c. Joseph wird vor Pharao berufen, erklärt, was niemand vermag, demselben dessen Traum von sieben fetten und sieben mageren Kühen und sieben vollen und sieben dürren Ähren (V. 36), und wird als Vizekönig über Ägypten gesetzt. (V. 44) Die ihm von Pharao gegebene Ehefrau gebiert ihm zwei Söhne, Ephraim und Manasse. D. Joseph und seine Brüder in Ägypten. (41,53 – 45,28) a. Auf sieben fruchtreiche durch die Träume Pharaos vorbedeutenden Jahre folgen die ebenfalls vorhergesagten sieben mageren Jahre, welche alle umwohnenden Völkerschafen zwingen, in Ägypten Lebensmittel zu kaufen.
1Zwei Jahre darauf hatte Pharao einen Traum. Es war ihm, er stehe am Strome,2 und aus diesem stiegen sieben Kühe empor, überaus schön und fett; und sie weideten in den feuchten Gefilden.Die fetten Kühe kommen vom Nile, der Quelle der Fruchtbarkeit Ägyptens, her und weiden auf grünenden Wiesen, die mageren weiden nur am Ufer selbst. -3 Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Strome auf, hässlich und abgemagert; und sie weideten am Ufer des Stromes, auf grünenden Auen,4 und verschlangen die Kühe, die wunderbar schön von Aussehen und fetten Leibes waren. Da erwachte Pharao.5 Als er wieder eingeschlafen war, hatte er einen zweiten Traum: Sieben Ähren wuchsen auf einem Halme, voll und schön.6 Nach ihnen sprossten sieben andere Ähren, dünn und vom GlutwindDem von Südosten aus der Wüste wehenden Chamsin. - verbrannt auf7 und verschlangen die vorigen schönen Ähren. Da erwachte Pharao aus seinem Schlafe,8 und als es Morgen geworden war, sandte er, von Schrecken überwältigt, zu allen Wahrsagern und allen WeisenEr ließ wohl eine Auslese von Wahrsagern und Weisen kommen. - Ägyptens, ließ sie kommen, und erzählte ihnen seinen Traum. Doch keiner war da, der ihn ausgelegt hätte.9 Da erst erinnerte sich der Obermundschenk und sprach: Ich bekenne mein Vergehen:Die Vulgata weist mehr darauf hin, dass der Mundschenk sein Vergehen gegen Joseph bekennt; nach dem Hebr. kann er sich auch seiner Schuld gegen den König erinnern. -10 Als der König auf seine Knechte zürnte, ließ er mich und den Oberbäcker in den Kerker des Anführers der Leibwache werfen.11 Dort hatten wir beide in einer Nacht einen Traum, der Künftiges bedeutete.12 Nun war daselbst ein hebräischer Jüngling, ein Diener eben des Befehlshabers der Leibwache; diesem erzählten wir unsere Träume,13 und wir hörten genau das, was nachher der Ausgang bestätigte; denn ich wurde wieder in mein Amt eingesetzt, und jener ward an das Kreuz gehängt.14 Da ward Joseph sogleich auf das Geheiß des Königs aus dem Kerker herausgeführt, und nachdem sie ihn geschoren und ihm andere Kleider angetan hatten, brachten sie ihn vor den König.15 Dieser sprach zu ihm: Ich habe Träume gehabt, und es ist keiner da, der sie auslegen kann. Nun habe ich von dir gehört, dass du sie sehr weise deutest.16 Da antwortete Joseph: Nicht ich vermag es, Gott wird Pharao Heil bringende Antwort geben.Mit großer Klugheit schreibt er Gott alles zu, wie [1Mos 40,8]. Es war zudem in Ägypten Sklaven untersagt, geheime Künste zu treiben. -17 Nun erzählte Pharao, was er gesehen hatte: Es war mir, als stände ich am Ufer des Flusses;18 da stiegen sieben Kühe aus dem Strome herauf, überaus schön und fetten Leibes, diese weideten das feuchte Ufergras ab.19 Und siehe, nach ihnen stiegen sieben andere Kühe herauf, so hässlich und mager, wie ich solche im Lande Ägypten niemals gesehen habe.20 Diese fraßen und verschlangen die ersten,21 und gleichwohl verriet nichts, dass sie gesättigt waren, sondern sie waren mager und hässlich, wie zuvor. Da erwachte ich, und wieder vom Schlafe überwältigt,22 hatte ich diesen Traum: Sieben Ähren wuchsen an einem Halme sehr voll und schön.23 Dann wuchsen aus dem Halme sieben andere hervor, dürr und vom Glutwind versengt.24 und die dürren verschlangen die ersten schönen. Ich habe den Wahrsagern den Traum erzählt, aber keiner kann ihn auslegen.Joseph deutet Pharaos Traum
