5. Geschichte Jakobs und seiner Söhne (37,1 – 50,25) A. Geschichte Josephs (erster Teil) (37. V. 2 – 36) a. Joseph, der Liebling seines Vaters, zieht durch die Erzählung der Träume, die er gehabt, den Neid der Brüder auf sich. (V. 11) b. Diese wollen ihn töten, überliefern ihn aber auf den Rat Rubens und Judas madianitischen Kaufleuten, welche ihn nach Ägypten an Puthiphar verkaufen, während der Vater ihn als tot betrauert.
Eine Ausgabe hier teilt einen Vers dieses Kapitels, den die andere ungeteilt lässt, sodass die Nummern danach um eins auseinanderliegen.
1Jakob aber wohnte im Lande Chanaan, in welchem sein Vater als Fremdling geweilt hatte.Hebr.: Im Lande der Wanderschaft seines Vaters, im Lande Chanaans. -2 Und dies ist seine Geschichte: Als Joseph sechzehn Jahre alt war, pflegte er, noch ein Jüngling,Damit wird das Vergehen seiner Bruder angedeutet: Sodomie. - mit seinen Brüdern die Herde zu weiden, und er war mit den Söhnen Balas und Zelphas,Diese Bemerkung bereitet auf V. 21, V. 26, V. 29 vor, wo die Söhne der Lia, Ruben und Juda, als Beschützer Josephs auftreten. - der Frauen seines Vaters, und klagte einst seine Brüder bei dem Vater wegen einer sehr schlimmen Tat an.3 Israel aber liebte Joseph mehr als alle seine anderen Söhne, weil er ihn in seinem Alter gezeugt hatte, und er ließ ihm ein buntgestreiftes KleidWeil er ihn in seinem Alter gezeugt und weil er der Sohn der geliebten Rachel war. Dies Kleid hatte nach dem Hebr. Ärmel und reichte bis auf die Knöchel herab. (Vergl. V. 23 der Vulg.) Diese Bevorzugung ward ein zweiter Grund der Feindschaft. - machen.4 Da nun seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine anderen Söhne,Benjamin war noch nicht geboren. - hassten sie ihn und konnten nicht friedlich zu ihm reden.5 Auch begab es sich, dass Joseph seinen Brüdern ein Traumgesicht erzählte, das er gehabt; dies ward die Ursache noch größeren Hasses.Die dritte Ursache ward zeitlich die erste. Die Brüder pflegten sich wohl ihre Träume zu erzählen. Wie Josephs Traum von Gott gesandt war, so wachte auch die göttliche Vorsehung über die Mitteilung desselben. Joseph erklärt sich denselben noch nicht. -6 Er sprach nämlich zu ihnen: Höret den Traum, den ich gehabt habe.7 Es kam mir vor, als bänden wir Garben auf dem Felde, und als ob meine Garbe sich aufrichtete und stehen bliebe, und eure Garben ringsherum sich vor meiner Garbe zur Erde neigten.In Ägypten, wie die Erfüllung zeigt. -8 Da antworteten seine Brüder: Wirst du etwa König über uns, oder werden wir deiner Herrschaft unterworfen sein? Diese Träume und Reden also gaben dem Neide und Hasse neue Nahrung.9 Wiederum hatte er einen Traum, und erzählte ihn seinen Brüdern, und sprach: Ich sah im Traume, wie die Sonne und der Mond und elf Sterne sich vor mir zur Erde neigten.Der zweite Traum verleiht dem ersten noch größere Glaubwürdigkeit, zugleich ist er klarer. Die Bilder sind nicht in allen Einzelheiten anzuwenden. Wenn die elf Brüder durch die Sterne dargestellt waren (Benjamins Geburt wird so vorausgesagt), die Sonne Jakob bedeutet, so konnte auch der Mond nicht fehlen, sollte nicht Rachels vorzeitiger Tod vorbedeutet werden. Übrigens verehrte sie nach hebräischer Anschauung Joseph in der Tat, nicht zwar in eigener Person, aber durch Jakob oder durch Benjamin. -10 Als er dies seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und sprach: Was soll dieser Traum, den du gehabt hast? Werden wir etwa, ich, und deine Mutter, und deine Brüder uns vor dir zur Erde neigen?11 So beneideten ihn seine Brüder; sein Vater aber erwog die Sache schweigend.12 Als nunDer Erzähler kehrt zu V. 2 zurück. - seine Brüder einst bei Sichem weilten, die Herden des Vaters zu weiden,13 sprach Israel zu ihm: Deine Brüder weiden die Schafe bei Sichem; komm, ich will dich zu ihnen senden. Er antwortete:14 Ich bin bereit. Da sprach jener zu ihm: Gehe und siehe zu, ob bei deinen Brüdern und den Herden alles wohl geht; und berichte mir wieder, wie es geht. Vom Tale Hebron aus gesendet, kam er nach Sichem.15 Da traf ihn ein Mann, wie er auf dem Felde umherirrte, und fragte ihn, was