Hebräerbrief 4

Wie die Israeliten in das gelobte Land, so sind die Christen zu einer Ruhe berufen, in welche jene wegen ihres Unglaubens nicht eingegangen sind. (V. 10) Deshalb müssen die Christen eifrig bestrebt sein, in dieselbe einzugehen und darum am Glauben festhalten. (V. 13) 3. Der Vergleich zwischen den Hohenpriester des Neuen Testamentes mit denen des Alten zeigt die gleiche Erhabenheit Christi. (4,14 – 10,18) a. Jesus ist ein Hoherpriester, und zwar nach der Ordnung Melchisedechs. (4,14 – 7,3) 1) Kurze Mahnung zum Festhalten am Glauben, nach der der Apostel darlegt, dass Jesus ein Hoherpriester ist. (4,14 – 5,10)

Fürchten wir uns also, dass, da noch eine Verheißung, Zwei Klassen ist eine Verheißung gegeben: den Israeliten in der Wüste (V. 6) und denen, welchen die Verheißung Gottes durch David gilt. (V. 7) - in seine Ruhe In die himmlische Seligkeit, deren Vorbild der Besitz des Landes Chanaan war. - einzugehen, übrig gelassen ist, nicht jemand von euch als säumig erfunden werde. Denn auch an uns ist die Botschaft Die frohe Botschaft, wie die alte vom gelobten Lande, so die neue vom himmlischen Jerusalem. - ergangen, gleichwie an jene; aber jenen hat das vernommene Wort Die Verheißung, welche sie gehört. - nichts genützt, da es nicht vereint war Der Apostel vergleicht die von den alten Israeliten gehörte Verheißung mit einem Getränk, das um heilsam zu wirken mit Wasser gemischt werden muss. So muss zu dem Worte der Glaube an Gott und seine Verheißungen hinzukommen. - mit Glauben, welchen sie aus dem, was sie gehört, hätten schöpfen sollen. Ja, wir werden eingehen in diese Ruhe, wenn wir geglaubt haben, wie er gesprochen: Die Notwendigkeit des Glaubens wird weiter bewiesen. Auch wir haben eine Verheißung empfangen, so müssen auch wir vor dem Unglauben auf der Hut sein, denn nur den Gläubigen steht der Eintritt in das Land der Verheißung offen. Nach der Schöpfung ruhte Gott in der Fülle seiner Liebe, Allmacht und Herrlichkeit. Zur Teilnahme an dieser Ruhe Gottes sind die berufen, welche gläubig sind. Gottes Ruhe ist eingetreten mit der Vollendung seiner Werke; und nicht eingetreten ist die Ruhe des Geschöpfes in Gott. Einst war eine doppelte Ruhe verheißen: die Sabbatsruhe [1Mos 2,3] und die Ruhe in Chanaan. Die erstere besteht seit der Vollendung der Schöpfung, von der zweiten redet David nicht. - „So schwur ich denn in meinem Zorne: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe!“ und doch waren die Werke seit Grundlegung der Welt vollendet. Denn Grund zu V. 1: Wenn ihr den Glauben nicht bewahrt, werdet ihr in die Ruhe Gottes nicht eingehen. Dies beweist der Apostel aus [Ps 114]: Nur die ungläubigen Hebräer sind nicht in das Land der Verheißung eingegangen, wohl aber alle Gläubigen. - es heißt an einer Stelle vom siebenten Tage also: Und es ruhte Gott am siebenten Tage von allen seinen Werken. Und an dieser Stelle wiederum: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe! Da nun also noch zu erwarten ist, Der Apostel blickt auf V. 2 zurück. - dass einige in dieselbe eingehen, nachdem die, an welche zuerst die Botschaft ergangen war, nicht eingegangen sind wegen ihres Unglaubens, so bestimmt er noch einmal einen Tag, ein Heute, Der Nachdruck liegt auf dem heut, wie oben [Hebr 3,7.8]. Noch ist die Zeit nicht vorüber, in welcher wir die Glückseligkeit zu erlangen vermögen, auch uns gilt die Mahnung und Verheißung des [Ps 94], auch für uns gibt es ein Heute. - indem er so lange Zeit nachher bei David spricht, wie oben angeführt: „Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht!“ Freilich erlangten die rebellischen Israeliten das verheißene Land nicht, könnte man hier einwerfen, aber ihre Nachkommen nahmen es unter Josue in Besitz, dies also ist die Ruhe, von welcher der Psalm redet, könnte man entgegenreden. Doch da David zu einer Zeit, wo die Israeliten schon im Besitze des Landes waren, noch von einer Ruhe spricht, welche sie sich durch Sinnesänderung erwerben sollen, so kann diese Ruhe nicht die irdische sein, welche sie schon hatten, sondern muss jene sein, die noch zu erwarten steht, die geistige, die ewige bei Gott. - Wenn nämlich Josue Die Septuag, welche der heil. Paulus vor sich hatte, nennt den Führer des auserwählten Volkes Jesus. Auch [Apg 7,45] findet sich diese Form des Namens. - sie Die Israeliten, welche mit ihm in das Land der Verheißung einzogen. - zur Ruhe gebracht hätte, so würde er nimmermehr von einem andern, nachher kommenden Tage reden. Mithin ist dem Volke Gottes noch eine Sabbatsruhe Der Sabbat ist das Vorbild der zukünftigen Seligkeit. - vorbehalten. Denn Grund, warum der Apostel die zukünftige Ruhe, die himmlische Seligkeit, eine Sabbatsruhe genannt hat. Der Sabbat war zur Erinnerung der Ruhe Gottes am siebenten Tage eingesetzt. [1Mos 2,2] An seiner Ruhe teilzunehmen ist unsere Seligkeit. - wer in seine Ruhe eingegangen ist, hat selber auch Ruhe erlangt