Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.1Da konnte Joseph nicht länger an sich halten vor allen, welche ihn umstanden, und gebot daher, dass alle hinausgehen sollten und kein Fremder zugegen wäre, wenn er sich seinen Brüdern zu erkennen gäbe.2 Und er begann laut zu weinen, so dass die ÄgypterVom Hause Josephs. - und das ganze Haus Pharaos es hörten.3 Dann sprach er zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph; lebt mein Vater noch?Das ist seine höchste Herzensangelegenheit, und nichts konnte die Brüder schneller mit Joseph verbinden als der Gedanke an den gemeinsamen Vater. - Aber seine Brüder konnten nicht antworten; so großer Schrecken hatte sie erfasst.In Erinnerung ihres alten Unrechtes. -4 Da sprach er freundlich zu ihnen: Tretet doch her zu mir! Und als sie näher getreten waren, sagte er: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.5 Fürchtet euch nicht und lasset es euch nicht schwer aufs Herz fallen, dass ihr mich in dieses Land verkauft habt;Hebr.: Und nun seid nicht bekümmert und geratet nicht in Unmut darüber, dass ihr mich hierher verkauft habt. - denn zu eurem Heile hat mich Gott euch voraus nach Ägypten gesandt.Wie liebreich weiß er sie zu entschuldigen! -6 Denn zwei Jahre ist es, dass der Hunger auf Erden begonnen hat, und noch stehen fünf Jahre bevor, in denen man weder wird pflügen noch ernten können.7 So hat mich Gott voraus gesandt, dass ihr erhalten werdet auf Erden und Speise haben könntet, um zu leben.Hebr.: Gott aber schickte mich euch voraus, um Sorge zu tragen für den Fortbestand eures Stammes, und dass ihr am Leben bliebet, dass es zu einer großen Errettung käme. Somit habt nicht ihr mich hierher geschickt, sondern Gott usw. So weisen Josephs Worte auf die Bedeutung hin, die er selbst als Vorbild des messianischen Heiles hat. -8 Nicht durch euren Ratschluss, sondern nach Gottes Willen bin ich hierher gesandt,Dreimal tröstet Joseph seine Brüder, dass nicht sie ihn nach Ägypten geschafft, sondern der Herr ihn dorthin geführt hat. Die Art, wie Joseph seine Brüder tröstet, ähnelt der Milde, mit welcher der heilige Petrus am ersten Pfingstfeste zu den Juden spricht. - er hat mich gleichsam zum Vater Pharaos, und zum Herrn seines ganzen Hauses, und zum Gebieter über das ganze Land Ägypten gemacht.Vater Pharaos: allerhöchster Beamter, der die Befehle im Namen des Herrschers erlässt. Als solcher hat er auch die Verwaltung des Privatvermögens des Königs, ist Herr des Palastes, und ist dem Volke gegenüber Herr über das ganze Land. -9 Eilet, und ziehet hinauf zu meinem Vater, und saget ihm: Dieses lässt dir dein Sohn Joseph sagen: Gott hat mich zum Herrn über das ganze Land Ägypten gemacht; komme herab zu mir, säume nicht!10 Du sollst im Lande GessenGessen (Hebr.: Gosen, Sept.: Gesem) ist der Teil Ägyptens, welcher sich vom tanitischen Nilarm ostwärts bis zur Landenge von Suez und südlich bis zu dem Hügelland zwischen dem Nil und den Bitterseen erstreckt. Dieses Gelände bildete später den 20. Gau von Unterägypten, und hieß als solches semitisch Kesem (Ostland, ägyptisch Kos). Zur Zeit Josephs schloss dieser Distrikt eine große, sehr fruchtbare Ebene in sich, welche heut durch den See Menzaleh ausgefüllt wird. Als bedeutendste Städte in Gessen werden Ramesses [1Mos 47,11] und Pithom genannt. Ramesses trug den Namen von König Ramses. Dort residierte Ramses II., der die Israeliten zu Fronarbeiten zwang, und Menephta, unter dem sie auszogen. Ramesses war wahrscheinlich dieselbe Stadt, wie das [4Mos 13,23, Ps 77,12.43, Jes 19,11] u.a. genannte Tanis (hebr. Zoan), heute San. Pithom (hebr. Suchoth, Vulg. Sokoth oder Sokkoth), wird [2Mos 12,37, 2Mos 13,20, 4Mos 33,5] als zweite Station des Wüstenzuges bezeichnet. Später hieß es Heroopolis. – Nicht zu verwechseln mit der ägyptischen Landschaft Gosen ist die