C. Zweiter Ungehorsam und zweite Verwerfung Sauls. (V. 1 – 35) a. Gott befiehlt Saul durch Samuel, die Amalekiter gänzlich zu vernichten. (V. 3) b. Saul besiegt die Feinde, behält sich aber das Beste der Beute zurück. (V. 9) c. Deshalb zum zweiten Male verworfen wird er selbst (wie sein Haus) des Königtums verlustig erklärt (V. 23) und von Gott nicht zu Gnaden angenommen, als er erklärt, nach Tötung des Königs von Amalek Gottes Vorschrift befolgen zu wollen.
1Einst sprach Samuel zu Saul: Mich hat der Herr gesandt, um dich zum Könige über sein Volk Israel zu salben;Um sich mehr Ansehen zu sichern, beruft er sich auf ein Ereignis, welches dasselbe am besten beweist. [1Sam 10,1] - so höre nun auf die Stimme des Herrn!2 So spricht der Herr der Heerscharen: Ich habe alles erwogen,Gleichsam die Jahrbücher nachschlagend. - was Amalek an Israel getan hat, wie er sich ihm in den Weg stellte, als Israel aus Ägypten heraufzog.3 So ziehe denn hin und schlage AmalekAmalek war das erste heidnische Volk, welches Israel feindlich überfiel und dem alsbald die Ausrottung von Gott angedroht ward. [2Mos 17,8-16, 5Mos 25,17-19] - und vertilge alles, was sein ist; übe keine Schonung an ihm und lass dich nichts von seiner Habe gelüsten, sondern töte Mann und Weib, Kind und Säugling, Rind und Schaf, Kamel und Esel.Über das Banngelübde und dessen Folge siehe [3Mos 27,28.29]. -4 Da bot Saul das Volk auf und musterte sie wie Lämmer;Hebr.: zu Telaim. - zweihunderttausend Mann Fußvolk und zehntausend Mann aus Juda.5 Als nun Saul bis zur Stadt der AmalekiterZur Hauptstadt oder zur damaligen Lagerstadt. - kam, legte er einen Hinterhalt in das Tal.6 Und Saul sprach zu den Kinitern:Der Vater der Kiniter war Jethro oder Raguel, dessen Sohn Hobab sich in der Wüste den Israeliten angeschlossen zu haben scheint. Die Kiniter wohnten im Stamme Juda im Süden von Arad [Rich 1,16], einige auch nahe dem Berge Thabor. [Rich 4,11] Die Geschichte der Amalekiter zeigt, wie Gott jedes seinem Volke zugefügte Unrecht bestraft, die Geschichte der Kiniter, wie gern er jeden diesem erwiesenen Dienst belohnt. - Gehet hinweg, ziehet fort von Amalek, damit ich euch nicht etwa in ihr Schicksal verwickle; denn ihr habt an allen Söhnen Israels Barmherzigkeit geübt, als diese aus Ägypten heraufzogen. Da zogen sich die Kiniter aus der Mitte Amaleks zurück.7 Und Saul schlug Amalek von Hevila an bis nach SurDort war eine von den Pharaonen zur Abwehr der asiatischen Nomaden gebaute Mauer. - hin, das nach Ägypten zu liegt.8 Auch nahm er Agag, den König der Amalekiter, lebendig gefangen; das ganze Volk aberDessen er habhaft war. Nach [1Sam 30,1] wurden die Amalekiter wieder mächtig. Die Reste derselben wurden erst unter Ezechias vernichtet. [1Chr 4,43] Agag war der gemeinsame Name der Könige von Amalek, wie Pharao der Könige von Ägypten. Schon Balaam hatte geweissagt [4Mos 24,7], dass Agag von Israels König werde vernichtet werden. - tötete er mit der Schärfe des Schwertes.9 Indes SaulVergl. V. 15, wo er das Volk anklagt. - und das Volk schonten Agags und der besten Herden von Schafen und Rindern und der Kleider und Widder, und alles dessen, was schön war, und wollten es nicht vernichten; alles aber, was schlecht und verächtlich war, vertilgten sie.10 Da erging das Wort des Herrn an Samuel, also:11 Es reut mich,Da Saul sein Verhältnis zu Gott durch Ungehorsam verletzt hat, war Gottes Wohlgefallen aufgehoben, was hier als Reue Gottes bezeichnet wird. Auch der gewählte