungehorsam, der die Sünde äußerlich vollbrachte. (Aug., Thom.) - sprach zu dem Weibe: Die Klugheit der Schlange tritt als List des Versuchers zum Bösen darin hervor, dass dieser sich an das schwächere Weib wendet, und ihre Verwunderung birgt Arglist: „Ist es wahr?“ - Warum hat euch Er will beide Stammeltern in das Verderben stürzen. - Gott Elohim. - geboten, ihr sollt nicht von allen Bäumen des Paradieses essen? Der Verführer ruft das Gebot in's Gedächtnis, damit die Übertretung um so unentschuldbarer sei. - Da antwortete das Weib derselben: Von den Früchten der Bäume, die im Paradiese sind, dürfen wir essen, aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Paradieses ist, gebot uns Gott, nicht zu essen, und ihn auch nicht zu berühren, Eva gibt diese Verschärfung aus Ehrfurcht gegen Gottes Gebot hinzu. - damit wir nicht sterben. Die Schlange aber sprach zum Weibe: Keinesweges werdet ihr sterben. Fürchtet nichts, sondern hoffet! Zuerst leugnet der Lügengeist Wahrhaftigkeit, dann seine Liebe. Die dreiste Lüge macht den Eindruck des Glaublichen, weil ihr etwas Wahres beigemischt ist: Nach dem Genusse tritt in der Tat ein Erkennen von Gut und Böse ein. - Denn Gott weiß, dass, welchen Tages ihr davon esset, eure Augen sich auftun und ihr wie Götter sein werdet, Gutes und Böses erkennend. Da sah das Weib, Zwischen Gottes Drohung und der Verheißung des Teufels schwankend will Eva selbst urteilen; doch ihr Sinn ist durch die freiwillige Begierlichkeit bereits verblendet. - dass der Baum gut davon zu essen, und lieblich den Augen, und angenehm anzuschauen sei, und sie nahm von seiner Frucht, und aß, und gab ihrem Manne, und er aß. Obwohl das Gesetz, Gott zu gehorchen und insbesondere die Geschöpfe nur nach seinem Willen zu gebrauchen, bereits eine natürliche Pflicht ist, gehörte das besondere Gebot Gottes der übernatürlichen Ordnung an: Im Glauben an Gottes Offenbarung, aus Gehorsam und übernatürlicher Liebe sollte Adam in heiligem Gehorsam seine natürliche Freiheit beschränken. Adam kannte den Unterschied zwischen Gut und Böse, er hatte schon eine Reihe heiliger Akte vollbracht und verstand das göttliche Verbot. Nur eine Versuchung zum Bösen war noch nicht an ihn herangetreten. Aus den Reden der Schlange musste er den bösen und lügenhaften Geist leicht erkennen und mit Hilfe der göttlichen Gnade leicht überwinden. Das Grundmotiv der Sünde war der Stolz. ([JSir 10,14], Iren., Leo der Gr., Prosper., Gregor der Gr., Aug.) Adam strebte nicht auf den von Gott gewählten Wege des demütigen Gehorsams und der kindlichen Liebe nach der Gottähnlichkeit und gottähnlichem Wissen, sondern wollte aus eigener Kraft gottähnlich sein. (Aug., Thom.) In jener ersten Sünde waren auch andere Sünden eingeschlossen, wie Verletzung des übernatürlichen Glaubens, sinnliche Begierlichkeit u. a. (Tertull., Aug.) Auch in Eva war die Sünde vor allem die der Hoffart und das daraus fließende Begehren nach dem von Gott versagten Wissen. - Da wurden beider Augen aufgetan; und da sie erkannten, dass sie nackt seien, Der böse Feind hat versprochen, dass ihre Augen aufgetan werden, doch die einzige neue Erkenntnis der Stammeltern, nachdem diese Gott verachtet, ist, dass sie sich der Nacktheit bewusst werden. Da ihr Geist sich gegen Gott empört, empörte sich auch der Leib gegen den Geist und es regte sich die böse Begierlichkeit. Durch die Bedeckung der Leibesglieder suchen die ersten Eltern ihre geistige Blöße zu verhüllen. - flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen. Und da sie die Stimme Gottes, des Herrn, hörten, der in der Kühle Um die Abendzeit pflegte man im Morgenlande auszugehen, weil dann die Hitze des Tages [1Mos 18,1] einem kühlen Winde wich. [Hohel 4,16] - nach dem Mittage im Paradiese wandelte, verbargen sich Adam und sein Weib vor dem Angesichte Gottes, des Herrn, inmitten der Bäume des Paradieses. Gott verkehrt im Paradiese