1. Samuel 16

2. David von Gott an Stelle Sauls erwählt, wird von Samuel insgeheim gesalbt, durch viele vom Herrn vereitelte Nachstellungen seines Nebenbuhlers im Vertrauen auf Gott gestärkt und zur Annahme der Herrschaft vorbereitet. (16,1 – 31,13) 1. Geschichte Davids bis zu seinem Aufenthalte am Hofe. (16,1 – 18,9) A. Nach Verwerfung Sauls salbt Samuel auf Gottes Geheiß David, den jüngsten Sohn Jesses, zum König über Israel. (V. 13) B. Bald darauf wird David zum wiederholten Male an den Hof Sauls berufen, in den nach seiner Verwerfung ein böser Geist gefahren ist, um ihm durch sein Saitenspiel Erleichterung zu schaffen.

Und der Herr sprach zu Samuel: Wie lange trauerst du um Saul, da ich ihn verworfen, dass er nicht herrsche über Israel? Diese Trauer entsprang aufrichtiger Zuneigung zu Saul, scheint also Gott nicht missfallen zu haben. [1Sam 15,11] - Fülle dein Horn mit Öl und komm, dass ich dich zu Isai, dem Bethlehemiter, sende; denn unter seinen Söhnen habe ich mir einen König ersehen. Gott offenbart den Erwählten nach und nach. Zuerst hatte er einst die Stunde kundgetan, dann Saul bezeichnet, hier nennt er zuerst die Söhne Isais, dann bezeichnet er David. - Samuel aber sprach: Wie kann ich hingehen? Wird doch Saul es hören und mich töten. Der Herr sprach: Nimm ein junges Rind von der Herde mit dir und sprich: Dem Herrn zu opfern bin ich hergekommen! Die allgemeinste seiner Absichten. Er pflegte sicher an verschiedenen Orten Opfer darzubringen. - Und lade Isai zum Opfer, Zur Opfermahlzeit. - alsdann werde ich dir zeigen, was du tun sollst, und du wirst den salben, den ich dir immer bezeichnen werde. Da tat Samuel, wie der Herr zu ihm geredet hatte. Als er nun nach Bethlehem kam, verwunderten sich die Ältesten der Stadt und gingen ihm entgegen und sprachen: Ist dein Kommen friedebringend? Die Ältesten fürchten sich, weil sie Sauls Gesinnung gegen den Propheten kennen. Wie hätten sie also zugegeben, dass er einen neuen König salbte, hätte er diese Absicht kundgegeben? - Er sprach: Friedebringend; dem Herrn zu opfern bin ich gekommen, heiliget euch [2Mos 19,10, 3Mos 22] - und kommet mit mir, dass ich opfere. Sodann heiligte er Isai und dessen Söhne und berief sie zum Opfer. Da sie nun eintraten An die Opferstätte kamen. - und er Eliab erblickte, sprach er: Ist dieser vor dem Herrn dessen Gesalbter? Der Herr aber sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Angesicht, noch auf die Höhe seiner Gestalt; denn ich habe ihn verworfen, und urteile nicht nach dem Äußeren des Menschen; denn der Mensch sieht auf das, was sichtbar ist, der Herr aber schaut in das Herz. Hebr.: Der Mensch sieht auf die Augen, der Herr aber auf das Herz. - Da rief Isai den Abinadab und führte ihn vor Samuel. Er aber sprach: Auch diesen hat der Herr nicht erwählt. Nun führte Isai Samma herbei, aber auch von ihm sagte er: Auch diesen hat der Herr nicht erwählt. So führte Isai seine sieben Söhne Samuel vor; doch Samuel sprach zu Isai: Keinen von diesen hat der Herr erwählt. Da sprach Samuel zu Isai: Sind denn dies schon deine Söhne alle? Er antwortete: Noch ist der Jüngste Er war aber kein Kind mehr: [1Sam 17,34ff] - übrig; er hütet die Schafe. Und Samuel sprach zu Isai: Sende hin und lass ihn holen; denn wir werden nicht eher zu Tische gehen, als bis er hierher kommt. Da sandte er hin und ließ ihn kommen. Er war aber rötlich Dies galt bei den sonst schwarzhaarigen Südländern als Schönheit. - und wohlgebildet von Gestalt und schönen Angesichts. Und der Herr sprach: Auf, salbe ihn, denn dieser ist es! Da nahm Samuel das Ölhorn und salbte ihn inmitten seiner Brüder, Diese wussten indes nicht, was