1. Könige 3

2. Salomons glückliche Regierung vor seinem Falle. (3,2 – 10,29) A. Gott belohnt die Frömmigkeit des Königs mit der Gabe der Weisheit und anderen Gnaden. (3,2 – 4,34) a. Salomon bringt auf der Anhöhe von Gabaon tausend Opfertiere dar (V. 4), weshalb ihm Gott erscheint und ihm Weisheit, Reichtum und Ehre verheißt. (V. 15) b. Salomon beweist seine Weisheit im Streite zweier Mütter über ein Kind.

Als nun das Königtum Salomons befestigt war, verband er sich durch Schwägerschaft mit Pharao, dem Könige von Ägypten; er nahm nämlich dessen Tochter Der innere Feind ist durch die Bestrafung der Gegner gesichert, der äußere durch die Verbindung mit dem mächtigen Nachbarkönig zurückgehalten. Gewiss war die Vermählung Salomons mit der Tochter Pharaos für manchen frommen Israeliten Ursache zur Besorgnis. Trat auch die neue Königin etwa wörtlich in die religiöse Gemeinschaft Israels ein, vergl. [1Koe 11,1.8], so war doch dieser Schritt des Königs auch so nur der erste auf eine abschüssige Bahn. - und brachte sie in die Davidsstadt, bis er den Bau seines Hauses und des Hauses des Herrn und der Mauer rings um Jerusalem vollendet hätte. Doch opferte das Volk noch auf den Höhen, denn es war dem Namen des Herrn bis auf jenen Tag noch kein Tempel gebaut. Wohl sollte im Heiligtum allein geopfert werden [3Mos 17,4, 5Mos 12,13.14], aber die Stiftshütte und der Brandopferaltar war in Gabaon, während die Bundeslade auf Sion stand. Auf den Höhen zu opfern schien inzwischen auch von Samuel autorisiert. [1Sam 9,12ff] Andere als heilige verehrte Orte und als Stätten des Gebetes benützte Höhen waren in Bethel, Rama, Hebron, Galgala. - Salomon aber liebte den Herrn und wandelte nach den Satzungen seines Vaters David, nur dass er auf den Höhen opferte und Räucherwerk anzündete. Und er zog nach Gabaon, um daselbst zu opfern, denn dies war die angesehenste Höhe. Tausend Opfertiere brachte Salomon auf jenem Altare zu Gabaon als Brandopfer dar. Da erschien der Herr dem Salomon in der Nacht im Traumgesichte Was der Opferstätte zu Gabaon durch die Abwesenheit der Bundeslade mangelte, ersetzte der Herr durch seine Erscheinung. Durch sein Opfer hatte Salomon sich den Beistand des Herrn für seine Regierung sichern wollen. Im von Gott gesendeten Traumgesichte bleibt der freie Wille tätig. Gott erscheint in der Nacht, denn wenngleich er selbst Licht ist, vermag dennoch kein erschaffener Geist ihn zu schauen. Auch Abraham erscheint er deshalb [1Mos 15,12], ebenso wie Jakob [1Mos 32,24] und Moses, in der Nacht oder im Dunkel. - und sprach: Begehre, was du willst, dass ich dir geben soll! Salomon sprach: Du hast an deinem Diener, meinem Vater David, große Barmherzigkeit getan, wie er denn vor dir wandelte in Wahrheit und Gerechtigkeit und aufrichtigen Herzens gegen dich war; du hast ihm deine große Barmherzigkeit bewahrt und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Throne sitzt, wie es heute ist. Und nun, Herr, Gott, du hast deinen Diener an meines Vaters Statt zum Könige gemacht; ich bin aber doch nur ein schwacher Jüngling und kenne weder meinen Ausgang noch Eingang Der Orientale ist außerhalb des Hauses tätig, innerhalb desselben ruht er vom Geschäfte. Ich weiß nicht, wie ich als König handeln soll. Vergl. [2Chr 1,10]. - und dein Diener steht inmitten des Volkes, welches du erwählt hast, des zahllosen Volkes, das vor Menge nicht gezählt noch berechnet werden kann. Anklang an [1Mos 13,16] und Dank für die Erfüllung der von Gott gegebenen Verheißung. - So wollest du denn deinem Diener ein gelehriges Herz geben, dass er dein Volk zu richten und dass er zu unterscheiden wisse zwischen Gut und Böse; denn wer vermöchte dieses Volk zu richten, dies dein so zahlreiches Volk? Diese Rede gefiel dem Herrn, dass Salomon solches begehrte. Und der Herr sprach zu