1. Petrusbrief 4

b. Dem gestorbenen Christus ähnlich geworden sind auch die Christen, selbst den Sünden gestorben, in denen sie vor ihrer Berufung gelebt. (V. 2) So mögen sie sich denn durch die Schmähungen der Heiden nicht zum Rückfall in das alte Leben verleiten lassen (V. 4), denn die Heiden werden über jene dem gerechten Richter Rechenschaft geben müssen. (V. 6) Auf dieses Gericht harrend mögen die Leser selbst wachen und sich in allen Tugenden üben. (V. 11) c. Es ist nicht befremdlich, dass diese Verfolgung über die Gläubigen gekommen ist, sondern vielmehr mögen sie sich über dieselbe freuen, da diese sie der Leiden Christi teilhaftig macht. (V. 14) Sie mögen sich also hüten, als Schuldige zu leiden und sich nicht schämen, wenn sie für den Christennamen leiden müssen. (V. 16) Nahe ist ja das Gericht, in dem sie wegen der jetzt erlittenen Verfolgung das ewige Leben erlangen werden.

Da Christus also dem Fleische nach gelitten hat, Christus ist seinem Fleische nach, seiner irdisch – menschlichen Erscheinungsweise nach tot. Der Apostel geht auf die Tatsache des Leidens [1Petr 3,18] zurück. - so waffnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung; So lange sie als Heiden lebten, lebte in ihnen das Fleisch und waren ihre Begierden die Richtschnur ihrer Sitten. Als Christen sind sie dem Fleische nach tot. Ähnl. [Roem 6,3-13]. - denn wer dem Fleische nach gelitten hat, Wer in der Taufe mit Christus dem Fleische nach gestorben ist, muss sich die Abtötung des Fleisches angelegen sein lassen. (Aug., Ökum.) - der hat aufgehört zu sündigen, so dass er nicht mehr den Gelüsten der Menschen, sondern dem Willen Gottes Gegensatz: Mannigfaltige Lüste der Menschen – ein Wille Gottes. Welche Lüste gemeint sind, zeigt V. 3. - die noch übrige Zeit im Fleische Die Zeit des noch übrigen irdischen Lebens. Christus hat an unserer statt die Strafe der Sünden gelitten und durch seine Auferstehung bewirkt, dass nicht wir selbst sterben, sondern der alte Mensch in uns; durch seine Auferstehung aber auch ein neuer Mensch in uns erschaffen wird. So wird das Leiden Christi dem Christen zum Kreuze, d. i. zu einer Ertötung des alten Menschen in der Kraft des Todes Christi und durch das Leiden hört die Sünde in ihm immer mehr auf. - lebt. Denn es ist genug, dass sie Griech.: ihr. - die vergangene Zeit des Lebens das Verlangen der Heiden erfüllt haben, da sie in Ausschweifungen, Sinneslust, Berauschungen, Schmausereien, Zechgelagen und frevelhaftem Götzendienste wandelten. Gegen göttliches und menschliches Recht streitende Götzendienerei. - Darüber fasst sie Verwunderung, dass ihr nicht mit ihnen den gleichen wüsten Ausschweifungen zulaufet, und sie lästern. Doch sie werden dem Rechenschaft Die zur Zeit der Erscheinung des Herrn zum Gerichte noch am Leben sind. - geben müssen, der bereit steht zu richten die Lebendigen Die zur Zeit der Erscheinung des Herrn zum Gerichte noch am Leben sind. - und die Toten. Denn deshalb ist auch den Toten Erinnerung an das [1Petr 3,19] Gesagte. Deshalb folgt die Begründung und Verallgemeinerung. Die [1Petr 3,19] angeführten sind Totenbeispiele. Übrigens ist das Evangelium so nur den Toten verkündet worden, denen diese Verkündigung nützen konnte. - das Evangelium verkündet worden, damit sie, ob sie auch wie alle Menschen dem Fleische nach gerichtet sind, Damit sie durch den Tod, der eine Strafe der Sünde ist, gerichtet, dem Geiste nach leben. Griech.: Obwohl sie bereits, wie es Menschen zukommt, d. i. dem Fleische nach, gerichtet waren. Vergl. auch die folgende Anmerkung. - doch nach Gottes Willen Wie es seinem Wesen entspricht, somit ewig selig dem Heil. Geiste nach leben. Dies war Ziel und Inhalt der Verkündigung des Evangeliums, wenn es auch auf Erden, wie bei jenen, den einen zum Heil, den andern zum Verderben gereichte. Nach anderen: So dass die Toten, obgleich sie nach der gewöhnlichen und heidnischen Anschauung als solche beurteilt und angesehen werden, die im Fleische völlig vernichtet sind, doch vor Gott und durch seine Gabe im Geiste der Gnade und himmlischen Glorie ewig fortleben. - im Geiste leben. Das Ende aller Dinge