Genesis 42

b. Jakob sendet seine Söhne, mit Ausnahme Benjamins, nach Ägypten. (V. 4) Joseph erkennt seine Brüder, redet sie hart an und entlässt sie nur unter der Bedingung, dass sie das nächste Mal ihren Bruder Benjamin mit sich nach Ägypten bringen. (V. 35) c. Jakob will in die Mitnahme seines jüngsten Sohnes nicht einwilligen.

Da aber Jakob hörte, dass man in Ägypten Getreide verkaufe, sprach er zu seinen Söhnen: Warum säumt ihr? Ich habe gehört, dass man Getreide in Ägypten verkauft; ziehet hinab, und kaufet, was wir nötig haben, damit wir leben können und nicht vor Hunger umkommen. Da zogen zehn von den Brüdern Josephs hinab, um Getreide in Ägypten zu kaufen; Benjamin aber ward von Jakob zu Hause behalten; denn, sagte er zu dessen Brüdern, es möchte ihm auf der Reise ein Leid widerfahren. So kamen sie in das Land Ägypten mit anderen, welche dahin zogen, um einzukaufen; denn die Hungersnot herrschte im Lande Chanaan. Und Joseph war Machthaber über das Land Ägypten, und nach seiner Anordnung ward den Völkern Getreide verkauft. Als nun seine Brüder sich vor ihm verneigten, Die damalige (Hyksos) Dynastie war besorgt wegen etwaiger Einfälle von Osten. Die Brüder Josephs, leicht als Semiten erkennbar, mussten mit ihrem zahlreichen Tross Aufsehen machen und werden wohl wegen Verdachtes der Spionage (V. 9ff) vor den höchsten Richter geführt. Sich verneigen: sich niederwerfen. Jetzt musste Joseph an seine Träume denken; doch noch fehlte an der Erfüllung derselben die Gegenwart eines Bruders. Nach diesem fragt er, zugleich seine Brüder auf die Probe stellend, ob sie sich gebessert. Diesem Ziele dienen seine weiteren Worte. - erkannte er sie, und redete sie hart an, als ob sie Fremde wären, und fragte sie: Woher kommt ihr? Sie antworteten: Aus dem Lande Chanaan, um das zum Leben Notwendige zu kaufen. Und obwohl er seine Brüder erkannte, erkannten doch sie ihn nicht. Da gedachte er der Träume, die er einst gehabt hatte, und sprach zu ihnen: Ihr seid Kundschafter und seid gekommen, zu erspähen, wo das Land unbewahrte Stellen hat. Sie sprachen: Nicht also, o Herr, sondern deine Knechte sind gekommen, um Nahrung zu kaufen. Wir alle sind Söhne eines Mannes; in friedlicher Absicht sind wir gekommen, und deine Knechte sinnen auf nichts Böses. Zehn Brüder pflegen nicht zugleich Kundschafter zu sein. Auf nichts Böses. Hebr.: Sind nicht Kundschafter. - Er antwortete ihnen: Es ist anders! Ihr seid gekommen, um zu erspähen, wo das Land nicht befestigt ist. Sie sprachen: Zwölf Brüder sind wir, deine Knechte, Söhne eines Mannes im Lande Chanaan; der jüngste ist bei unserm Vater, und ein anderer ist nicht mehr da. Einen anderen Beweis haben die Armen nicht, und wiederholen deshalb ihre Erzählung. - Da sprach Joseph: Es ist so, wie ich gesagt habe: Ihr seid Kundschafter! Doch nun will ich euch prüfen. Beim Leben Pharaos! ihr sollt nicht von hier wegziehen, bis euer jüngster Bruder hierher gekommen ist. Joseph sehnt sich nach seinem Bruder von derselben Mutter. - Sendet einen von euch hin, der ihn herbeihole; ihr aber werdet gefangen bleiben, bis sich zeiget, ob das, was ihr gesagt habet, wahr ist oder falsch, sonst, beim Leben Pharaos! Ägyptische Sitte der Beteuerung. So bestärkt er seine Brüder in dem Glauben, dass ein geborener Ägypter zu ihnen rede. - seid ihr Kundschafter. Also ließ er sie in Gewahrsam legen drei Tage lang. Am dritten Tage aber ließ er sie aus dem Gefängnisse herausführen und sprach: Tuet, wie ich gesagt habe, Richtiger: Was ich sage, denn er mildert den vor drei Tagen gefällten Ausspruch zu Gunsten seiner Brüder. Gehen sie auf den Vorschlag nicht ein, so bedroht er sie mit dem Tode. - und ihr werdet am Leben bleiben; denn ich fürchte Gott! Als Beweis seiner guten Absicht beruft er sich auf seine Gottesfurcht. Ich werde euch nicht ungerecht behandeln, wenn ihr eure Unschuld beweist, oder: ich werde mein Versprechen halten und euch freilassen. - Wenn ihr friedliche Leute seid, so bleibe einer von euch Brüdern im Gefängnisse; ihr anderen aber ziehet hin, Das Folgende hebräisch: Und schaffet das Getreide heim, dessen ihr für eure Familie bedürft. - und bringet das Getreide, das ihr gekauft habt, zu euren Familien, und bringet euren jüngsten Bruder zu mir her, damit ich eure Aussagen prüfen könne und ihr nicht sterbet. Da taten sie, wie er gesagt