mit dem Menschen unmittelbar, denn er hat ihn bestimmt, seine Geschöpfe zu beherrschen und ewig bei ihm zu leben. Doch durch die Sünde Gott entfremdet, versteckte dieser sich vor ihm. Indes noch ist das nahe Verhältnis der Menschen zu Gott nicht ganz gelöst. Noch zu Kain redet Gott (Rede, Antwort, Erwiderung), zu Noe (Rede Gottes). Henoch und Noe wandeln in Gemeinschaft mit Gott. Den Patriarchen erscheint Gott im Traum, in der Vision, oder ein Engel Gottes. - Da rief der Herr, Gott, Adam und sprach zu ihm: Wo In welchem Stande? Ich verließ dich in Herrlichkeit gekleidet und finde dich nackt wieder (Chrysost.). - bist du? Dieser antwortete: Ich hörte deine Stimme im Paradiese und fürchtete mich, weil ich nackt bin, und verbarg mich. Das Gefühl der Scham ist in Adam stärker, als die Erkenntnis der Schuld. Um diese Erkenntnis zu kräftigen und zum Bekenntnis zu führen, fragt Gott weiter. - Da sprach Gott zu ihm: Wer hat dir denn angezeigt, dass du nackt bist? Einzig, dass du von dem Baume gegessen hast, von dem ich dir geboten, nicht zu essen. Im Hebr. ist auch der zweite Satz im Frageton. - Und Adam sprach: Das Weib, das du mir zur Gefährtin gegeben hast, gab mir von dem Baume, und ich aß. Statt zu bekennen und um Vergebung zu flehen, wälzt Adam die Schuld auf das Weib und durch den Zusatz auf Gott selbst. - Da sprach Gott, der Herr, zu dem Weibe: Warum hast du das getan? Sie antwortete: Die Schlange betrog mich, und ich aß. Das Weib leugnet die Tat nicht, wälzt aber die Schuld gleichfalls auf einen anderen. - Und Gott, der Herr, sprach zu der Schlange: Gott fragt die Verführten, nicht den Verführer. Die Schlange wird nicht gefragt, ihr wird sofort das Strafurteil verkündet. - Weil du dies getan hast, so bist du verflucht unter allem Vieh und unter den Tieren des Feldes; auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Die Schlange soll nach der Sünde Adams zum Fluche tun, was ihr zuvor Natur war: Kopf und Zunge am Boden halten. Die Tiere sind des Menschen wegen da (vergl. [1Mos 9,5, 2Mos 21,28, 3Mos 20,15ff]); sie sollen ihm gehorchen, nicht schaden, und noch weniger Anlass zur Sünde geben. Mit den Menschen müssen in der Sündflut auch die Tiere sterben. - Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, V. 15 enthält die Strafsentenz gegen Satan. Das Weib ist dasselbe wie V. 1, 2, 4, 6,12, 13, 16 und [1Mos 9,17], also Eva. Feindschaft soll treten an die Stelle der erheuchelten Liebe der Schlange zur Zeit der Versuchung. Gott redet von dem Weibe, weil dieses unmittelbar von der Schlange verführt ward, nicht weil Adam nicht einbegriffen ist. Doch Gott geht von einer Person auf die andere über. - und zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft: Die Nachkommenschaft des Weibes umfasst auch Christus, doch nicht ihn allein. Die Nachkommenschaft der Schlange sind alle, die auf Seiten der Schlange stehen. Die Feindschaft soll dauern, so lange das Menschengeschlecht und die bösen Geister auf Erden bleiben. - sie Hebr.: er. So schrieb auch Hieronymus. Übrigens ändert dies im Sinne nichts, da Maria stets in den Hinweis auf die Menschwerdung eingeschlossen ist. - wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen. Aus der Feindschaft gehen die Nachstellungen hervor: Der Mensch sucht den Kopf der Schlange zu zertreten, die Schlange ihn in die Ferse zu stechen, um sich zu retten und ihn zu vernichten. So wird der Kampf und zugleich sein Erfolg vor Augen gestellt. Das Menschengeschlecht kann keinen tödlichen Schaden leiden, die Schlange aber wird zertreten. Die Niederlage der tierischen Schlange ist das Bild der Niederlage der höllischen Schlange, die dem Teufel als Strafe zu Teil wird. Der Sieg wird von einem davongetragen, er wird dem Samen verheißen vor Eva. Die Wunden machen den Sieger ruhmvoller, Gott, der die Feindschaft gesetzt und der den Sieg verleiht, wird dem Erlöser auf besondere Weise