von seinen Werken, Dem Sechstagewerk Gottes gegenüber sind die Werke, von denen die Menschen einst ruhen werden, die sich immer wiederholenden Sechstagewerke ihres Berufes, ihre irdischen Mühen und Arbeiten. - wie Gott von den seinen. Es heißt, dass Gott ruhte, weil er nicht fortfuhr Neues zu schaffen. Denn alles Niedere war nun seinem Stoffe oder seinen zeugenden Kraft nach da, das Geistige aber nach seinem ersten Vorbilde. Gott ist immerhin noch tätig, indem er das, was er erschaffen, erhält und leitet. - Lasset uns also ernstlich streben, Wie oben [Hebr 3,12-14] und [Hebr 4,1]. Folgen wir nicht den bösen Beispielen der Israeliten, sondern seien wir beharrlich im Glauben. Erstlich nämlich ist der Weg weit, sodann die Zeit kurz und ungewiss. Die Liebe ferner muss uns drängen, um so mehr als jede Zögerung Gefahr bringt, wie das Gleichnis von den törichten Jungfrauen zeigt (Thom.). - in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach eben diesem Vorbilde des Unglaubens zu Falle komme. Und des Heiles verlustig gehe. Rückbeziehung auf [Hebr 3,17]. - Denn Gottes Drohungen sind lebendig und wirkungsvoll, also ist Grund zur Furcht da. - lebendig Mächtig. - ist das Wort Gottes Seine erkennende Kraft, und in Verbindung mit seiner richterlichen Tätigkeit Gott selbst. Dem Worte Gottes wird oft zugeschrieben, was Gott selbst zukommt (Chrys., Theod.). - und wirksam, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es Seele und Geist, Die Seele bezeichnet die dem Menschen mit den Tieren gemeinsamen Affekte und Begierden, der Geist den höheren vernunftbegabten Teil der Seele, dem auch das Licht der Gnade zu Teil wird. Vergl. [1Thes 5,23]. - sowohl Gelenke wie Mark scheidet, Diese Teilung ist noch keine Trennung der Seele vom Geiste, der Gelenke vom Marke, sondern eine Zerlegung der Seele, welche bildlich nach den Organen des Leibes mit ähnlichen zusammengesetzt gedacht wird. Die Ansicht, der Mensch habe eine zweifache Seele, eine sinnliche und eine rein geistige, wurde im Altertume zuerst von Apollinaris aufgestellt, welcher Christus eine menschliche Seele, aber keinen menschlichen Geist zuschrieb, ein Irrtum, der von Photius erneuert, im achten allgemeinen Konzil verdammt ward. - und ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Erklärung des Bildes: Gott dringt in die geheimste Verborgenheit des Herzens ein. - Und kein Geschöpf ist vor ihm Vor Gott. - verborgen, sondern alles ist bloß und offengelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben. Da wir nun Hinweis darauf, dass er bereits von dem Hohenpriester gesprochen. [Hebr 2,17, Hebr 3,1] - einen großen Von erhabener Würde, wie oben [Hebr 9,24] gezeigt ist. - Hohenpriester haben, der durch die Himmel Die geschaffenen Himmel, im Gegensatze zu [Hebr 9,24]. Der heil. Paulus erwähnt [2Kor 12,2] drei Himmel (vielleicht: Luft-, Stern- du Engelhimmel), wie der Tempel drei Teile hatte, Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes. Nur einmal jährlich trat der Hohepriester in das Allerheiligste ein, doch Christus trat nicht in das Allerheiligste, Gott durch Opferblut zu versöhnen, sondern ging durch die Himmel, um vor dem Throne Gottes sich selbst als Opfer vorzustellen. - hindurchgedrungen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten am Bekenntnisse. Am Bekenntnisse des christlichen Glaubens. - Denn Grund, warum die Gläubigen sich an Christus anschließen und auf ihn vertrauen sollen: Steht er auch so hoch, so berührt ihn doch unser Elend. - wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleiden haben könnte mit unseren Schwachheiten, vielmehr einen, der in allen Stücken in gleicher Weise versucht worden ist, doch ohne Sünde, Der Apostel will verhüten, dass die Leser den Vergleich zwischen dem Hohenpriester und Christus über das rechte Maß hinaus ausdehnen. Die Versuchung konnte an den Heiland herantreten, aber ihn nicht zur Sünde führen (Chrys.). - So lasset uns denn mit Zuversicht zu dem Throne der Gnade Zu Christus (Chrys., Theoph., Thom.). Wenn Christus auch als Fürsprecher vor dem Richter steht, ist er doch zugleich Gottes Sohn und sitzt als solcher auf dessen Throne. Zwei Throne sind gleichsam zu unterscheiden, der eine, der Gnade; wer diesem naht, empfängt von Gott die Vergebung der Sünden; der andere, der der zweiten Ankunft, zum Gerichte. [Ps 93] (Thom.) - hinzutreten, Dies Wort wird vom Hinzutreten zum Opferaltare gebraucht, und wird hier auf das geistige Hinzutreten zu Gott übertragen. - damit wir Barmherzigkeit erlangen, und Gnade Barmherzigkeit in unseren Nöten, Gnade für unsere Sünden. Der wahre Sitz der Barmherzigkeit und der Gnade ist da, wo Christus zur Rechten Gottes erhöht stets für die Menschen fürbittet. - finden zu rechtzeitiger Hilfe. Für Nöte und Sünden, Barmherzigkeit und Gnade, so lange das Heute dauert, im ganzen irdischen Leben. (Chrys., Thom.)

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