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.25 Da antwortete Joseph: Der Traum des Königs ist ein und derselbe! Gott verkündigt dem Pharao, was er tun will.Auf der Wiederholung des Traumbildes schließt Joseph auf die unwiderrufliche Sicherheit und das baldige Eintreten des von Gott Offenbarten. -26 Die sieben schönen Kühe und die sieben vollen Ähren sind sieben fruchtbare Jahre; und haben dieselbe Bedeutung im Traume.27 Die sieben dürren und magern Kühe, die nach ihnen heraufstiegen, und die sieben dünnen, vom Glutwind verbrannten Ähren sind sieben Jahre einer kommenden Hungersnot.28 Die Jahre werden so aufeinander folgen:Die Vulgata umschreibt, kürzt und behandelt den Text dieser Erzählung vielfach sehr frei. -29 Siehe, es werden sieben Jahre kommen, in denen im ganzen Lande Ägypten große Fruchtbarkeit herrscht;30 nach diesen werden sieben andere Jahre von solcher Unfruchtbarkeit folgen, dass man des früheren Überflusses ganz vergessen wird, denn die Hungersnot wird das ganze Land aufreiben31 und die Größe des Mangels wird die Größe des Überflusses vernichten.32 Dass du aber einen Traum zweimal hattest, der dieselbe Sache betrifft, ist das Anzeichen der Gewissheit, mit der Gottes Verkündigung in Erfüllung geht und bald verwirklicht wird.33 So sehe sich der König nun um einen weisen und tätigen Mann um und setze ihn über das Land Ägypten;34 und dieser setze Aufseher über alle Landschaften und sammle den fünften Teil der Früchte während der sieben Jahre der Fruchtbarkeit,35 die schon jetzt kommen werden, in Vorratshäuser auf, und alles Getreide werde mit Pharaos Vollmacht und in den Städten aufgeschüttet und aufbewahrt.Der Auslegung fügt Joseph einen Rat bei, da er gleichfalls von Gott kommt, gute Aufnahme findet. -36 So werde ein Vorrat geschaffen für die sieben Jahre der Hungersnot, welche Ägypten bedrängen wird, und so wird das Land nicht durch Mangel zu Grunde gehen.37 Dieser Rat gefiel dem Pharao und allen seinen Dienern wohl,38 und er sprach zu ihnen: Könnten wir wohl einen Mann finden, der voll des Geistes Gottes ist, wie dieser?39 So sprach er denn zu Joseph: Weil Gott dir alles kundgetan hat, was du gesagt hast, könnte ich da wohl einen Mann finden, der weiser als du, oder dir vergleichbar wäre?40 Du sollst über mein Haus gesetzt sein, und dem Befehle deines Mundes soll das gesamte Volk gehorchen; nur durch den Königsthron allein werde ich höher sein als du.Das Amt, das Joseph empfing, war wohl das eines „Herrschers über die Höchststehenden im Süden und Norden“, mit dem das höchste Richteramt verbunden war. -41 Und wiederum sprach Pharao zu Joseph: Siehe, ich setze dich über das ganze Land Ägypten.Ausführung des Beschlusses. -42 Und er zog den Ring von seiner Hand,Zur königlichen Ausrüstung gehörte in Ägypten der Siegelring, meist mit dem Namen des Königs. - und steckte ihn an Josephs Hand, und ließ ihn mit einem Kleide von feinstem LinnenDiese Bekleidung war eine in Ägypten übliche Auszeichnung. Die Auszeichnung mit der goldenen Kette (vergleichbar mit den jetzigen Ordensverleihungen) war ebenso eine in Ägypten nicht ungewöhnliche Belohnung. Vielleicht war sie für Joseph zugleich die Einsetzung in sein Amt als oberster Richter, denn diese legten eine goldene Kette mit einem Bilde aus kostbaren Steinen, das die Wahrheit hieß, um den Hals, wenn eine Sitzung begann. - bekleiden, und legte eine goldene Kette um seinen Hals.43 Alsdann ließ er ihn seinen zweiten Wagen besteigen,Den zweiten, dem Range nach, den ersten behielt der König für sich. - und durch einen Herold vor ihm her rufen, dass alle vor ihm ihre Kniee beugenAbreth (ägyptisch), ein Wort von zweifelhafter Deutung, mit welchem die Hebräer wohl diesen Sinn verbanden. Auch die Statthalter wurden durch Kniebeugung oder vielmehr durch Niederwerfen