Genesis 4

B. Geschichte der ersten Söhne Adams und Evas. (Kap. 4) 1. Der älteste Sohn Adams tötet, ungewarnt durch die Strafe Adams und Evas, seinen Bruder Abel. (V. 8) Von Gott verflucht, flieht er vor dessen Angesichte (V. 16) und wird mit seinen Nachkommen aus der Zahl derer, welche die wahre Religion übend Erben der Verheißungen waren, ausgeschlossen. (V. 24) 2. An Stelle des Abel wird Adam ein anderer Sohn, Seth, geschenkt, der mit seinem Sohne Enos Gott verehrt. (V. 26)

Adam aber erkannte sein Weib Heva, und sie empfing und gebar den Kain, Die heilige Schrift nennt nur diejenigen Kinder Adams, welche für die Geschichte der Offenbarung von Wichtigkeit sind. - und sprach: Ich habe durch Gott einen Menschen Dass sie einen Sohn hat, nicht eine Tochter, erfreut sie wegen [1Mos 3,15]. - erhalten.
Kain und Abel bringen ihre Opfer dar
Und abermals gebar sie, seinen Bruder Abel. Sohn - Abel aber war ein Schafhirt, und Kain ein Ackerbauer. Es begab sich aber nach vielen Tagen, dass Kain von den Früchten der Erde dem Herrn Opfergaben darbrachte. Von dieser Zeit an spaltet sich das ganze Menschengeschlecht in zwei Klassen, die Kinder Gottes, die Gott anhängen, und die Kinder der Menschen, die sich gegen ihn empören. Es ist dem Menschen natürlich und dem Willen des Herrn entsprechend, dass der Mensch Gott mit seinem ganzen Wesen, mit Leib und Seele diene und darum auch seine religiösen Gesinnungen äußerlich kundgebe, insbesondere das Bewusstsein seiner vollkommenen Abhängigkeit von Gott, seinem Schöpfer und höchsten Herrn, ebenso seine Gefühle der Anbetung, des Dankes und der Bitte. Nachdem der Mensch im Sündenfalle durch unerlaubten Genuss seine Unschuld, Gottes Gnade und das Paradies verloren, so wie den Zorn Gottes herausgefordert hatte, musste ihm der Gedanke kommen, Gott zu versöhnen und die böse Begierlichkeit, die ihn zur Sünde trieb, zu bekämpfen durch freiwilligen und selbst schmerzvollen Verzicht auf Gegenstände seines Besitzes und Genusses und durch feierliche Weihe und Hingabe derselben an Gott, indem er sie an einem dafür bestimmten Orte (Altar) zerstörte. Indes wie sehr auch ein solcher Gedanke der Natur des Menschen entsprechen möge, leitete doch in der Tat die göttliche Offenbarung von Anfang an die Einsetzung der Opfer; denn nach dem Sündenfalle enthielten dieselben etwas, was sie erst durch die göttliche Offenbarung und Anordnung haben konnten, den Hinweis auf das wahre Versöhnungsopfer, das der beleidigten göttlichen Majestät vollkommene Genugtuung leisten, die Schuld der Menschen tilgen und ihnen die verlorene Gnade und das Recht auf den Himmel wiedergeben sollte. Darum nennt der heilige Johannes den Erlöser das Lamm, das geschlachtet worden vom Anbeginne der Welt, nämlich nach dem göttlichen Ratschlusse und in den vorbildlichen Opfern des Alten Bundes. Vergl. [Hebr 10,4, Joh 1,29.36]. Deshalb wird ohne jede weitere Bemerkung das Opfer Kains und Abels eingeführt; Paulus aber weist auf den Vorzug des Opfers Abels: weil er es im Glauben an den künftigen Erlöser dargebracht. [Hebr 11,4] - Abel aber brachte gleichfalls ein Opfer dar, von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fette. Da sah der Herr auf Abel und sein Opfer; aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht; Warum? In den Gaben findet sich nichts Tadelnswertes, doch das Herz ist es, welches die Schuld begründet. (Ambros.) Vergl. [Hebr 11,3]. Abel glaubt an die [1Mos 3,15] von Gott gegebene Verheißung; Kain argwöhnt, dass aus des Bruders Nachkommenschaft der Schlangentöter hervorgehen werde, und wird neidisch. - und Kain ergrimmte so heftig, dass sein Angesicht einfiel. Er war beschämt, dass Gott ihn gering geachtet und den jüngeren Bruder vorgezogen hatte. Vielleicht hatte ein Feuer vom Himmel Abels Gabe verzehrt. (Hieron.) - Da sprach der Herr zu ihm: Sinnlich wahrnehmbar. - Warum bist du ergrimmt, und warum ist dein Angesicht eingefallen? Wirst du nicht, wenn du Gutes tust, Lohn empfangen? Hebr.: Darfst du nicht, wenn du gut handelst, das Angesicht erheben? Die Sünde droht dir, lass ab von Zorn und Neid. - Tuest du aber Böses, wird nicht sogleich die Sünde vor der Tür sein? Aber ihre Begier soll unter dir sein, und du sollst über sie herrschen.
