Genesis 33

Zusammentreffen Jakobs mit Esau und friedliche Verständigung beider. (V. 17) C. Jakobs Aufenthalt in Mesopotamien bis zum Tode seines Vaters (33,18 – 35,29) a. Jakob kauft sich bei Sichem einen Acker und erbaut daselbst einen Altar.

Als nun Jakob seine Augen erhob, Nicht notwendigerweise sofort nach dem eben Erzählten. - sah er Esau kommen, und mit ihm vierhundert Mann. Da teilte er die Kinder Lias und Rachels, und die Kinder der beiden Mägde; und stellte die beiden Mägde und ihre Kinder an die Spitze, Lia und ihre Kinder dahinter, Rachel aber und Joseph zuletzt. Die gleiche Ordnung wie [1Mos 32,8]. - Und er selbst ging voraus und verneigte sich siebenmal bis zur Erde, bis sein Bruder sich ihm näherte. Hebr.: Bis er seinem Bruder nahe war. -
Jakob und Esau begegnen sich
Da lief Esau seinem Bruder entgegen, und umarmte ihn, und fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und weinte. Esau unterbricht Jakobs Niederwerfen. - Und als er aufblickte, sah er die Frauen samt ihren Kindern und sprach: Wer sind denn diese? Und gehören sie dir? Er antwortete: Es sind die Kinder, welche Gott mir, deinem Knechte, geschenkt hat. Da traten die Mägde und ihre Söhne herzu und verneigten sich. Sodann trat auch Lia mit ihren Kindern herzu, und da auch sie sich bis zur Erde verneigt hatten, kamen zuletzt Joseph und Rachel und verneigten sich bis zur Erde. Da sprach Esau: Was sind das für Züge, welche mir begegnet sind? Esau fragt betreffs der 560 Tiere, die ihm Jakob als Geschenk vorausgeschickt hat [1Mos 32,21]. Alle fünf Züge hatten ihm dasselbe gesagt. [1Mos 32,17] - Er antwortete: Ich wünschte Gnade zu finden vor meinem Herrn! Die orientalische Sitte fordert, dass man sich zuerst weigert, ein Geschenk anzunehmen. - Esau aber sprach: Ich habe sehr viel, mein Bruder, behalte, was dein ist. Und Jakob sprach: Nicht also! ich bitte; sondern wenn ich in deinen Augen Gnade gefunden habe, so nimm diese kleine Gabe aus meinen Händen an; denn ich schaute dein Angesicht, wie wenn ich das Angesicht Gottes geschaut hätte. Aus deinem Angesichte blickt mich elohimitische (himmlische) Freundlichkeit an. – Er musste in der wider alles Erwarten umgewandelten Gesinnung seines Bruders das Werk des Gottes erkennen, der Gebete erhört und die Herzen lenkt. Im übrigen sind solche Worte im Sprachgebrauche der Morgenländer keine leere Schmeichelei. Vergl. [2Mos 7,1, 1Sam 29,9, 2Sam 14,17.20]. - Sei mir huldreich und nimm den Segen an, den ich dir gebracht, und den Gott mir beschert hat, der mir alles gegeben. Esau sagte, er habe sehr viel; Jakob entgegnet: Ich habe alles, denn er hat Gott. - Da sein Bruder so in ihn drang, nahm er es mit Mühe an und sprach: Lass uns miteinander ziehen, und ich will dein Reisegefährte sein. Dies ist eine Ehre für Jakob, wie ein Gewinn für Esau, wenn die reichen Herden Jakobs in Seir weilen. Doch Jakob will Esau nicht untertan sein, sondern zu seinem Vater zurückkehren. Er lehnt aber klug einzig die Begleitung ab. - Aber Jakob sprach: Du weißt, mein Herr, ich habe zarte Kinder und säugende Schafe und Kühe bei mir; wenn ich sie über Gebühr auf der Reise anstrenge, so werden alle Herden an einem Tage umkommen. Der Grund ist triftig. - Mein Gebieter wolle vor seinem Knechte vorausziehen, und ich werde ihm langsam nachfolgen, so wie ich sehe, dass meine Kinder es vermögen, bis ich zu meinem Herrn nach Seir komme. Die vorsichtig gewählten Worte versprechen weder, dass Jakob dauernd, noch dass er mit seiner ganzen Familie und seinem großen Reichtum an Vieh kommen werde. Jakob hat die Verheißung für Chanaan, so gilt sein Versprechen nur einem persönlichen Besuche. - Da antwortete Esau: So bitte ich dich, doch von den Leuten, die bei mir sind, einige als Reisegeleiter zu behalten. Er sprach: Es ist nicht notwendig! Nur dies einen bedarf ich, dass ich Gnade in deinen Augen finde, mein Gebieter! So kehrte Esau an jenem Tage auf dem Wege, den er gekommen war, nach Seir zurück. Und Jakob kam nach Sokoth, Sokoth lag jedenfalls noch auf der Ostseite des Jordans, südlich vom Jabok. Dort bleibt Jakob längere Zeit, wohl weil er gute Weide gefunden. [1Mos 34] sind Jakobs Söhne schon erwachsen. - und baute sich dort ein Haus, und errichtete Hütten, Im Hebr. wird beigefügt: für sein Vieh. - und nannte den Namen des Ortes Sokoth, das ist Hütten. Und er zog weiter hinüber nach Salem, der Stadt der Sichemiten, Sichem war der Sohn des [1Mos 34] erwähnten Hemor. - welche im Lande Chanaan liegt, nachdem er aus Mesopotamien in Syrien zurückgekehrt war, und ließ sich bei der Stadt nieder. Den Teil des Ackers aber, auf dem er seine Hütten aufgeschlagen hatte, kaufte er von den Kindern Hemors, des Vaters Sichems, für hundert Lämmer, Die Hauptursache des Kaufes war die Absicht Jakobs, dort einen Altar des Herrn zu errichten. Lämmer: hebr. Kesita, Abgewogenes; ein bestimmtes bei Zahlung von Edelmetall zu Grunde gelegtes Gewicht. - und errichtete daselbst einen Altar, und rief allda den starken Gott Israels an. Bei Sichem hatte schon Abraham einen Altar erbaut. [1Mos 12,7] Jakob rief Gott als Gott Israels zu Ehren des neuen ihm vom Engel Gottes gegebenen Namens an. Wenn Israel hier als Volksname steht, weist es auf den Schriftsteller hin, der zur Zeit lebte, als die Nachkommen Jakobs bereits ein Volk bildeten, in diesem Sinne: Jakob rief den Gott an, welcher ihn geschützt, und dieser Gott leitet auch das Volk Israel und muss von diesem angerufen werden.

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