aber hat sich genähert. Mit der Menschwerdung Christi hat die Schlussperiode der Weltgeschichte begonnen. Was jederzeit eintreten kann, ist nahe, ähnlich wie der Tod, dem das Weltende auch darin ähnlich ist, dass die Stunde beider ungewiss ist. [Apg 1,7', Lk 21,36] Wie Paulus und Jakobus hält Petrus freilich in seiner Sehnsucht nach dem Heilande (nicht infolge einer Offenbarung) das Weltende für wahrscheinlich nahe, obwohl alle Apostel mit dem heil. Petrus es als möglich bezeichnen, dass bis zum Eintritte jenes Tages noch Jahrtausende vergehen werden. [2Petr 3,8.9] - Seid also klug und wachsam im Gebete. Vor allem aber lasset eure Liebe zueinander eine anhaltende sein; denn die Liebe Entweder ist dies eine gnadenreiche Verheißung: Wer Gottes- und Nächstenliebe hat und übt, erwirbt sich dadurch Verzeihung bei Gott (Tert., Ambros.) oder: Wer Liebe übt, verzeiht dem Nächsten seine Fehler und Sünden. (Chrys. Aug.) Die zweite Erklärung entspricht besser der Stelle [Spr 10,12] aus der der Ausspruch des heil. Petrus in etwas veränderter Form genommen ist. - bedeckt Gott will die Sünden ansehen, als wären sie nie vorgekommen. - eine Menge von Sünden. Im Verkehre der Menschen ermangelt es nicht an Verfehlungen, die echte Liebe aber kennt kein Maß im Vergehen [Mt 18,21.22]. Vergl. [Jak 5,10], wo der gleiche Ausspruch im anderen Sinne wiederkehrt. - Seid gastfrei Die gastliche Aufnahme fremder Christen wird im N. T. oft empfohlen [Roem 12,13, Hebr 13,2.3, Joh 5ff], und der heilige Paulus bezeichnet sie als eine der Eigenschaften eines zu wählenden Bischofs. [1Tim 3,2, Tit 1,8] - gegen einander ohne Murren. Dienet einander, jeder mit der Gabe die er empfangen hat, als gute Verwalter Die Christen sind nicht Eigentümer der Gnadengaben, dass sie über dieselben frei schalten und walten dürften, sondern nur Verwalter, welche diese wie die leiblichen Güter nach Gottes Willen verwenden müssen. Dem Apostel standen wohl die Gleichnisse von dem anvertrauten Talente und dem ungerechten Haushalter vor Augen. [Mt 25,14ff, Lk 12,42ff, Lk 16,1ff] Das Bild vom Haushalter kommt auch beim heil. Paulus vor [1Kor 4,1] und [Tit 1,7]. - der mannigfaltigen Gnaden Gottes. Wenn jemand redet, Reden ist hier die Gnadengabe. [1Kor 12,8-10] - so rede er als Worte Gottes, Im Bewusstsein, dass er es von Gott empfangen hat, mit aufrichtiger Demut und Liebe. (Gregor d. Gr.) - wenn jemand dient, Alle Gnadengaben, welche auf das Tun abzielen, besonders die leiblichen Werke der Barmherzigkeit. - so diene er Rückbeziehung auf V. 10, V. 11. Namentlich auf die ersten Worte von V. 10. - als aus der Kraft, die Gott spendet, damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, Was Gott spendet, wird uns durch Christus zu Teil; was wir auf Grund seiner Gnade alsdann vollbringen, tun wir in der Kraft Gottes durch Vermittlung Christi. - welchem Gott. (Ökum.) Dieselbe Formel [1Petr 5,11], wo sie sich gleichfalls auf Gott, und [Offenb 1,5], wo sie sich auf Christus bezieht. - die Herrlichkeit Die absolute Herrlichkeit. - und die Herrschaft Die sich nach außen offenbarende Macht Gottes. Da ihm Herrlichkeit und Macht zugehört, müssen auch die Christen die von ihm verliehenen Gnadengaben zu seiner Verherrlichung gebrauchen. - ist von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Wahrlich. Im A. T. bestätigt diese Beifügung insbesondere die Annahme eines Eides oder Bundes, wie sie auch am Schlusse der Doxologie eines Gesanges oder Gebetes, wie [Ps 41,14, Ps 72,19], vorkommt. Im N. T. steht sie auch am Anfange des Satzes in den reden des Herrn, um dem Nachfolgenden eine feierliche Einleitung zu geben. In den Briefen der Apostel begegnet sie uns am Schlusse einer Doxologie oder eines Segenswunsches als feierliche Bekräftigung. - Geliebte! Lasset euch nicht irre machen durch das Läuterungsfeuer, das zur Prüfung über euch kommt, als begegnete euch etwas Befremdliches, Nicht zu eurer Würde als Kinder Gottes [1Petr 1,14.17] und auserwähltes Geschlecht, als königliche Priesterschaft [1Petr 2,9] Passendes. Da Leiden zur Läuterung notwendig sind [1Petr 1,7, 1Petr 5,10] und der von Christus durch sein