Genesis 38

B. Judas und seine Söhne (V. 1 – 30) a. Von den drei Söhnen des Judas, welche diesem sein chananäisches Eheweib geboren, sterben die beiden ältesten ihrer Sünde halber nacheinander, ohne mit Thamar, die ihnen Judas zur Frau gegeben, Kinder zu zeugen. (V. 10) b. Da Thamar dem dritten Sohne Judas nicht zur Ehe gegeben wird, erreicht sie durch List, dass Judas ihr beiwohnt (V. 23) und gebärt ihm Zwillinge.

Um eben diese Zeit Nicht notwendigerweise zur Zeit der in der [1Mos 37] erzählten Ereignisse, sondern: In der Zeit, da Joseph verschwunden war. – Joseph wird von Gott und von Jakob [1Mos 49] den übrigen von den Töchtern Labans geborenen Söhnen vorgezogen, weil jene sich mancher Frevel schuldig gemacht: Ruben [1Mos 35,22]. Simeon und Levi [1Mos 34] Judas [1Mos 38]. - verließ Judas seine Brüder und ließ sich bei einem Manne von Odollam, mit Namen Hiram, nieder. Daselbst sah er die Tochter eines Chananiters, mit Namen Sue, und nahm sie zum Weibe und ging zu ihr. Da empfing sie, und gebar einen Sohn, und nannte seinen Namen Her. Und sie empfing abermals und gebar einen Sohn, den nannte sie Onan. Sodann gebar sie einen dritten Sohn, den nannte sie Sela. Nach diesem gebar sie keine Kinder mehr. Der letzte Satz nach dem Hebr.: Sie war aber in Chezib [Jos 15,44], als sie ihn gebar. - Judas aber gab Her, seinem Erstgeborenen, ein Weib, Namens Thamar. Wie Abraham [1Mos 24,3] durch Eliezer für Isaak, Hemor [1Mos 34,4] Sichem. Vergl. [1Mos 24,21]. - Doch Her, der Erstgeborene des Judas, war böse in den Augen des Herrn; und der Herr tötete ihn. Da sprach Judas zu Onan, seinem Sohne: Begib dich zu dem Weibe deines Bruders und nimm sie zur Ehe, dass du deinem Bruder Nachkommenschaft erweckest. Nach uralter, später im mosaischen Gesetze [5Mos 25,5] vorgeschriebener, indes auch V. 7 gemilderter Sitte. - Da aber Onan wusste, dass die Söhne nicht ihm geboren würden, so ließ er, wenn er zu dem Weibe seines Bruders ging, den Samen auf die Erde fallen, damit auf seines Bruders Namen keine Kinder geboren würden. Darum tötete ihn der Herr, Vor der Zeit und ohne dass er Kinder hatte. - weil er Verabscheuungswürdiges tat. Ein Sohn Thamars, der dem Erstgeborenen Judas Her zugeschrieben wäre, hätte die erste Stelle im Stamme Juda erhalten, diese wünschte Onan aber seinem Sohne, der seinen Namen tragen würde. - Deshalb sprach Judas zu Thamar, seiner Schwiegertochter: Bleibe als Witwe im Hause deines Vaters, bis mein Sohn Sela heranwächst. Judas handelt nicht ganz offen und nicht ohne versteckte Absicht. Ob Thamar nicht auch eine Schuld traf? - Denn er fürchtete, auch dieser möchte sterben, wie seine Brüder. Da ging sie hin und wohnte im Hause ihres Vaters. Eine Witwe ohne Kinder kehrte in das Haus ihres Vaters zurück. Vergl. [3Mos 22,13]. - Als aber viele Tage So viele Tage vergingen, dass sie, als Sela herangewachsen war, erkannte, Judas wollte sie um ihr Recht betrügen. - vergangen waren, starb die Tochter Sues, das Weib Judas. Und nachdem Judas ausgetrauert und wieder froh geworden war, begab er sich hinauf zu seinen Schafscherern nach Thamnas, er und der Odollamiter Hiras, sein Schafhirt. Und es ward Thamar berichtet, dass ihr Schwiegervater nach Thamnas zur Schafschur hinaufgehe. Da legte sie ihre Witwenkleider ab, und nahm einen Schleier, und setzte sich verkleidet an den Scheideweg, wo die Straße nach Thamnas führt; darum weil Sela herangewachsen war und sie ihn doch nicht zum Manne erhalten hatte. Die Doppelwitwe empfindet die Schmach ihrer Kinderlosigkeit sehr und beschließt, derselben durch List ein Ende zu machen. Da Judas die einzig mögliche Ehe verhindert hat, bietet sie sich ihm als Hierodule, als Dienerin der Aschera (V. 21 Buhldirne: Kedescha) in der Nähe von Thamnas auf dem Gebirge Juda [Jos 15,10] an. - Als Judas sie sah, hielt er sie für eine Buhldirne; denn sie hatte ihr Angesicht verhüllt, um nicht erkannt zu werden. Da trat er zu ihr heran und sprach: Lass mich dir beiwohnen! er wusste nämlich nicht, dass sie seine Schwiegertochter war. Sie antwortete: Was willst du mir geben, dass du mir beiwohnen