Kain erschlägt Abel
Und Kain sagte zu Abel, seinem Bruder: Lass uns hinaus gehen! Als sie nun auf dem Felde waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Vergl. [1Mos 3,9]. Indem Gott fragt, bietet er die Möglichkeit der Buße. - Er aber antwortete: Ich weiß es nicht! Bin ich etwa der Hüter meines Bruders? Und er sprach zu ihm: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit auf zu mir von der Erde. Ein schönes Bild der göttlichen Allwissenheit. - So sei nun Wie [1Mos 3,22]. - verflucht auf der Erde, Besser: Fortgetrieben von der Erde, von dieser fruchtbaren Erde. - die ihren Mund aufgetan und deines Bruders Blut von deiner Hand empfangen hat. Wenn du sie bebaust, soll sie dir ihre Früchte nicht geben; unstet und flüchtig sollst du auf Erden sein! Und Kain sprach zu dem Herrn: Meine Missetat ist zu groß, als dass ich Verzeihung verdiente! Siehe, du treibst mich heute aus dem Lande, Sinn wie in V. 11. Kains Trotz schlägt in Verzagtheit um. - und ich muss mich vor deinem Angesichte verbergen, Er denkt nicht an Gottes Vergebung, sondern der göttliche Fluch hat ihn erschüttert. - und werde unstet und flüchtig sein auf Erden. Jeder also, der mich findet, wird mich töten! Er wagt nicht, um Vergebung zu bitten, aber eine zeitliche Minderung der Strafe erfleht er. - Da sprach der Herr zu ihm: Das soll keineswegs geschehen, sondern wer immer Kain tötet, soll siebenfach Schwer. Die 7 ist heilige Zahl. - gestraft werden. Und der Herr gab Kain ein Zeichen, dass niemand ihn töte, der ihn irgend fände. Durch ein Zeichen, das Gott zur Bestätigung wirkte, gab er ihm Gewissheit, dass niemand ihn töten werde. - Da zog Kain weg von dem Angesichte des Herrn Von dem Orte, wo Gott sich offenbarte. - und nahm im Lande ostwärts von Eden seinen Aufenthalt Hebr.: Im Lande Nod (Verbannung) - als Flüchtling. Und Kain erkannte sein Weib, Geschwisterehen waren bei den ersten Menschen die notwendige Folge der gottgewollten Abstammung aller Menschen von einem Menschenpaare. - und sie empfing und gebar Henoch. Die ersten Namen hatten ihre besondere Bedeutung. - Und er baute eine Stadt Nicht notwendig im Sinne unseres Wortes, es ist vor allem ein zum Schlusse erbauter Wohnort. Es treibt ihn wohl das Bestreben, den Fluch der Verbannung aufzuheben und seinem Geschlechte einen Einheitspunkt zu schaffen für die verlorene Einheit in der Gemeinschaft mit Gott. Dass die Strafe lebenslänglich währen sollte, ist nicht gesagt. Demnach können die in diesem Verse berichteten Ereignisse auch nach dem Morde Abels liegen. - und nannte sie nach dem Namen seines Sohnes, Henoch. Henoch aber zeugte Irad, Irad zeugte Maviael, Maviael zeugte Mathusael, und Mathusael zeugte Lamech. Dieser nahm sich zwei Frauen: der Name der einen war Ada, der Name der andern Sella. Und Ada gebar Jabel; dieser wurde der Vater der Zeltbewohner und der Hirten. Nicht aber der erste oder einzige. Der Verfasser will nur sagen, dass das Land Nod