beistehen und durch ihn den sündigen Menschen in seine Freundschaft wieder aufnehmen. Wie hier die erste Verheißung des Erlösers geboten wird, so auch die erste Prophezeiung der unbefleckten Empfängnis. Je älter die Prophezeiungen sind, desto dunkler ist ihr Sinn und wird erst durch nachfolgende klarer oder durch die Erfüllung im vollen Lichte gezeigt. Zu beachten ist, dass, obgleich im ersten Satze die Nachkommenschaft der Schlange der Nachkommenschaft des Weibes entgegengesetzt ist, doch im zweiten die Nachkommenschaft des Weibes über die Schlange selbst den Sieg davonträgt. Der Messias ist es, welcher der Schlange den Kopf zertritt, und seine jungfräuliche Mutter tut es durch ihn, d. h. dadurch, dass sie ihn, den Überwinder der Schlange geboren, und dadurch, dass sie wegen ihrer Würde als Mutter Gottes nie unter der Herrschaft der Sünde und des Teufels stand, vielmehr in ihrer unbefleckten Empfängnis im Hinblick auf die Verdienste ihres göttlichen Sohnes vor jeder Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt blieb. - Und zum Weibe sprach er: Dem Menschen flucht Gott nicht wie der Schlange und der Erde. (Vergl. hingegen [1Mos 4,11].) Wie Eva zuerst gesündigt, trifft sie die Strafe zuerst. - Ich will die Beschwerden deiner Schwangerschaften vervielfältigen; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären, und unter der Gewalt des Mannes sein, und er soll Herr über dich sein. Die Beschwerden der Geburt und die Unterwerfung unter dem Manne sind die fühlbaren Strafen des Weibes. - Zu Adam aber sprach er: Weil du der Stimme deines Weibes Gehör gegeben, und von dem Baume gegessen hast, von dem ich dir geboten, nicht zu essen, so sei die Erde verflucht, ob deiner Tat; Wie nicht Eva, sondern die Schlange verflucht wird, so die Erde nicht selbst, die folgenden Worte enthalten den verhängten Fluch. - mit vieler Arbeit sollst du dich von ihr nähren, dein Leben lang. So dauert dieser Fluch so lange wie der über die sichtbare Schlange. - Dornen und Disteln soll sie dir tragen, und du sollst das Kraut des Feldes essen. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot Im Gegensatze zu den Früchten des Paradieses: Dein Brot wird dir keine Unsterblichkeit geben, sondern einzig deine Schwäche aufrecht erhalten. - essen, bis Dies ist die positive [1Mos 2,17] angedrohte Strafe. - du zur Erde wiederkehrest, von der du genommen bist; denn du bist Staub und sollst zum Staube zurückkehren. Und Adam gab seinem Weibe den Namen Heva; Später: [1Mos 4,1]. Hier wird der Name erwähnt, damit die spätere Benennung verstanden werde. (Chrys.) - deshalb weil sie die Mutter aller Lebendigen war. Und Gott, der Herr, machte Adam und seinem Weibe Gewänder von Fellen und bekleidete sie damit. Als Erinnerung an den Ungehorsam, zum Schutze der Schamhaftigkeit und zum Zeichen von Gottes fortdauernder Fürsorge. - Und er sprach: Siehe, Adam ist wie einer von uns Jetzt kennt er Gutes und Böses, freilich aus anderen Ursachen. Uns: Anspielung auf die heilige Dreifaltigkeit. - geworden, Gutes und Böses erkennend; dass er nunmehr nicht etwa seine Hand ausstreckt, und auch vom Baume des Lebens nimmt, und isst, und ewig lebt! Unsterblichkeit im Stande der Sünde ist nicht das von Gott dem Menschen zugedachte ewige Leben. - Da verwies ihn Gott, der Herr, aus dem Paradiese der Wonne, dass er die Erde bebaue, von der er genommen worden.
Adam und Heva werden aus Eden vertrieben
Und Gott trieb Adam hinaus und setzte vor Im Osten des Paradieses. Nach der Sept. wurde dem Menschen befohlen, im Osten des Paradieses zu wohnen. - das Paradies der Wonne die Cherubim Anders werden sie [2Mos 25,18-22]; anders [Ez 1,10] sinnbildlich dargestellt. - mit flammendem zuckenden Schwerte, Richtiger: Und ein verzehrendes Feuer, das sich weithin ausdehnte. (Chrys.) den Weg zum Baume des Lebens zu bewachen.

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