Ausdruck bezeichnet keine Wandelbarkeit in Gott, sondern den Schmerz der göttlichen Liebe über das Widerstreben des Sünders. - dass ich Saul zum Könige gemacht habe; denn er hat mich verlassen und meine Worte nicht durch die Tat erfüllt.Saul vernachlässigte die Bedingung, deren Hintansetzung an seiner Person gestraft werden sollte [1Sam 12,25], deshalb wird nicht wieder seine Nachkommenschaft von der Thronfolge ausgeschlossen, sondern er selbst verworfen. Vergl. [1Mos 6,7]. - Und Samuel ward betrübt und rief die ganze Nacht hindurch zu dem Herrn.Aus Liebe zu Saul. Vergl. [1Sam 16,1]. -12 Als sich nun Samuel bei Tagesanbruch erhob, um früh zu Saul zu gehen, ward Samuel berichtet,Samuel hatte wahrscheinlich in Rama eine göttliche Offenbarung und wollte nun den König in Karmel aufsuchen, das nahe bei Rama war. Doch Saul war über Erwarten schnell nach Galgala hinabgezogen. - dass Saul nach KarmelNicht der Berg sondern die im Süden Judas liegende Stadt Karmel. [Jos 15,55] - gegangen sei und sich einen Siegesbogen errichtet habe und wieder zurückgekehrt,Sich gewendet habe; denn er kehrte nicht in derselben Richtung zurück. - weitergezogen und nach Galgala hinabgegangen sei. Da kam Samuel zu Saul, Saul aber opferte dem Herrn gerade ein Brandopfer von den Erstlingen der Beute, welche er Amalek abgenommen hatte.13 Als nun Samuel zu Saul kam, sprach Saul zu ihm: Gesegnet seiest du von dem Herrn!Gewöhnliche Grußformel. [Rut 2,20, 1Mos 14,15] Saul lügt in der Hoffnung, den Propheten täuschen zu können. - ich habe des Herrn Wort erfüllt.14 Da sprach Samuel: Und was ist das für ein Blöken von Herden, welches in meine Ohren tönt, und für ein Brüllen von Rindern, welches ich höre?15 Saul sprach: Von Amalek haben sie diese hergebracht; denn das VolkAlso nicht Saul, sondern das Volk hat das Gebot Gottes übertreten, und das in der löblichen Absicht, dem Herrn das Beste von dem erbeuteten Vieh als Dankopfer darzubringen. - hat die besten Schafe und Rinder verschont, um sie dem Herrn, deinem Gott,Du kannst es also nicht missbilligen. Doch wurde nicht das Fleisch von Dankopfern zu Opfermahlzeiten verwendet? - zu opfern: das übrige indes haben wir getötet.16 Samuel aber sprach zu Saul: Lass mich dir kundtun,Hebr.: Lass ab (dich weiter zu entschuldigen), ich will dir kundtun. - was der Herr zu mir in der Nacht gesprochen hat.Samuel erkennt die Weisheit und Gerechtigkeit des Ausspruches an, über den er so betrübt gewesen. Deshalb verkündet er ihn jetzt Saul mit Strenge. - Er antwortete ihm: Rede!17 Da sprach Samuel: Bist du nicht, als du in deinen Augen gering warst,[1Sam 9,21] - das Haupt über die Stämme Israels geworden? Und hat dich nicht der Herr zum Könige über Israel gesalbt?18 Dazu hat der Herr dich auf den Weg gesendet und gesprochen: Ziehe hin und töte die Sünder von Amalek und kämpfe gegen sie bis zu ihrer Vernichtung!19 Warum hast du also nicht auf die Stimme des Herrn gehört, sondern hast dich der Beute zugewendet und hast übel getan in den Augen des Herrn?20 Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe ja auf die Stimme des Herrn gehört und bin den Weg gewandelt, auf den der Herr mich gesandt hat, und habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und Amalek getötet.Auch jetzt noch will Saul sich rechtfertigen und die Verschonung des Viehs auf das Volk schieben. -21 Aber das Volk nahm von der Beute Schafe und Rinder, das Beste unter dem, was erschlagen wurde, um sie dem Herrn, seinem Gott, in