geehrt. - und wissen sollten, dass er über das ganze Land Ägypten gesetzt sei.44 Auch sprach der König zu Joseph: Ich bin Pharao;Name der Würde. Großes Haus (vergl. hohe Pforte) - ohne deinen Willen soll niemand im ganzen Lande Ägypten Hand oder Fuß regen.45 Und er änderte seinen Namen, und nannte ihn in ägyptischer Sprache Retter der Welt,Zaphnath-Paneach, was man u. a. übersetzt: Es spricht der Gott und er lebt. Der heilige Hieronymus hat für den ägyptischen Namen eine Übersetzung gewählt, in der Josephs Tätigkeit sich wiederspiegelt. Die Namensänderung war bei den ägyptischen Beamten nicht ungewöhnlich; bei Joseph aber umso mehr begründet, als so seine ausländische Herkunft nicht mehr hervortrat. - und gab ihm Aseneth,Der Göttin Neit angehörig. - die Tochter des Putiphare,Geschenk des Sonnengottes. Eine Abkürzung dieses Namens ist Putiphar, wie [1Mos 37,36] der Oberst der Leibwache heißt. Dass Joseph die Tochter eines Priesters erhielt, geschah wohl, weil er seines monotheistischen Glaubens halber nicht, wie es sonst hohen Würdenträgern zukam, das Amt eines Oberpriesters bei einem Tempel bekleiden konnte, und diese Ehe einen Ersatz bilden sollte. - des Priesters von Heliopolis zum Weibe. So bereiste Joseph das Land Ägypten.46 (dreißig Jahre war er alt, als er vor dem König Pharao stand,)Er war also etwa 13 Jahre Sklave gewesen. - und zog durch alle Landschaften Ägyptens.47 Und es kam die Fruchtbarkeit der sieben Jahre, und die Früchte wurden in Garben gebunden und in die Vorratshäuser Ägyptens gesammelt,48 und aller Überfluss der Früchte ward in den einzelnen Städten hinterlegt.49 So groß war der Überfluss an Getreide, dass er dem Sande am Meere gleich wurde und vor Menge nicht mehr zu messen war.In Ägypten, wo selbst die geringste Kleinigkeit von den Schreibern notiert wurde, eine unerhörte Sache. -50 Dem Joseph aber wurden, ehe die Hungersnot ausbrach, zwei Söhne geboren, welche ihm Aseneth, die Tochter Putiphares, des Priesters von Heliopolis gebar.51 Und er nannte den Namen des Erstgeborenen Manasses,Nicht seine ägyptische Gattin, sondern Joseph gibt die Namen. Manasses: Einer, der in Vergessenheit bringt. - indem er sprach: Gott hat mich alle meine Mühsale und das Haus meines Vaters vergessen lassen.Joseph hat durch die wunderbare Wendung seines Schicksals die Erkenntnis gewonnen, dass er nach göttlichen Ratschlusse nach Ägypten gebracht, von Gott aus der Sklaverei und dem Kerker erlöst und zum Herrn über ganz Ägypten erhoben ist, so dass er sich nun ganz Gott überlässt und auf eigenes Eingreifen in dessen Ratschluss verzichtet. -52 Den Namen des zweiten nannte er Ephraim,Doppelfruchtbarkeit. Die Nachkommen des Zweitgeborenen hatten eine größere Wichtigkeit als die des Erstgeborenen, wie die Umstände der Adoption durch Jakob zeigen. [1Mos 48,19ff] - denn er sprach: Gott hat mich fruchtbar gemacht im Lande meiner Armut.53 Als nun die sieben Jahre des Überflusses in Ägypten vorübergegangen waren,54 begannen die sieben Jahre der Not zu kommen, welche Joseph vorhergesagt hatte, und die Hungersnot nahm in allen Landen überhand, im ganzen Lande Ägypten aber war Brot.In den Scheunen geborgen. Deshalb beginnt bald die Not im Lande. -55 Als nun auch dieses Hunger litt, rief das Volk zu Pharao um Nahrung. Er antwortete ihnen: Gehet zu Joseph; und alles, was er euch sagen wird, tuet!56 Die Hungersnot aber nahm alle Tage im ganzen LandeÄgypten. Die Maßregeln für Ägypten sind dem Verfasser weniger wichtig, weshalb er sie nur kurz erwähnt, um erst, nachdem er die wunderbare Vereinigung Josephs mit seiner Familie erzählt hat, wieder auf dieselben zurückzukommen. [1Mos 47,13-27] - zu; da öffnete Joseph alle Vorratshäuser und verkaufte den Ägyptern Getreide, denn auch sie drückte der Hunger hart.57 Und alle LänderAlle benachbarten Länder. kamen nach Ägypten, um Getreide zu kaufen und der harten Not zu steuern.