II. Synchronistische Geschichte der Reiche Juda und Israel bis zum Untergange des Nordreiches. (1 Könige 12,1 – 2 Könige 17,41) 1. Trennung der Reiche Juda und Israel und fortgesetzte Feindschaft bis zu Achab, dem Könige von Israel. (1 Könige 12,1 – 16,28) A. Abfall der zehn nördlichen Stämme vom Hause Davids. (V. 1-24) a. Roboam will die Bitte des Volkes, er wolle die Abgaben mindern, nicht erhören. (V. 15) b. Deshalb fallen zehn Stämme von ihm ab und wählen Jeroboam zum Könige (V. 20), während Gott Roboam verbietet, jene mit Gewalt zum Gehorsam zurückzuführen. (V. 24) B. Herrschaft Jeroboams, des ersten Königs von Israel. (12,25 – 14,20) a. Der neue König stellt, um die Trennung der Reiche dauernd zu machen, zwei Kälber als Götzenbilder in Bethel und Dan auf.
1Roboam aber kam nach Sichem, denn dort hatte sich ganz IsraelDie zehn Stämme, dann Juda und Benjamin hatten ihn bereits als König anerkannt. Die Ältesten hatten die Stämme dorthin berufen. (Vergl. [Jos 24,1].) Auch Saul, David und Salomon hatten, obgleich von Gott als Könige bestimmt, noch Salbung und Huldigung empfangen. - versammelt, ihn zum Könige einzusetzen.2 Als aber Jeroboam, der Sohn Nabats, der noch flüchtig vor dem Könige Salomon in Ägypten weilte, von dessen Tode hörte, kehrte er aus Ägypten zurück.Der hebräische Text (er blieb) ist nach [2Chr 10,2] im gleichen Sinne zu verbessern. -3 Sie hatten nämlich hingesandt und ihn rufen lassen,Dass die Ältesten Jeroboam haben rufen lassen, der sich bereits gegen Salomon empört, und ihn zum Unterhändler mit Roboam machen, ist ein schlechtes Zeugnis für ihre Gesinnung. - also kam Jeroboam und das ganze Volk Israel und sie redeten zu Roboam und sagten:Das eigentliche Motiv der Klage kommt erst V. 16 zum Vorschein. Begründet wäre einzig der Vorwurf gewesen, dass Salomon die höchste Bedingung des Wohlstandes Israels gebrochen, indem er Abgötterei zuließ, davon aber schweigen sie. An dem Dienste Jahves lag ihnen nichts. Die Beschwerde über Frondienst war nicht gerechtfertigt. -4 Dein Vater hat uns ein sehr hartes Joch auferlegt; so mindere nun du die so harte HerrschaftHebr.: Den harten Dienst. - deines Vaters und das so schwere Joch, das er uns auferlegt hat, ein wenig und wir wollen dir untergeben sein.5 Da sprach er zu ihnen: Gehet auf drei Tage fort und kommet alsdann wieder zu mir! Als nun das Volk weggegangen war,6 hielt der König Roboam mit den Ältesten Rat, welche seinem Vater Salomon gedient hatten, als er noch lebte, und sprach: Was ratet ihr mir, diesem Volke zu antworten?7 Sie entgegneten ihm: Wenn du heute diesem Volke nachgibst und zu Willen bist und ihrer Bitte willfährst und freundliche Worte zu ihnen redest, so werden sie dir auf immer untergeben sein.8 Er aber verschmähte den Rat der Ältesten, den sie ihm gegeben, und wendete sich an die Jünglinge, welche mit ihm erzogen waren und vor ihm standen,9 und sprach zu diesen: Was ratet ihr mir, diesem Volke zu antworten, das zu mir spricht: Erleichtere uns das Joch, das dein Vater uns auferlegt hat?10 Da sprachen die Jünglinge, welche mit ihm erzogen waren, zu ihm: So musst du zu diesem Volke reden, die zu dir gesprochen und gesagt haben: Dein Vater hat uns