palästinensische gleichen Namens. [Jos 10,41, Jos 11,16] - deinen Wohnsitz nehmen und mir nahe sein, du, und deine Söhne, und die Söhne deiner Söhne, deine Schafe und deine Herden, und alles, was du besitzest.11 Daselbst will ich dich erhalten (denn es sind noch fünf Hungersjahre übrig), damit du nicht umkommest, noch dein Haus, noch alles, was du besitzest.So will er Jakob bewegen, das den Patriarchen verheißene Land zu verlassen. -12 Sehet, eure Augen und die Augen meines Bruders Benjamin sehen, dass mein Mund zu euch redet.Diese Worte sind besonders für den Vater berechnet, demselben jeden Zweifel zu nehmen. -13 Verkündet meinem Vater alle meine Herrlichkeit, und alles, was ihr in Ägypten gesehen habt; eilet und bringet ihn zu mir her.14 Hierauf umarmte er seinen Bruder Benjamin, und fiel ihm um den Hals, und weinte, und auch jener weinte gleicherweise an seinem Halse.15 Und Joseph küsste alle seine Brüder und weinte über einen jeden, und dann erst wagten sie zu ihm zu reden.Nachdem seine Rührung sie überzeugt, dass er wirklich Joseph sei und keinen feindseligen Gedanken gegen sie hege. -16 Und es wurde bekannt und es ging die Kunde am Hofe des Königs von Mund zu Mund: Die Brüder Josephs sind gekommen! Und Pharao freute sich darüber und sein ganzes Haus.17 Und er sprach zu Joseph, er sollte seinen Brüdern gebieten: Beladet eure Tiere, und ziehet hin in das Land Chanaan,18 und holet euren Vater, und eure Verwandtschaft von dort, und kommet her zu mir; und ich will euch alle Güter Ägyptens geben, dass ihr von dem Besten des Landes esset.19 Befiehl auch, sie sollen WagenAußer V. 21, 27 und 46,5 werden Wagen im Pentat. nur noch [4Mos 7,3-8] erwähnt. In Palästina, auch nach Ägypten, reiste man meist zu Fuß, Frauen und Kinder benutzten den Esel als Reittier [2Mos 4,20, Jos 15,18, 1Sam 25,20.42] ebenso die Schwachen. [2Chr 28,15] Reitkamele werden [1Mos 24] erwähnt. Die hier erwähnten Wagen hatten vermutlich keine Sitze, sondern waren zwei- oder vierräderige Karren. Von diesen sind die Staatswagen zu unterscheiden, wie der Wagen Josephs [1Mos 46,29] vergl. [1Mos 41,43], und die Kriegswagen [2Mos 14,9] - mitnehmen aus dem Lande Ägypten, um ihre kleinen Kinder und ihre Frauen darauf zu setzen, und sage: Nehmet euren Vater und eilet so schnell wie möglich herzukommen!20 Sendet auch nichts von eurem Hausrate herab, denn alle Reichtümer Ägyptens sollen euer sein.21 Da taten die Söhne Israels, wie ihnen geboten war. Joseph gab ihnen Wagen, nach dem Befehle Pharaos, und Zehrung auf die Reise;22 auch ließ er einem jeden zwei EhrenkleiderÄußere Kleider. Die Orientalen wechseln bei feierlichen Gelegenheiten die Kleider. Vergl. [1Mos 35,2, 1Mos 41,14]. - bringen; dem Benjamin aber gab er dreihundert Silberlinge und fünf der besten Ehrenkleider.23 Und eben so viel Geld und Kleider sandte er seinem Vater, und fügte noch zehn Esel hinzu, beladen mit den kostbarsten Gaben Ägyptens, und ebensoviele Eselinnen, welche Getreide und Reisezehrung trugen.24 So entließ er denn seine Brüder und sprach zu ihnen, da sie hinzogen: Zanket nicht auf dem Wege!25 Und sie zogen fort aus Ägypten und kamen in das Land Chanaan zu Jakob, ihrem Vater.26 Da erzählten sie ihm und sprachen: Joseph, dein Sohn, ist noch am Leben, und er gebietet über das ganze Land Ägypten. Da Jakob das hörte, war es, als erwache er aus einem schweren Schlafe, doch glaubte er ihnen nicht.Hebr.: Da wurde sein Herz starr, denn er glaubte ihnen nicht. -27 Als sie ihm aber alles der Ordnung nach erzählten, und er die Wagen und alles sah, was Joseph gesandt hatte, lebte sein Geist wieder auf,28 und er sprach: Genug ist es mir, wenn mein Sohn Joseph noch lebt;Er fragt nichts nach Josephs Macht und Herrlichkeit, ihm genügt es, dass sein Sohn lebt. ich will hinziehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.