die Salbung bedeutete. - und der Geist des Herrn kam auf David von diesem Tage an und hinfort; Der ihn lehrte die Psalmen dichten, doch auch der Geist der Klugheit und Tapferkeit. - und Samuel machte sich auf und ging nach Ramatha. Der Geist des Herrn aber wich von Saul Da Saul im Sündenstande eine Zeit lang beharrte, ist es wohl der Geist der Weisheit und Stärke, eine Gnadengabe, die auch der Sünder besitzen kann, welche ihm entzogen ward. Als Judas die apostolische Gnade genommen ward, fuhr auch in ihn Satanas. (Theodor) - und ein böser Geist vom Herrn plagte ihn. Dieser böse Geist wohnt Saul nicht inne, sondern fällt ihn häufig an, indem er das von Gott verlassene Herz in Verwirrung bringt. Dieser Geist ist in soweit von Gott, als er auf Gottes Fügung und Erlaubnis ihn heimsucht. Vergl. [Rich 9,25, 1Koe 22,21]. Der Zustand Sauls wurde nach der Meinung jener Zeit dem Teufel als Haupturheber zugeschrieben, dessen Angriffen sein Herz ja in der Tat mehr als sonst ausgesetzt war. So gibt er sich denn jetzt Gedanken des Argwohns, der Traurigkeit, der Gewalttätigkeit, der Verzweiflung hin. Er wusste, dass er von Gott als König verworfen war, und vermutete, dass der Herr bereits einen andern bestimmt hatte. Vielleicht vernahm er unbestimmte Gerüchte von einer Salbung. Diese Herzensbeschaffenheit bot dem bösen Geiste Anknüpfungspunkte und reizte Saul zu vielen Freveln, wie zu den wiederholten Nachstellungen gegen David, der Tötung der Priester in Nobe u.a. Beides erkannten seine Diener und suchten einen Mann, der mit heiligen Liedern und gottbegeisterten Melodien den Trübsinn bannte und durch heilige, gotterfüllte Ansprachen Sauls Herz zu Gott wendete. So kam David an den Königshof, um zu lernen, was er bei seinem Amtsantritt werde zu tun und was zu meiden haben, um dem Herrn wohlgefällig zu sein und vor Sauls Schicksal bewahrt zu bleiben. Nachdem Sauls Zustand sich gebessert, kehrte David zur Herde heim. - Da sprachen die Diener Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott plagt dich! Unser Herr gebiete, und deine Diener, die vor dir stehen, werden einen Mann suchen, der des Harfenspieles kundig ist, dass er, wenn der böse Geist vom Herrn dich ergreift, mit seiner Hand spiele und es dir leichter werde. Saul sprach zu seinen Dienern: So sehet euch für mich nach einem Manne um, der schön spielt, und bringet ihn zu mir her. Einer von den Dienern antwortete und sprach: Siehe, ich habe den Sohn Isais, einen Bethlehemiter, gesehen, der des Spielens kundig und gewaltig an Kraft Er hatte dieselbe im Kampfe mit Goliath gezeigt – (nach hebr. Texte und der Vulg., nicht so nach der Septuag). - und ein streitbarer Mann ist, klug in Worten, ein schöner Mann, und der Herr ist mit ihm. Da sandte Saul Boten an Isai und ließ ihm sagen: Sende deinen Sohn David, der bei den Schafen ist, zu mir. Da nahm Isai einen Esel, belud ihn mit Brot und einem Kruge Wein und einem Ziegenböckchen und sandte dies durch seinen Sohn David an Saul. Und David kam zu Saul und diente ihm; dieser aber gewann ihn sehr lieb und machte ihn zu seinem Waffenträger. Er verlieh ihm diese Würde: etwa Adjutant. - Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David mir zu Diensten stehen, denn er hat in meinen Augen Gnade gefunden. So oft nun der böse Geist vom Herrn über Saul kam, nahm David die Harfe und schlug dieselbe, dann erholte sich Saul und es ward ihm leichter, denn der böse Geist ließ von ihm ab. Siehe Anm. 14 – damit ist freilich dann nicht leicht zu vereinigen, dass David wieder zur Herde zurückgekehrt sein sollte vor dem Kampfe mit dem Philister.

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