Galgala zu opfern.22 Samuel entgegnete: Will der Herr etwa Brandopfer und Schlachtopfer und nicht vielmehr, dass der Stimme des Herrn Gehorsam geleistet werde?Josue hatte keinen König geschont. [Jos 8,2-29; Jos 10,26-41, Jos 11,10-17] Saul hatte Josues Werk an den Amalekitern zu vollenden. Da dies V. 3 als eine heilige Sache hingestellt wird, ist Sauls Ungehorsam einem Raube am Heiligtume gleich. Vergeblich also schützt Saul die Religion vor (V. 15) und lügt. (V. 8, 15) - Denn Gehorsam ist besser als Schlachtopfer und folgen mehr wert, als das Fett der Widder opfern.Das Fett ward Gott als der beste Teil des Opfers dargebracht. Der ganze Opferdienst hatte nur so weit Wert, als er aus Gehorsam gegen das Gebot geübt ward. Zudem ist das Opfer des Fleisches von Tieren nur Abbild des Opfers des eigenen Willens durch den Gehorsam. Vergl. [Koh 4,17, Mt 9,3]. Endlich konnten jene Tiere nicht Gott geopfert werden, weil sie ihm schon kraft des Bannes gehörten und getötet werden mussten. -23 Denn widerspenstig sein, ist wie die Sünde der Wahrsagerei und nicht gehorchen wollen, wie das Laster der Abgötterei.Saul hatte selbst Wahrsager und Götzendiener ausgerottet, darum musste ihn dieser Vorwurf umso härter treffen. Auf beide Verbrechen stand die Todesstrafe, welche über Saul in Form der Verwerfung vom Königtume ausgesprochen wird. - Dafür also, dass du das Wort des Herrn verworfen hast, hat auch dich der Herr verworfen, dass du nicht König seiest.Saul hätte Gottes Strenge aus Achans Beispiel kennen sollen [Jos 7], zudem hatte er selbst den für des Todes würdig erklärt, der gegen das Verbot des Königs Honig kostete. Von dem Augenblicke an, wo Saul nicht mehr Gottes Befehle vollstrecken wollte, sondern eigenmächtig handelte, empörte er sich gegen Gott als den höchsten König Israels. So wie Saul durch die erste Salbung nicht sofort die Königswürde in ihrer Vollkommenheit erlangte, sondern erst durch die Erwählung, durch das Los und die Anerkennung des Volkes, so war auch Saul durch diese geheime Zurechtweisung nicht abgesetzt, denn V. 31 bezeigt Samuel dem Saul noch vor dem Volke durch seine Ehrerbietung, dass er ihn als König anerkennt, wie auch David Saul stets als „Gesalbten des Herrn“ verehrt. (Vergl. V. 31) – Mit der Verwerfung als König war für Saul nicht die Strafe der ewigen Verwerfung ausgesprochen. -24 Saul sprach zu Samuel: Ich habe gesündigt, weil ich des Herrn Rede und deine Worte übertreten habe, aus Furcht vor dem Volke und seiner Stimme gehorchend.Bei einer Sache, die leichter eine Entschuldigung zuließ, sagte er nur: Ich habe das Opfer aus Not dargebracht. [1Sam 13,12] Hier kennt Saul gar keine Aufrichtigkeit und verwickelt sich in Lügen und zweideutige Worte. Zuerst heuchelt er die Freude eines guten Gewissens: Ich habe erfüllt…. Vom Propheten zurechtgewiesen, hat er die Religion als Schild zur Hand, schiebt alle Schuld auf das Volk und verrät sich doch zugleich durch das Wort: deinem Gotte. Im Namen Gottes vom Propheten zurechtgewiesen, fängt er seine Entschuldigungen wieder von vorn an, bis er endlich seine Schuld gestehen muss. Bei der früheren Zurechtweisung [1Sam 13] wollte er Gott noch dienen, jetzt kennt er nur mehr seinen Ehrgeiz. Des Propheten Drohung sucht er zuerst dadurch unwirksam zu machen, dass er denselben an seinem Opfer will teilnehmen lassen, dann fordert er wenigstens Ehre vor den Ältesten des Volkes. Nur die Herrschaft zu behalten, die Gott ihm abgesprochen, ist sein Streben. Den