er suche.16 Er aber antwortete: Ich suche meine Brüder, sage mir, wo sie die Herden weiden.17 Der Mann sprach zu ihm: Sie sind von hier weggezogen, ich hörte sie sagen: Gehen wir nach Dothain!Dothain im Norden Samarias. - Also ging Joseph seinen Brüdern nach und fand sie in Dothain.18 Als sie ihn von ferne sahen, machten sie, bevor er noch zu ihnen herankam, den Anschlag, ihn zu töten,19 und sprachen zueinander: Sehet, da kommt der Träumer!20 Wohlan, töten wir ihn und werfen wir ihn in eine alte Zisterne, dann werden wir sagen: Ein wildes Tier hat ihn gefressen; dann wird sich zeigen, was seine Träume ihm nützen.21 Als aber Ruben dies hörte, bemühte er sich, ihn aus ihren Händen zu befreien,Sie vor einem Morde zu bewahren. - und sprach:22 Bringet ihn nicht um und vergießet sein Blut nicht, sondern werfet ihn in die Zisterne hier in der Wüste, und bewahret eure Hände rein. Dies sagte er aber, weil er ihn aus ihren Händen erretten und seinem Vater wieder zurückgeben wollte.23 Sobald nun Joseph zu seinen Brüdern gekommen war, zogen sie ihm sogleich das lange, buntgestreifte Kleid aus24 und warfen ihn in eine alte Zisterne, in der kein Wasser war.25 Und als sie sich niedergesetzt hatten, ihre Mahlzeit zu halten, sahen sie ismaelitischeDie Kaufleute werden hier, V. 27 und [1Mos 39,1] Ismaeliten genannt, in V. 28 einmal Madianiten, das andere Mal Ismaeliten, in V. 36 Madianiten. Die Bezeichnung Ismaeliten ist also eine allgemeine für die Wüstenaraber. Die Ursache hierfür ist wohl die Verwandtschaft der Stämme, vergl. [Rich 8,3.24], deren mächtigster die Ismaeliten sind. Von dem Siege Gideons ab [Rich 7] und [Rich 8] verschwinden die Madianiten (Ismaeliten) fast aus der Geschichte. - Reisende von Galaad her kommen, deren Kamele Gewürze und Harz und Myrrhensaft nach Ägypten trugen.26 Da sprach Judas zu seinen Brüdern: Was nützt es uns, wenn wir unsern Bruder töten und den Mord verheimlichen?27 Besser ist es, er wird an die IsmaelitenRuben ist weggegangen. In seiner Abwesenheit wacht Juda, der die geheime Absicht Rubens nicht kennt, Joseph nicht dem schrecklichen Hungertode zu überlassen. Worauf es ankam, war ja, ihn im Kreise der Familie für die Brüder unschädlich zu machen; diese Absicht aber ließ sich auf eine weniger grausame Weise erreichen. - verkauft und unsere Hände bleiben unbefleckt; denn er ist unser Bruder und unser Fleisch. Seine Brüder stimmten seinen Worten bei.Joseph wird von seinen Brüdern verkauft
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.28 Als daher die madianitischen Kaufleute vorüberkamen, zogen sie ihn aus der Zisterne und verkauften ihn an die Ismaeliten um zwanzig Silberlinge;Über die Geldwährung siehe [1Mos 23,16]: Nach späterem Geldfuße betragen die zwanzig Silberlinge gegen 50 Mark. Der gewöhnliche Preis eines Sklaven war 30 Silberlinge. [2Mos 21,32] - diese aber führten ihn fort nach Ägypten.29 Als nun Ruben wieder zur Zisterne kam,Heimlich - fand er den Jüngling nicht.30 Da zerriss er seine Kleider, und ging zu seinen Brüdern, und sprach: Der Knabe ist verschwunden, und ich, wohin soll ich gehen?Von mir als Erstgeborenen wird Gott Rechenschaft fordern. -31 Sie aber nahmen das Kleid Josephs und tauchten es in das Blut eines Ziegenbockes, den sie geschlachtet hatten.32 Dann sandten sie dasselbe zu ihrem Vater und ließen ihm sagen: Dies haben wir gefunden; siehe, ob es das Kleid deines Sohnes ist, oder nicht.33 Als der Vater es erkannte, rief er: Es ist das Kleid meines Sohnes, ein wildes Tier hat ihn zerrissen, ein Raubtier hat Joseph gefressen.34 Und er zerriss seine Kleider, und legte ein härenes Gewand an, und trauerte um seinen Sohn lange Zeit.35 Und ob auch alle seine Kinder zusammenkamen, des Vaters Schmerz zu lindern, so wollte er sich doch nicht trösten lassen, sondern sprach: Vor Herzeleid werde ich zu meinem Sohn in das Totenreich hinabsteigen! Und er beweinte ihn ohne Unterlass.36 Die Madianiter aber verkauften Joseph in Ägypten an Putiphar,Dem Ra geweiht. - einen KämmererUrsprünglich: ein Verschnittener, dann überhaupt Hofbeamter. [1Mos 40,2] Pharaos, den Anführer der Leibwache.