mit schwerem Joche belastet, erleichtere du es uns; so musst du zu ihnen sprechen: Mein kleiner Finger ist dicker als der Rücken meines Vaters!Ich besitze viel größere Macht als mein Vater. -11 Hat nun mein Vater euch ein schweres Joch auferlegt, so will ich zu euerm Joche noch hinzutun; mein Vater hat euch mit GeißelnJoch und Geißel gehören zusammen als Sinnbilder der Fronarbeit. [JSir 33,27] - geschlagen, ich aber will euch mit SkorpionenDie Skorpionen sind Geißeln mit Widerhaken, ähnlich Skorpionenstacheln. - schlagen.12 Jeroboam also kam mit dem ganzen Volke zu Roboam am dritten Tage, wie der König gesprochen hatte, indem er sagte: Kommet am dritten Tage wieder zu mir!13 Da gab der König dem Volke eine harte Antwort und ließ den Rat, den ihm die Ältesten gegeben hatten, außer acht14 und redete zu ihnen nach dem Rate der Jünglinge und sprach: Mein Vater hat euch ein schweres Joch auferlegt, ich aber will zu euerm Joche noch hinzutun; mein Vater hat euch mit Geißeln geschlagen, ich aber will euch mit Skorpionen schlagen.15 So war der König dem Volke nicht zu Willen; denn der Herr hatte sich von ihm abgewendet,Der Herr hatte ihm die Einsicht entzogen, damit er durch seine verschuldete Verblendung die Ausführung des göttlichen Ratschlusses [1Koe 11,31] herbeiführe. Hebr.: denn es war ein Verhängnis vom Herrn. - um sein Wort in Erfüllung gehen zu lassen, das er durch den Siloniter Ahias zu Jeroboam, dem Sohne Nabats, geredet hatte.16 Da nun das Volk sah, dass der König nicht auf sie hatte hören wollen, antwortete es ihm und sprach: Welchen Teil haben wir an David oder welches Erbe an dem Sohne Isais?So hatte einst schon Seba gesprochen [2Sam 20,1]. Wir haben keine Gemeinschaft mit David und seiner Familie, da wir nicht dem Stamme Juda angehören. Besonders Simeon redete wohl so, da er seinen Besitz innerhalb Judas hat. [Jos 19,2] - Begib dich in deine Hütten, Israel!Im Sinne der Redenden: ihr zehn Stämme. - Nun siehe nach deinem Hause, David! Und Israel ging zu seinen Hütten heim.17 Über die Söhne Israels aber, welche in den Städten Judas wohnten, herrschte Roboam.18 Als nun der König Roboam Aduram aussandte, der über die Abgaben gesetzt war,Aduram war über die Fronarbeiten gesetzt, über welche sie sich V. 4 beklagt. Jedenfalls hielt Roboam den Aduram für einen geeigneten Unterhändler, vielleicht gehörte derselbe zu den Alten. - steinigte ihn ganz Israel und er starb. Da stieg der König Roboam eilends auf einen Wagen und floh nach Jerusalem.19 So fiel Israel vom Hause Davids ab, bis auf den heutigen Tag.Die Trennung des Reiches hatte im Jahre 975 vor Chr. Statt (nach gewöhnlicher Rechnung). -20 Es geschah aber, als ganz Israel hörte, dass Jeroboam zurückgekehrt sei, sandten sie hin und ließen ihn vor ihre Versammlung berufen und machten ihn zum Könige über ganz IsraelWenn sie die Prophezeiung des Ahias kannten, durften sie ihn insoferne ohne Bedenken wählen, als Gott Davids Nachkommen den Thron des gesamten Israel nur unter der Bedingung verheißen, dass sie ihm treu blieben. - und niemand hielt es mit dem Hause Davids, außer allein der Stamm Juda.21 Als Roboam nun nach Jerusalem kam, versammelte er das ganze Haus Juda und