Propheten scheint er seit diesem Ereignisse gemieden zu haben, denn er befragt ihn nicht, als er die in Machmas besiegten Philister verfolgt. Ebenso wenig lädt er ihn nach dem Siege über die Amalekiter zum feierlichen Opfer ein. Es ist auch kaum zweifelhaft, dass Samuel selbst bis zu dem eben erzählten Ereignisse Saul seltener aufgesucht hatte. Nun endlich, da Saul nicht auf seine Mahnungen hört, lässt er zur Strafe ab, ihn zu ermahnen. Doch er betet weiter für den König Saul. -25 Nun aber bitte ich, nimm meine Sünde hinwegDurch Vertilgung aus dem Gedächtnisse, durch Nachlass. [1Mos 4,13, 1Mos 50,17] - und kehre mit mir um, dass ich den Herrn anbete.Das Opfer kann ohne großes Aufsehen nicht mehr unterlassen werden, deshalb wohne demselben bei und zeige durch deine Anwesenheit, dass Gott die Gaben aus der Beute angenehm sind. -26 Samuel sprach zu Saul: Ich werde nicht mit dir umkehren. Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, so hat der Herr auch dich verworfen, dass du nicht König seiest über Israel.27 Als nun Samuel sich umwandte, um wegzugehen, ergriff jener den Zipfel seines Mantels; dieserWohl die angenähte Quaste. Das Ereignis hatte symbolische Bedeutung. ([4Mos 15,38] vergl. [1Koe 11,30]) - aber riss ab.28 Da sprach Samuel zu ihm: Der Herr hat heute das Königtum über Israel von dir gerissen und es deinem Nächsten gegeben, der besser ist als du.29 Und der Sieger in Israel wird nicht schonen und es wird ihn nicht gereuen;Was Gott bedingungsweise bestimmt, kann ihn „gereuen“. - denn er ist kein Mensch, dass er Reue empfinden sollte.30 Jener aber sprach: Ich habe gesündigt;Er fügt nicht wieder bei: Aber nimm die Sünde hinweg. Er tut nicht wahrhaft Buße, sondern verlangt nur geehrt zu werden. (Greg., Bernh.) - aber erweise mir jetzt vor den Ältesten meines Volkes und vor Israel Ehre und kehre mit mir um, damit ich den Herrn, deinen Gott, anbete.31 Da kehrte Samuel um und folgte Saul; und Saul betete den Herrn an.Dem Rechte nach blieb Saul König, bis die in V. 28 ausgesprochene Drohung von Gott ausgeführt war. Aus diesem Grunde konnte Samuel ihn ehren, doch tat er dies so, dass er zugleich Gottes Auftrag nicht vernachlässigte. -32 Dann sprach Samuel: Führet Agag, den König von Amalek, zu mir her! Da brachte man ihm den Agag, der sehr fett war und zitterte. Und Agag sprach: So also scheidet der bittere Tod?Hebr…. Agag kam voller Freude und sprach (in seinem Herzen): Fürwahr, die Bitterkeit des Todes ist gewichen. – Er wusste, dass Saul ihm günstig war, und hoffte, da er vor dem Propheten erscheinen soll, dass auch dieser von Saul beschwichtigt ist. -Der Tod Agags
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.33 Samuel sprach: Gleichwie dein Schwert die Frauen kinderlos gemacht hat, so sei auch deine Mutter unter den Frauen kinderlos.Das Recht der Wiedervergeltung wird an ihm geübt. - Und Samuel hieb ihn in Stücke vor dem Herrn in Galgala.Vor dem Altar. -34 Darnach ging Samuel nach Ramatha, Saul aber zog in sein Haus nach Gabaa hinauf.35 Und Samuel sah den Saul nicht mehr bis zum Tage seines Todes,Samuel aber besuchte (so kann das Hebr. übersetzt werden) Saul nicht wieder. Er sah ihn noch einmal [1Sam 19,24], aber nicht um ihn zu ehren, nicht von Gott gesendet, nicht vom Könige berufen, nicht aus eigenem Antriebe. Ein wie ganz anderer Saul stellt sich hier dar als [1Sam 13]! aber dennoch trauerte Samuel um Saul, weil es den Herrn reute, dass er ihn zum Könige über Israel gesetzt hatte.