Leiden vorgezeichnete Weg zur Herrlichkeit (V. 14) [1Petr 2,21, 1Petr 3,17.18], sowie ein Zeichen seiner Auserwählung sind. [1Petr 4,14] - sondern in dem Maße, wie ihr Teil habt an den Leiden Christi, Das Leiden Christi setzt sich gleichsam in ihren Leiden fort und wiederholt sich, da Christus in ihnen gehasst wird. [Apg 9,45] - freuet euch, damit ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit euch freuen möget und frohlocken. In Freude auf Erden. Wie ganz anders wird das Frohlocken im Himmel sein! - Wenn ihr um des Namens Christi willen Weil ihr Christus angehört. - geschmäht werdet, so seid ihr selig; denn die Ehre und Herrlichkeit und Kraft Gottes und sein Geist ruht auf euch! Bleibend, mit euch vereint, kann er durch keine Anfechtungen hinweggenommen werden, in euch seine Wirksamkeit übend. - Keiner von euch aber leide als Mörder, oder Dieb, oder Lästerer, oder als einer, der nach fremdem Gute trachtet. Erläuterung zu: Im Namen Christi V. 15, in negativer, V. 16 in positiver Weise. - Leidet er dagegen als Christ, Dieser Name kommt, außer an dieser Stelle, im N. T. nur noch an zwei anderen vor: [Apg 11,26] und [Apg 26,28]. Er ging nicht von den Jüngern aus, welche sich vielmehr Jünger, Gläubige, heilige, Brüder nannten, noch weniger von den Juden, von denen die Anhänger des Heilandes verächtlich als Galiläer, Nazaräer u. a. bezeichnet wurden, sondern von den heidnischen Römern in Antiochia. Dort traten die Christen diesen zum ersten Male als von den Juden unterschieden entgegen. Dieser Name war vielleicht zuerst ein offizieller, erhielt aber bald eine verächtliche Bedeutung. An allen drei Stellen, wo er im N. T. vorkommt, ist er eine nicht kirchliche Bezeichnung. Nachdem der Name aber einmal das Ziel des Hasses seitens der Heiden geworden war, brauchten auch die Christen ihn, seine tiefe Bedeutung wohl erfassend, so dass der zweite Nachfolger des heil. Petrus auf dem Stuhle zu Antiochia, der Märtyrer Ignatius, den Gläubigen zurufen konnte: Es geziemt sich, dass ihr nicht allein Christen heißt, sondern auch seid. - so schäme er sich nicht; vielmehr verherrliche er Gott in diesem Namen. Wie Petrus selbst getan. [Apg 5,41] - Denn es ist die Zeit Die von Gott festgesetzte Zeit. Vergl. V. 7. - da, dass das Gericht Das über alle Menschen und Völker sich erstreckende, dessen Vorboten die Leiden und Verfolgungen der Kirche sind, da Gott durch diese die Fehler und Sünden der Glieder straft und für immer mehr von aller Unvollkommenheit befreit. Vergl. [1Kor 11,31.32]. Dies Gericht, welches für die Guten eine Läuterung ist, ist für die Bösen zum Untergange. - am Hause Gottes Die Kirche ist das geistige Haus, dessen Grundstein Christus, dessen Bausteine die Glieder der Kirche sind. [1Petr 2,4.5] Es ist Gottes Haus, weil von ihm gegründet, ihm angehörend und bestimmt ihm zu dienen. - anfange. Wenn es aber zuerst bei uns beginnt, welches wird das Ende derer sein, Dass es dort beginnen soll, haben betreffs des A. B., und damit mittelbar auch für die Kirche, die Propheten vorausgesagt [Jer 25,29, Jer 49,12, Ez 9,6, Amos 3,2] und der Heiland seinen Aposteln vorherverkündet. [Mt 24,9ff, Lk 21,12ff] - welche dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und wenn der Gerechte kaum wird gerettet werden, wo wird der Gottlose und Sünder erscheinen? Aus der Schwere des Gerichtes über die Christen ist auf die Schwere des Gerichtes über die Ungläubigen und Gottlosen zu schließen. Die Anführung ist aus [Spr 11,31] nach der Septuag genommen, indes mit einer kleinen Abweichung. - Darum mögen auch die, welche nach dem Willen Gottes leiden, ihre Seelen dem treuen Schöpfer anempfehlen mit guten Werken. Der Christ muss das Leiden als eine väterliche Züchtigung betrachten, die ihn vor dem verdammenden Endgerichte bewahrt, dass die Ungläubigen trifft. Deshalb hat er alle Ursache seinem Schöpfer – in diesem Worte tritt das Verhältnis des Menschen zu Gott und dessen Allmacht besonders hervor – zu vertrauen und nur darauf zu denken, wie er trotz aller Schmähungen und Verfolgungen dabei beharre Gutes zu tun.

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