darfst? Er sprach: Ich will dir einen Ziegenbock von der Herde senden. Sie sprach wiederum: Ich will dir zu Willen sein, wenn du mir ein Pfand gibst, bis dahin, wo du mir das sendest, was du versprichst. Judas sprach: Was soll ich dir zum Pfande geben? Sie antwortete: Deinen Siegelring, dein Armband und den Stab, Den Siegelring trug der Besitzer an einer um den Hals gelegten Schnur stets bei sich. Wer den Siegelring eines anderen hatte, konnte ihn also nur von dem Eigentümer selbst empfangen haben. Auf dem Siegelringe war wohl irgend eine bildliche Darstellung eingegraben. Der Stab war gewiss durch Verzierungen ausgezeichnet und erkennbar. - den du in der Hand hast. Aus dieser einen Beiwohnung also empfing das Weib. Dies für den Verlauf der Erzählung wichtige Ergebnis wird vorgreifend mitgeteilt. - Hierauf machte sie sich auf, und ging von dannen, und legte die Kleider ab, die sie angetan, und zog ihre Witwenkleider an. Judas aber sandte den Ziegenbock durch seinen Hirten, Hiras (V. 12) Im Hebr. steht: Freund, vielleicht ein Ehrentitel. Vergl. [1Mos 26,26, 2Sam 15,37, 2Sam 16,16, 1Koe 4,5]. Judas verkehrte viel mit den Chananitern. Ein Chananiter war sein Freund, eine Chananiterin sein Weib, und seinem Sohne gab er wohl ein Weib aus demselben Volke. So ahmte er denn auch deren Sitten nach. Der Witwer hatte seine Trauer beendet und stieg zum Feste der Schafschur hinab, welche bei den Chananitern Gelegenheit zu mannigfachen Ausschweifungen bot. - den Odollamiter, um dagegen das Pfand zurück zu erhalten, welches er dem Weibe gegeben hatte. Da dieser es aber nicht fand, fragte er die Leute jenes Ortes: Wo ist das Weib, welches am Scheideweg Richtiger: In Enaim, am Wege. - saß? Doch alle antworteten: An diesem Orte ist keine Buhldirne gewesen. Da kehrte er zu Judas zurück und sprach zu ihm: Ich habe sie nicht gefunden, auch sagten mir die Leute jenes Ortes, dort habe niemals eine Buhldirne Weihdirne. - gesessen. Judas sprach: So mag sie es Das Pfand. - behalten, wenigstens kann sie uns nicht Lügen strafen, Hebr.: Wenn wir nur nicht zum Gespött werden. - ich habe den Ziegenbock, den ich versprochen, gesendet, und du hast sie nicht gefunden. Aber siehe, nach drei Monaten ward dem Judas berichtet: Deine Schwiegertochter Thamar hat gebuhlt, und es wird sichtbar, dass sie schwanger ist. Da sprach Judas: Führet sie hinaus, dass sie verbrannt werde. Nach altem Herkommen galt Thamar als noch an Sela gebunden. Judas hatte als Familienoberhaupt das Recht, einen solchen Spruch zu fällen. Ein Kind in der Verwandtschaft zu haben, das nicht in dieselbe gehörte, schien ein großer Schimpf. Immerhin war der Befehl, das Kind mit der Mutter zu töten, eine ungerechtfertigte Grausamkeit. - Als sie nun zur Vollstreckung der Strafe hinausgeführt wurde, sandte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Manne, dem dies da gehört, habe ich empfangen; siehe zu, wem der Ring, das Armband, und der Stab gehören. Da erkannte er seine Pfandgaben und sprach: Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie meinem Sohne Sela nicht gegeben. Er hatte aber fortan keinen Umgang mit ihr. Eine Ehe mit der Schwiegertochter für Unrecht erachtend. Sela gab er sie umso weniger, als der Zweck, den diese Verbindung hätte haben sollen, bereits auf andere Weise erreicht ist. - Als nun die Zeit da war, da sie gebären sollte, fanden sich Zwillinge in ihrem Leibe. Und bei der Geburt tat einer die Hand heraus; da band die Wehemutter einen roten Faden um dieselbe und sprach: Dieser wird zuerst herauskommen. Dieser kann das Recht der Erstgeburt nicht mehr verlieren. - Er aber zog die Hand zurück, und nun kam der andere hervor. Da sprach das Weib: Warum ist deinetwillen die Hülle zerrissen worden? Warum hast du die Haut zerrissen, in der du dich befandest, um deinem Bruder die Erstgeburt wegzunehmen? - und darum nannte man seinen Namen Phares. Riss - Darnach kam sein Bruder hervor, an dessen Hand der rote Faden war; und man nannte ihn Zara. Aufgang, vielleicht mit Anspielung auf den Karmosinfaden.

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