ein Weideland war. - Sein Bruder aber hieß Jubal; dieser ward der Vater derer, welche die Laute und die Flöte spielen. Und Sella gebar den Tubalkain, der allerlei Erz und Eisenwerk hämmerte und schmiedete. Die hauptsächlichsten Gewerbe und Künste wurden von den Kainiten erfunden und schon in gottwidriger Weise betrieben. Weit entfernt aber, dass diese Erfindungen in dem Fluche ihre Ursache hatten, der auf dem Geschlechte Kains ruhte, wurzeln sie vielmehr in den dem Menschengeschlechte anerschaffenen geistigen Kräften zur Beherrschung und Dienstbarmachung der Natur. - Die Schwester Tubalkains aber war Noema. Dieser Name kehrt in [1Koe 14,21.31] und [2Chr 12,13] wieder. Die Geschlechtsreihe der Sethiten vor der Sündflut ist bis zum zehnten Gliede, die der Kainiten bis zum siebenten gegeben. Von da heiraten die Sethiten wohl die schönen Töchter der Kainiten, Noema heißt die Schöne und ist wohl eine der [1Mos 6,2] erwähnten Töchter der Menschen, die erste, die einen Sethiten heiratet. - Und es sprach Lamech zu seinen Weibern Ada und Sella. Lamech nahm zwei Weiber und machte damit den Anfang zur Vielweiberei, wodurch die sittliche Seite der gottgeordneten Ehe in Sinnlichkeit und Fleischeslust verkehrt wurde. Ada: die Schmucke. Sella: die Schattige. - Höret meine Stimme, ihr Weiber Lamechs! Merket auf meine Rede: Ich habe einen Mann erschlagen für meine Wunde, einen Jüngling für meine Beule. Siebenfach wird Kain gerächt werden, Lamech aber siebenzigmal siebenmal. Lamech hat aus der Hand des Tubalkain ein Schwert empfangen. Jetzt fühlt er sich mächtiger als alle Gegner und ruft, er werde für jede Verwundung den Tod geben. Gott hat dem, der Kain töten würde, siebenfache Strafe angedroht, ich werde jedes Unrecht 70 mal 7 rächen. Eine Gotteslästerung liegt darin, dass Lamech sich selbst erfolgreicher verteidigen will als durch Gott. Damit schließt die Geschichte der Kainiten. Der Vater ein Brudermörder, die Nachkommen Männer der Gewalt. Wahrscheinlich hat Lamech, da er sich mit Kain vergleicht, einen Mord (Doppelmord) begangen. - Und Adam erkannte abermals sein Weib, und sie gebar einen Sohn und nannte seinen Namen Seth, Der Gesetzte. Anfang einen neuen Nachkommenschaft. - indem sie sprach: Es hat mir Gott eine andere Nachkommenschaft gesetzt an Stelle Abels, den Kain erschlagen hat. Aber auch Seth ward ein Sohn geboren, den er Enos Der Mensch, nach seiner Ohnmacht. - nannte. Dieser fing an, den Namen des Herrn anzurufen. Die Verehrer Gottes begannen diese Verehrung als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit zu betrachten und sie gemeinsam zu üben. Während das Geschlecht der Kainiten durch Anlegung einer Stadt und durch Erfindung und Ausbildung weltlicher Gewerbe und Künste den Grundstein für das Weltreich legte, begann das Geschlecht der Sethiten durch gemeinsame Anrufung des Gottes der Gnade das Reich Gottes zu bauen.

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