Salomon: Weil du dies begehrt und nicht um langes Leben noch um Reichtum oder um das Leben Tod, Untergang. - deiner Feinde gebeten, sondern dir Weisheit erfleht hast, um das Rechte zu entscheiden, siehe, so tue ich dir nach deiner Bitte und gebe dir ein weises und einsichtiges Herz, so dass deines Gleichen nicht vor dir gewesen ist noch nach dir erstehen wird. Salomon empfing religiöse Weisheit (deren Wert [Weish 7,9.10] gepriesen wird), sittliche und politische [Weish 7,22ff] und natürliche Weisheit. [Weish 7,17] In der wunderbaren Vereinigung dieser drei Arten der Weisheit steht Salomon in der vorchristlichen Zeit unübertroffen da, während Moses und die Propheten eine tiefere göttliche Weisheit besaßen und im Neuen Bunde die ewige Weisheit selbst erschien und uns ihr Licht voller mitteilte als im Alten Bunde. - Aber auch das, was du nicht verlangt hast, gebe ich dir: Reichtum nämlich und Ehre, so dass niemand unter allen Königen früherer Tage Kein Richter und kein König Israels. - dir gleichkommt. Und wenn du auf meinen Wegen wandelst und meine Gebote und meine Gesetze beobachtest, so wie dein Vater gewandelt ist, so will ich dir ein langes Leben verleihen. Da erwachte Salomon und erkannte, dass es ein Traumgesicht gewesen. Er erkannte, dass Gott sich ihm offenbart in einem Traumgesichte. - Als er nun nach Jerusalem kam, trat er vor die Lade des Bundes des Herrn und brachte Brandopfer dar und schlachtete Friedopfer Um Dank zu sagen. - und gab allen seinen Dienern ein großes Mahl. Ein Opfermahl. - Zu der Zeit kamen zwei Buhldirnen Nicht eigentliche, sondern Frauen, die außerehelich geboren. - zu dem Könige und traten vor ihn. Und die eine von ihnen sprach: Ich bitte, mein Gebieter! ich und dieses Weib wohnten in einem Hause und ich gebar bei ihr im Gemache. Am dritten Tage aber, nachdem ich geboren hatte, gebar auch sie; wir waren beisammen und niemand weiter bei uns im Hause, nur wir beide. Da starb der Sohn dieses Weibes in der Nacht, denn sie erdrückte ihn im Schlafe. Und sie stand in der Stille der Mitternacht auf, nahm meinen Sohn von meiner Seite, während deine Magd schlief, und legte ihn an ihren Busen; aber ihren Sohn, der tot war, legte sie an meinen Busen. Als ich nun am Morgen aufstand, um meinen Sohn zu säugen, zeigte es sich, dass er tot war; als ich ihn aber am hellen Tage genauer anschaute, fand ich, dass es nicht der meine war, den ich geboren hatte. Da antwortete das andere Weib: Dem ist nicht so, wie du sagst, sondern dein Sohn ist tot und der meinige lebt. Jene sprach dagegen: Du lügst, denn mein Sohn lebt und dein Sohn ist tot. Hebr.: mein Sohn ist der lebende und dein Sohn ist der tote. - So stritten sie vor dem Könige. Da sprach der König: Diese sagt: Mein Sohn lebt und dein Sohn ist tot, und jene antwortet: Nein, sondern dein Sohn ist tot, der meine aber lebt. Darauf befahl der König: Bringet mir ein Schwert herbei! Als nun das Schwert vor den König gebracht war, sprach er: Hauet das lebende Kind in zwei Teile und gebet die eine Hälfte der einen und die andere Hälfte der andern! Salomon offenbart die ihm zu teil gewordene Weisheit, indem er die Stimme der Natur bei der wirklichen Mutter reden lässt. Da sprach die Frau, deren Sohn lebte, zu dem Könige (denn ihr Herz ward von Erbarmen für ihren Sohn bewegt): Ich bitte, Herr, gebet dieser das Kind lebend und tötet es nicht! Die andere dagegen rief: Es gehöre weder mir noch dir, sondern es werde geteilt!
Das Urteil Salomons
Da antwortete der König und sprach: Gebet dieser das Kind lebend und tötet es nicht! denn diese ist die Mutter desselben. Als nun ganz Israel von dem Urteil hörte, das der König gefällt hatte, fürchteten sie den König, weil sie sahen, dass die Weisheit Gottes ihn erfüllte, recht zu sprechen.

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