den Stamm Benjamin, hundertundachzigtausend auserlesene kriegstüchtige Männer,Die Zahl erscheint nicht wunderbar, wenn man sie mit der [2Sam 24,9] angegebenen vergleicht. - um gegen das Haus Israel zu kämpfen und das Königtum wieder an Roboam, den Sohn Salomons, zurückzubringen.22 Aber das Wort des Herrn erging an Semeja, den Mann Gottes, also:23 Sprich zu Roboam, dem Sohne Salomons, dem König von Juda, und zu dem ganzen Hause Juda und Benjamin und zu dem übrigen Volke und sage:24 So spricht der Herr: Ihr sollt nicht hinziehen und sollt nicht gegen eure Brüder, die Söhne Israels, kämpfen! Ein jeder kehre in sein Haus zurück, denn von mir ist dies ausgegangen. Da hörten sie auf das Wort des Herrn und kehrten um von dem Zuge, wie der Herr ihnen geboten hatte.Juda und Israel 981-722 vor Chr. (nach herkömmlicher Chronologie). Juda , Jahr d. Regierungsantritts, Israel, Heidnische Reiche, Jahr vor Chr.; 1. Roboam reg. 17 Jahre, 981, 1. Jeroboam I. reg. 21 Jahre, Sesak von Ägypten plündert Jerusalem, 977; 2. Abias reg. 3 Jahre, 963; 3. Asa reg. 41 Jahre, 961; 960, 2. Nadab reg. 2 Jahre; 958, 3. Baasa 24 Jahre; 935, 4. Ela 2 Jahre; 934, 5. Zambri 7 Tage, Zara (Serach), der Äthiopier, von Asa geschlagen, 946; 934, 6. Thebni 4 Jahre; 934, 7. Amri 12 Jahre; 923, 8. Achab 22 Jahre (Elias); 4. Josaphat reg. 25 Jahre, 919; 902, 9. Ochozias 2 Jahre; 901, 10. Joram 12 Jahre (Eliseus); 5. Joram 8 Jahre, 895, Hazael in Syrien; 6. Ochozias 11 Jahre, 889, Binnirar II. König von Assyrien, 893; 7. Athalia 7 Jahre, 888, 11. Jehu 28 Jahre; 8. Joas 40 Jahre, 881, Assurnazirpal von Assyrien, 883; 860, 12. Joachaz 17 Jahre, Salmanasser IV. von Assyrien, 858; 843, 13. Joas 16 Jahre (Jonas), Benadad III. von Syrien; 9. Amasias reg. 29 Jahre, 841; 827, 14. Jeroboam II. reg. 41 Jahre (Osea, Amos); 10. Ozias oder Azarias reg. 52 Jahre, 812, Samsibin König von Assyrien, 823; 812, Binnirar III. König von Assyr., 810; (Joel, Abdias), 785, Zwischenreich, Belesis von Babylon, 795; 774, 15. Zacharias 6 Monate; 773, 16. Sellum 1 Monat; 773, 17. Manaham 10 Jahre; (Isaias 759-696), 762, 18. Phakkia 2 Jahre, Phul König von Assyrien, 774-753; 19. Phakee 20 Jahre; 11. Joatham 16 Jahre, 759, Erbauung Roms, 752; (Michäas), Nabonassar in Babel, 747-732; 12. Achaz 16 Jahre, 743, Zwischenreich, Theglathphalassar IV. v. Assyr., 753-727; 740, 20. Osee 19 Jahre, Sua (So) König von Ägypten, 727-714; 13. Ezechias reg. 29 Jahre, 728; Untergang des Reiches Israel., Salmanasser VI. von Assyrien, 727-721 -25 Jeroboam aber bauteBefestigte. - SichemDie alte Priester- und Levitenstadt, ebenso wie Phanuel aus der Geschichte Jakobs bekannt. [1Mos 33,20] - auf dem Gebirge Ephraim und wohnte daselbst, sodann zog er von dort aus und baute Phanuel.Phanuel lag jenseits des Jordan und war bestimmt, die daselbst vorhandenen Israeliten in Gehorsam zu halten. -26 Und Jeroboam sprach in seinem Herzen: Bald wird die Herrschaft wieder an das Haus David kommen;27 wenn dieses Volk hinaufzieht, um im Hause des Herrn zu Jerusalem Opfer darzubringen, so wird das Herz dieses Volkes sich wieder seinem Herrn Roboam, dem Könige von Juda, zuwenden und sie werden mich töten und ihm wieder zufallen.28 So