hatte, und sprachen zueinander: Verdientermaßen leiden wir dies, denn wir haben uns an unserem Bruder versündigt: wir sahen seine Seelenangst, während er uns anflehte, und wir hörten nicht darauf; darum ist nun diese Trübsal über uns gekommen. Die Strafe öffnet die Augen, welche die Schuld verschlossen. (Greg.) Sie bereuen ihr Unrecht aufrichtig. - Und einer von ihnen, Ruben, sprach: Habe ich es euch nicht gesagt: Versündiget euch nicht an dem Knaben; aber ihr hörtet nicht auf mich? Sehet, nun wird sein Blut gefordert! Sie wussten aber nicht, dass Joseph sie verstand, weil er durch einen Dolmetscher zu ihnen sprach. Dieser war also jetzt nicht zugegen. - Da wandte er sich von ihnen ab und weinte; und nach einer kleinen Weile sich ihnen wieder zuwendend, redete er zu ihnen. Hierauf ließ er Simeon vor ihren Augen ergreifen und binden Warum Joseph gerade Simeon zurückbehielt, ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Ruben hatte seine Schonung verdient, deshalb wählt er diesen nicht, sondern den Zweitältesten. Von jetzt an erscheint Simeon als Gefangener [1Mos 42,34.36, 1Mos 43,14]. Seine Freilassung wird [1Mos 43,23] berichtet, und damit stimmt [1Mos 43,33], wo von allen Brüdern die Rede ist, überein, und [1Mos 44,17-34], wo Joseph nur einen als Gefangenen fordert, den angeblichen Dieb Benjamin. - und gebot den Dienern, ihre Säcke mit Getreide zu füllen, und einem jeden sein Geld wieder in seinen Sack zu legen, ihnen auch Lebensmittel auf den Weg zu geben. Er will ihnen einen Beweis seines Wohlwollens geben. - Sie taten also. Jene aber luden das Getreide auf ihre Esel und zogen von dannen. Als aber einer seinen Sack öffnete, um in der Herberge seinem Tiere Futter zu geben, sah er sein Geld im Sacke obenauf liegen und sprach zu seinen Brüdern: Man hat mir mein Geld zurückgegeben, sehet, hier liegt es in dem Sacke! Erstaunt und bestürzt sagte einer zu dem andern: Was hat uns Gott angetan? Sie sind von Furcht erfüllt, es möchte ihnen ein Hinterhalt gelegt sein. Auch die übrigen fanden das Geld. Vergl. [1Mos 43,21]. - Und sie kamen zu Jakob, ihrem Vater, in das Land Chanaan, und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war, und sprachen: Der Herr des Landes hat hart zu uns geredet, und meinte, wir wollten das Land auskundschaften. Wir antworteten ihm: Wir sind friedliche Leute und hegen keine listigen Anschläge. Wir sind zwölf Brüder, von einem Vater gezeugt; einer ist nicht mehr, der jüngste ist bei unserm Vater im Lande Chanaan. Er aber sprach zu uns: Daran werde ich erkennen, ob ihr friedliche Leute seid: Einen von euch Brüdern lasset bei mir zurück, und nehmet das für eure Familien notwendige Getreide, und ziehet hin, und bringet euern jüngsten Bruder hierher zu mir, damit ich mich überzeuge, dass ihr keine Kundschafter seid, und dass ihr den, der gefangen bleibt, zurückerhalten möget, und es euch dann gestattet sei, zu kaufen, was ihr wollt. Vergleiche den Bericht der Brüder [1Mos 44,22]. Was ihr wollt: Hebr.: Und ihr möget das Land durchziehen. - Da sie dies gesagt hatten und ihr Getreide ausschütteten, fand ein jeder seinen Beutel mit Geld oben in seinem Sack; und sie erschraken alle miteinander. Ihr Staunen in der Herberge wird jetzt zum Schrecken. Alle haben ihr Geld wiedergefunden, der eine unterwegs, die anderen zu Hause. Wenn die Brüder [1Mos 43,21] die Tatsache vor allem dem Haushalter Josephs erzählen, fassen sie zusammen, was genau genommen, geschieden werden muss. Andere Erklärer sagen: Alle Brüder entdeckten schon auf der Reise das Geld, und nun erst überkommt sie so große Furcht, da sie den Schrecken des Vaters sehen. - Da sprach Jakob, ihr Vater: Ihr macht mich kinderlos! Joseph ist nicht mehr, Simeon liegt gefangen, und Benjamin wollet ihr wegnehmen; auf mich kommt all dies Unglück. Da antwortete ihm Ruben: Töte meine beiden Söhne, wenn ich ihn dir nicht wieder zurückbringe; vertraue ihn mir an, und ich werde ihn dir wieder zurückstellen. Ruben ist im Vertrauen auf Gottes Vorsehung und den Eidschwur Josephs sicher. - Er aber sprach: Mein Sohn soll nicht mit euch hinabziehen; sein Bruder ist tot, und er ist allein übrig; Von Rachel. wenn ihm ein Leid widerführe in dem Lande, in das ihr ziehet, so würdet ihr meine grauen Haare vor Kummer unter die Erde bringen.

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