dachte er sich denn einen Plan ausWie er verhüten könnte, dass die Israeliten nach Jerusalem hinaufzogen. Die Religion wird der Politik nachgesetzt und dienstbar gemacht. - und machte zwei goldene KälberWohl ähnlich dem goldenen Kalbe, das die Israeliten am Sinai sich machten, da Jeroboam die Worte [2Mos 32,4] wiederholt. - und sprach zu dem Volke: Ziehet nicht mehr nach Jerusalem hinauf! Siehe, da sind deine Götter,Besser: der Gott. - Israel, die dich aus dem Lande Ägypten hinausgeführt haben!29 Und er stellte das eine in Bethel auf, das andere in DanBethel war an der Südgrenze des Reiches Israel [1Mos 28,19], Dan an der Nordgrenze. [Rich 18,29] -30 und diese Tat ward Anlass zur Sünde, denn das Volk ging bis nach Dan hin, um das Kalb anzubeten.Gott hatte verboten, ihn unter der Gestalt von Bildern zu verehren [2Mos 20,4], dazu auch selbst den Ort bestimmt, wo er verehrt werden wollte. [5Mos 12,5ff] -31 Auch baute er Tempel auf HöhenOpferstätten, Tempel auf den beiden angegebenen und auf anderen Höhen. Die schiefe Ebene war betreten, der Kälberdienst musste allmählich zum Götzendienst führen. Jeroboam ist der Typus für seine Nachfolger. [1Koe 15,26.34, 1Koe 16,19] u.a. Auch das Staatswesen war kein fest gegründetes. Zehn Dynastien folgten mit 19 Königen in verhältnismäßig kurzer Zeit aufeinander. Von diesen sah nur eine (Jehu) 5, eine (Amri) 4 seiner Glieder auf dem Throne. Einige Dynastien sind nur durch je einen König vertreten, darunter hat Sellum nur einen Monat Regierungszeit, Zambri nur sieben Tage. Verschwörungen, gegen das Bruderreich (mit kurzer Unterbrechung) befleckt und sucht Anlehnung an heidnische Weltmächte. - und machte Leute aus den Geringsten des Volkes,Aus den nicht dazu erwählten Stämmen statt aus Levi, der größtenteils (vergl. [2Chr 11,13.14]) nach Juda auswanderte. - die nicht zu den Söhnen Levis gehörten, zu Priestern.32 Und er ordnete ein Fest an im achten Monate, am fünfzehnten Tage des Monats, ähnlich dem Feste, welches in Juda gefeiert ward,Dem Laubhüttenfest. Dieses war im 7. Monat zu feiern. [3Mos 23,34ff] Indem Jeroboam es in den folgenden Monat verlegt, ändert er vielleicht selbst den Beginn des Jahres. Die religiöse Trennung soll voll durchgeführt werden. Nicht alle waren damit zufrieden, wie [2Chr 11,16] zeigt. - und trat an den Altar. Ebenso tat er in Bethel, um den Kälbern, die er gemacht hatte, Opfer darzubringen, und er bestellte Priester in Bethel für die Höhen, welche er errichtet hatte.33 Und er trat zu dem Altar, den er in Bethel erbaut hatte, am fünfzehnten Tage des achten Monats,Lässt sich auch die Chronologie zur Zeit noch nicht mit voller Sicherheit ordnen, so wird dadurch die Glaubwürdigkeit der heiligen Geschichte selbst nicht beeinträchtigt. Die assyrischen wie die babylonischen Quellen behandeln den gleichen Stoff in der gleichen Reihenfolge, bringen dieselben Personen in nahe Verbindung und beglaubigen die Erzählung dieser Bücher. - welchen er in seinem Herzen erdacht hatte, und veranstaltete den Söhnen Israels ein Fest und trat an den Altar, um Räucherwerk anzuzünden.Richtiger: Als er veranstaltete usw. Der Satz ist Einleitung zu dem im folgenden Kapitel erzählten Ereignis.